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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-15 · 7 (15.2.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 Dr ^Vlvch's Wortzruschrift. Seite 1^1 200 erreicht, wenn auch die minderjährigen Kinder hinzugerechnct werden. Unter den Uebergetretenen befinden sich zumeist Ministerialbeamte, Lehramtscandidaten und Studirende. Nur einen geringen Bruchtheil der obigen Ziffer bilden Jene, die sich keiner Confession anschlossen, sondern als confessionslossich erklärten. Letztere recrutiren sich zumeist aus der Classe der kleinen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Fürth i. B. Herr Dr. L. Warszawski, der seine Ausbildung an dem Rabbiner-Sen.inar zu Berlin erhalten hat, ist als Religionslehrer an die hiesige israelitische Realschule berufen worden. Paris. In der letzten Sitzung des Berwaltungsrathes der Jewish Golonisation Association ist der bisherige Director der Alliance-Schule in Tetuan, Herr Pariente, zum General-Jnspector der der J. C. A. unterstehenden Colonien in Palästina ernannt worden. Herr Pariente befindet sich bereits im heiligen Lande. Jassy, 4. Februar. Der Tod des Heimgegangenen Baron Wilhelm v. Rothschild hat die hiesige Judenschaft tief erschüttert. Die Bnei-Brith-Loge veranstaltete in ihren Logenräumen eine seierliche Gedenkfeier mit Reden von Dr. Lippe und Doctor Niemirower. Die Volksküche speiste 600 Arme gratis. In der großen Synagoge versammelten sich Tausende von Glaubensgenossen. Der greise Rabbi F. Taubes feierte die Orthodoxie des seligen Barons. Dr. Niemirower hielt als Rabbiner der Stadt, Mentor der Bnei-Brith-Lsge, Vicepräsident des Hilfs comitäs und Jnspector der jüdischen Schulen die tief ergreifend. Trauerrede, rn welcher er das Lebensbild „Wilhelm's des Frommen" entrollte. Die Vertreter der Gemeinde, A. S. Goldenthal, Weisengrün und Goldenberg, sendeten Condolenzadressen. New-Pork. Nach den Aufzeichnungen des arbeitsstatistischen Amtes sind im dritten Vierteljahr 1899 rund 57.000, im gleichen Zeitraum 1900 dagegen über 83.000 Einwanderer im hiesigen Hafen gelandet. Die Zahl der jüdischen Immigranten, welche 24 Procent der Gefammtziffer betrug, hat sich verdoppelt, eine Wirkung der rumänischen Judenverfolgung. Feuilleton. Gin Idyll aus der Iudengasse Von Martha Wolfenstein. II. Wie sie sich verliebten. Als Dovid am Morgen nach ihrer Trauung sich zum Frühstück setzte und zum ersten Mal seine Frau kühl und ruhig ansah, wurde es ihm klar, daß das blaffe junge Gesicht ihm gegenüber das einer Fremden war und es wurde ihm bleischwer zu Muthe. „Für's ganze Leben!" stöhnte er. „Angenommen, sie ist nicht gut, nicht liebevoll, was weiß ich? Der Vater hat leicht sprechen. Er hat nicht mit ihr zu leben. Wehe, was habe ich gethan? Großer Gott, im Himmel, gib mir die Kraft, es zu tragen!" Resel saß und seufzte. Es war Alles so ganz anders, als sie sich es gedacht hatte. Ja, die Trauung war großartig gewesen, alle ihre Freundinnen hatten sie beneidet, ihr Seidenkleid hat himmlisch geraschelt; aber er — er flüsterte kein zärtliches Wort, er war so kalt und schweigsam. Ach, ihr Traum hatte sich nicht erfüllt; es war ein Fremder, durchaus nicht er. Es gab nicht viel in ihrem kleinen Hause zu thun, wo Alleso blitzblank und neu war, und so schleppten sich die Tage mühselig dahin. Manchmal ging sie in das Haupt-Meiereigebäude, aber Alle waren dort mit ihrer eigenen Arbeit beschäftigt und wenn sie einmal versuchte, Butter zu schlagen, so lachten sie über ihre kleinen, weißen Hände, die sich gleich mit Blasen bedeckten. Ihre Schwiegermutter maß sie mit eifersüchtigen Blicken, und wenn Aaron, der alte Pächter, sie erblickte, pflegte er ihr neckend zuzurufen: „Hast Du diese Küchel noch immer nicht gebacken?" Ihn sah sie nur bei den Mahlzeiten, und wenn das Schweigen zu drückend wurde, sprach er von der Kartoffel-Ernte und den jungen Lämmern. Resel zuckte die Achseln und dachte: „Was gehen mich die Kartoffel-Ernte und die jungen Lämmer an?" Eines Morgens, in der zweiten Woche ihrer Ehe, kam Dovid's Mutter, welche seit seiner Heirat mit der Angst behaftet war, daß ihr geliebter Sohn Gefahr lief, durch einen Proceß langsamer Aushungerung von den zarten Händen des Stadtfräuleins allmälig umgebracht zu werden. Sie trug eine Pfanne voll frischgebackenec Mehlspeise. „Hier", sagte sie höhnisch lächelnd, „habe ich Euch etwas zum Essen gebracht. Was wirst Du ihm heute kochen?" fragte sie prüfend nach dem Herd spähend. „Ich weiß nicht", sagte Resel, „ich weiß nicht, was er gern ißt." „Wenn das Weib es nicht weiß, wer denn?" brummte die alte Frau, „wenn man einen Mund hat, kann man fragen." Kannst Du Nudelsuppe machen?" fragte sie spöttisch. „Ich kann noch so viel, wie ein Dutzend Landspomeranzen", trat ihr auf die Lippen; als sie aber sah, wie gebeugt die alte Frau im schwarzen Tuch einherging und wie runzelig und verhärmt ihr Gesicht war, bezwang sie sich und sagte sanft: „So werde ich Nudeln machen." „Sie denken, daß ich blödsinnig bin!" schalt sie beim Nndelbrett. „Als ob es etwas so Großes wäre, Käse zu machen und Hühnerfutter zu mischen. Jede Stalldirn kann melken und buttern. Ich möchte gern eine von ihnen einmal in der Stadt sehen. Was wissen die von Art? Kann eine von ihnen einen Tisch decken, daß Meffer und Gabel aufrecht zusammenstehen und die Servietten in Hutform gefaltet sind." Möge ich nimmer diesen Platz verlassen, wenn sie feinere Nudeln machen kann, als diese — haardünn — und sie blickte mit Befriedigung auf einen kleinen gelben Hügel aus einer wirren Masse dünner Fäden, der unter ihrem Messer emporwuchs. Der Morgen schlich mühselig weiter, das Mittagessen kochte auf dem Herde und Resel saß am Fenster und langweilte sich und blickte nicht auf den Weg, auf dem ihr Gatte kommen sollte, sondern nordwärts gegen ihre Heimat und die Gaff'. „Was für ein Leben ist das?" sagte sie niedergeschlagen. Ward ich dazu erzogen, hier allein zu sitzen, wie ein Gefangener? Wer kann das aushalten? Zu Hause ist heute Markttag und die Mädchen kommen alle am Brunnen zusammen und Reb Noah's Schaufenster ist voll neuer Stoffe und hier, mein Gott, was ist hier? Ein häßlicher Kartoffelacker, eine windschiefe Scheune, eine Weide mit schmutzigen Kühen und eine Menge dummer Landleute — und er, er ist so fremd und still. — Und so fort, bis sie beim Knirschen des Kieses auf dem Wege auf die Füße und zum Herde sprang. Dann, o Entsetzen, welcher Anblick! Während sie schmollte, war der Deckel vom Topf geglitten und die Suppe war übergelaufen — sie war weg! Resel roch den Dunst, der langsam beim Fenster hinauszog. Das Bischen, das geblieben war, sah traurig und trüb aus, die Nudeln lagen als färb- und formlose, klebrige, übelriechende Masse am Boden des Topfes. Ich werde sie in den Schweinetrog schütten — es wird ihm nichts schaden, einmal im Leben nur Kartoffel zu Mittag zu essen." Dovid war erhitzt und müde, die Küche erschien ihm kühl und zur Ruhe ladend, und Resel sah mit ihrer großen Schürze neben dem Herde sehr hübsch aus. Ec suchte in seinem Gedanken, was er ihr Freundliches sagen konnte und die Spuren ihrer Thätigkeit auf dem Brette sehend, sagte er: „Du hast Nudeln gemacht? Woher wußtest Du, daß ich Nudelsuppe gern esse?" „O Gott, o Gott!" stöhnte Resel innerlich, „was soll ich thun? Sagte ich es nicht immer, er denkt nur ans Essen." Da ließ sich nichts machen — sie mußte die Suppe auftragen. „Er wird schreien" dachte sie voll Angst. Er soll nur, was mache ich mir daraus! Aber er wird es seiner Mutter sagen und ich werde es so oft zu hören bekommen, daß es gar kein Ende nehmen wird. — O, warum verließ ich je meine Heimat. — Warum heiratete ich ihn? — O mein Gott, o mein Gott! Ich wollte ich wäre todt. Resel wartete bis das Tischgebet gesprochen war, legt dann Dovid einen Teller voll vor und nahm sich selbst ein wenig. „Warum issest Du nicht" fragte Dovid wartend. „Ich bin nicht hungrig" schmollte Resel. Dovid sagte nichts und nahm seinen Löffel. Resels Herz begann wild zu pochen. Er tauchte den Löffel ein, hob ihn zum Munde, nahm die Suppe ein und schluckte sie, er tauchte ein, hob, nahm ein, schluckte wieder und wieder, und immer wieder, ohne Wort, oder Zeichen.

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