Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 138 's wochrttschrin« Nr. 8 London. (ZurTH ronbesteigung König Eduard VII. von Englan d.) Die meisten Londoner und englischen Blätter überhaupt signalisircn die als einzig in der englischen Geschichte dastehende Thatsache, daß das Document, welches die Erhebung König Eduard VH. im Ensemble des Conseil Prive bestätigt und ausspricht, von vier Juden mitunterzeichnet wurde. Nämlich von Lord Pirbright, Sir George F a u v e l, Philips und Marcus Samuel. Alle diese Londoner und englischen Blätter verzeichnen die Thatsache mit Genugtuung und Befriedigung, indem sie hervorheben, daß noch vor nicht ganz 50 Jahren Juden in England weder ein öffentliches Amt bekleiden, noch im Parlamente sitzen durften. Sie erinnern daran, daß Lionel v. Rothschild, obgleich von 1837—1857 in London als Parlamentsmitglied gewählt, seinen Sitz im Hause der Gemeinen nicht einnehmen konnte, während derzeit vier Juden ihre Gegensignatur für die Thronbesteigung zu geben berechtigt waren, respective guasi die Erlaubnis zu geben hatten, daß der König von England von seinem Throne Besitz nehmen könne. Einen Commentar zu den Gegensätzen in den festländischen Staaten Frankreich, Dcutschland, insbesondere aber Oesterreich zu liefern, ist wohl überflüssig. Selbstverständlich speien die antisemitischen Blätter im Chorus Gift und Galle über die hohe Ehrung, die einer Anzahl Juden in England zutheil worden ist. Petersburg. (Eine kleine Besserung.) Im russischen Ministerium des Innern tagte im vorigen Jahre eine Commission, welcher die Aufgabe gestellt war, eine Anzahl größerer Dörfer in Städte umzuwandeln. Auf besonderen Wunsch der Regierung befaßte sich die Commission in erster Reihe mit dem jüdischen Aufiedelungsrayon, in welchem bekanntlich den Juden das Wohnen «ff dem platten Lande nicht gestattet ist. Infolge dieses Verbotes ist die Zahl der Juden in den Städten und Städtchen des Ansiedelungsrayons so groß, daß die jüdische Bevölkerung daselbst absolut nicht weiß, wovon sie da leben soll. Die russische Regierung sieht nun ein, daß das Auferthaltsgebiet der Juden wenigstens innerhalb des Ansiedelungsrayons selbst um etwas erweitert werden muß. Die Commission hat daher beschlossen, in erster Reihe in dem Wohngebiet der Juden möglichst viel Dörfern das Stadtrecht zu ertheilen und so auf Umwegen und, ohne die heiligen Maigesetze zu verletzen, das Wohngebiet der Juden zu erweitern. Die Gouverneure haben Ordre erhalten, aus ihrem Verwaltungsgebiet diejenigen Dörfer zu bezeichnen, die sie für geeignet halten, zu Städte zu avanciren, respective solche Dörfer namhaft zu machen, deren Beförderung zu Städte im Interesse der Juden wünschenswerth wäre. Es steht nämlich zu befürchten, daß eine große Anzahl von Gouverneuren in ihrer bekannten Abneigung gegen die Juden erklären würden, in'den ihnen unterstellten Gouvernements gäbe es keine Dörfer, deren Bevölkerung die zur Schaffung einer städtischen Verwaltung erforderlichen intelligenten Elemente aufzubringen vermag. Daher der sehr deutliche Wink von oben. Die russischen Juden werden diese kleine Erweiterung ihrer Bewegungsfreiheit als eine Abschlagszahlung und als einen Beweis des Wohlwollens der maßgebenden höheren Petersburger Regierungskreise ansehen. Die Regierung des Czaren Nikolaus U. beginnt eben einzusehen, daß auch die Juden treue und steuerzahlende Unterthanen sind, deren Interessen ebenso berücksichtigt zu werden verdienen, wie die aller übrigen Bewohner des weiten russischen Reiches. Cincinnati, 17. Jänner. Der neue Verwaltungsrath der Union amerikanischer israelitischer Gemeinden hat sich kürzlich durch Wiederwahl der seitherigen Beamten für die nächsten zwei Jahre reorganisirt, nämlich: Julius Freiberg, Cincinnati, Präsident; Samuel Woolner, Peoria. Illinois, Vice-Präsident; Lipman Levy, Cincinati, Secretär; Louis Krohn, Cincinnati, Schatzmeister. Der alte Verwaltungsrath des „Hebrew Union College" ist mit nur einer Ausnahme ebenfalls wiedergewählt worden. Präsident bleibt Bernhard Bettmann. An Stelle von Dr. Henry Leipziger, New-Hork, trat Louis Stern, New-Iork. Im Vorstand der Körperschaft für bürgerliche und religiöse Rechte haben drei Veränderungen stattgefunden, indem Simon Rosenberg, Baltimore, Jacob Fuerth, St. Louis, und I. S. Greenhut, Peoria, an die Stelle von Louis Abraham. Washington, Nathan Frank, St. Louis, und Samuel Woolner, Peoria, traten. Im Uebrigen wurde der Tag mit Discussionen über die Union, das College und den Wise-Memorial-Fonds ausgefüllt. Es wurde hervorgehoben, daß von den vielen Gemeinden in den Ä.'reinigten Staaten nur 97 der Union angehörten und die Zunahme seit dem letzten Concil nur sechs betragen habe. Die aus dem College hervorgegangenen Rabbiner sollten darauf hinarbeiten, daß ihre Gemeinden sich der Union anschließen. In Verbindung hiermit wurde beschlossen, zwei fähige Leute als Feldsecretäre anzustellen, um in kleineren Städten israelitische Gemeinden zu gründen, wo solche noch nicht bestehen. Einer der Befürworter, Rabbi Leon Harrison von St. Louis, hob hervor, daß dadurch die Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden sich vermindern würden. Hinsichtlich des College wurde den Alumnen nahe gelegt, dasselbe finanziell zu unterstützen und dabei erwähnt, daß verschiedene Rabbiner jetzt schon ihrer Alma Nater. alljährlich einen bestimmten Betrag zukommen ließen. Des Ferneren wurde die Vergrößerung der Bibliothek beschlossen. Rabbi Großmann verlas den Bericht über den Rabbi Wise- Memorial-Fonds, wofür bis jetzt 110.000 Dollars aufgebracht sind. Die Angelegenheit wurde schließlich einem Nationalcomite von 21 überwiesen, welches die Sammlungen systematisch betreiben soll. Der Fonds soll auf 500.000 Dollars gebracht werden. Die Damen besuchten heute die jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten. von deren Zahl, Einrichtung rc. sie überrascht waren. Ein glänzendes Bankett im Phoenix-Club am Abend schloß den zweiten Tag des Convents. Vermischtes. Wien. (Oesterreichisch-JsraelitischeUnion.) Samstag den 23. Febraur l. I. findet halb 8 Uhr Abends im Restaurant Khuner, I., Adlergasse 6, eine Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Schriftstellers Bernhard Münz: „Strömungen in der Politik". Sorget für Euer Heimaisrecht! Für alle Glaubensgenossen und deren Kinder ist es von höchster Wichtigkeit, daß sie auf Grund des am 1. Jänner 1901 in Wirksamkeit getretenen neuen Heimatsgesetzes ihr Heimatsrecht so rasch als möglich i n O r d n u n g b rin g e n. (Namentlich gilt dies von Jenen, deren ungarische Staatsbürgerschaft auf Grund eines mehr als zehnjährigen Aufenthaltes in Oesterreich erloschen ist.) Das R ech ts sch utzbureau der „O esterreichisch- I s r a e l i t i s ch e n U n i o n", IX., Berggaffe 20, (Bureaustunden : 10—12, 3—6) ist bereit, Jedermann diesbezüglich mit Rath und Thal an die Hand zu gehen und die erforderlichen Schritte einzuleiten. Wien. (C h e w r a - K a d i s ch a.) Montag den 25. Februar d. I., am Vorabende des “HKTum 6 Uhr Abends findet im Bethause Innere Stadt (Seitenstettengaffe) eine Gedächtniß- Anda.cht für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Bereinsmitglieder statt. Der Vorstand der Chewra-Kadischa: Moritz K a r p e l e s, Dr. Markus Spitzer, Präses. Vice-Präses. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums.) Samstag den 23. Fkbruar 1901, präcise 7'/, Uhr Abends, findet im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbe-Vereines, I., Eschenbachgasse 11, die Vorführung und Erläuterung eigener Aufnahmen unter dem Titel: Eine Reise durch Tunis und Algier in Skioptikon-Bildern durch Herrn Josef Beck statt. E. B. Wien. (Goldene Hochzeit im Versorgungshause.) Samstag den 9. Februar 1901 wurde im Altersversorgungshause der israelitischen Cultusgemeinde, Wien, IX., Seegasse 9, ein seltenes Fest gefeiert. An diesem Tage beging das Jnsassenehepaar Samuel und Caroline Schotten das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlässe wurde im Betsaale unter bewährter Leitung des Herrn Obercantors Bela Guttm anu ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, zu welchem Herr Cultusvorsteher Salo Cohn in Vertretung des Vorstandes, Herr Max Hiller, das gesammte Ehrendamen-Comits, die Beamten und sämmtliche Insassen des Institutes sowie die Kinder und Verwandten der Jubilare erschienen waren. Hierauf wurde das Jubelpaar in den Festsaal geleitet, wo die Vorsitzende des Ehrendamen-Comites Frau Jda Diamant eine ergreifende Ansprache hielt. Herr Verwalter Rudolf Ko ditsch ek verlas ein Glückwunsch-