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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-22 · 8 (22.2.1901) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Blocht WochrnsthrM. Sette 141 Josef Holetschek erschien in der Schule und richtete an denselben eine überaus warme Ansprache, in der er die Verdienste des Jubilars würdigte. Da Herr Ehrenfest zugleich in der hiesigen Bezirks-Cultusgemeinde den Religionsunterricht ertheilt, so wurde derselbe von Sr. Ehrwürden dem Herrn Bezirks-Rabbiner Dr M Rosenmann in der Mädchen-Bürgerschule mit einer belobenden Ansprache beehrt. Den Kulminationspunkt erhielt die Feier beim Nachmittags abgehaltenen Jugendgottesdienste. Anschließend an die Erzählung des Wochenabschnittes, daß Moses, der große Erzieher unseres Volkes, zur Unterstützung seines Werkes sich Männer erwählte, „die mit ihm die Last trugen", wws der Herr Bezirks-Rabbiner darauf hin, daß der Se.lsorger nur mit Hilfe der ReUgionslehrer seine heilige Aufgabe, die Jugend der Golteslehre zu weihen, Nachkommen kann. Mit dem Wunsche, daß es dem Herrn Jubilar noch ferner gegönnt sein möge, seines heiligen Amtes walten zu können, schloß die geistreiche Ansprache. Der Gefeierte und die Anwesenden waren bis zu Tyränen tief gerührt, und mtt dem Bewußtsein, daß einem Würdigen die richtige Ehre zutheil geworden, verließen die Versammelten das Gotteshaus. Wie wir erfahren, stehen dem beliebten Jubrlar noch weitere Ehrungen bevor. Prag. Am Mittwoch den 20. d. M. beging Herr S. G o l t t i e b, Religlvnslehrer in Weinberge, mit seiner Frau Anna, geb. Stein, das Fest der silbernen Hochzeit. Pilsen. Die Hochzeit des Herrn Oskar Stingl aus Marienbad mit Fräulein Rosa Weißt fand am 10. d. im Tempel zu Pilsen um 1 Uhr Nachmittags unter sehr großer Betheiligung statt. Die Beliebtheit, deren sich der Bräutigam in allen Schichten wett und breit erfreut, docümentlrte sich durch die große Anzahl von Depeschen, deren über 500 einliesen. Aus diesem freudigen Anlasse haben die Eltern des Bräutigam wie stets bei derartigen Anlässen ihrem wohlthätigen Herzen freien Lauf gelassen, indem sie sehr viele jüdische Arme aus Marienbad und Umgebung in reichlichster Weise bedachten. Warasdm. Zar Feier der sitbernen Hochzeit des Ehepaares Herrn David und Frau Hermine Königsberg wird uns berichtet, daß das Jubelpaar eine im Atelier Schlesinger in Wien kunstvoll angesertigte werthvolle, goldgestickte weiße l Plüschvecke für den Vocbetertisch des hiesigen Tempels widmete^ und dem Präses des Tempelvereines Herrn Max Berger überreichte. Die silberne Hochzeitsfeier verlief in würoiger Weise und gab Veranlassung zu Sympathiekundgebungen aller Kreise der israelitischen Gemeinde für das silberne Hochzeitspaar. Sch. TroPPau. (V o m s ch l e s i s ch e n L a n o e s s ch ulr athe.) Se. Majesiar der Kaiser hat den kaiserl. Rath Ferdinand Q u i t t n e r, Fabrikanten, hier, zum Mitgliede des Landesichulrathes in Schlesien für Die Dauer der nächsten sechsjährigen Functionsperivoe ernannt. Krakau. Die hiesige Stadtgemeinde hat ein Armendepartement errichtet und voll unseren Glaubensgenossen zu Armenräthen ernannt: Den Präsioeilten der CultuSgemeinoe Herrn Dr. Leon Horowltz, den Landes- und Gerichtsadvocalen Dr. Raphael Landau, Banquier Epstein, den Großindustriellen Norbert Wasserberg, den Bankoirecwr Eduard Goldwasser und Apotheker Rvsenberg. Als Obmann der Armenabtyeilung fungirt der Gememderaly Herr Dr. Ludwig Lustgarten. TrenkSön-Eäan im Februar. Ain Erew-Rosch-Chodesch hat Se. Eyrwürdell Herr Oderrabdiner M. Reich vor einem zahlreichen Auditorium eine Trauerrede gehalten auf das Andenken des berühmien R. D. Ullmann, des unvergleichlichen Philanthropen zadik jessod oiom, S. W. F. v. Rothschild und des hochgelehrten R. M. Tauber in W.-Neustadtl. Die geistreichen Ausführungen des Redners übten eure mächtige Wirkung. Einige Tage vorher hatten wir hier einen »Sijum" auf Pessochim, bei welchen außer Ehrwürden Herrn Rabbiner M. Reich Herr Cultusvorsteher Jg. Ochs, die Herren Vorstandsmitglieder Jg. Douath, Herrn. Löwenbein, H. Rosenberger, I. Feldmann und zahlreiche Vereinsmitglieder der »Sch. Thorah" anwesend waren. Während der fünfstündigen Dauer anrmirten Beisammenseins hörten wir den halachischen Vortrag zum Sijum und die treffliche Tischrede des Ehrwürden Herrn Rabbiner, den Rechenschaftsbericht des Herrn I. Donath und den Toast des Herrn Bezirksarzles Dr. Max Freind, Tit.-Phys., rc. auf unseren hochverehrten Herrn Rabbiner und auf das weitere Gedeihen der schönen Vereinigung. X. Waag-Neustadtl. Freitag den 15. Februar ist hier Frau Eharlotte Donath, die Gattin des angesehenen Kaufmannes und Präses der kaufmännischen Lesehalle Herrn Josef Donath, im 50. Lebensjahre, nach kurzem Leiden aus dem Leben geschieden. Dieselbe gehörte zu den Zierden der hiesigen Damen-Elue und war ob ihrer edlen Eharakter- und Herzenseigenschaften, die sie zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit bekundete, von Jedermann geschätzt und hochgeachtet. Die Armen nnd Leidenden verlieren in ihr eine Wohlthäterin, die ein waruifühlendes Herz und eine offene, stets hilfsbereite Hand für ihre unglückliche Mitmenschen ohne Unterschied der Confession hatte. Und was den Werth ibrer Wohlthätigkeit noch erhöhte, war die ungeheuchelie entgegenkommende Freundlichkeit und Leutseligkeit, mit welcher sie ihre milden Gaben reichte Dem hiesigen Frauen-Wohlthätigkeitsvereine, dessen Mitglied und Schriftführerin die Verblichene war, widmete sie warmes Interesse und eine überaus eifrige Thätigkeit in selbstloser Hingebung, und das Emporblühen sowie der bedeutende Aufschwung dieser humanitären Institution ist zum großen Theile ihrer regen Strebsamkeit und ihrer fördernden Propaganda zu verdanken. Wer diese wackere Frau noch vor wenigen Tagen mit ihrem noch blühenden, von Gesundheit strotzenden Exterieur in der Vollkraft ihres Wirkens sah, konnte nicht ahnen, daß dieselbe so jählings im Zenith ihres Daseins hinweggerafft werden wird. Die ungewöhnlich große Betheiligung an ihrem Leichenbegängnisse zeugte von der Beliebtheit und Werthschätzung, deren sich die Verewigte erfreute. An der Bayre würdigte der diplomirte Rabbiner Herr Dr. Schweiger ihre hohen Tugenden und seltenen Verdienste in einem warmen Nachrufe, welcher auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Der Hingang dieser edlen Frau wird von dem gramgebeugten Gatten und den zwei Kindern, sowie von Allen, die sie kannten, schmerzlich bedauert und betrauert und ihrem Andenken wird stets ehrenvolle Anerkennung zutheil werden. Hermann Fuchs. Pisek. Am 17. Februar fand das Leichenbegängniß der am U. d. M dahillgeschiedenen Frau Marie Sachs unter großartiger Betheiligung der hiesigen Einwohnerschaft statt. Die Verewigte ver- -diente in des Wortes edelster Bedeutung einen Lsebes chaail, eine wackere Frau, genannt zu werden. Sie hatte sich stets ihrer hohen Aufgabe als fromme tugendhafte Hausfrau, als zärtliche theilnahmsvolle Gattin, als überaus liebreiche, opferwillige Mutter auf die glänzendste Weise zu entledigen gewußt. In jüngeren Jahren war ihr ganzes Streben und Arbeiten, ihr Fühlen und Wollen dahin gerichtet, ihren Kindern — sie halte sieben Sühne und eine Tochter — eine treffliche Erziehung angedeihen zu lassen, sie zu würdigen und nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft heranzubilden, was ihr auch im Vereine mit ihren ihr allzufrüh entrissenen, sehr geachteten Gatten im vollsten Maße gelungen ist; denn alle ihre Söhne erfreuen sich derallgemeinen Achtung und Verehrung. Ihr ältester Sohn, Herr Dr. Simon Sachs, wirkt seit mehr denn drei Decennien hier als Stadt- und Gerichtsarzt, als Primarius des allgemeinen Krankenhauses wie als Präses der Cultusgemeinde äußerst segensreich. Ein zweiter Sohn, Herr Dr. Moritz. Sachs, ist Advocat in Prag und hat warmes Interesse für jüdische Angelegenhetten. Ein dritter Sohn, Herr Heinrich Sachs, ist k. k. Landesgerichtsrath in Kuttenberg. Die anderen Söhne sind sehr geachtete Kaufleute. Im Trauerhause widmete der Rabbiner der Verblichenen einen warmen Nachruf, in welchem er die Tugenden derselben besonders lobend hervorgehoben. Auf dem Friedhofe sprach der Rabbiner, nachdem die üblichen Trauergesänge vom Cantor vorgetragen wurden, ein tiefempfundenes Gebet. Friede ihrer Asche, himmlische Verklärung ihrem Geiste! Brody. Am 14. d. M. fand die Wahl eines Präsidenten für die hiesige Handelskammer statt. Als Solcher wurde Herr' Lasar Bloch mit einer bedeutenden Stimmenanzahl sowohl von Juden, wie auch von Christen, gewählt. Von 21 Kammerräthen gaben 18 ihre Stimmen diesem verdienstvollen Manne. Die Verleihung dieses Ehrenpostens bekundet deutlich, welche persona grata der neugewäylte Präsident ist, und gibt Zeugniß vonfeinem höchst biederen, in jeder Beziehung ausgezeichneten Charakter, von seinem rastlosen Streben und ersprießlichen Wirken um das Heil und Wohl unserer Stadt und Gemeinde, an deren Spitze er als Oberhaupt so vieler Institutionen thatkräftig steht und sich der allgemeinen Liebe, Verehrung und Zutrauens erfreut. M. M. Warschau. (V e r m i e t h u n g s b u r e a u.) In ein hiesiges Bermiethungsbureau kam jüngst eine jüdische Dame, um eine Köchin zu miethen. Ihr wurde eine Köchin vorgestellt, die ihr zusagte. Während sie die Börse zog, um die Gebühr zu erlegen, richtete sie an die Köchin die Frage: »Sie find am Ende Jüdin?" — »Gewiß, gnädige Frau". — »Dann kann ich Sie nicht engagiren, eine Jüdin kann ich nicht brauchen". — Die hier in Rede stehende Köchin hatte die gleiche Zurücksetzung aus dem nämlichen Grund schon wiederholt erfahren, obwohl sie die besten Zeugniffe hat und verdient. Die jüdischen Damen, die so handeln, wiffen nicht, wie schweres Unrecht sie begehen, das, ganz abgesehen von seiner inneren Verwerflichkeit, über kurz oder lang an ihnen selbst und an ihren Kindern sich rächen muß. Berlin. Die vielen an preußischen Gerichten wirkenden jüdischen Handelsrichter, die ihr Amt als Ehrenamt ausüben, fühlen sich, wie die »Montagzeitung" meldet, durch die Erklärung des preußischen Justizministers S ch ö n st e d t über die Grundsätze, die für die Verwendung jüdischer Justizbeamten maßgebend sind, vorletzt und leiten deshalb eine Bewegung ein, nach Beendigung ihrer übernommenen Verpflichtungen grundsätzlich aus die Ehre zu verzichten, dem Staate Dienste zu leisten.

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