Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift. Erste 115 auch einen kleinen Strauß mit dem Herrn Bischof Dr. Konrad Martin von Paderborn, der damals als fanatischer päpstlicher Heißsporn viel von sich reden machte. Da ich meinen Gegnern principiell immer möglichst gründlich gerecht zu werden suchte und erfahren hatte, daß Bischof Martin in Bonn, meinem damaligen Wohnorte, theologischer Studien halber sich aufgehalten, wendete ich mich an einen befreundeten Theologieprofessor, den Herrn Geh. Consistorialrath Professor Dr. Krafft, und bat ihn, mir, wenn möglich, einige Auskunft über die intellectuelle Capacität zu geben, die der streitbare Bischof während seiner Bonner Studienzeit offenbart habe. Professor Kraft antwortete: „Sehr geehrter Herr Schrattenholz! Ich hatte gleich mit Collegen Reusch Rücksprache genommen, der mich an seinen Collegen Langen, d. Z Decan der katholisch-theologischen Facultät und im Besitz der Acten, verwies. — — Leider sollen die Acten sehr lückenhaft, wie College Reusch sagte, gerade in Personalien sein. Ich erinnere mich aber wie heute der bestimmten Aeußerung von Professor Braun über Martin : „der bei uns durchgefallen ist" — also wohl wegen ungenügender Arbeit abgewiesen. Das Exemplar der Synodal-Acten*) senden Sie ja doch an die Expedition der „Elberfelder Zeitung", damit Jedermann von der Fälschung Einsicht nehmen kann. Gerne bin ich bereit, soweit ich vermag, Ihren wichtigen Bestrebungen Unterstützung zu leisten und bitte ich nur mich anzugehen. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnet Ihr ergebener W. Krafft." Einige Tage später empfing ich folgende Nachricht vom Decan der katholischen theologischen Facultät, Professor Dr. Langen: „Martin wurde durch einstimmigen Fakultätsbeschluß (Professoren Scholz, Achterfeldt, Klee, Braun) wegen ungenügender Leistungen mit seinem H a b i li t at i o n s g e s u ch ab gewiesen am 13. August 1835. Die ungenügende Habilitationsschrift handelte äs Petri denegatione." Sic! Also eine der populärsten, größten katholischen Kirchenleuchten des 19. Jahrhunderts von ihren Examinatoren „wegen ungenügender Leistungen" mit ihrem Habilitationsgesuch schnöde abgewiesen. Und das derselbe Dr. Martin, der als Bischof auch gegen den Talmud und gegen die Juden vom Leder zog! Das Sprichwort sagt zwar: „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand!" In diesem Falle aber ist das Sprichwort kein Wahrwort gewesen. Denn seine Talmudkritik brachte dem frommen Kirchenfürsten eine noch größere Blamage, als sein verunglückter Habilitationsversuch. Dr. Emanuel Schreiber, damals Rabbiner in Elbing, rückte dem bischöflichen Talmudschmäher in her Schrift: „Die Principien des Judenthums" (Leipzig, Baumgärtner 1877) energisch auf den Leib und ging die bischöflicherseits incriminirten Schriftstellen gründlich mit ihm durch. Einzelnes aus dieser Gegenkritik muß zur Charakteristik des Ganzen hier erwähnt werden. So heißt es z. B. Aboda sara 26 b, Tos. und Soph. 15. 10,: „Den Besten unter den Götzendienern mußt Du in Kriegszeiten tödten." Auch der christliche Kritiker citirt dirsen Satz. Die Worte „in Kriegszeiten" läßt er aber einfach aus und stempelt so alle Juden zu Mördern. Herr Bischof Martin behauptet in seinem Elaborate ferner: „daß die Rabbinen den Wucher nicht blos erlaubeu, sondern sogar anempfehlen", und beruft sich zum Beweise auf die Stelle der Mischnah: „Es ist unerlaubt, ihnen zu leihen ohne Wucher, aber es ist erlaubt, ihnen zu leihen auf Wucher." Er vermeidet jedoch wohlweislich, die erläuternde *) Diese betrafen eine andere — Vergeßlichkeit des Bischofs! Anm. d. R. Umgebung dieser Worte zu erwähnen, durch welche dieselben eine ganz andere Bedeutung gewinnen. Da sie nicht in seinen Kram paßt, escamotirt er die Erklärung einfach, abgesehen davon, daß die betreffende Stelle nicht von Wucher, sondern von „Zinsen" spricht. Die Mischnah theilt der talmudkundige Bischof in sechs Sedarim (Ordnungen) und diese wiederum in sechs Massichthoth (Tractate). Die Gemarah, welche die erklärenden und erweiternden Zusätze zur Mischnah enthält, zerfällt ihm in zwei Abtheilungen: „Die jerusalemische und die babylonische." Dr. Schreiber macht hierzu die treffende Bemerkung, daß derjenige, der solche Behauptungen aufstelle, den Beweis liefere: „daß er niemals in der Mischnah auch nur geblättert hat. Es gibt" — so sagt er — „absolut keine Ordnung, zu welcher sechs Massichthotb oder Tractate gehören; selbst die Bedeutung Naschim, welche von allen die wenigsten Tractate zählt, hat dennoch deren sieben." Ferner: „Die babylonische und jerusalemische Gemarab bilden nicht zwei verschiedene Abteilungen, sondern behandeln, soweit sie uns erhalten sind, genau dieselben Stoffe, freilich mit manchen Abweichungen und Differenzen, welche sich aus den verschiedenen Zeiten und Gegenden ihrer Redaction erklären. Der Hauptunterschied zwischen beiden liegt in der Sprache und in der Methode, jedoch hat der babylonische Talmud die höhere und maßgebende Autorität für sich." Als Endresultat seiner Widerlegung gelangt Herr Dr. Schreiber zu dem Schluffe, daß Herr Bischof Doctor Martin in seiner Talmudkritik die dem Talmud entnommenen Sätze vollkommen falsch verstanden und übersetzt und zudem durch willkürliche Auslassung bedeutungsvoller Worte und Sätze wissentlich verdreht und entstellt habe, also ein Fälscher sei. Mehr aber kann man — selbst ad majorem Dei gloriam — von einem katholischen Bischof, dessen Versuch, seine Fähigkeit zum Universitätslehramt zu beweisen, eine so einstimmige Abweisung seiner Collegen erfuhr, nicht gut verlangen. Wann, wo und wie Se. bischöfliche Gnaden mit ihrem Habilitationsgesuch schließlich Gnade gefunden — als das gelehrte Kirchenlicht in Bonn als zu trübe abgewiesen wurde, hatte es bereits 24 Lebensjahre durchflackert — vermag ich nicht zu sagen. Es ist das auch ziemlich gleichgiltig. Jedenfalls dürste man nach Kenntnißnahme des hier Mitgetheilten über die wissenschaftlichen Qualitäten, die geistige und sittliche Bedeutung dieses bischöflichen Judenfeindes nun vollkommen aufgeklärt sein und die Ueberzeugung erlangt haben, daß selbst ein infallibilitätsgläubiger katholischer Bischof in Talmudfragen nichts weniger als infallibel sein kann. Q. E. v.! Josef Schrattenholz. Correspondenzen. Bürgermeister Dr. Lueger und die jüdischen Pferdehändler. In der Sitzung des Wiener Gemeinderathes vom 8. Februar d. I. hat der Gemeinderalh Nicoladoni an den Bürgermeister Dr. Lueger eine Interpellation wegen des Ankaufes von Pferden für den Gebrauch der Stadt Wien bei jüdischen Pferdehändlern gerichtet. Bürgermeister Dr. Lueger beantwortete diese Interpellation mit Nachstehendem: „In dem Magistratsbericht wird hervorgehoben, daß bereits versucht wurde, die Pferde direct beim Züchter zu kaufen, doch haben sich diese Versuche fruchtlos erwiesen.Ich bin im Pferdehandel nicht bewandert, aber ich habe gehört, daß unter den Pferdehändlern sich sehr wenige Arier befinden sollen, und daß es daher beinahe eine Unmöglichkeit ist, die Juden von diesem Handel vollständig auszuschließen. Nachdem wir aber die