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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-22 · 8 (22.2.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 132 Dk Bwch's Wochenschrift. Nr. 8 In dem Sprengel der Direction der Staatrbahnen in Galizien haben jüngst einige Ernennungen und Beförderungen von Juden stattgefunden. Diesen Anlaß benützten Meister Stampiglius und seine ihm würdigen und ebenbürtigen Complicen dazu, um eine geharnischte Interpellation an den Eisenbahnminister zu richten. In dieser Interpellation ist die ganze Niederträchtigkeit der antisemitischen Gesinnung niedergelegt. Den Fernstehenden und Uneingeweihten will man glauben machen, es handle sich um die Ueberfluthung des Dienstes in der galizischen Eisenbahndireetion mit Juden. In hinterlistiger Weile möchte man auch glauben machen, daß es sich bei diesen Ernennungen um Beamtenstellen von hohem Rang und noch höheren Gehalten handelt. Dies ist aber, wie Alles, was von dem berüchtigten Stampiglius und seinen chm ebenbürtigen Cumpanen auSgeht, Lug und Trug. Die in der Jnterpellatton erwähnten Ernennungen und Beförderungen — eS muß dies ausdrücklich festgestellt werden — betreffen nicht Oberbeamte in höheren Rangs- und Gebaltsclaffen, sondern Unterbeamte mit Jahresbezügen zwischen 450-600 fl. jährlich. Es muß weiters darauf hingewiesen werden, daß die betreffenden Ernennungen seitens der berufenen Factoren, zweifellos nur dem Zwange gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, erfolgen, weil für den anstrengenden, aufreibenden Eisenbahndienst der Unterbeamten in Galizien, wo die Kenntniß der polnischen und deutschen Sprache in Wort und Schrift erforderlich, ein anderes paffendes Menschenmateriale nicht vorbanden ist. Die Beamtenstellen in den höheren Rangs- und Gehaltsclaffen sind für Juden ohnehin nicht, oder nur in den äußersten Fällen der Nothwendigkeit zugänglich. Man erinnert sich wohl noch des Dictums weiland des Erzherzogs A l b r e ch t. daß es für die Armee eine fatale Verlegenheit wäre, wenn in den galizischen Regimentern nicht soviel Juden dienen würden, da diese ausschließlich dazu ausersehen werden müssen, den beschwerlichen Dienst der Unterofficiere, die das Gerippe jedes Militärverbandes bilden, zu versehen. Und derartige Berhältniffe bestehen auch im Dienste der in Galizien situirten Eisenbahnen, welche angewiesen sind, das Materiale für die Bediensteten und Unterbeamten ausschließlich aus der jüdischen Bevölkerung zu wählen. Nur der polnische Jude in seiner bekannten puritanischen Einfachheit, in seiner asketischen Lebensweise und Bedürfnißlosigkeit bringt es zustande, mit dem bescheidenen Gehalte eines Unterbeamten eine Familie zu unterhalten und sich standesgemäß zu führen. WaS soll man dazu sagen, wenn Ritter Stampiglius Schneider den Eisenbahnminister Wittek apostrophirt, daß er es gewagt habe, das Adjutum eines jüdischen Unterbeamten auf ganze 100 K monatlich abzurunden. Darin liegt doch eine bestialische Gesinnung, eine Mißgunst und Scheelsucht, die bei einem Subject L la Schneider nicht befremden mag. Aber höchlichst befremde» muß eS, daß er hiebei sich noch eines Succurses zu erfreuen vermochte, daß sich unter den Abgeordneten Leute gefunden, welche eine solche Jnterpellatton mitfertigten, — befindet sich unter diesen ja auch der Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien und Abgeordnete Dr. Lueger, dessen Gehalt und Bezüge den Gehalt eines Ministers weit überragen. Wir wissen nicht, ob Elsenbahnminister Wittek es für opportun erachten wird, dem Stampiglius-Abgeordneten zu antworten. Interessant wäre es aber, zu vernehmen, was der Chef des Eisenbahndienstes auf das antisemitische Gekläffe zu erwidern hätte. Denn Se. Excellenz Dr. Wittek könnte nicht anders, als klipp und klar sagen: Die Juden sind für den Eisenbahndienst in Galizien nicht nur unentbehrlich, sondern die besten und einzig tauglichen Beamten, wie das auch der Thatsache entspricht. EduardBeer. Das antisemitische Freiwillige Rettungscorps. Das Wiener Freiwillige Rettungscorps, bekanntlich eine rein christlich-sociale Gründung, geht mit raschen Schritten seinem Ende entgegen. Am 11. d. M. hat die endgiltige Execution des Bereinsvermögens und die Pfändung des Inventars stattgefunden. Der Macher war, wie seinerzeit mitgetheilt, der ehemalige Hilfsbeamte im Handelsministerium. Oscar Hinterberger. Er hatte vor zwei Jahren die grandiose Idee propagirt, nur arischen Kranken und ^Verunglückten die erste Hilfeleistung angedeihen zu lassen, und er hoffte bei der Ausführung auf ausgiebige Unterstützung seitens der Gemeindevertretung und des „antisemitischen" Wien. Seine Hoffnungen haben sich jedoch nicht erfüllt, und. der Chef des Rettmigscorps muß es nun mit ansehen, wie seine Gründung verkracht. Die Wiener Bevölkerung wird dem Institute, das ihr nur vom „Fechten" her bekannt war, keine Thräne nachweinen. Der erste unabhängige Gewerbeeonarest. — Gegen Schneider, Fenzl und Consorten. Der erste unabhängige Gewerbecongreß wurde Montag nach zweitägiger Berathung geschloffen. Was vor Allem an dieser Versammlung bemerkenswerth und erfreulich erscheint, ist in erster Linie die Thatsache, daß sich die Gewerbetreibenden Oesterreichs jene patentirten Retter des „kleinen Mannes" vom Leibe zu halten verstanden, die sonst bei derartigen Congressen stets das große Wort führten, die Herren Schneider, Fenzl, Bitza, Jedliczka und Consorten. Der große politische Reinigungsproceß, der bei den Reichsrathswahlen in Wien und Niederösterreich so augenfällig zutage trat, bat nunmehr auch beim Gewerbestande, der bisherigen christlich-socialen Domäne, begonnen. Die Herren Gcwerberetter haben diesmal eine gründliche und nicht mißzuverstehende Lection erhalten. Herr Jedliczka mußte sich sogar unttr dem stürmischen Beifall der Delegirten einen veritablen Hinaus - Wurf aus der Versammlung gefallen lassen. Seine und seiner Parteigenossen Thätigkeit hat hiedurch schon die einzig richtige Kritik erfahren. Krise im Nußvorfer Spar- und Vorschußverein — 800.000 Kronen abgäugig. Die antisemitische „Rettung des kleinen Mannes" geht den Weg weiter, den ihr Einsichtige und Unvoreingenommene längst vorausgesagt haben. Ein Unternehmen nach dem anderen verkracht, in den Genossenschaften häufen sich Defraudation, Corruption und Mißwirtschaft, der Rest ist: leere Taschen bei den Gefoppten — der Gerichtssaal. Wieder einmal ist ein in antisemitischen Händen befindlicher Vorschußverein zum Gegenstand eines Scandals geworden: der Nußdorfer Spar- und Bor schußverein ist insolvent, mehr als achthunderttausend Kronen fehlenin der Casse des Vereins! Und der „kleine Mann", der seine Ersparnisse in diesen Verein getragen hat, läuft Gefahr, seine schwer erarbeiteten Kreuzer zu verlieren l ... Als letzten Montag Einleger in die Kanzlei des genannten Vereins. Heiligenstädterstraße 183, kamen, um Geld zu beheben, waren sie nicht wenig bestürzt, an der versperrten Thüre eine Kundmachung zu sehen, in der kategorisch erklärt wird, daß die Zalungen eingestellt seien und die Einlagen nicht mehr angenommen werden. £ HDie Ergebnisse der Revision werden wieder einmal einen Blick in die christlich-sociale Wirtschaft gewähren. Wie viele „kleine Leute" mögen da wohl wieder zu Grunde „gerettet" worden sein! Zur Geschichte der Blutlüge. „Wo sie (die Schwärme der Kreuzfahrer) durchziehen und Juden finden, zwingen sie diese zur Taufe, die widerstrebenden bringen sie ohne Zaudern um. So kam es, daß manche Juden in der Noth durch den Quell der Taufe abgewaschen wurden; einige von diesen blieben bei dem angenommenen Glauben, andere kehrten, als es Friede wurde, ebenso zu ihrer argen alten Gewohnheit zurück, wie Hündlein zu ihrem Gespei. Nur ein Beispiel will ich aus vielen Berichten anführen, den Judeumord, der zu Würzburg geschah, damit ich durch die genaue Angabe eines Falles den übrigen besseren Glauben verschaffe. Als im Monat Februar (1147) die Fremden, wie erwähnt wurde, in der Stadt zusammenströmten, fand man durch einen wunderlichen Zufall am 24. Februar den Leib eines Menschen auf, der in viele Stücke zerschnitten war, zwei größere im Mainfluß, eines zwischen den Mühlen bei der Vorstadt Bleicha, andere bei dem Dorfe Thunegersheim; die übrigen Stücke fanden sich außer der Mauer auf dem Wall gegenüber dem Thurm, welcher insgemein Katzenwighaus genannt wird. Und als myn alle Theile des zerstreuten Leibes gesammelt hatte, wurde der Leib zu dem Hospital getragen, das unterhalb der Stadt ist, und dort auf dem Kirchhofe begraben. Darauf wurden sowohl Bürger als Fremde von plötzlicher Wuth ergriffen, als wenn sie aus diesem Vorfälle eine gerechte Veranlassung gegen die Juden erhalten hätten, sie brachen in bte Häuser der Juden ein, stürmten auf sie und tödteten

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