Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette ISO Sr« BloEs Wvchrns^rM Nr. 8 Volk warm fühlende Jude nach Kräften abzuwehren verpflichtet wäre. Die eine Beruhigung aber haben wir, daß an der Spitze der Stiftungsverwaltung ein Curatorium steht, zu dem wir Alle vertrauensvoll hinaufblicken und mit Stolz hinaufblicken können, da es aus Männern zusammengesetzt ist, die, jedem politischen Parteiwesen fern, auch die Stiftung stets im Geiste des Stifters geleitet haben. Die Zeit der Kinderkrankheiten, wo im Schoße des Curatoriums selbst politische Parteimäaner saßen, ist glücklich vorüber; der energischen Einsprache des Stifters ist es gelungen, alle politischen Parteiungen aus der Verwaltung der Stiftung zu entfernen und jenen Geist in die Verwaltung einzuführen, der sie seit dem Jahr 1893, das ist seit der Wahl des jeden wie immer gearteten politischen Getriebe fern stehenden Herrn David Ritter von Gutmann zum Präsidenten und des Herrn Sections- Ehefs Ritter von Gniewosz zum Präsidenten-Stellvertreter, auszeichnet. Uns liegen einige alte Nummern der »Oesterreichischen Wochenschrift" und der »Neuzeit" vor, die sich jeder Stiftungslehrer stets vor Augen halten sollte, weil fie die Grundzüge der Stistungsverwaltung, wie sie der Sttster gewünscht, und wie sie seit der Zeit vom Curatorium geführt wurde, klar und treffend kennzeichnen, denn sie enthalten artthenttsche Aeußerungen des Stifters und des Curatoriums. In der »Oesterreichischen Wochenschrift" vom 24. Februar 1893 finden wir die Antttttsreden des damals neugewählten Präsidenten Herrn David Ritter v. Gutmann und des nach seinem Rücktritte zum Präsidenten-Stellvertreter wiedergewählten Sectionschefs Herrn Ed. Ritter v. Gniewosz. Herr v. Gutmann hebt unter Anderem hervor: „Die Wege, welche die Stiftung zu wandeln habe, seien klar vorgezeichnet, er zähle auf die Mitwirkung aller berufenen Factoren, überzeugt, daß fie Alles aufbieten werden, die Ziele der Stiftung zu erreichen und die Stistuugsangelegenheiten in objektiver, rein sachlicher Weise zu behandeln, um dem Curatorium eine klare Vorstellung zu ermöglichen." Herr Sectionschef von Gniewosz sagte in seiner Dankrede unter Anderem: „Was die Stiftung anbelange, so erkläre er offen, daß es ihm zur großen Genugthuung gereicht habe, zur Mitwirkung an derselben berufen worden zu sein, da er in dieser Stiftung eine ganz außerordentliche Wohlthat für das Land erblickt habe, zumal die Tendenz dieser Stiftung dahinging, nicht nur die circa 600.000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung, welche jedenfalls im Lande bleibe, in einer dem Lande nur frommenden Weise allmählig der Cultur zuzuführen, sondern auch ihre Wohlthaten der christlichen Bevölkerung zum Mitgenuffe zugänglich zu machen." »Die Stiftung, ihreu Zielen entsprechend verwaltet, sei an und für sich schon als solche segensreich für das Land und bedürfe keiner werteren Unterstützung durch Verfolgung politischer und nationalerZwecke. Durch derartige Neben st römungen würde sie vielmehr nur verlieren, wesha.lb die besonderen Bestimmungen, daß sie von. Männern ohne politisch-nationale Sonderbestrebungen, Männern, welche solchen Einwirkungen und Ausnützungen vollständig entgegengesetzt und unzugänglich, verwaltet werden müsse, daß also der Sitz dieser Verwaltung in Wien bleiben müsse." »Als er aber die immer stärker hervortretenden Bestrebungen, diese Hauptbedingungen des Slifters illusorisch zu machen, wahrnahm, habe er sein Mandat als Präsident - Stellvertreter niedergelegt." Als die Hydra der politischen Parteisucht nochmals ihr Haupt zu erheben wagte, da schlug es der Stifter in seiner energischen Weise ob. In der Sitzung des Curatoriums vom 20. November 1893, deren Protokoll in der „Neuzeit" vom 1. December 1893 abgedruckt ist. erklärt der Stifter: „Nachdem Me das gleiche Streben verfolgen, daß die Stiftung möglichst viel Gutes bringe, so sei es nur recht und billig, drß Jeder das Möglichste leiste. Wie aber könne der gute Zweck erreicht werden, wenn gewiffe Organe der Stiftung selbst die höchsten Interessen des Landes stören. Er habe, bevor er die Stiftung creirt hatte, die Verhältnisse Galiziens eingehend geprüft und sei zur Ueberzeugung gelangt, daß die von ihm angestrebte Hilfsaclion nur dann Ersprießliches leisten könne, wenn der Schwerpunkt der Stiftung nach Wien verlegt werde, und habe auch an diese Bedingung die Creirung der Stiftung angrknüpft. Er habe mit großem Erstaunen bemerkt, das man in Galizien weit mehr politische Zwecke verfolge, als Schulgründungen, und daß die galizischen Stiftungsorgane nur nach Einfluß streben, die Sache aber vernachlässigen. Es sei daher sein Streben gewesen, dieStiftung allen politischen Einflüssen zu entrücken, und das sei ein Glück für die Sache; denn er selbst habe die traurige Erfahrung gemacht, daß gerade die leitenden jüdischen Männer in Galizien den eigentlichen Zweck der Stiftung verkennen. Die Stiftung aber brauche Männer ohne jeden Hintergedanken, und er betone es scharf, daß er es sich für ein Glück anrechne, den Schwerpunkt derselben nach Wien verlegt zu haben, und er werde mit größter Energie darauf bestehen, daß dieser Schwerpunkt nicht verrückt werde". Mit dieser Erklärung und einem an das Executiv-Comits und Wohlthätigkeitsbureau in Krakau gerichteten Schreiben vom 29. November 1893, abgedruckt in der „Neuzeit" vom 8. December 1893, hat der Stifter alle in der Stiftung zu Tage getretenen politischen Parteiungen glücklich beseitigt und der gedeihlichen Entfaltung derselben stand nichts im Wege. Getreu diesem feierlichst kundgegebenen Willen des Stifters wird-die Stiftung vom Curatorium, das nunmehr, nachdem der Stifter die politischen Parteimänner aus demselben hinausdrängte, aus vollständig unabhängigen, politisch unparteiischen Männern zusammengesetzt ist, verwaltet und zur Blüthe gebracht. Auch in dem im Jahre 1899 endlich genehmigten und im Jahresberichte der Stiftung pro 1898/99 abgedruckten Stiftsbriefe ist dieser Geist der Verwaltung -feierlichst zum Ausdrucke gebracht. Artikel VI lautet: »Bon dem Wunsche durchdrungen, daß die Stiftung für immerwährende Zeiten in pietätvoller Rücksichtnahme auf die Wünsche und Intentionen des Stifters verwaltet werden möge, nehmen Frau Baronin Clara v. Hirsch-Gereuth als Witwe und Universalerbin nach Herrn Moriz Freiherrn v. Hirsch-Gereuth und das gefertigte Curatorium, die nachstehenden von Herrn Moriz Freiherrn v. Hirsch-Gereuth wiederholt - kunpgegebenen Grundsätze in diesen Stiftbrief auf, damit dieselben bei der Verwaltung der Stiftung für alle Zeiten unverbrüchlich beobachtet werden mögen ..." »Der Zweck der Stiftung ist ein rein kultureller. Es sollen deshalb alle nationalen, politischen und konfessionellen Streitigkeiten von dieser Stiftung streng ferngehalten und in keiner Weise geduldet werden, daß irgend welche Bestrebungen dieser Art in der Verwaltung dieser Stiftung zum Ausdruck gelangen." Jede Aenderung dieser, zum Segen der Stiftung geführten, uuparteiischen Verwaltung, jedes Eindringen politischer Parteimänner, welche der Verwaltung, wenn auch nur den Schein der Objectivität rauben könnten, wären verhängnißvoll. Denn so lange die Lehrerschaft weiß, daß politischer Parteigeist dem Curatorium fernliege, so wagt er sich auch bei ihr nicht hervor. In dem Momente aber, wo er sich von oben ermuntert glaubte, wäre es um das um die Schulen errichtete Bollwerk, das bislang von Allen respectirt wurde, geschehen. Insbesondere eine junge, politische Partei ist es, vor der unsere Schulen besonders zu wahren sind. Es ist dies der Zionismus mit seiner noch unverbrauchten, agitatorisch werbende Kraft, weil dies im Augenblicke diejenige Partei ist, die — Anzeichen sind in letzter Zeit auf dem Lehrertage und in einigen Preßartikeln zu Tage getreten — gerne von den Stiftungsschulen Besitz ergreifen möchte. Im Interesse unseres armen Volkes, dem nicht alle Tage ein Schulstifter und wahrer Retter entsteht, muß man hier ein besonders wachsames Auge haben, daß nicht in neuer Form alter Hader zum Schaden der Schulen entbrenne und deren ruhige Entwicklung störe. Bis jetzt ist, Gott sei Dank, noch alles Parteigetriebe außerhalb der Schule abgewehrt worden und deren heiliger Boden unberührt geblieben. Der einzige Fall in Zloczow, wo eine Stiftungsschule zu politischen Partei zwecken mißbraucht wurde, blieb vereinzelt. Doch Wehe wenn derartige oder ähnliche Beispiele Nachahmung fänden und verschiedene Parteiungen, die sich nun auch in Lehrerkreisen zu regen beginnen, sich der Schulen bemächtigen würden! Anzeichen sind vorhanden, und darum glauben wir, die Oeffentlichkeit wachrufen zu müssen.