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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-15 · 7 (15.2.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 116 Nr. 7 Dr. Bloch's Wochenschrift. Pferde brauchen, müssen wir auch die Mischen Händler mit in Kauf nehmen? Die Art und Weise der Beantwortung der Interpellation des GemeinderatheS Nicoladoni seitens des Bürgermeisters Doctor Lueger kann wohl, was Ton und Inhalt betrisst, nicht überraschen und befremden, sie verdient es aber, niedriger gehängt zu werden. Man wird uns schon gestalten müssen, die kritische Sonde an die jüngste Expectoration des Bürgermeisters Dr. Lueger anzulegen. In der Beantwortung der Interpellation gesteht Doctor Lueger in erster Lmie seine Hilflosigkeit, seine Impotenz gegenüber den faktischen Verhältnissen zu. In weheklagender Weise weist er darauf hin, daß der Pferdehandel zumeist von Juden cultivirt wird. Und da die Gemeinde Wien Pferde benöthige, müsse man aber auch die jüdischen Händler in den Kauf nehmen. Die blmdwüthige Parteidemagogie Dr. Lueger's geht so weit, daß er gänzlich vergißt, welche Stellung er gegenüber der Bevölkerung Wiens, weß Standes und Confesfion sie auch sei, einzunehmen habe. Er hat einen feierlichen Eid geschworen, die Staatsgrundgcsetze zu beachten, die allen Staatsbürgern gleiche Rechte sichern. Er hat weiters einen Schwur abgelegt, bei allen seinen Handlungen die stricteste Objectivität zu beobachten und sich nicht von Parteiintcreffe leiten zu lassen. Nachdem wir nicht annehmen wollen und können, daß Dr. Lueger diese Eidschwüre gänzlich-vergessen Hot, so liegt in dem Borgehen Dr. Lueger's gegenüber seinen jüdischen Mitbürgern ein offener Eldbruch vor. Bürgermeister Dr. Lueger scheint die Thatsache nicht in Betracht gezogen zu haben, daß in Wien 140—150.000 Juden wohnen, die nahezu 10 Percent der Bevölkerung ausmachen und ungefähr 30 Perccnt der Steuer beziehentlich der Gemeindezüschläge leisten. Nimmt man den Gehalt und die Bezüge des Bürgermeisters pro anno auf 50.000 K an, so befindet sich hiebei an 15.000 L jüdisches Geld. Man wäre schon deswegen berechtigt, zu erwarten, daß er sich den jüdischen Mitbürgern gegenüber in weniger unvornehmer Weise benehmen und wenigstens die einfachsten ReAln des Anstandes und der Manier beobachten werde. Man kann nun nicht verlangen, daß sich die jüdischen Pferdehändler, die nur ein kleines Häufchen ausmachen, dem allmächtigen Bürgermeister gegenüber zur Wehre setzen sollen, nachdem sie sich sagen müssen, daß sie auf einen Succurs nicht zu rechnen vermögen, und daß es auch bisher Niemand gewagt hat, gegen die unstatthaft bürgermeisterlichen Judenbeschimpfungen und Anflegelungen Stellung zu nehmen. . Es sind wahrlich desolate Zustände, die im Rathhause herrschen, die für die Juden als Coutrahenten ebenso beschämend als materiell schädigend sind. Bei der Versorgung des Pferdebedarfes sind sie dem demüthigen Zugeständniß des Doctor Lueger zufolge nichtzu umgehen und müssen wohl in den Kauf genommen werden. Auf anderen Gebieten aber, wo man den Juden ausweichen kann, geschieht es auch. Und es gilt als oberster Grundsatz, jüdische Kaufleute und Contrahenten unnachsichtlich zu verdrängen. Dies hat aber bisher nicht den nothwendigen Widerstand gefunden. In diese Verhältnisse und Zustände muß endlich Bresche gelegt und Wandel geschaffen werden. Wie und in welcher Weise dies zu geschehen habe,, dies zu erörtern muß Sache der berufenen F-.ctoren sein. Eduard Beer. Baron Willy von Rothschild und der Zionismus.^ Dr. I. Rülf erzählt in der neuesten Nummer der „Welt": Einer der größten jüdischen, der Orthodoxie treu anhänglichen Geldsürsten hat den Grund verrathen, warum die gesetzesrreuen Jsraelrten vom Zionismus nichts wissen wollten. Um seine Unterstützung für die gute Sache des Zionismus angegangen, soll er geantwortet haben: „Ob die Sache gut oder schlecht, ist mir einerlei, genug, ich will mit den „Poschim" nichts zu thun haben? Woran die Juden schuld sind. An dem Unglück der Buren in Süd-Afrika sind die Juden schuld, namentlich die alten Juden. So verkündet das ofstcielle Ocgan der deutschnationalen Antisemiten: „Ihr Unheil verdanken die Buren nicht zum Geringsten der Judenbibel. Im Kriege wie im Frieden gilt den Buren die Judenbibel als Erbauungsbuch. Wenn es den Buren schlecht ging, so haben sie ihr Kriegsunglück aber nur der Judenbibel zuzuschrciben. Nach Berichten eines im Burenheere dienenden französischen Offciers hatten sowohl der Burenfeldherr Joubert als auch Cronje wiederholt Gelegenheit, das in einen Engpaß gerathene englische Heer zu vernichten. Anstatt aber die Kanonen spielen zu lassen, die auf den den Engpaß beherrschenden Höhen standen, beriefen sich, trotz Drängens einzelner Unterbefehlshaber der Buren, sowohl Cronje als Joubert auf irgend einen Bibelspruch, demnach man friedsame, wehrlose Feinde schonen soll. Sie betrachteten die mit Gewehren, Säbeln, Geschossen, Geschützen und Pulverwagen durchs „Defilö" ziehenden Engländer als „wehrlose Feinde". — Die Schönerianer vergessen in ihrem blinden Hasse gegen die Bibel sogar daran, daß sie gegen diese bisher stets den Borwurf erhoben, sie kenne nur einen Gott der Rache und der Lieblosigkeit. Brody. Die Verwaltung des hiesigen israelitischen Siechenhauses, an deren Spitze der durch sein edles, humanitäres Wirken vielseitig bekannte Herr Lasar Bloch steht, beging am 5. d. M. eine herzerhebende solenne Feier, nämlich die Einweihungsfeier des Zubaues dieser in jeder Beziehung ausgezeichneten Anstalt. Um 11 Uhr Vormittags, nachdem sich die großen, hellen Säle von einer fast unzähligen Menschenmenge füllten, unter der Vertreter aller Schichten der Bevölkerung zu sehen waren, Vorsteher und Vorsteherinnen sämmtlicher hiesiger Wohlthätigkeits-Anstalten, eröffnete der hiesige Cantor mit seinem Cyore die Feier durch ein schönes dazu geeignetes Psalmlied. Hierauf bestieg der mit einem herrlichen Organe, mit einem hervorragenden Rednertalente und reichem jüdischen Wissen begabte Herr Bloch die Kanzel und schilderte den Zweck, den Nutzen, das humanitäre Wirken dieser so heilbringenden Anstalt, . in welcher 47 arme, alte, verkrüppelte Personen eine Zufluchtsstätte fanden, um den Abend ihres Lebens sorgenfrei, fern vom Kampfe ums Dasein, beschließen zu können, auch appellirte er an die vielbewährte Wohlthätigkeit des jüdischen Herzens, das sich auch bald darauf kund gab durch eine beträchtliche Summe freiwilliger Spenden zu diesem Zwecke. Zuletzt ertheilte seinen priesterlichen Segen Se. Ehrwürden Rabviner Herr Jsak Chajes sowohl dieser Anstalt, wie auch der thatkräftigen Verwaltung und ihrem so ersprießlichen Wirken. M. M. . Bielitz. Es ist noch nicht ein Jahr verflossen, daß in der Generalversammlung der Chewra-Kadischa der Beschluß gefaßt wurde, eine Friedhofsmauer und ein Leichenhaus zu bauen. " Dank unserem rührigen Herrn Obmann Salomon Pollak und der Munificenz unserer Gemeindemitglieder, welche das edle Werk förderten, wurde vom Herrn Architekten Carl Korn, das Werk in kurzer Zeit aufgeführt. Jeder Einzelne, welcher zu diesem Bau beigetragen, kann mit dem schönen Bau zufrieden sein und sich freuen, mitgewirkt zu haben. Aus diesem Aulaffe fand Donnerstag den 7. Februar, Abends, in dem glänzenden Saale des Kaiserhofes die Chewra-Kadischa-Sude statt. Den ersten Toast brachte unsergeehrter Herr Obmann Cultuspräses Salomon Pollak auf Se. Majestät den Kaiser aus, welcher von den zahlreich versammelten Mitgliedern der heiligen Bruderschaft mit einem dreimaligen Hoch ausgenommen wurde. Hierauf ergriff Ehrwürden Herr Doctor Marcus Steiner das Wort, beleuchtete mit beredten Worten die Bedeutung der Chewra-Kadischa, brachte uns den leider zu früh verstorbenen hochgeehrten Herrn I. H. Halberstam in Erinnerung und gab die Anregung zur Gründung einer Halberstam-Bibliothek, welche allgemein beifällig ausgenommen wurde. Hierauf brachte der Herr Cassier Schmelz auf den wackern Herrn Architekten Karl Korn in gewählten Worten einen Trinkspruch aus. Es toastirten ferner Herr Doctor Julius Klein auf Herrn Cultuspräses Pollak, Herr Director Lemberger auf den Herrn Vicepräses Samy Tugendhat, Herr Doctor Ludwig Reich auf die Frauen, Herr Professor Feuerstein auf Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Steiner. ' Herr Major Fröhlich toastirte auf das Gedeihen des israelitischen . Handwerker-Vereines. Die Gesellschaft verblieb bis 2 Uhr Früh :- in heiterster Stimmung. Allen edlen Menschen, welche zu diesem l schönen Bau beigetragen haben, sei an dieser Stelle der innigste Dank ausgesprochen. Gewitsch. Der unerbittliche Tod entriß einen der Vornehmsten und Frommen unserer alten Gemeinde. Herr Josef Beer, gewesener langjähriger Cultus-Vorsteher, Bürgermeister, Obmann der (Le^ra-Laäiseda., Mitglied des k. k. Bezirksschulrates, wurde am 10. d. M. in seinem 68. Lebensjahre unter sehr reger Betheiligung aus allen Schichten der Bevölkerung beerdigt. Nach exactem Bortrage des „Menucha nechonoh“ von unserem Obercantor M. Fuchs im Trauerhause wurde die Leiche in den hellerlcuchteteu und schwarzdrapirtcn Temp.l gefühlt. Daselbst.hielt

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