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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-15 · 7 (15.2.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 11l Nrl 7 Vr. Bloch's WochenfÄrrifr, vom 31. Jänner und 8.-9. Februar c. ersichtlichen Verwaltungsgrundsätze, welche mit aller Deutlichkeit ergeben, daß unsere Glaubensgenossen wegen ihrer. Zugehörigkeit zur jüdischen Religion die Gleichberechtigung im preußischen Staatsdienst nicht genießen." Zur Tage der Juden in Rußland entwirft das Werk „Rußland am Vorabend des zwanzigsten Jahrhunderts^*) ein getreues und vorurtheilsloses Bild. Wir lassen die. betreffende Aeußerung im Wortlaute folgen: , lange werden die Juden bei uns bedrückt. Mit Ausnahme einer besonderen Classe ist ihnen die Ansiedelung in den großrussischen Gouvernements untersagt. Alle Beschränkungen wurden unter der Regierung Alexander HL und dem Ministerium Jgnatiew noch verschärft. Selbst in ihrem Ansiedelungsrayon wurde ihnen der Ankauf und die Arrondirung von Land verboten. Für ihren Besuch mittlerer und höherer Lehrinstitute wurde ein. gewisser Percentsatz fixirt. Man bemühte sich, die Armen durch allerlei Maßnahmen zu verfolgen und ihnen nirgends einen Aüsweg offen zu laffen. Und das alles vollzog sich ohne jeden triftigen Grund. Als die Polizei sich zu schwach erwies, würden Räuberhaufen auf sie losgelaffen und schließlich mußten die Juden selbst noch dafür büßen. Pie Regierung spielte mit den niedrigsten Jnstincten des russischen Volkes und entfesselte den niedergehaltenen Haß gegen die Juden. Dieses Gefühl ist in vielen Ländern, selbst unter den Gebildeten verbreitet; man sieht in den Juden nicht nur den Fremden und den Andersgläubigen, sondern den gefährlichen Concurrenten. Wer in Kleinrußland lebte, hatte die Gelegenheit, sich zu überzeugen, wie gut das Volk sich mit den Juden einlebt und durch ihre Anwesenheit nicht ärmer wird, sondern gerade eher noch zum Wohlstand gelangt, als in den Gegenden, wo diese sogenannten Parasiten nicht sind. Leidenschaftslose Gutsbesitzer und selbst Geistliche erkennen den Nutzen an. den dieser hanvelstüchtige Stamm dem Lande bringt. Alles Uebel wächst aus ihrer Zusammenhäufung und aus dem sie umgebenden Zwang, der sie dazu führt, zu allen möglichen Mitteln zu greifen, um ihr kümmerliches Dasein zu fristen. Die einzig rationelle Maßnahme wäre die Erlaubniß, sich überall anzusiedeln und sich mit jedem beliebigen Gewerbe zu befassen. Das wäre auch die einzige Verfügung entsprechend der gesellschaftlichen Ordnung laut der anerkannten bürgerlichen Freiheit. Trotzdem wurden während der herrschenden Reaction alle früheren Privilegien und Vergünstigungen aufgehoben. Die russische Gewalt ging so weit, den Juden zu verbieten, nach dem Kaukasus zu fahren, um dort die Heilquellen zu benützen. Als Vorwand wurde der Umstand ins Feld geführt, daß das Kaukasusgebiet nicht zu ihrem Ansiedelungsterrain gehöre. Nirgends nahmen jedoch die Verfolgungen einen solch' empörenden Charakter an, als im Centrum Rußlands — in Moskau. An die mildere Auffassung Alexander's H. gewöhnt und vielleicht auch, nicht ohne ein persönliches Interesse, hatte der alte General-Gouverneur, Fürst Dolgoruky lange Jahre durch die Finger gesehen, daß eine Menge Juden sich in Moskau niederließ, ohne das formale Recht hierzu zu besitzen. Endlich wurde die Sache aufgedeckt. Dolgoruky wurde entsetzt und an seiye Stelle kam Großfürst Sergius Alexandrowitsch, nachdem vorher noch eine Judenhetze in Moskau stattgefunden hatte. Hunderte Familien, die seit langer Zeit in Moskau lebten und sich durch die harmlosesten Industriezweige ernährten, wurden ausgewiesen. Handwerker, Commiffionäre, Antiquitätenhändler, Schülerinnen des Conservatoriums, die sich durch Musikstuuden ihr Brot erwarben, wurden ein Opfer der Verfolgung. Man gewährte ihnen nicht einmal die nöthige Frist, um ihre Angelegenheiten zu ordnen. Moskau sollte unverzüglich „gesäubert" werden zur Ankunft seines erlauchten Oberhauptes. Das Jammergeschrei erhob sich von allen Seiten, doch die Klagen fanden kein Gehör. Es begann eine starke Emigrationsbewegung der Juden aus Rußland. Die Regierung der Vereinigten Staaten, verblüfft von dem unerwarteten Strom, entsandte Cvmmissäre, um sich an Ort und Stelle von dem Sachverhalt zu überzeugen. Sre entwarfen ein himmelschreiendes Bild von der Noth und dem Elend, das die Folge der ruffischen Rrgierunn aßn r 1 n . lt darstellte.. Der berühmte englische Historiker Lekly illustrirte mit vollem Lichte jn seinem Buche „Die Demokratie" diese schauderhafte Erscheinung im ruffischen Leben des neunzehnten Jahr- *) Erschienen bei Hugo Steiuitz, Berlin, in russischer Sprache. Hunderts. Das war nicht etwa die Verrätherei eines Fremden, dem die Eigenart unserer Sitten unbekannt ist, das war die reine und nackte Wahrheit. Die russische Regierung verhielt sich jedoch zu alledem ganz gleichmüthig. Auch der letzte Rest von Schamgefühl vor der Meinung des gebildeten Europa war geschwunden. Für Moskau hatten diese Ereigniffe das Resultat, daß.die durch jüdische Cvmmiffionäre angebahnten Beziehungen zwischen den Moskauer Fabrikanten und Kleinrußlaud aufhörten und sich statt ihrer Verbindungen zwischen Kleinrußland und Lodz entwickelten. Auf diese Weise gingen zehnfache Millionen für Moskau verloren. Die Hauptstadt hatte sich von den jüdischen Wucherern gereinigt, doch es blieben die russischen, die jetzt, keine Concurrenz fürchtend, doppelte Percente zu nehmen anfingen. M. Mn Bischof als Talmud Kritiker. Als Hauptarsenal für die Ankläger und Ankämpfer des Judenthums dient bekanntlich die ehrwürdige, weise, unversiegliche Geistes- und Culturquelle desselben: der Talmud. Ein altes Lied, das nicht erst seit den Tagen der berüchtigten Pfefferkorn und Eisenmenger ertönt. Schon im 13. Jahrhundert wurde es angestimmt, und zwar durch den jüdischen Apostaten Nikolaus Doniu, der den armen Talmud beim Papste Gregor IX. und dem Könige Ludwig IX. von Frankreich als unmoralisch, christenfeiudlich und die Persönlichkeit Christi beschimpfend anklagte. Der Papst, als Statthalter Christi, trat sofort für Verbrennung und Confiscation des bösen Talmud ein. Der französische König aber benahm sich etwas vernünftiger. Er berief zwei französische Rabbinen zu einer öffentlichen Disputation mit dem Apostaten, und diese Auseinandersetzung förderte die Thatsache an's Licht, daß der Ankläger seine Anklagen gar nicht aus dem religionsgesetzlich giltigen Theile des Talmud, sondern aus der durchaus nicht wörtlich zu nehmenden, für den gläubigen Juden durchaus unverbindlichen Agada geschöpft hatte. - Aehnliche Resultate, ja stellenweise noch drastischere, ergaben und ergeben, wie man weiß, auch die Angriffe unserer zeitgenössischen christlichen Talmudkritiker, der gelahrten Theologen Rohling, Rebbert, Schröder, Raabe, Ecker und Consorten. Im Jahre 1892 bot ein Frankfurter Bürger, Herr Leopold Hamburger, Herrn Professor Rohling, sowie jedem Anderen, der vor dem königlich preußischen Gericht in Frankfurt den durch (gerichtlicherseits zu ernennende) Sachverständige zu begutachtenden Beweis führe, daß den Juden im Talmud oder anderen jüdischen Schriftwerken der Ritualmord empfohlen oder geboten sei, die nette Summe von 10.000 Mark. Aber weder Herr Rohling noch ein anderer gelehrter Judenfresser hat dieses Geld sich zu verdienen gesucht. „So gut wie 10.000 Mark", schrieb Herr Hamburger mir damals, „kann man ohne Risico auch 10 Millionen für den Beweis des Blutmordes bieten, denn das, was nie existirt und nie existirt hat, ist eben um keinen Preis zu beweisen." Erwiesenermaßen folgen die antisemitischen Talmudgegner bei ihren talmudischen Kreuzzügen streng und stetig dem Spottspruch Goethcks: .Im Auslegen seid frisch und munter: Legt Jhr's nicht aus, so legt was unter!" Ob die Befolgung dieser kritischen Methode bewußter Böswilligkeit oder — was vielleicht noch erbärmlicher — persönlicher wissenschaftlicher Ignoranz entstammt, dies kann natürlich nur von Fall zu Fall entschieden werden. In den meisten Fällen lautet das Verbiet auf bewußte Wahrheitsentstellung, deutlicher : Fälschung; in vielen auch auf mangelhafte Vorbildung und wissenschaftliche Unkenntniß; in einzelnen auf eine harmonische Vereinigung dieser Untugenden, und diese letzteren Fälle möchte ich hier durch ein eclatantes Beispiel illnstriren. Anfangs der Siebziger-Jahre trat ich als Correspondent verschiedener Tageszeitungen gegen den Ultramontanismus auf und hatte als entschiedener Gegner des Jnfallibilitätsdogmäs '

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