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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-01 · 9 (1.3.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
9 (1.3.1901)
Date
1901-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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»eite 148 Broch s Wochrttfr^rM Nr. 9 Schweinsrippchen im Munde! Zuerst die Lossagung von aller überlieferten Sitte, Verachtung des Gottesglaubeus, Verabscheuung jeder religiösen Handlung, und jetzt alles das vorstellen, was man nicht rst. uno seinen Brüdern oas preisen, was man selbst nicht glaubt und nicht befolgt! Wer aber all diese seltsamen, innerhalb des Judenthums besremdltchen Erscheinungen ovjeclw zu wurbrgeu unternimmt, dem hat Dr. Ätordau hiezu die überzeugendsten Behelfe selbst an dre Hand gegepen. Dr. Max Nord au setzt seinem Buche „Entartung", Berlin 1696, emeu Brief an Professor L o m b r o s o in Turin voran, uiw hier schreibt er: „Die Entarteten sind nicht immer Verbrecher, Prostituirte, Anarchisten und erklärte Wahnsinnige, sie sind manchmal Schriftsteller und Künstler." „Bücher und Kunstwerke üben eine mächtige Suggestion aus die Massen. Aus ihnen schöpft ein Zeitalter sein Ideal von Stttlichkett und Schönheit. Wenn sie nun unsinnig und gesellschastsseinblich sind, so wirken sie verwirrend und verderbend aus die Anschauung emes ganzen Geschlechtes. Dieses, namentlich die eindrucksfähige, sich für alles Seltsame und scheinbar Neue leicht begeisternde Jugend, muß deshalb gewarnt und über die wirkliche Natur der blino bewunderten Schöpfung aufgeklärt werden." „Der getroffene Schriftsteller oder Künstler verzeiht es nie, daß man ihn als G e i st e s k r a n k e n oder als E r s o l g s ch w i n d l e r erkannt hat, und das Publicum ist geärgert, wenn es einsehen'muß, oas es hinter Narren, Zahnbrechern und Jahrmarklsrufern wie hinter Propheten hergelaufen ist." Ja wohl! Das ist auch die einzige Wahrheit, die aus Nordau's „Entartung" oder richtiger aus dem großen Gedankenschatze des Psychiaters Cesare Lombroso hervorleuchlet. Und deshalb habe ich in genauer Prüfung und Erkenntnis der von Dr. Nordau uns empfohlenen Gyenopotttlk in meinen bisherigen gegen ihn gerichteten Aussätzen die psychopathischen Merkmale dieser, von dem großen aber unverstandenen Geiste Nordau's ausgehenden prophetischen Emanation verfolgt und als das bezeichnet, was sie ist, als — Psychose. Was ist nun Entartung? Eme Art moralischen Irrsinns! „Die beiden psychologischen Wurzeln desselben in allen Entwicklungsgraden sind einmal eme ungeheuerliche Selbstsucht — er kennt nichts als sich — und zweitens die Impulsivität, d. h. das Unvermögen, irgend einem plötzlichen, rnnern Antrieb zu einer Handlung widerstehen zu können", also z. B. ein Messias uno Führer in Israel werden zu wollen, und zu diesem Zwecke dre Juden i n den Zwinger des Ghettos zu sperren. „Der gemeinsame Charakter aller solcher Menschen-Erscheinungen ist, daß sie nicht ihre wirkliche Elgenarr geben, sondern etwas darstellen wolle», was sie nicht sind. — Ihr fixer Gedanke ist, grell auszusallen!" Das ist Nordau! Er ist der Typus des Entarteten. Ich habe in Dr. Nordau, oer sich ut seinem Großenwayne die Führerschaft m Israel usurpirr, um, wie er sagt, oas Volk der Juoen zu beglücken und einer glanzenden Znkuusl enlgegenzusühren, vorerst nur den Gottes- und NellgionSverachter gezeigt — ich werde jetzt ln diesem großen Politiker, der als Erlöser unseres Volkes, als unser Messias die Erwerbung Palastmas und öie Umstulpung aller politischen Verhältnisse plant, auch dre wlchlgste hiezu erforderliche diplomatische Qualität rn ihm zeigen — seine allgemeine Mens cyenverachtuug. Dr. Nordau ist nicht nur em G o l t e ssondern auch ein Menschenoerächter. Aus Seite 342 seiner „Conveutionellen Lügen" sagt er: „Wenn man m Lüge gevoren wird uiiv auswächst und wenn man lügen muß, so oft man den Muuo austhur oder zu den staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen handelnd in Beziehung irrn, wie will man da em grader Charakter bleiben uno mi Privatleben wahr sein? Aller gesellschaftlicher Verkehr hat diesen Charakter oer Äerlo geuheit." Sind dann Ihre Lehren, Herr Dr. Nordau, die Sie dem Zionismus und dem ganzen Volke Israel predigen, auch wahr? Müffeu wir nicht besorgen, daß Ihre und Dr. Herzl's Lehren ebenfalls den Charakter der Verlogenheit trageii? Essen wir nicht besorgen, daß so oft Sie -Beide „den Mund aufthun und zu den staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen in Beziehung treten", immer nur lügen? Dr. Nordau sagt weiter: „Thatsächlich ist ungefähr jede Berührung eines Menschen mit seinem Nachbar eme Heuchelei und Unwahrheit. Wir wünschen einem Vorübergehenden einen guten Tag und würden am liebsten hören, er habe sich beim nächsten Schritte beide Beine gebrochen. Wir fordern einen Besucher aus, bald wieder zu kommen und haben bei seinem Anblick dieselbe Empfindung, wie wenn wir unversehens eine Blindschleiche berühren". Ist das nicht Entartung, nur der fixe Gedanke, grell auszusallen? Und Männer mit solchen Maximen*) und solch verderblicher und vergiftender Lebensanschauung wollen die Erlöser Israels fein und Zion wieder aufrichten! Dr. Nordau ist in jeder seiner Emanationen, in jeder Aeußerung seines literarischen Schaffens durchwegs paradoxer widerspricht Allem, er verachtet Alles, er zerstört Alles! Er will das Judentyum zerstören, um ein neues auszubauen, natürlich em atheistisches.— ein Freiland des Atheismus iu Palästina! — Sein plötzlicher Sprung aus seiner Gottes- und Menscheliverachtuug in das Judenlyum und m die an gemaßte Führerschaft desselben, ist em so crasser Conlrast zu seiner visherlgeu Leoensführung, daß, ohne zu übertreiben, von ihm behauptet werden darf: Sem ganzes Leben und Schaffen ist nur der Trieb des Widerspruches und die Eitelkeit, grell auszufallen. „Die Entarteten", sagt Nordau, „sind auch hochmüthig eitel uno aufgeblasen". — Das stimmt. — Werden nämlich diese, Merkmale aus Nordau's Veryalleu als Zlonisteusüyrer umgesetzt, so ist auch sein Hochmuth, sem Größenwahn, seine Aufgeblasenheit und seine Eiielkett, die feinen Widerspruch duldet und gleich nur wülyend mit „Maulschellen", „Eseleien", „Pack" uno „Strolchen" um sich schlagt, psychologisch erklärt. Weiin aber die e l g e n e n I ü n g e r N o r o a u's, die gewohnt sind, ihm seine Prahlereien unter Augenverbrehuugen im Schafchor nachzuvlöcken, an ihrem Meister endlich auch irre werden und ferne Widersprüche und Verschwommeiiheiteu nicht verstehen können, wie dies dem „lieben Freunde" Dr. Bodenheimer in Köln und dem Redacleur Polak m Amsterdam passirl ist, — dann schenkt er ihnen sem „Mitleid", weil sie ihn nicht verstände» haben, und gibt eine Offenbarung von sich, die dem Zungenreden des Evangeliums gleicht und von ihm selbst auch nicht verstanden wird. — Die Gegner aber werden beschimpft. „Schimpfen aber", sagt Nordau in seiner „Entartung" S. 386, „heißt nicht erklären, und wenn bewußten Schwindlern gegenüber, die nach Zahnbrecher-Art den wilden M a n n spielen, um den Marklleuten Geld herauszulocken, die schärfste Abfertigung angebracht ist, so ist aufrichtigen Schwachlöpsen gegenüber Aerger und Spott Nicht am Platze. „Die Symbolisten — sprich Herzt — Zionisten, — soweit sie ehrlich Ent- *) Fast möchte es erscheinen, als ob die parteiorthodoxen Anbeter Nordau's beurüht sind, ihren gegenseitigen Verkehr und ihr gegenseitiges Verhalten nach dem Codex des Meisters sich einzurichten. So reder z. V. Dr. Theodor Herzt in den Unterhaltungen unt dem Präsidenten David Ritter v. G u t m a n n von seinen engsten Parteifreunden in solch abfälligem und abweisendem Tone, daß der Herr v. Gutmann die Ueberzeugung gewinnt und weitergibt: „Herrn Dr. Herzt ist selber vor feinen Leuten mieß." Dafür spricht Herr Dr. Kellner in gleichem Tone von dem Parleichef Dr. Theodor Herzt vor — dem Oberrabbiner Dr. Güdemann. Ferner: Im Hochsommer des Jahres iyou erschien emes Tages Herr Dr. Leon Kellner im Bureau emes bekannten jüdischen Schriftstellers, um ihn als Mitarbeiter für das officlelle Zionistenorgan „Die Welt" zu werben, und sagte ihm bei dieser Gelegenheit wörtlich: „Ich weiß ja, Sie sind mit uns Nicht zufrieden, weil wir gegen die Großen nachsichtig sind und den Oberrabbtner zu sehr schonen. Jetzt wird es anders, ich selber übernehme die Redaclion der „Welt" und nun werden wir nach beiden Selten scharf loSgehen." Die Werbung war erfolglos; der betreffende Schriftsteller weigerte sich, an einem zionistischen Blatte überhaupt milzuarbeiten, und hielt es in unserer Zeit für ein gefährliches Experiment, „den Teufel durch Beelzebub ausrreiben"zu wollen. Im Atonal Februar iyoi abet erscheint Herr Dr. Leon Kellner vor dem Oberrabbmer Dr. Güdemann, um ihm zu versichern, daß er den schuldigen Respecl vor dem ehrwürdigen Träger eines solchen Amtes n i e, wenigstens mit Bewußtsein nicht, außer Acht gelassen oder gar verletzt habe. Für die Schunpferei eines Blattes von dem Genre der „Welt" dürfe man ihn, Herrn Dr. Kellner, doch nicht verantwortlich machen. Commentar entbehrlich! (Die Redaction).

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