Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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■ Nr7? Lr. Vloch's WochrnschrifL Seile 123 sucht er nach den Schätzen, die er in seiner Welt nicht fand. Alss Fremdling kommt er in unsere Thore. ff Und in dem Buche Gottes, in der Bibel, findet er, was^ seine Sehnsucht verlangt; alle Ungeheuerlichkeiten, aller Widers streit, aller Schmerz und alles Leid verstummen. Die Eifüllung,^ der Friede, der Sabbath naht; er naht nach unserem alten' Gebote auch für ihn, der ein Fremdling ist in unseren Thoren.' „Sei still Judäa und schweige, Du Tochter des Sem! Höre was ich Dir sage Es naht der Tag der Tage, Nach Streben und Sterben und Streit, Nach Lieben und Lehren und Leid Nahet die Ernte der Saat: Der Sabbath der Sabbathe naht! Das Buch aber, die Balladen, sind der Dank für das kostbare Sadbathgefchenk: den Frieden, den er bei uns gefunden. Es ist mlt aufrlchngem Empfinden, mit ernster Begeisterung geschrieben, es verdient sehr viel Anerkennung und es ist nur zu bedauern, daß ein Werk, welches ein einfaches Gastgefchenk sein sollte, ein Werkzeug der Agitation und des Kampfes werben dürfte. Denn Herr v. Munchyaufen ist, kaum gesundet, ein Fanatiker geworden; er har sich unter die Propheten gemischt und als Apostel tritt er vor uns hm: Geächtet Volk, ich zeige Dir die Stege Aus Haß und Hohn zu Deiner Jugend Glück, Verlor'iler Stamm, ich weise Dir die Wege, Und Deiner Wege Losung heißt: Zurück! Der „neue Prediger in der Wüste" meint es sehr gut, aber er rst von der Wahrheit entfernt, uuo es wäre työricht, ihm zu glauben. Unsere Losung heißt: „Vorwärts!" Wer uns „Zurück" zuruft, der ist wirklich nur ein Fremdling m unseren Thoren. Es ist schließlich noch Einiges über die fürstliche ooer freiherrliche Ausstattung des Buches zu sagen. Die graphischen Künste, die, ernst em Aschenputtel, zum Priuzessinnenrang eryooen wurden, feiern immer neue Triumphe bei oem modernen Buchschmucke. Auch diese Balladen siuo ein kleiner schätz für alle Lleoyaver schon gedruckter Bücher und die Zeichnungen von E. Pt. Lilien beanspruchen zu ihrer Würdigung emert Aufsatz für sich. Sie sind durchwegs Schöpfungen euieö geistreichen formgewandten Künstlers, oer immer fesselt und den sein Geschmack vor Uevertrelvungen glücklich bewahrt. Im Ganzen und Großen wird uns in den Münchyauseli'ichen Balladen ein interessantes Buch geboten, ein beoeurenoes aber nicht. L. Geschichte der Juden in Kremsier. Von Rabb. Dr. Avolf Fraukl-Grun. LU. Lände. Breslau und Frankfurt. I. Kaufmann. Im Selbstverläge des Verfassers Io01. „Alles Groge in Fähigkeiten und Fertigkeiten ist ein Erbgut, ein., Entwicklungsergebniß, an dem Geschlechter gearbeitet uuo gesammelt haben, bei dem die Natur unsichtbar, aber unaufhaltsam des Schatzmeisteramtes gewaltet hat. Wie es feine» hochragenden Lchurm ohne liefen Untergrund, keinen Wipfel ohne Stamm geben kann, so ruht Alles, was jemals in aller Meujchengeschichle groß und herrlich gewesen ist, auf der Abfolge von Generationen, nur in den Schichten der Geschlechter tritt, langsam heranreifend, dasjenige ui die Erscheinung, was zu geschichtlicher Größe berufen ist." Wen gemahnen diese wahrhaft herrlichen Worte des großen David Kaufmann mchr, wen wecken^ sie nicht zum Elitzückeu und herzinnigem Dante '4 Dem Sohne der Stadt, der Gemeinde und des Landes entlockt das hehre Geisteswerk den edelsten Ausdruck dankbarer Empfindungen, auftichugehrfurchtsvoller Gefühle. Doch die Forscher und Lernenoen außeryaui des heimischen Kreises, die Zeitgenosseu und Komuienden, denen die „Geschichte" ein Born tiefen Wissens, remen Denkens und reichster Belehrung ist und sein wird, suchen, begeistert von der ruhmreichen, heroischen Thar, nach Worten der Anerkennung und des Lobes. Mit dem jüngst erschienenen dritten Baild schließt der als Prediger wie als Lehrer Ulid Schriftsteller rühmlichft bekannte Verfasser seine „Geschichte" ab. Nochmals, sei hier Gelegenheit genommen, dem genialen Werke Einiges voranzuschicken und vornehmlich die mitunter-geäußerte Meinung zu zerstreuen, als sei diese Geschichte Nicht wichtig genug, um solch riesigen Sammelfleißes und solch schaffensfreudiger Forschung theilhaftig zu werden. Die Darstellung der historischen Entwicklung oer Gemeinde Kremsier hat in mehr als einer Hinsicht epochale Bedeutung. Nicht allein der Umstand, daß sich innerhalb der Mauern dieser Stadt Ereignisse von weltgeschichtlicher Bedeutung abgespielt (184-er Reichsrath, .Kaiserzusamlueukunfi), nicht blos die auch den Nachbargemeinven zutyeil gewordenen Plünderungen und Verfolgungen, sondern in erster Reihe d i e histor sch denkwürdigen Momente sind es, welche diese Gemeinde als bevorzugten Mittelpunkt einer bleibenden Aufzeichnung erscheinen ließen: Nehmen doch einige der hervorragendsten Familien hier ihren Ursprung (Gutmann, Schapira,) gaU doch Kremsier, an dessen geistiges Leben, wie Dr. Frankl authentisch zu zeigen in der Lage ist, sich Namen wie Kuraüda, »Oetting, Ludw. Aug. Frankl, Wertheimer, Baumgarten u. A. knüpfen. Rin dessen Mitte ein Gelehrter wie Prof. Kaufmann seine Jugend ver- Ulebt .... Diesem ist auch voll Dankbarkeit und Pietät eine Skizze*) Mgewidmet, welche des geistvollen Philosophen, des großen Theologen ^und Schriftstellers, insbesondere ab.r des bedeutenden, edlen Charakters, des unvergänglichen Weisen Bild in ein schönes Licht gestellt, gebildet? aus Strahlen aufrichtiger Achtung und Werthschätzung. Diese Monographie wird ein interessanter Beitrag zur Cultur- und Literaturgeschichte der Juden werden, schrieb an den Verfasser der Dichter Frankl, welcher den Entwicklungsgang der Gemeinde, den sie unter dem kirchlichen Regime, getrennt von der Stadtgemeinde, selbstständig, fast voo Jahre, burchgemacht hat, mit dem geübten Auge des Forschers überschaute. Eine heroische Aufgabe liegt da vorj uns mit bewunderungswerthem Geschick gelüst. Solch schwerwiegende Materien — wie Urkunden aus längst entschwundenen Tagen, Memor- und vergilbte Grundbücher — mit verständnißvollem Eifer sichten, den Weg durch die blutbefleckten Spuren des altjüdischen Märtyrerthu i s bahnen, historisch denkwürdige Vorgänge aus dem Schutt der Vergangenheit ausgraben und in gewandt stilistischer Darstellung vorführen zu können — das sind Vorzüge, welche man nicht jedem Geschichtsschreiber anrechnen mag. In das tiefe, schier undurchdringliche Dunkel, mit welchem die Anfänge der Sladtgeschichte umhüllt sind, bringt der Autor, welcher in kluger Voraussicht scheinbar sernliegende Momente der Zeitgeschichte in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, ziemlich klares Licht. Die Zeit der „Judenrichter", des Rabbinates, des Schwedeneinfalls ist planijch und anziehend im ersten Theile dargestellt; die Einwirkungen und Folgen des Erbfolgekrieges und die überaus hohe Bedeutung, welche der Reichsralh (1848) auf die Judengemeinde im Allgemeinen, sowie nicht minder auf die geistigen Interessen der Bewohner der „Gasse" nahm, das wird so deuttich und künstlerisch zugleich geschildert, daß man immer wieder die Gabe des Meisters bewundern muß, dessen Geist sich da wiederspiegelt. Allseitiges Interesse erregte die Geschichte der „Wiener Emigranten" und der Jndenemancipation (1. u. -j. Bd.). — Mußten wir in Ansehung der reichen Fülle des in den zwei ersten Bänden Gebotenen rückhaltlos unfere aufrichtige Bewunderung ob solch gewaltiger Geistesarbeit aussprechen, so nölhigt der letzte — und reichste Scheit des Werkes zu umso größerem Lob: Eine wahre Fundgrube historisch-merkwürdigen Materials von unsätzbarem Werth thut sich hier auf! Und daneben die köstlich geschilderten „Classenkämpfe" im Ghetto, die das Geistesleben der letzten Jahrzehn e so recht charaklerisirenoe Schilderung des Kampfes um die Vorherrschaft in der Gemeinde! Gleich dankeswerlhe Würdigung fand die Geschichte des LandesrabbinatS — wiederum eine erquickende Stelle, wohl werth, daß Geschichtsforscher daselbst bisweilen ausruhen. Sittenreinheit und Glaubensstärke mögen die Mitglieder der Gemeinde aus dem Werke kennen lernen. Gemülhsfülle, Entsagung und Selbstbeherrschung daraus schöpfen, die kommenden Generationen Muth und Kraft zum Dulden und'Ausharren daraus gewinnen — dann — spricht der Verfasser — fühle er sich reichlich belohnt. Doch — fügen wir hinzu — nicht den Eltern, dem Ruhm der Kinder, sondern sich selb st hat er ein ewiges Denkmal, eine Ehrenhalle dadurch errichtet. _ Heinrich Mährer. Briefkasten. S. N. Es gibt mehrere israelitische Knabenpenfionate in Wien, von denen wir Ihnen besonders das Pensionat Ur b a ch^ II., Vereinsgasse 9, das modernen Anforderungen entspricht, bestens empfehlen können. I. Die Jahrzeit war im ersten Jahre am 12. Schewat. St. St. Patzau liegt in Böhmen. S. L. Ungeeignet. Abonnent B. Megilahs und Sederschüssel erhalten Sie bei Brüder Goldmann, I, Adlergasse 3, welche Firma wir Ihnen bestens empfehlen können. W. R. Herr Schönerer wird doch mit der Zeit besonnener. Er wünscht jetzt schon, daß unter Umständen ausnahmsweise auch Jene, die jüdisches Blut in ihren Adern haben, im Staatsdien sie Anstellung finden. Offenbar denkt er hiebei an die eigenen — Söhne, die Urenkel Schmul Leeb Kohn's. A. W. Der betreffende Armenarzt ist ein Gesinnungsgenosse Lueger's. Sonst wäre seine Affaire im „Deutschen Volksblatt" wohl ganz anders beurtheilt worden. I. M. Dr. Stransky wurde von den „Alldeutschen" daran erinnert, daß er „Jude" gewesen. Er selbst erinnert sich wohl kaum mehr daran. Anton W r. Das braucht Sie nicht zu überraschen. Herr Schönerer verehrte stets das Deutschthum und mißhandelt immer die — deutsche Sprache. Arthur H—g. Seitdem der deutsche Kaiser den Juden Ball in so ausgezeichnet hat, steht er bei den deutschnationalen Antisemiten in tiefer Ungnade Die „Ostdeutsche Rundschau" droht ihm, seitdem er noa) überdies den Engländer Roberts einen Orden verlieh, damit, daß er die Liebe der Deutschen verlieren werde. Alan kann sich denken, wie sich Wilhelm 11 von Herrn K. H. Wolf einschüchtern läßt. Aist, Nach dem „Deutschen Volksblatt" ist auch S o « n i n o ein Jude. *) HI. Bd., S. 148. Prof. Dr David Kaufmann.