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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-22 · 8 (22.2.1901) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Bloch's wochrnfchrist. Sette 1» Rr'6 gehören habe, der Mann jedoch eine weit größere Bewegungsfreiheit genieße, da er nur einen geringen Theil seiner Persöulichkeit in den Tausch gebe, weil deren größere Hälfte seinem Berufe, der Außenwelt angehöre. Hiedurch würde dajunge Wesen nicht allzubald die unausbleibliche Enttäuschung erfahren,, daß sie an ihrem Manne nicht weiter wie im Brautstande jenen glühenden Liebhaber finde, den fie in ihm für alle Zeiten vermuthete. Es erweist sich demnach als viel richtiger, den Mädchen plausibel zu machen, daß die Ehe eine Art gesellschaftlichen Vertrages bilde, in welchem der Frau wie dem Manne ihre Pflichten strenge zugemessen sind, daß es jedoch unberechtigt von Seiten der Frau sei, vom Manne ebensoviel an Hingebung zu fordern, als sie ihm zu bieten verpflichtet ist. Solch eine aufrichtige Aussprache zwischen Mutter und Tochter vermöchte Letzterer so manche trübe Stunde, so manche stille Thräne zu ersparen, wenn früher oder später die Vergänglichkeit all dessen, war sie für cwig gehalten, den Himmel ihres Glückeumdüstern sollte. Nur zu oft begegnen wir heute dem Typus der unverstandenen, mit sich und der Welt zerfallenen, vom Pessimismus angekränkelten Frau, die in schlaffem Hinträumen verharrt und jedes Interesse am fluchenden Leben verloren zu haben scheint. Woher dies nur kommen mag? Die Frau, die gegen die Enttäuschungen des Lebens keinen Ersatz in einer erhabenen Idee, in einem edlen Streben gesucht, die weder in ihren Kindern, noch auf dem Gebiete socialer Hilfsarbeit einen befriedigenden Ersatz gefunden, wird stets ein verfehltes, freudenloser Dasein führen: Darum möchte ich es diesen Frauen zurufen, daß sie sich aus ihrer Indolenz aufraffen möchten, darum möchte ich das Interest1 für alles Edle und Gute in ihnen wecken, weil ich überzeugt bin, daß, wenn einmal der in ihnen schlummernde Ehrgeiz lebendig wird, derselbe sich nur zu bald mit der Sorge um daöffentliche Wohl derart verquicken dürfte, daß sie zu wahren Wohltäterinnen der Menschheit zu werden vermöchten. Sie wären wohl auch dazu berufen, unserer an so vielen Härten und Rücksichtslosigkeiten krankenden Zeit eine mildere Richtung zu geben. Wenn ich den Männern die Anerkennung nicht versage, daß sie in der"Schaffung-guter Werke, wohlthätiger Institutionen die Initiative ergriffen haben, so muß ich doch auch wieder constatiren, daß die weibliche Betätigung bei dieser Gelegenheit ausdauernder als die männliche ist, und vermag die Art der Frauen auch das Herz der Hilfsbedürftigen weit mehr anzusprechen. Bei ihnen ist es keine bloße Pflicht, die sie üben, da ihr Hilfsbedürsniß weniger der Reflexion als dem ihr innewohnenden Jnstincte entspricht, überall dorthin, wo es zu helfen, zu unterstützen gilt, ihre Hilfe, ihren Trost, ihr Mitleid hinzutragen, wodurch sie geradezu prädestinirt erscheinen, speeiell in der Armenpflege eine bedeutende Rolle zu spielen. Es ist aber auch höchste Zeit, daß unsere Frauen sich im Culturleben jenen dominirenden Einfluß erobern, der den Frauen anderer Länder längst eingeräumt ist. Warum sollten sie bei uns nicht auch dazu gelangen, aus dem Dunstkreise ihrer Lethargie und Halbbildung herauszutreten, um sich ihrerseits einen offenen Blick für die Ereignisse des Tages, ein eigenes Urtheil für dar, was recht und unrecht ist, einen regeren Pulsschlag für die Strömungen der Zeit anzueignen? Nur durch ihr Heraustreten aus ihrer engen, geistigen Sphäre, deren bewegendes Hauptmoment die Wirthschaftspedanterie bildete, durch das erlangte Rüstzeug moderner systematischer Bildung, durch das eigene Fortschreiten in den einzelnen Wissenszweigen vermögen sie sich die Fähigkeit anzueignen, auf die Charakterbildung ihrer Kinder bestimmend einzuwirken, durch daSrichtige Erfassen ihrer Pflichten auch das intellektuelle Familienleben zu heben, indem sie in dasselbe jenes bei uns so sehr fehlende Interesse für Kunst und Literatur hineinzutragen im Stande wären, welch letztere einerseits durch den Mangel eifriger Förderer und Beschützer verkommen, andererseits durch die absonderlich bizarren Erscheinungen moderner Geschmacksrichtung gefährdet erscheinen. Solch ein erhöhtes Bildungsnivean der Familie würde natürlich auch einen rascheren Verbrauch und regeren Verkehr künstlerischer und literarischer Produkte nach sich ziehen, wodurch die Schaffenslust der Künstler und Schriftsteller auf das Günstigste beeinflußt zu werden vermöchte. Auch könnte sich auf solcher Basis ein lebhafter pulsirendes, gesellschaftliches Leben und Zusammenhalten der einzelnen jetzt bei uns sich geradezu befeindenden Gesellschaftsclaffen herausbilden, aus welcher Harmonie sich als herrlichste Blüthe daS Salonleben zu entfalten vermöchte, daweit mehr, als wir es nur ahnen, auch in seiner Art eine hohe kulturelle Bedeutung zu erlangen vermag. Da- Salonleben, dessen Wichtigkeit und oftmals hohe Mission bei uns noch lange nicht nach Verdienst gewürdigt wird, vermag, abgesehen davon, daß eS lebhafte Converfation, Schärfe de- Geistes, Kunst und Wissenschaft gedeihlich fördert, auch in socialer Beziehung dadurch Bedeutendes zu leisten, weil eine von einer derartigen Centralstelle ausgegebene Parole, ein solidarische» Zusammengreifen Vieler zu einer mächtigen Propaganda sich herauszubilden vermag, die zu Sieg und Erfolg führt. Die gebildete vorurtheil-lofe Frau, welche die richtigste Lehrmeisterin guten Geschmacks, guter Manieren und jeder Art von Geselligkeitskunst ist, vermag, wenn sich auch Herz und Klugheit zu ihren übrigen Talenten gesellen, den Salon zu einer wahren Geburtsstätte edler und hoher Ideen zu gestalten, die Vorbereitung freigeistiger Zeitperioden mit sicherer Hand zu unterstützen, aber auch in unheilvolle Bahnen gelangte Strömungen in ihr richtiges Bett zurückzuleiten. Diplomaten im Unterrocke, die es schon im alten Griechenland gegeben und die sich in den verschiedensten Zeitläuften und Verhältnissen bewährten, die auf Thronen, wie auch in den Niederungen der Völker ihre Kunst geübt, sie vermöchten vielleicht auch jenes Zauberwort zu finden, das die sich in allen Lagern bekriegende Gesellschaft zum Frieden und zur Eintracht bekehren könnte. Doch vermag der Salon auch zu einer Pflegestätte für aufkeimende Talente zu werden, welche allein durch die Treibhauswärme eines solchen zu reichster Entfaltung zu gelangen im Stande sind. Es ist daher unwiderlegbar, daß bedeutende Frauen chrem Lande auf allen Gebieten zu nützen vermögen, und muß e» unS sehr begreiflich erscheinen, wenn, von diesem Standpunkte ausgehend, der kluge um das Wohl seines Vaterlandes so überaus besorgte Gambetta eines Tages schmerzlich auSrief: „La republique manque des femmes“. Und in der That erstanden der Republik wenige Wortführerinnen im weiblichen Lager, und hatten nur nur zu bald Gelegenheit, zu bemerken, daß in derselben weniger Liebe und Barmherzigkeit sich geltend machten, als rohe Gewalt und wilder Trotz ihre Orgien feierten. Und nun, nachdem ich die Wichtigkeit weiblichen Einflusses im Allgemeinen skizzirte, glaube ich meinen Bortrag kaum beenden zu können, ohne auf die der j ü d i s ch e n Frau zukommenden Pflichten im Besonderen zurückzukommen, die angesichts unserer heutigen abnormen, unserer Confession höchst ungünstigen Verhältnisse ganz besonder» schwer inS Gewicht fallen. Heute, wo die Verdächtigung und Geringschätzung unsere» Stammes auf der Tagesordnung sind, müssen wir ganz besonder» darauf achten, besser als unser Ruf zu sein, damit die Beschuldigungen, die unS treffen, ja nicht berechtigt scheinen. Den« nur solange vermögen wir gehobenen Haupte» einherzuschrette« und auf dauns umgebende Gekläffe mit Verachtung herabzublicken, als wir die Ueberzeugung haben, daß wir die bloßen Opfer einer kranken, verirrten Zeit find, oder daß e» die Macht der wechselnden Mode, oder auch der Fluch der Langeweile ist, die, wie Leroy behauptet, ebenso den Fortwie Rückschritt der Völker zu erzeugen vermag, indem fie Biele veranlaßt, ihrer Neuerungssucht und Veränderlichkeit zuliebe sich irgend einem guten oder auch schlechten, doch immerhin neuem Wahne hinzugeben. So muß denn wieder einmal da» Judenthum, das stets ein dankbares Object für allerlei fteibeuterische Gelüste abgegeben, zum Prügelknaben werden, muß wieder herhatten, die Rolle des Sündenbocks für allerlei Gebrechen und Verbreche» Anderer zu spielen. Und darum erwächst uns Allen die heüige Verpflichtung, dem Staate und der Gesellschaft trotz allem unentwegt und unverdrossen zu dienen, mit ganzer Hingabe unseres Selbst, um keines Haares Breite von unserem Selbstgefühle aufzugebvi und unbeirrt, ob auch die feindlichen Gcschoße «ns verlebet. den Platz, auf den Geschick und Tal:nt uns gestellt, mit Zähigkeit und Ausdauer zu behaupten und in dem alten Spruche Trost zu finden, daß es „nicht die schlechtesten Früchte find, an denen die Wespen nagen-. Da speciell die jüdische Frau es ist, auf die sich hauptsächlich die Pfeile des Hasses eoneentriren, so erwächst ihr die Pflicht, nach jeder Richtung hin besser, edler, aufopferungsfähiger, pratiottfcher als jede andere Frau zu fein, fie muß zum Hohne der Gegner alle Anderen mit ihren Tugenden und Vorzügen überragen.

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