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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-08 · 6 (8.2.1901) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 106 Vv, Bwch's WochrnschrM Nr. 6 Wein. Und es war gut gespielt, denn nach dem dritten Glase sagte Aaron plötzlich herzlich: »Wie wär's, wenn wir ein Paar aus ihnen machten?" »0 je! Das geht leichtst triumphirte Anselm innerlich, aber sein Gesicht nahm den Ausdruck großer Deumth an. »Wie denn, ein Paar?"' sagte er. »Ich bin ein armer Mann und Du wirst eine große Mitgift verlangen." »Nun, wieviel gibst Du?" »Sie hat eine schöne Ausstattung, eine Prinzessin brauchte sich derselben nicht zu schämen", sagte Anselm. »Nu?" »Sie ist nicht weniger als dreihundert Gulden werth", sagt Anselm. »Nu, und?" »Nu, — Zweihundert." »Zweihundert!" schrie Aaron. »Mein Sohn braucht nur die Hand auszustrecken und er kann an jedem Finger ein Mädchen haben, nicht mit Zweihundert, mit Zweitausend! Unter Dreihundert darf er sie nicht nehmen." »Sagte ich, daß ich Deinen Sohn will?" entgegnete Anselm kühl. »Warum soll sie sich auf dem Lande vergraben? Ein so schönes, frommes Mädchen?" Das war auch gut gespielt. denn Aaron wurde hitzig und zeigte dadurch seine Schwäche. »Hast Du gesehen!" rief er entrüstet, »zu elegant! und ich sage Dir, wenn sie hundert Jahre alt würde, könnte sie keine bessere Partie finden. Mein Dovidl ist ein Bursch unter Tausenden. Es gibt keinen zweiten Kopf wie der seine in ganz Israel" und so fort in lebhaftem crescendo, bis Dovid als ein wahres Wunder an Talent und Grazie dasteht und keineswegs hinter Resel zurückbleibt. »Nun!" antwortete Amseln, »wenn ich das Geld nicht habe, so Hab' ich's nicht, das ist Alles." »Das Geld", rief Aaron aus, »was mache ich mir aus Geld; das ist mir das Letzte. Aber um des Anstandes willen — ich kann keine Bettlerin ins Haus nehmen — gib 275 Gulden." »Das Reden ist unnütz, Aaron. Wenn ich darüber nachdentz, sehe ich nicht, wie ich mehr als 175 Gulden Baargeld auftreiben kann, nicht wenn ich meine letzten Kreuzer zusammenkratze. Trinke Dein Glas aus. Weshalb soll sie aufs Land heiraten? Wenn ich es nur ihrer Mutter erwähnen würde — und jetzt kam Anselm's beste Karte — Du weißt sie ist die Großnichte eines Pruders des berühmten und ftommen Rabbi Ezechiel Landau — sie würde sich die Haar ausraufen." Das Spiel war gewonnen, denn Aaron konnte solch vornehmen Stammbaum nicht widerstehen. »Sind wir nicht ein Paar Narren!" rief er in einlenkendem Tone. »Sollen wir unsere Kinder wegen ein paar elenden Gulden nicht glücklich machen? Sprich kein anderes Wort und sagen wir Zweihundert! und abgemacht! wie?" »Nun Glück auf!" »Glückauf!" Und die Freunde reichten sich über den Tisch die Hände. Als Anselm am nächsten Tage von einem wohlhabend auss henden Fremden begleitet, vom Jahrmärkte heimkehrte, stand die ganze Judengaffe, die »Gaff'" wie man sie nannte, vor Neugierde auf den Zehenspitzen. Der Haupteingang des Hauses hatte sich kaum hinter ihnen geschloffen, als aus einem Thore an der Rückseite der kleine Jfferl und Herzl sprangen, vielversprechende Zweige an Anselms Familienbaume. Jfferl trabte in höchster Eile in die Richtung von Muhme Miriam's Hause und kehrte mit einem rundlichen Packet zurück. »Küchel!" rief die Gaff'. Herzl sprang eiligst zum Laden Salomvn Edelstein's und kam mtt einem länglichen Packet zurück. »Wein!" keuchte die Gaff'. Dann verbreitete sich ein Gerücht, dessen Quelle unauffindbar war und das Betroffenheit in den Herzen der Frauen, und Neid in de» Herzen der Mädchen erweckte. »Hast Du's gehört — Anselm Dorfgeher's Resel ist Braut." »Nein — was Du sagst? Mit wem?" »Der, Name ist noch nicht bekannt, aber der Schwiegervater sitzt in ihrem Paradezimmer, ißt Miriam's theuerste Küchel und trinkt Rothwein aus ihrem Silberbecher." Und obgleich die »Gaff'" mit studirt abgewandtem Kopf au Anselm's Fenster vorüberging und in eine unsichtbare Landschaft starrte, sah sie ganz richtig, denn drinu schmiegte sich Aaron behaglich in Anselm's bequemsten Lehnstuhl, und Resel goß ihm zitternd den Wein ein und Leah, die Mutter, sang innerlich Dankhymnen. Die jünger» Zweige vom fniifzeh»jährigen Dordl bis zum winzigen Lebl waren gebührend vorgestellt worben in einer Weihe, wie eine Karte mit Stecknadel in sortirten Größen, und hatte» jetzt in der Küche Posto gefaßt und Dordl als Aelteste behauptete das unbestrittene Recht auf das Schlüsselloch. »Die feinsten Küchel, die ich je aß", sagt Aaron und nimmt neuerdings eines. „Das Fünfte!" ächzt Dordl am Schlüsselloch. »Der Fresser!" jammern die kleinern Zwerglein. „Hast sie selbst gebacken?" sagt der Schwiegervater in spe, mit den Lippen schmatzend. »Resel besorgt stets alles Backen", sagt die Mutter zweideutig, mit einem innern Stoßgebet: »Gott verzeih' mir die Sünd." »Nu!" sagt er ihr zuwinkend, sie mag jede Woche solche backen, wenn sie meines Sohnes Weib ist." Sein Weib! 0, das entzückende Wort! Resel erbebt bei seinem Klange und sein Zauber hebt sie auf rosige Wolken, Die seidenen Falten ihres Brautkleides rascheln so himmlisch in ihren 0hren, er neigt sich zärtlich zu ihr, wie es in den köstlichen, verbotenen Büchern heißt; er flüstert zärtlich: „Süßes Weibchen!" Liebster, süßester Er, denn sie weiß seinen Namen noch nicht. Am nächsten Freitag kommt Dovid, um die Bekanntschaft seiner Verlobten zu machen. Aber bevor das junge Paar einander noch recht gesehen hatte, wußte die »Gaff'" bereits, daß seine steifen Halskrägen ihn marterten, und überdies, daß er feine Manieren habe, da er ein weißes Taschentuch nicht nur bei sich trage, sondern auch benütze. Am Sabbath-Nachmittag, der einzigen Zeit für Muße und Liebschaft in der Gaff', hatten die jungen Leute schon lange der Stunde des Alleinseins geharrt, denn sie erwarteten viel von ihrer ersten zeugenlosen Unterredung. Dovid hatte bei Tisch ganz beredt von Getreide- und Wollpreisen gesprochen, aber mit einem fremden, jungen Mädchen zu sprechen, das überdies seine.Braut war, ist nicht so einfach und er würde nervös/Resel erregtund doch schüchtern, hoffte, er würde thun, wie es in den Büchern steht. »Ihr jungen Leutchen sehnt Euch wahrscheinlich ein Wörtlein mit einander zu sprechen", sagte Resel's Mutter, zwei Stühle neben einander rückend, nachdem sie den Tisch abgeräumt und die Kinder fortgeschickt hatte und Anselm sich zu seinem sabbathlichen Mittagsschläfchen, dem einzigen der Woche, in den Lehnstuhl gestreckt hatte. »Nun setzt Euch, setzt Euch, warum schämt Ihr Euch?" Resel sank auf eine Hälfte des einen Stuhles, Dovidl balancirte aus der äußersten Ecke des anderen, Beide hochroth, elend und schafsdumm. Dordl, die mit stolzer, gehobener Miene nmherging, die besagen sollte: Nächstens komme ich daran! und den Beobachterposten am Schlüffelloche behauptete,, zeigte Zeichen von Aufregung. „Was ist's?" lispelten die jungen Zweige. »Pst — es ist reizend!" sagte Dordl. »Ich war auch einmal jung!" lachte Resel's Mutter in Erinnerung. »Seid Ihr nicht Braut und Bräutigam? Es ist nur schicklich; Ihr könnt Euch auch bei der Hand faffen, wenn Ihr wollt. Warum nicht? Ich sehe nicht einmal hin." Auf das streckte Dovid eine holzsteife Hand aus, in welche Resel drei bleischwere Finger legte, worüber Dordl nm Schlüsselloche einen großen Schreck bekam. „Sie haben einander schon gern!" flüstert sie aufgeregt. »Wie kannst Du das sagen?" „Sie halten sich bei den Händen." Und die jüngern Zweige tänzelten auf den Zehenspitzen umher, klatschten in die Hände und kicherten erregt: »Sie halten sich bei den Händen!" . Es ist an Dovid, anzufangen. Resel zupft an ihrem Taschentuch und wartet, und Dovid wird es warm und er denkt an vielerlei. »Die Hauptsache ist, richtig zu beginnen", denkt er, »etwas zu sagen, das persönlich und doch nicht unzart, zärtlich und nicht aufdringlich ist, höflich und doch nicht schmeichlerisch. — Beim Himmel, das ist nicht so leicht!" Einmal, als er bereit war, anzufangen, schnarchte Anselm, und es erschien ihm zu sentimental; dann als er wieder eine Idee

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