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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-22 · 8 (22.2.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 136 Dr. Bloch's Wochenschrift «t. s in Folge deffen Vertreter beider Parteien zu sich rufen, machte ihnen Vorstellungen und ermahnte sie, sich friedlich und ruhig zu verhalten. Streitigkeiten, wie solche in der letzten Zeit vorkamen, könne er nicht länger dulden und müßte gegen Diejenigen, welche auf akademischem Boden ihre Commilitonen beschimpfen, rücksichtslos Vorgehen. Dieselben würden unnachsichtlich relegirt werden. Auf welcher Seite die Provocateure zu suchen sind, das pfeifen die Spatzen auf den Dächern. Tyrnau. Unter allen jüdischen Institutionen zählt die „Chewra-Kadischa“ als die hervorragendste und geachtetste, sie ist die pietätvollste und humanste Einrichtung. Der Verein bevorzugt weder Rang noch Stand, weder Reich noch Arm. Trotz seines Alters von nahe 1800 Jahren steht er heute noch in schönster Blüthe und vollster Jugendkraft. Es existirt keine Mische Gemeinde, wo dieser Verein nicht bestände. Am 10. Februar l. I. feierten die hiesigen beiden jüdischen Gemeinden gemeinschaftlich (obschon sie in administrativer und wirthschaftlicher Beziehung sonst getrennt sind) das hundertjährige Bestehen dieses Vereines. Es war ein solennes Fest, an dem sich die ganze hiesige jüdische Bevölkerung betheiligte. Es waren mehrere fremde ehrwürdige Rabbinen als Gäste zugegen, sowie auch von mehreren fremden Gemeinden Deputationen anwesend. Nachdem vorerst der Hingeschiedenen pietätvoll gedacht und für deren Seelenheil andachtsvolle Gebete verrichtet waren, wurden in beiden Tempeln von den ehrwürdigen Herrn Rabbinen Festreden gesprochen, und in ausdrucksvollen zum Herzen dringenden Worten die hohe Bedeutung und Wirkung des Vereines und feine Wichtigkeit für das Judenthum dargelegt. Nach beendigtem Gottesdienste begaben sich sämmtliche Mitglieder des Vereines, arm und reich, eines Sinnes und in bester brüderlicher Stimmung, als auch alle geehrten Gäste zu einem Bankett, welches der Verein auf eigene Kosten gab. Es herrschte eine ungezwungene Heiterkeit. Es wurden inhaltsreiche gediegene Toaste gesprochen. Sämmtliche Arme ohne Unterschied der Confession erhielten Geldgaben. 8. Lp. Lrody. Am 13. d. M. erblaßte am jüdischen Firmamente ein Stern erster Größe, eine Leuchte Israels, das geistige Oberhaupt unserer Gemeinde. Herr Oberrabbiner Jsak Ehajes hauchte am Mitwoch nach kurzem Leiden im schönsten Mannesalter seine reine Seele aus. Dieser in Gott verklärte, conservalive golterleuchtctc Rabbi war eine der größten, talmudischcn Autoritäten der Gegenwart, es gab keine specisische jüdische Frage, an deren Lösung er nicht irgendwie Am heil genommen hätte. Als geistiger Leiter der hiesigen Orthodoxen hielt er einerseits fest au den Satzungen des jüdischen Glaubens und trat kräftig ein, wenn sie gefährdet waren, anderseits war er nicht abhold der modernen Bildung, die er selbst im reichsten Maße besaß. In der Gemeinde hatte er eine sehr einflußreiche Stellung, er stand an vielen gemeinnützigen und wohlthätigen Instituten obenan, daher erfreute er sich auch des vollsten Vertrauens seiner Mitbürger, unter denen er lebte und wirkte. Wie sehr der Verblichene sich die Sympathien, die Hochachtung und Werthschätzung der hiesigen Bevölkerung erwarb, zeigte das imposante Leichenbegängnis;, an dem sich Hoch und Nieder belherligten. die gcsammtc jüdische Bevölkerung, die Stadtrepräsentanten, die Vorsteher der Aemter ohne Unterschied der Confession. Im Trauerhause sprach der Schwager des Dahingeschiedenen, Herr Alter Schapire, herzergreifende Worte des Abschiedes. Hierauf setzte sich der großartige Leichencouduct zuerst nach der großen Synagoge in Bewegung, wo Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Schmelkes aus Lemberg eine tiefergreifende Trauerrede hielt; hier sprach auch ein zweiter Rabbiner und ein. im jugendlichen Alter stehender Sohn, des Verklärten. Auf dem Wege Gottesacker hielt man bei dem Gebäude der Talmud-Thora an, deren Freund, Beschützer und Förderer seit Jahren er war, und wieder ward von einem auswärtigen Rabbiner ein Hesped gehalten. Ein Gleiches geschah auch beim Vorübergeheu vor den Thoren eines Bethauses. Am offenen Grabe sprach noch im Namen der Cultusgemeinde ihr würdiger Präsident, der allgemein geachtete Herr Lasar Bloch, und gab dem vielseitigen Schmerze durch einen rührenden, tiefcrgrcifenden Nachruf Ausdruck. In der ganzen Stadt waren die Handlungen gesperrt und in den Straßen brannten florumhüllte Laternen; es war ein Tag der Trauer für unsere Stadt. Möge diese so große, innige Theiliiahuie der trauernden Faniilie, den tiefbetrübteu Angehörigen Trost gewähren. Das Andenken des Frommen bleibe uns in Ewigkeit zum Legen, er ruhe sanft in Frieden!! — Fiume. Am 17. b. M. Mittags fand die Beeidigung des neugewähtten Pobesta Michael Maylüuder iu Anwesenheit sämultlicher Mitglieder bir Stadtvettreiung und eines zahlreichen . Publicmus statt. Mayländer legte den Treueid iu die Hände des Gouverneurs Grasen Szapary ab Der Gouverneur richtete sodann an ihn eine Ansprache und setzte die Stadlvertretung in ihre früheren Rechte ein. Der Podestä sprach der Regierung und dem Gouverneur sein Vertrauen und den Dank aus und schloß mit einem dreifachen „Evviva" auf Se. Majestät. Ofen. (R a b b i n e r w a h l.) Die Repräsentanz der Ofner israelitischen Cultusgemeinde nahm in ihrer kürzlich unter dem Vorsitze des Gemeindepräsidenten Dr. Isidor Szabolcski abgehaltenen Generalversammlung die Wahl eines Rabbiners vor. Der Vorsitzende wies in seiner Eröffnungsrede auf die Traditionen der mehr als 800 Jahre bestehenden Ofner israelitischen Gemeinde hin, deren Rabbinen sich stets durch hohe Religiosität und hervorragendes Wissen auszeichneten. Die Generalversammlung möge nun für die durch das Ableben Dr. Raphael Goldberg's verwaiste Rabbinerstelle eine Persönlichkeit tvählen, welche den Traditionen der Gemeinde, speciell seines ausgezeichneten Vorgängers würdig sei und die vermöge ihres Wissens, ihrer Bildung und Nächstenliebe alle Mitglieder der Gemeinde vereinen und die Heranwachsende Generation in jüdischem Geiste zu erziehen vermöge. Der Vorsitzende constatirte sodann, daß nach der Sichtung der Bewerbungen um die Rabbinerstelle die Wahl zwischen drei Candidaten zu erfolgen habe, und zwar: Dr. Simon UngLr (Szegzärd), Dr. Aron Kis (Beßpräm) und Dr. Bernhard Singer (Topolcza). Dr. Moriz Ernyei beantragte, auch Dr. Lazar Schweiger (Väg-Ujhely) in die Candidatur einzubeziehen, welchem Anträge Dr. Krißhäber entgegentrat, während Dr. Josef Bänü mit Rücksicht auf die Pietät für den erst vor wenigen Monaten verstorbenen Seelenhirten Dr. Goldberg für eine Verschiebung der Rabbinerwahl plaidirte. Moriz Redlich erklärte sich gleichfalls für die Candidatur Dr. Schweiger's. Alexander Hodossy und Dr. Krißhäber erklären sich gegen die'Verschiebung der Wahl. Max Bauer proponirte, die verschiedenen Parteien mögen je zwei Mitglieder entsenden, welche bezüglich der Person des Candidaten eine Vereinbarung zu treffen hätten, damit die Wahl einhellig erfolgen könne. Dieser Antrag wurde mit 31 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Der Vorsitzende erklärte, daß die Abstimmung nur auf die durch den Vorstand und Ausschuß vorgeschlagenen Candidaten vorgenommen werden könne. Sodann wurde ein aus den Herren Dr. Adolf Krißhäber, Dr. Moriz Höchstem und Adolf Stampfer bestehendes Scrutinirungscomits entsendet. Die geheime Abstimmung ergab die Wahl des Szegzärder Rabbiners Dr. Simon Ung r, auf welchen 24 Stimmen entfielen. Der Veßprimer Rabbiner Dr. Aron Kis erhielt 23 Stimmen. Das Wahlresultat wurde mit Eljenrufen ausgenommen. Da jedoch die Wahl nur mit absoluter Majorität erfolgte und auf den Gewählten keine Zweidrittel- Majorität der abgegebenen Stimmen entfiel, hat im Sinne des Gemeiudestatuts die definitive Wahl durch eine aus sämmtlichen Gemeindemitgliedern bestehende Wählerversammlung zu erfolgen. Zu diesem Zwecke wurde ein aus neun Mitgliedern bestehendes Counts mit dem Aufträge entsendet, die Liste der Mitglieder der Ofner Cultusgemeinde zusammenzustellen und die Wählerversammlung einzuberufen. Zum Schluffe verlieh der Vorsitzende der Hoffnung Ausdruck, daß die Wahl im Interesse des Friedens einstimmig erfolgen werde. Köln, 31. Jänner. Die Feier des 25jährigen Amtsjubi^ läums des Herrn Rabbiners Dr. Frank welches am Dienstag stattfand, wurde am Vorabend 6 Uhr mit einem feierlichen Festgottesdienst in der großen Synagoge (Roonstraße) eingeleitet. Die Synagoge erstrahlte bis zur Kuppel im elektrischen Lichterglanze und der Sch des Jubilars war mit den kostbarsten Blattpflanzen und mit duftigen Bäumen geziert. Punkt 6 Uhr erschien der Jubilar mit seinen nächsten Angehörigen, geleitet von Herrn Vorsteher Feilchenfeld, in der Synagoge. Zur Eröffnung der Feier sang der Synagogenchor mit Harmoniumbegleitung den ergreifenden Choral „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", worauf Herr Cantor Blumenthal den Psalm 1 in deutscher Sprache mit Instrumentalbegleitung vortrug. Nunmehr betrat Herr Rabbiner Dr. Rosenthal die Kanzel und hielt die Festpredigt, in der er in vorzüglicher Weise den Rabbinerberuf in der Gegenwart im Allgemeinen mit dem größten Rabbiner und Lehrer unseres Volkes, mit Moses, verglich. Die Predigt schloß mit dem Danke im Namen der Synagogengemeinde an den Jubilar und der Ertheilung des Priestersegens. Nachdem der Chor wieder einen stimmungsvollen Choral angestimml hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Frank eine Rede, in der er einen Rückblick auf seine Vergangenheit warf. Der Redner erflehte zum Schlüsse in einem inbrünstigen Gebete zu Gott den Segen für seine Gemeinde und dankte mit den Worten des Psalmdichters dem himmlischen Vater für seine bisherige Lebenslaufbahn. Der Synagogenchor stimmte hieraus mit Harmoniumbeglettung^änun^ulorri an, womit die erhebende Feier endete. Die Fortsetzung fand die Feier in Beglückwünschungen, die der Jubilar am Dienstag in seiner Wohnung entgegennahm. 27 Abordnungen hatten sich ein-

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