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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-15 · 7 (15.2.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 112 Dr. Lloch's Wochenschrift»!Ki. 7 zwei Decaden abgestreift hat. Sie sind zugestandenermaßen in der Geschäftswelt nicht im Vergleich nebeneinander zu stellen mit einer Race geborener Geschäftsleute, und diese Thatsache verschuldet die Ungleichheit der Juden (vom rumänischen Standpunlt) und nicht antisemitische Empfindungen, wie dieses gewöhnlich angenommen wird. Ich muß es Anderen überlassen, zu loben und zu tadeln, mir genügt es. hier die vorherrschenden Verhältmffe anzuführen, aus denen Sie wahrscheinlich ableiten werden, daß in der Praxis die rumänischen Juden lebhaft wünschen, ihre nicht gerade beneidenswerthen Verhältnisse zu verlassen, und wären nicht die Einwanderungs gesetzt der Vereinigten Staaten, würde sich die Versitzung der rumänischen Juden dahin in sehr großem Maße vollziehen. Aber jene, welche das Geld für ihre Beförderung liefern, haben eine strenge praktisch-sachliche Lehre empfangen, in der gezwungenen Rücksendung von 4000 Juden durch Die Regierungen von Oesterreich-Ungarn und Holland, eine Lehre, die umso eindringlicher sein wird, wegen der in ihrem Sinne gemachten Vorstellungen, daß die Einwanderungsgesetze der Vereinigten Staaten die Möglichkeit der Zulassung mittelloser Leute ausschlüßen, die der Orfientlichkeit wahrscheinlich zur Last fallen würden. Es ist nicht nöthig, daß ich wiederhole, was ich bereits im Verlaufe meiner Nachforschungen von Zeit zu Zeit zu berichten die Ehre hatte, aber ich schlage achtungsvollst vor, daß meine Berichte aus Wien, Budapest und Bukarest zusammen mit diesem als ein ganzer, einheitlicher, identischer Bericht angesehen werden mögen. Ich habe früher angegeben, daß sich der Strom der auswandernden Juden jetzt nach Brasilien abgelenkt hat, mittelst eines Uebereinkommens durch und zwischen der jüdischen Colonisations-Gesellschast und Gliedern der brasilianischen Rcgierung, eine Lösung, welche, was innig zu wünschen ist, die Lage in Rumänien in einen besseren Zustand versetzen und die Ursache zu Befürchtungen vor dem beseitigen würde, was man bisher gegen die unglücklichen rumänischen Juden einwandte. Die rumänischen Juden, welche in nächster Zeit auswaudern werden und jetzt nach amerikanischen Häfen unterwegs sind, erhalten sich nicht nur selbst, sondern haben sich auch, infolge besonderer Fähigkeiten, trotz der ungünstigen Verhältnisse, unter denen sie lebten, ein Bel mögen erworben, und werden, wenn sie an unserer Küste landen, vollkommen in der Lage sein, für sich zu sorgen. Da ich mehrere dieser Familien gesehen habe, bin ich besten gewiß, daß sie einen wünschenswerthen Zuwachs zu unserer Bevölkerung bilden werden. Es ist natürlich, daß sie nur einen kleinen Theil der rumänischen Judenschaft bilden, ihre Zahl wird von der Regierung auf 400.000, von den Juden selbst auf 300.000 geschätzt. Ich glaube, es geht aus dem Voran gegangenen klar her°° vor, daß die Verhältnisse der Juden in Rumänien hart, unerbittlich hart sind und daß ihre Auswanderungsgelüste mit den drückenden Verordnungen zusammen fortbestehen und sich immer mit fieberhafter Hast offenbaren werden, wenn man ihre Hoffnungen durch äußere Hilfsanbietuugen entfacht. Durch das vereinigte Vorgehen der Regierungen von Oesterreich-Ungarn und Holland ist zu hoffen, daß weniger Versuche zu einer Auswanderung en gros unternommen werden dürften, und infolge der zahlreichen Unterredungen, die ich mit dem Bukarester jüdischen Comite gepflogen, ist darauf zu rechnen, daß nur die Juden besterer Claffe nach den Vereinigten Staaten zur Auswanderung gelangen werden. Schließlich fühle ich mich verpflichtet, Sie zu verständigen, daß meine Arbeit wesentlich erleichiert und ihre Qualität und Quantität ebenso wesentlich erhöht wurde durch den freundlichen Beistand der folgenden Herren: C. S. Herdlisko, Geschäftsträger der Botschaft der Vereinigten Staaten in Wien; Arthur Hardy, bevollmächtigter Minister und außerordentlicher Gesandter in Rumänien, Herrn W. G. Boshall, ViceConsul in Bukarest. Herrn Frank Dyer-Chester, Consul in Bukarest, Herrn Dr. /osef Bloch in Wien und das jüdische Comitö in Bukarest, deren Namen ich auf ihren Wunsch verschweige. Ich wünsche auch meine Hochachtung auszudrücken den Regierungsbeamten in Wien und Budapest, wie auch den Verwaltungsbeamteu der rumänischen Regierung, welche mir, vom Ministerpräsidenten bis hinab zum Bureauchef mit seltener Uebereinstimmung jede Höflichkeit gewährten und mir alle einschlägigen zu ihrer Verfügung stehenden Informationen zukommen ließen, indem sie mir gleichzeitig Zugang zu allen Büchern und Documenten verschafften, welche mir bei meinen Nachforschungen von Nutzen sein konnten. Ich habe vorgezogen, wie ersichtlich, auf diesen Bericht Bezug habende Documente vorzulegen, statt den Bericht selbst zu umfangreich werden zu lassen durch reichliche Citate aus den erwähnten Beweis-Acten. Sie sind genau A, B, C und D bezeichnet, und ich verweise Sie achtungsvollst auf selbe behufs weiterer Einzel-Informationen über den Gegenstand im Allgemeinen. Achtungsvoll ergeben Robert W a t ch o r n, Special-Einwanderungs-Jnspector. Aus dem Englischen von M. Loew. Die Formel Schönstrdt-Nordau Berlin, 10. Jänner (O.-C.). Im preußischen Abgeordnetenhause gab es in den letzten Tagen eine merkwürdige Judendebatte. Bei der Berathüng des Justizetats erklärte der Justizminister Doctor S ch ö n st e d t rund und nett, daß bei der Ernennung jüdischer Rechtsanwälte zu Notaren und bei der Anstellung von Juden im Justizdienste nicht die Qualification und Befähigung, sondern das „Interesse der Bevölkerung" maßgebend sei. Der Justizminister nahm keinen Anstand, der Abneigung der christlichen Bevölkerung gegen jüdische Notare und Richter eine „innere Berechtigung" zuzusprechen und offen zuzugestehen, daß die Justizverwaltung noch die einzige ist, in der überhaupt jüdische Assessoren angestellt werden, während alle anderen Verwaltungen es ablehnen, jüdische Herren zu übernehmen. In einer späteren Rede erklärte der Justizminister weiter, daß er mit gewissen „Imponderabilien" — das ist die euphemistische Umschreibung für die antisemitische Bewegung — rechnen müsse. Es ist begreiflich, daß durch die ganze deutsche Judeuschaft darüber ein Ruf der Empörung geht — und sonderbarer Weise auch durch jenen Theil, der in jüngster Zeit sich den zionistischen Schlagworten zugewendet hat. Herr Schönstedt hat aber nur ins praktische Lehen übertragen, was Herr Max Nordau in seinen famosen Gleichberechtiguugsartikeln theoretisch formulirt hat. Es ist lediglich die „Formel Nordau", nach welcher sich die preußische Staatsverwaltung in Ansehung der Juden richtet. Herr Nordau hat mit einer anachronistischen Logik, die selbst hinter die Zeit Friedrichs des Großen, der den König als den ersten Diener des Staates bezeichnet, zurückgeht, behauptet, daß jeder Staatsbeamte, er sei in der Verwaltung, dem Heere oder der Rechtspflege thätig, den H e r r s ch e r (!) vertritt und einen ihm anvertrauten Theil der höchsten Gewalt über die U n t e r t h a n e n (!) ausübt. Und daran knüpft er die Schlußfolgerung, daß jeder Jude als Staatsbeamter darnach strebt, die Mehrheit . zu beherrschen", was natürlich den heftigsten Widerstand Hervorrufen muß. Daß das heutige Staatsrecht nicht das Gottesguadenthum eines Einzelnen, sondern die Staatshoheit als die Quelle der Macht bezeichnet, daß die Regierungsgewalt in constitutionellen Staaten getheilt ist zwischen der Souveränetät des Herrschers und der Souveränetät des Volkes, darüber geht Herr Nordau mit einem kühnen Federstriche hinweg. Und so lautet, denn seine Formel: „D i e I u d e n sollen grundsätzlich darauf verzichten, au der Handhabung der Herrschergewalt des Staates (eine unlogische Verquickung zwischen „Gewalt des Herrschers" und „Staatshoheit") über die Unterthanen, die sich lieber Staatsbürger nennen hören, einen Antheil zu fordern, solange auch nur eine kleine Minderheit ihrer christlichen Landsleute an der Ausübung der Staatsgewalt durch Juden Anstoß nimmt."

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