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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-08 · 6 (8.2.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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2Hz. 6 Ar. Bwch's WochrnschrM Seite 105 wir mit Freuden, daß ein ungarisches bestrenommirtes Reise-Bureau, das „Reise-Eeniral-Bureau'« Budapest (Vil. Kazinczygasse 9lr. 2) eine streng israelitisch-rituell beschaffene Gesellschaftsreise in's heilige Land ausschließlich für israelitische Rabbinen, Gemeindevorsteher und Mitglieder für Milte April l. I. plant. Es soll hiermit, dem religiöjen Gefühle der Theilnehmer Rechnung tragend, Gelegenheit geboten werden, die uns so tyeuren heitlgen Slätterl persönlich aufsuchen zu können. Für streng rituelle Kost und Verpflegung, für eine den israelitischen Vorschriften vollkommen entsprechende Fahrteintheilung, sowie für den größtmöglichsten Comfort sind die weitgehendsten Vorkehrungen gerroffen und werden sowohl hiefür als auch für die Solidität und Vertrauenswürdigkeit des erwähnten Reise-Bureaus die besten Referenzen auf Befragen bereitwilligst ertheilt. Das Bureau sendet jedem Anfragenden ein ausführliches Programm dieser schönen Gesellschaftsreise gerne kostenfrei ein. Wir empfehlen dieses lobenswerthe Unternehmen allen Interessenten auf's Wärmste, zumal auch die Kosten mäßig sind. Anmeldungen wollen ehemöglichst an das „Reise - Central - Bureau" Budapest (VH. Kazinczygasse Rr. 2) gerichtet werden, nachdem nur eine beschränkte Anzahl von Theilnehmer» ausgenommen werden kann. Floridsdorf. Herr Adolph E h r e n f e st, bereits 37 Jahre als Lehrer thätig, feiert am y. d. M. sein 2djähriges Jubiläum als BolkSjchullehrer an der Donaufelder Schule. Der Jubilar ist m dem Kreise der Floridsdorfer Bevölkerung eine beliebte Persönlichkeit und erfreut' sich auch seitens seiner Collegen der besten Werlhschätzung. Kremsier. Sonntag den 15. Schewat, Abends, fand in der hiesigen Gemeinde zum ersten Male das Baumfest öffentlich unter Betheiligung der Vertreter aller Vereine statt. Nach dem Abendgottesdienste versammelten sich alle Schüler und Studenten im Gemeinde- Hause, wo sie drei reichlich mit Obst besetzte Tische vorfanden. Die Feier wurde mit dem Sange einiger passender Psalmen ailS dem Stufengesange eingeleitet. Daran knüpfte sich die Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Adolf Frankl-Grün, in welcher die Bedeutung dieses Festes, der Vergleich der Jugend niit dem Baume, aus welchem nach der jüdischen Tradition heute neue Säfte kommen, hervorgchoben wurde. Dann sprach ein Schüler hebräisch den Segelisspruch über die Baumfrllchte. Die Lehrer und Vertreter der Vereine nahmen die Verthejlung des Obstes vor. Am Schluffe drückte der Cultusvorsteher- Stellvertreter Ignaz Knöpfelmacher dem Rabbiner und den Lehrern für die Veranstaltung des schönen Festes den besten Dank aus. Cr versprach für die alljährliche Feier dieses Festes in stets erweitertem Umfange forgen zu wollen. Prag. Bei der am 31. Jänner abgehaltenen Ausschußsitzung des Centralvereiues zur Pflege jüdtscher Angelegenheuen wurden an Stelle des verstorbenen Herrn Dr. Frreorlch D uschenes der bisherige Schriftführer Herr Dr. Theodor Weltsch, Advocat in Prag, zum Geschastsleiter und Herr Dr. Adolf Op p en y e im e r, Advocat in Prag, zum Schriftführer. gewählt. Budweis. Der Pianist Roderich Baß aus Wien, der hier im Jahre 1833 in einem selbstständigen Concerte zum erstenmale auftrat und uns damals durch sein überaus herrliches Spiel entzückte, veranstaltet in der zweiten Hälfte des Monates März im deutschen Vereinshause ein Concert Herr Roderich Baß hat sich seit dieser Zeit gelegentlich seiner Concerte in bedeutenden Städten Oesterreich-Ungarns, seiner Kunstreisen durch Dänemark, Schweden, Norwegen und Holland laut uns vorliegender Origmalberichte einen guten Namen erworben. Auch wurde ihm die hohe Ehre zutheil, vor Sr. Majestät dem König von Dänemark zu concertiren. Wir sehen daher diesem hier staltfiudenden Concerte nur größter Spannung entgegen. Marierzbad. Am 27. Jänner, um 'j.,2 Uhr Nachmittags, fand im Restaurant „Walhalla" die Trauung des Frl. Jenny Schneider mit Herrn lllODr. Adolf S t a r ck aus Falkenau statt. — Am 3. Februar fand um 1 Uhr Nachmittags im hiesigen Tempel die Trauungsfeierlichkeit des Frl. Adele F i s ch l mit Herrn Aurel R a d o v i c i, Beamter der Langue de ßoumauie, statt. Mit großem Bedauern sahen wir Fräulein Fischt von Marienbad scheiden, denn sie war es, die während 5 Jahren durch ihre herrliche Stimme zur Verherrlichung des Gottesdienstes beitrug. Als Anerkennung für ihr uneigennütziges Mitwirken überreichte ihr der Vorstand zum Andenken ein Oelgemälde. — Bei dem noch immer krank darniederliegendeil Herrn I. S. K o h o r n verweilten der hiesige katholische Pfarrer U. Marian Herold bereits zum viertenmale und der Katechet l?. Adolf P ö l l e r zum zweitenmale durch längere Zeit zu Besuch. Leitmeritz. Am 15. Jänner d. I. wurde unter großer Betheillgullg Frau Babetle Rübenstein zu Grave getragen. Die Verblichene war Milbegründerin und bis zu ihrem Tode ununterbrochen Cassierin des israelitischen Frauen-Woylthätigkeitsvereines. Bis zur letzten Stunde hat sie selbstlos und unermüdlich die Zwecke dieses segensreich wirkenden Vereines gefördert und sich mit der Gründung und eifrigen Förderung desselben unschätzbare Verdienste erworben. Wir werden ihr daher allezeit ein ehrendes Andenken bewahren. Für den israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsverein: Julie Heller, derzeit Vorsteherin. Feuilleton. Gin Idyll aus der Iudengaffe Von Martha Wolfenstein. I. Wie sie einander heirateten. Die Wege und Werkzeuge des Schicksals fiuö immerdar eigenartig. Ucbcr Alles eigenartig sind aber die Werkzeuge des Schicksals in der Judenftadr, denn da kann es sich ereignen, daß eine ungeschickte Kellnerin eine Schüssel marinirter Häringe verschüttet, und siehe da! — daraufhin werden ein Jüngltng und ein Mädchen, die von ihrem Dasein gegenseitig nichts ahnen, innerhalb einer Stunde mit einander verlobt. So geschah es in der Thal und Anselm Dorfgeher, anstatt die täppische Pepi zu segnen, fluchte, als er dem säuern Getröpsel ihres triefenden Servilvreltes ausweichend, von seinem Stuhle aufsprang unD sich mit Pfeife und Bierkrug an das andere Ende des Zimmers begab. Dre Wirthsftube des Red Jonas war gedrängt voll jüdischer Handelsleute, gute Bekannte Anselm's, aber er fand zufällig einen leeren Platz neben einem Fremden, einem wohlhabenden Landmanne, der, wie sich nach einem Gespräch von fünf Minuten herausstellte, kein anderer war, als fein alter Freund Aaron Wolf, den er feit 30 Jahren nicht getroffen hatte. „Sieh', sieh'!" rref Anselm, „zu denken, daß wir Beide die ganze Woche zum Markte hier gewesen sind und einander nicht getroffen haben, und daß Du, wie Du sagst, auf dem Sprunge bist abzureisen, und daß ich Dich beinahe auch wieder verfehlt hätte." „Nun wiegeht's? Du siehst wohlhabend aus — echtes Silber, wie?" sagt er, die Knöpfe an Aaron's Rock berührend. „Du siehst just auch nicht verhungert aus!" lacht Aaron gutmüthig. „Wie geht es denn Dir?" „Nun, es gzbt immer etwas," klagt Anselm achselzuckend. „Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen. Meine älteste Tochter ist schon achtzehn Jahre; aoer was kann ich thun? Ich kann ihr keinen Gatten finden. Ist das eine Welt heutzutage! Wer sieht auf Familie, oder Erziehung! Bah, nichts als Geld, Geld und wieder Geld! Sie hätte einen gewissen Krakauer haben können; die Leute sind Fremde, sind erst seit 12 Jahren in Maritz, aber ich rann sie doch nicht dem erstbesten hergelaufenen Polaken geben, der sie verlangt und von Gott weiß wo herkommt? Sie hätte auch Josef Krummer's Sohn haoen können, einen Schleimet erster Ciaffe, einen Ignoranten, der, ich beschwör's, die erste Seite des Pentateuch, nicht kennt." „Ich weiß, daß es heutzutage nicht leicht ist, eine passende Partie zu finden", sagt Aaron, „ich suche auch seit mehr als einem halben Jahre nach' einer Frau für meinen Dovid." Anselm fuhr zusammen, ars ob ihm Jemand einen Stoß versetzt hätte. „Was Du nicht sagst!" rief er aus, „so, so Du hast einen erwachsenen Sohn, hm, hm, wer möchte das denken und Du suchst ihm eine Gattin, schau, schau!" „Der Rodower Heiratsvermittler rennt mir das Haus ein mit Anträgen, aber wozu brauche ich die feinen Stadtsräulein! Heidinnen find's, ich gebe Dir mein Wort — nicht ein jüdischer Tropfen in ihnen. Anselm's Augen wurden klein, aber sie funkelten, als ob er beim Kartenspiel ein gutes Blatt hätte. „Wie Du sagst," entgegnete er; „diese Städterinnen sind nicht werlh, daß man von ihnen spricht. Soll ich das nicht wissen, der unter ihnen lebt? Aber, Gottlob! Meme Resel ist von ganz anderer Art. Ich will nicht aufschnerden, aber Du könntest ourch ganz Oesterreich, der Länge und Breite nach reisen, ohne ihresgleichen zu finden. Gescheiot! hm — fleißig — fromm — und eine Schönheit" und dann folgte eine Neve, die darin gipfelte, daß Resel ein Wunoerwesen war, alle Tugenden der Erzniutler Sarah, Rebekka und Rachel mit der moderneren Fähigkeit vereuilgte, ausgezeichnete Fische mit Rofinensauce kochen zu tönnen und nur deshalb noch unverheiratet war, well Niemand gefunden werden konnte, der zu ihr paßte. Aaron sah aus, als ob ihm dieses Lob einen Eindruck gemacht hätte. „Mem Dovidl", begann er, aber ui diesem Momente erachtete es Anselm für klug, seine Atouts auszuspielen. Er befahl

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