Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Dr. Blvch's Wochenschrift Sette 117 unser hochverehrter Herr Rabbiner Ehrwürden Dr. D. Keßler in herzergreifender Weise die Trauerrede, worin er den wahrhaft frommen Lebenswandel, seine Rechtlichkeit, seine aufopfernde Liebe für seine Familie und seine Gemeinde schilderte. Er war noch einCultusmitglied aus der guten alten Zeit, das leider in dieser materiulistischen Zeit immer seltener wird. Nach beendeter Predigt wurde ein Tcauerpsalm mit theilweiser Chorbegleitung in exquisiter Weise reeitirt. Hunderte Menschen begleiteten nun den Tobten zur letzten Ruhestätte. Es betheiligten sich der gesammte Cultus-Ausschuß, der (ldswrÄ-Laäisoffa-Ausschuß, die Bürgermeister der israelitischen und Christenstadt mit den Ausschußmitgliedern, die Schuljugend der deutschen Volksschule mit ihrem Schulleiter, der Director und die Lehrer der hiesigen städtischen Volks- und Bürgerschule, Beamte und viele Andere. In der Friedhofshalle nahm nach Recitation des „Hazur tomim“ durch den Herrn Cantor der Sohn des Verewigten, Landes-Advocat Dr. Max Beer, im Namen seiner Familie in herzzerreißender Weise mit thränenerstickter Stimme unter Dankes- und Liebesworten Abschied. Am Grabe nahm noch der Schwiegersohn des Verblichenen, Herr Zierer, in bewegten Worten Abschied, worauf unter Leitung unseres Chorleiters und ersten Cultus-Beirathes Herrn N. Veith das „Schiwisi“ gesungen wurde. Jglau. (Aus der Jahresversammlung des Gesangvereines „Schir Zion".) Wer in der jüngsten Jabresversammlung unseres Vereines anwesend war, konnte sich nach den Ausführungen der Berichterstattung die Ueberzeugung verschaffen, daß das dem Vereine allgemein gespendete Lob seine volle Berechtigung gefunden habe und nur ein getreues Abbild dessen ist, was die ausführliche Berichterstattung der Versanrmlung vorbrachte. Für heute genüge es, aus dem dargebotenen statistischen Material die Frequenz namhaft zu machen, demzufolge der Verein 54 nur israelitische Sängerinnen und Sänger nebst 150 beitragenden Mitgliedern zu den Seinen zählt. Der Vereinsausschuß unter der Leitung seines Obmannes Herrn Gustav Hellmann und Obmann-Stellvertreters Herrn Adalbert Pokorny hatte auch im abgelaufenen Jahre eine vielfache Geschäftsgebahrung zu bewältigen; vornehmlich erheischte die Besetzung der vacant gewordenen Chormeisterstelle die sorgsamste Behandlung. Es verdient hervorgehoben u werden, daß der Ausschuß wieder einmal eine zweckdienliche Wahl getroffen habe, nachdem unser Chormeister, Herr.Josef Kahn, absolvirter Conservatorist und virtuoser Cellospieler, sich als Dirigent unseres Chores vorzüglich eignet; zudem hat er in letzter Zeit eine Anregung gegeben, daß eine Schaar jugendlicher Sänger und Musiker ein completes Hausorchester im Vereine sich organisirte, welche bereits Proben ihres flotten Spieles abgelegt hatten. Diese von Zeit zu Zeit dargebotenen Musikgenüsse bilden einen besonderen Anziehungspunkt für die Mitglieder. Der Jahresbericht erwähnte auch des ausgezeichneten Gesangsvortrages unseres Herrn Obercantors Herrn D. Weiß bei den gottesdienstlichen Functionen und bilden diese im Vereine mit dem Tempelchore ein harmonisches Gepräge. Wenn gleiche Pflichten gleiche Rechte beanspruchen, so verdient es unser Herr Obercantor, daß er die dem Gesangvereine dargebrachten Ehrenbezeugungen mit uns redlich theile. Airs den vorangangenen Darlegungen geht hervor, daß die Vereinsleitung in erster Reihe und andere beeinflußende Factoren dazu beigetragen haben, unserem Vereine zu einem würdigen Ansehen zu verhelfen. Schon im Vorjahre wurde in Würdigung der großen Verdienste unser allverehrter Obmann durch die Ernennung zunr Ehrenmitgliede des Gesangvereines ausgezeichnet und erachtet es die heurige Vollversammlung als eine Ehrenpflicht, noch weitere AusKÜchnungen an verdienstvollen Männern vorzunehmen. Durch einhellig«» Beschluß der Generalversammlung wurde der verdienstvolle Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Adolf Lieblich, der durch 34 Jahre die Geschicke der Gemeinde leitet, die Würde eines Stadtverordneten bekleidet, Ehrenbürger der königl. Stadt ist, eine wahre Zierde der Gemeinde und der Judenschaft insbesondere bildet, in Würdigung vielfacher Verdienste um unseren Vereine zum Ehrenmitgliede desselben ernannt Es wurde ferner der Beschluß gefaßt, dem langjährigen Obmann-Stellvertreter Herrn Adalbert Pokorny die Auszeichnung als Ehrenmitglied des Vereines zu verleihen mit nachstehendem Wortlaut: „Der israelitische Tempelgesangverein „Schir Zion" hat in seiner am 6. Jänner I90k:'abgehaltenen Jahresversammlung einstimmig beschlossen, Euer Hochwohlgeboren -in dankbarer Anerkennung der Verdienste, welche Sie sich als Mitbegründer und langjähriger Obmann-Stellvertreter dieses Vereines durch ihre ersprießliche Mitwirkung und thatkräftige Förderung erworben haben, zum Ehrenmitglied zu ernennen, und spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß es Ihnen gegönnt fein möge, noch viele Jahre in ungeschwächter Gesundheit und Frische zu wirken." Dieser Tage wurden beide Diplome, welche kalligraphisch ausgestattet wurden, den Auszuzeichnenden überreicht. Herr Cultusvorsteher Ad. Lieblich dankte für diese Ehrung und gab die Versicherung, dem Vereine in allen Zeiten gewogen zu bleiben. Die Ueberreichung des Diploms an den Herrn Obmann-Stellvertreter erfolgte am i. Februar, an dem Festtage seiner silbernen Hochzeit, wo ihm gelegenheitlich eine Ovation von Seite des Gesammtvereines dargebracht wurde. Nebst der Entbietung der Herzenswünsche durch den Obmann im Namen des Vereines wurde dem Jubelpaare durch den Chor ein Huldigungslied angestimmt. Auch dieses wurde durch ehrende Worte des Dankes von Seite des Obmann-Stellvertreters erwidert. In der diesjährigen Jahresversammlung des Vereines wurden gewählt die Herren : Gustav Hellmann, Obmann; Adalbert Pokorny, Obmann- Stellvertreter; Adolf Benesch, Schriftführer; Wilhelm Pollak, Cassier; die Damen Frau Käthe Rosner, Frau Sofie Sommer und die Herren I. Heim, Maximilian Metzl, Carl Pollak, Simon Weiß als Beiräthe. Ehe die Sitzung geschloffen wurde, wurde der Antrag auf Abhaltung eines „Vergnügungsabends" für die Mitglieder und deren Angehörige angenommen und rüstet sich Jung und Alt für die Aufführung etlicher Lieder und Musikstücke, lieber das Gelingen dieses Vorschlages will ich m Bälde Näheres berichten. A B. Tyrnan, 11. Februar. Die hiesige Chewra-Kadischa feierte gestern in besonders solenner Weise ihr hundertjähriges Gründungsfest. Die Hauptpunkte der Jubiläumsfeier waren: 1. Die Abhaltung der Festsitzung im Berathungssaale der Cultusgemeinde. 2. Abfahrt nach den beiden Friedhöfen zur Verrichtung der üblichen Seelengebete. 3. Festgottesdienst in beiden Tempeln d-r hiesigen Cultusgemeinde nebst Predigt und Haskara. 4. Die Abhaltung eines gemeinsamen Brudermahles. Die Festsitzung wurde präcise 10 Ühr Vormittags durch den Obmann des Festarrangirungscomitss, Herrn Bernhard Schlesinger, eröffnet. In seiner gediegenen Ansprache hob er die hohe Bedeutung des Festes hervor. Erst im Jahre 1783 durften sich einige israelitische Familien in Tyrnau wieder ansiedeln, und bis 1801 hatten sie keine Begräbnißstätte für ihre Verstorbenen. Ueber höhere Ordre wurde ihnen in dem genannten Jahre ein Begräbnißplatz am äußersten Ende der Gemarkung der Stadt angewiesen. In unserer Gemeinde leben heute die Urenkel jener Familienväter, die die Chewra-Kadischa gründeten. Es waren dies die Familien Wolf, Hirschbein und Drechsler. Der Festgottesdienst war ein überaus feierlicher. Die Festreden der Ehrwürden Rabbiner Mayer Stein und Salamon Straßer waren Meisterwerke der Rhetorik. Zu diesem Jubiläumsfeste waren die Rabbiner und Vorsteher der Chewra-Kadischa aus der Umgebung geladen. Die Gemeinden Szered, Galgöcz und Bösing entsendeten Deputationen. Das Festbankett verlief in der denkbar animirlesten Stimmung. Selbstverständlich mangelte es nicht an guten Tischreden. Herr Leopold Herzog sen., Vater des Rabbiners Dr. David Herzog in Smichow, als Bereinspräses-Stellvertreter begrüßte in herzlichster Ansprache die Festtheilnehmer. Herr Bernhard Schlesinger sprach den Toast auf Se. Majestät Lem König, welcher stehend angehört wurde, worauf der Obercantor Abrahamsohn mit seinem geschulten Chore den Hymnus recitirte. Ferner sprachen die bereits genannten beiden Herren Rabbinen, Se. Ehrwürden Rabbiner Frankel aus Schattmansdorf, Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Samuel Funk aus Preßburg und viele Andere. Der Vereins- Schriftführer verlas hierauf die eingelangten Begrüßungstelegramme und Briefe. Es gratulirten die Ehrwürden Rabbiner aus Miskolcz, Aszüd, Vinkovce, Karczag. Stuhlweißenburg, Török- Szt.-Miklüs, Galgocz. Szered. Bösing, Bersecz, Smichow, Schaffa, Rabbiner Fürst aus Wien und außerdem sehr viele Vereine und Private. Herr Leopold Herzog, Präses-Stellvertreter, welcher bereits seit 25 Jahren im Dienste der Chewra-Kadischa als zweiter Vorsteher fungirte und anknüpfend an dieses Fest auch gleichzeitig sein Amtsjubiläum feierte, spendete dem Verein eine werthvolle silberne Büchse und wurden ihm Ovationen zu Theil. Das seltene Fest, an welchem circa 120 Personen theilnahmen, endete gegen 10 Uhr Abends. Die Gesammtkosten wurden aus der Vereinscafse bestritten und sowohl an jüdische als an christliche Arme ein ansehnlicher Geldbetrag vertheilt. Ä MBerlin. (Die jüdischen Elementarschulen . sind nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts öffentliche Volksschulen; die an diesen Schulen angestellten Lehrer find dementsprechend hinsichtlich ihres Diensteinkommens von der Zahlung der Gemeindesteuern befreit. Veranlaßt ist diese Entscheidung dadurch, daß ein jüdischer Lehrer von seinem Magistrat (in einer hannoverschen Stadt) zur Zahlung von Gemeindesteuern herangezogen wurde. Der Lehrer erhob Einspruch bei dem Kreisausschuß und bei dem Bezirksausschuß, jedoch ohne Erfolg. Das nun angerufene Oberverwaltungsgericht caffirte die Entscheidung der Borinstanzen und führte aus, daß die Befteiung von der Zahlung der Gemeindesteuern allen an öffentlichen Volksschulen angestellten Lehrern ohne Rücksicht auf den religiösen Charakter der Schule und ohne Rücksicht auf das Bekenntniß des Lehrers zukommt.