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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-22 · 8 (22.2.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. # Dr. Vloch's WochenfchrM Seite 135 lassen und dem Elend anheimzufallen! In wenigen Tagen feiern wir ein Erinnerungsfest, das uns beauftragt, der Freude durch gegenseitige Uebersendung von Geschenken Ausdruck zu geben; möge diese Uebersendung in diesem Falle nur e i ns e i t i g, dafür aber umso reichlicher und ausgiebiger und mit vollen Händen und vom tiefsten Herzensgründe aus erfolgen! Jeder Beitragende erwirbt sich das erhebende Bewußtsein, armen unschuldigen Wesen Brot gereicht zu haben. Spenden werden entgegengenommen und in diesen Blättern ausgewiesen von Herrn Emil Jelinek, I., Seitenstettengasse 5. Um möglichste Weiterverbreitung wird im Interesse der zu fördernden schönen Sache höflichst gebeten. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Der Festsaal des Nlederösterreichischen Gewerbevereines, iu welchem der Verein am 17. d. M. seine Plenar-Versammlung abhielt, war in allen seinen Theilen überfüllt und umfaßte eiiieu so ansehnlichen Kreis von Vertretern gewerblicher, industrieller und Finanzkreise, wie er sich selten zusammenfindet. Die Begeisterung, die der Vortragende, Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Friedrich E l b o g e n, iu der Zuhörerschaft hervorrief, äußerte sich durch wiederholten Applaus, und es kann fiiglich behauptet werden, daß ein von solch hochinteressanten und neuen Gedanken durchwebter Vortrag über „Gerichtssaalstudien", der von ebenso viel Scharfsinn, als gesundem Humor erfüllt ist, selten zu hören die Gelegenheit geboten wird. Allerseits wurde der Vortragende lebhaft beglückwünscht, und als der Präsident Herr B r o d den Ausführungen die gebührende Anerkennung zutheil werden ließ, wiederholten sich diese zustimmenden Beifallskundgebungen. Sodann demonstrirte Herr Adolph W. Schack mittelst Skioptikon 30 von ihm in der Pariser W e l t a u s st e l l u n g I960 aufgenommene Lichtbilder der letzten französischen Mode, die den Beifall aller zahlreich anwesenden Damen erhielten. Unter den Vertretern der verschiedenen Corporationen bemerkte man die Herren Oberbaurath T a u s s i g, Regierungsrath und Gewerbe- Ober-Jnspector K u l k a, Abgeordneten Dr. Krona Wetter, Baurath Wilhelm S t i a ß n y, den Bice-Präsidenten der Oesterreichischen Colonialgesellschaft Dr. Weisl, Schriftsteller Jacques Jäger, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Landesgerichtsrath Dr. Kohn, Dr. Zins, Jul. Singer, Direktor der Oesterreichischeu Discontogesellschast, Ortsschulrath Strauß, Commercialrath Stiaßny, viele Präsidentinnen der Wiener Frauen- Wohlthätigkeitsvereine rc.' Bisenz. (Domherr und Rabbiner.) Anläßlich der Uebersiedelung des nach Olmütz zum Residential-Caiionicus berufenen hiesigen Monsignore P. Dr. Johann Pospischil machte unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Joses Hoff demselben einen Abschiedsbesuch, dankte ihm in längerer Ansprache, daß er es stets als seine heilige Aufgabe betrachtete, die Eintracht unter den hiesigen Bewohnern, trotz der Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses und der Nationalität, bei jeder Gelegenheit zu fördern, und wünschte ihm in seinem neuen Wirkungskreise jene Zufriedenheit, die zum glücklichen Leben führt. Zu Thränen gerührt erwiderte der hochwürdige Herr Canonicus, daß wir alle „Kinder eines Vaters im Himmel sind", die sich gegenseitig lieben und achten sollen, damit ja nur der Frieds unter den Menschen erhalten werde, und forderte wiederholt unfern Herrn Rabbiner auf, ihn in Olmütz in der Residenz zu besuchen, und nahm von ihm unter Segenswünschen rührenden Abschied. Möchten doch Alle, die den heiligen Beruf haben, Nächstenliebe zu predigen, auch Nächstenliebe bethätigen! E. B. Olmütz. Das Leichenbegängniß des Cultusvorstandes Eduard Hamburger gestaltete sich zu einer Kundgebung der Trauer für den Dahingeschiedenen und der Sympathiebezeugung für die schwergeprüften Hinterbliebenen und Leidtragenden, woran alle Classen der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied des Standes und der Confessio« sich betheiligten. Beileidskundgebungen erfolgten vom Bürgermeister Brandhuber und der Olmützer Gemeinderepräsentanz, von der Olmützer Handels- und Gewerbekammer, vom Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde, vom k. k. Bezirksschulräte, vom hochwürdigen Metropolitancapitel des Olmützer Erzbisthums und nahezu sämmtlichen Gemeinden Mährens und einer überaus großen Zahl von Vereinen, Corporationen und Privaten. Bei der Leichenfeier erschienen das gesammte Stadtverordneten-Collegium, Bürgermeister Brandhuber an der Spitze, Statthaltereirath Baron Ga st he im mit den Beamten der Bezirkshauptmannschaft, der hochwürdige Propst von St. Mauritz, Freiherr von G r i m m e n st e i n, der Pfarrer von St. Michael, Monsignore Dr. P a n a k. die Herren Oberste Siebert und Friedel, der Herr Militär-Intendanz-Chef Major von S ch ö n f e l d, viele Officiere und Militärärzte, Kreisgerichtspräsident Kandler mit vielen Landesgerichtsbeamten, Gymnasialdirector Seyß mit dem gesammten Lehrkörper und viele andere Honoratioren nebst zahlreichen Abordnungen der israelitischen Cultusgemeinden Mährens. Obercantor Kläger, der in den Achtziger-Jahren in Olmütz wirkte, war zum Leichenbegängnisse aus Wien eingetroffen. Nach Absingung des Chorals „Seele, was betrübst Du Dich" durch den Tempelchor hielt Herr Rabbiner Dr. Oppenheim eine die Verdienste des Verstorbenen würdigende Trauerrede, dann widmete namens der Gemeinde Herr Dr. Eben demselben einen tiefempfundenen Nachruf. Rabbiner Dr. Goldschmidt sprach den Tobten namens seiner Gemeinde Proßnitz einen tiefempfundenen herzlichen Abschiedsgruß. Hierauf trugen Ausschußmitglieder der Gemeinde den Sarg aus dem Tempel und hoben ihn auf den Leichenwagen. Den imposanten Leichenzug eröffnete der erste Militär-Beteranenverein von Olmütz und Umgebung .mit dem Commandanten Herrn R ä ß u e r an der Spitze. Dem Leichenwagen fuhr ein Kranzwagen voran. Dem Sarge folgten die trauernden Famitl»'nciiigehörlgen und die Trauergäste. Auf dem Friedhofe fand sodann die Beisetzung der Leiche in der Familiengruft statt. Das „Mährische Tagblatt" widmet den Verstorbenen einen längeren Artikel, in dem es u. A. heißt: „Eine breite Lücke klafft in unseren Reihen. Eine der thätigsten, arbeitsamsten, strebsamsten Kcäfre unserer Stadt har der Tod aus unserer Mitte gerissen. Eduard Hamburger ist nach kurzem Leiden verschieden. Ein Mann der Arbeit, der schaffenden Kraft, ein Sinn voll edlen, schönen Strebens, ein Herz voll Liebe und Anhänglichkeit zu dieser Stadt ist damit von uns geschieden. Dieses Streben und Wirken beschränkte sich nicht auf das Gebiet privater, wirtschaftlicher Taätigkeit, auf welchem Eduard Hamburger bedeutende industrielle Erfolge erzielte, nein, es galt auch der Oeffentlichkeit, es gatr seinen Mitbürgern, für die er gerne sann und dachte, schuf und arbeitete. Es waren die beglückendsten Momente seines Lebens, wenn er sah, daß seine Mitbürger sein Streben würdigten und ihm willig ihr Vertrauen entgeg.-nbrachten. Ec war stolz auf dleses Vertrauen, er durfte es sein; denn er hatte mit liebender Ausdauer darum gerungen und trug in sich das Bewußtsein, daß er es verdient habe. Unsere ganze Bevölkerung theilt heute dieses Bewußtsein. Sie weiß, daß Eduard Hamburger gern und ohne jde Spur von Selbstsucht seine Kraft iu den Dienst der Oeffentlichkeit stellte, daß ihm keine Arbeit zu gering, keine Anstrengung zu groß war, wenn es das Wohl der Stadt galt. Mit dein Mandate eines Stadtverordneten und dem eines Mitgliedes der Handelskammer lohnten ihm dies seine Mitbürger, und in beiden Körperschaften bewies er Jahre hindurch, daß mau sich nicht in ihm getäuscht. Mehr noch als unsere Stadtgememde verliert in ihm die hiesige israelitische Cultusgemeinde, deren Oberhaupt er durch Jahrzehnte war. Was er hier geleistet und geichaffen, das läßt sich nicht in wenige Worte fassen. Er war nicht blos das äußere Haupt der Gemeinde, er war ihr leitender Geist, ihr zielbewußter Führer. Ein ragend Denkmal seines Wirkens setzte er sich in dem prachtvollen Tempelgebäude, das hauptsächlich seiner Initiative, seiner Opfernnlligkeit sein Entstehen verdankt. Doch ein besseres Denkmal als jenes von Stein hat er in den Herzm sich gesetzt. Hunderte wissen davon zu erzählen, daß aus seinem Hause niemals ein Armer unbefchenkt, ein Dürftiger nie ohne reiche Gabe wegging. Er hatte ein offenes Herz für die Noth der Armen, für den Schmerz der Leidenden, und zum offenen Harzen gesellte sich die offene Hand, die stets zum Geben bereit war, ohne nach Glauben und Herkunft zu fragen." Brünn. In die große Oeffentlichkeit ist merkwürdigerweise nicht ein Vorfall gedrung-'n, der in unserer Landeshauptstadt vielbesprochen wird. Jüdische Hörer der deutschen technischen Hochschule wurden vvr mehreren Tagen von deutschnationalautisemitifchen Hörern in rüdester Weise angerew.peit. Schon seit längerer Zeit kam es zwischen beiden Parteien zu Z.sammen- .stößen. Der Rector der Hochschule Professor M i k o s ch, ließ

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