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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-01 · 5 (1.2.1901) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Sette 90 Dr. Bloch's Wochensttzrist» Ätr. 5 Amüsement sorgte. Von der Fülle reiz-nder Mädchengestalten erwähnen wir: Fräulein Elly Marburg (ein allerliebstes Vergißmeinnicht), Fräulein Irene Bauer (Wasserrose), Schwestern Fräulein Elise und Marianne Kohn (Orchidee und Stiefmütterchen) rc. rc. Um das Gelingen des Festes hatten sich in erster Linie die Herren Hermann König, Richard Knöpler und Ludwig Winternitz überaus verdient gemacht. Wie». Die ursprünglich für den 19. December vorigen Jahres bestimmt gewesene Verlosung zu Gunsten des Vereines „Kinderheim, Verein zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte schwache und recoi.valescente Kinder jüdischer Confession" findet erst am 8. Mai d. I. statt. Wie«. (Feie r.) Wie mitgetheilt wird, veranstaltet der Bethausverein „Montefiore" am 2. Februar, 10 Uhr Vormittags, in seinem Betlocale, IL, Taborstraße 38, eine solenne Feier zur Einweihung der Kaiser Franz Josefs Jubiläums-Thora. Es war eine gute Idee dieses jungen, strebsamen Vereines, das dem Juden angeborene und anerzogene Gefühl der Anhänglichkeit und Treue für den Thron, das in Oesterreich durch die gütige Person des Kaisers noch potenzirt wird, in der Widmung des dem Judenthum Heiligsten, der Thora, zum Ausdrucke zu bringen. In'dieser Zeit, wo sich der Judenhaß so pöpelhaft breit macht, ist der überaus gnädige Empfang, den Se. Majestät der Deputation z utheil werden ließ, ein Ereigniß, das als Symptom gelten mag. daß die judenfeindliche Strömung in Oesterreich nie übermächtig werden kann. Dem Vereinsvorstande, an dessen Spitze der opferwillige Herr Jacob Weiß steht, gebührt das Verdienst, die Veranlassung zu dieser tröstlichen Feststellung gegeben zu haben. Wie«. Die rühmlkchst bekannte Concertsängerin Fräulein Grethe M o d l i n g e r, Tochter des verstorbenen hervorragenden Hebraisten und Krttikers Samuel Modlinger, veranstaltet, wie alljährlich, Dienstag den 5. Februar im Saale Ehrbar, IV., Mühlgasse 28, einen Liederabend. Die Künstlerin singt Lieder und Arien von Haendel, Schubert, Schumann, Grieg, Goldmark, Mozart, Chopin und Bizet. Ter ausgezeichnete Violoncellvirtuose Herr Carl Klein, welcher in diesem Concert mitwirkt, spielt das Violoncellconcert von Reinecke, Kol-Nidrei von Bruch, ferner kleine Stücke von Becker, Klengel und eigene Compositionen. Wir empfehlen aufs Wärmste den zahlreichen Besuch des Publicums zu diesem interessanten Concert, zumal die junge Dame als mittellose Waise ganz auf ihre Kunst angewiesen ist. Karten sind zu haben bei der Concertgeberin, VII.. Myrthengasie 15 und am Conccrtabende an der Caffa. Pisek. Fräulein Gabriele Sachs, Tochter unseres allverehrten Cultusvorstehers Herrn Dr. S. Sachs, hat sich mit Herrn N. Löwy, Bankbeamter in Pilsen, verlobt. Pisek.. (D a n k.) Anläßlich meines 70. Geburtstages wurde mir von meinen ehemaligen hiesigen Schülern, Schülerinnen und Chorsängerinnen eine schöne erhebende Ovation bereitet, Samstag den 26. v. überreichten die Comitemitglieder Herr Julius Spitz. Rudolf Weil und Rudolf F a n t l im Namen der Obgenannten ein namhaftes Ehrengeschenk. Dem Counts, welches sich um diese Ehrung besonders verdient machte, gehörten noch an: die Herren: Josef Bloch und Wilhelm Klein; ferner die Dawen: Friederike Frank, Anna Hahn, Ella Sachs und Anna Zuckermann. Ich spreche hier Allen meinen wärmsten Dank aus. Obercantor M. Rosenfeld. Bozen. Am 17. Jänner l. I. schloß sich hier das Grab über einen Mann, der es verdient, daß man ihn der Vergessenheit entziehe. Es ist dies Herr Adolf Huldschiner. Er war noch ein wahrer Jsraelite. Leider -tragen die meisten hier ansäßigeu Juden nur mehr den Namen. Herr Huldschiner war es, der zur Zeit der hohen Festtage alle Gläubigen um sich zu sammeln pflegte und ihnen den Gottesdienst abhielt. Für die Tobten nahm er die Bestattungen vor, kurz: er war der Seelsorger der kleinen jüdischen Gemeinde. Als zärtlich liebender Gatte war er ein musterhafter Familienvater, der seiner Familie iu allen Tugenden voranleuchtete und selbe zu allem Guten anleitete. Wegen seiner Wohlthätigkeit war er allen Gläubigen bekannt. Niemand klopfte umsonst an seiner Thüre. Ehre seinem Andenken! Budapest. (Zur Uebertrittsbewegung.) Im abgelaufeuen Jahre war — wie «Kel. Ert." meldet — die Zahl derjenigen, die den jüdischen Glauben verlassen haben, eine große. Beim Rabbiner Dr. Samuel Kohn haben nämlich 144 Erwachsene ihren Austritt aus dem Verbände der jüdischen Confession angezeigt, welche Ziffer die Höhe von zweihundert erreicht, wenn auch die minderjährigen Kinder hinzugerechnet werden. Unter den Uebertretendcn befinden sich zumeist Ministerialbeamte, Lehramtscandidaten und Studierende. Auch unter den polnischen Juden sind viele, die zum Christenthum übergetreten sind, was voriviegend der Thätigkeit der englischen Mission zuzuschreiben ist. Nur einen geringen Bruchtheil der obigen Ziffern rilden jene, die keiner Confession sich anschlossen, sondern als confessionslos sich erklärten. Letztere recrutirten sich zumeist aus der Classe der kleinen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Budapest. Vor einigen Tagen fand in Verbo die Installation des neugcwählten Rabbiners Sam. Bernhard Reich, Sohn des berühmten orthodoxen Rabbiners und weltberühmten Talmudisten Koppel Reich, statt. Der Empfang war ein grandioser; der katholische Stadtrichter Geza v. Bobek und der protestantische Geistliche begrüßten Se. Ehrwürden am Stadtthore. Am Eingänge der monumentalen Synagoge begrüßte das Gemeindemitglied Lichtenstein den Rabbiner, der eine eingreifende Rede hielt. Abends fand ein großes Bankett statt. München, 21. Jänner. Der Rath des königlichen Landgerichts München I Dr. Alfred Cohen hat Titel, Rang und Gehalt eines Oberlandesgerichtsrathes erhalten. Dr. Cohen hat seinerzeit die Staatsconcursprüfung mit der Note I bestanden; er ist der erste Jude, der unter Belassung beim Landgerichte die Rechte eines Oberlandesgerichisrathes erhält. Da die vorhandenen Oberlandesgerichtsrathsstellen nur ein zu geringes Avancement für die Landgerichtsräthe gewähren würden, bekommen nämlich ungefähr 40 Landgerichtsräthe schon als solche die Rechte eines Oberlandesgerichtsrathes. Berlin, 20. Jänner. Anläßlich des vorgestrigen Ordens¬ und Krönungsfestes sind Herr Geheimer Commerzienrath W Hertz-Berlin mit dem Kronen-Orden H. Classe, die Herren Dannenbaum-Berlin, Amtsrichter Guttmann-Schweidnitz, Stadtrath Mamroth-Berlin, Emil Pinkus-Berlin und Dr. Weill-Hagenau mit dem Rothen Adler-Orden IV. Classe ausgezeichnet worden. Gleiwitz. Am 20. v. M. ist hier einer der angesehensten Bürger des oberschlesischen Industrie-Bezirkes, der langjährige Synagogen-Borsteher und Stadtverordnete Herr Meier Staub von einem unabsehbaren Trauergefolge zur letzten Ruhe geleitet worden. Die stimmungsvolle Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr. Münz. — Der hiesige Israelitische Frauenverein hat sein diesjähriges Stiftungsfest in feierlicher Weise begangen. Der segensreich wirkende Verein zählt 350 Mitglieder. An Unterstützungen für Krankenpflege, Hilfsbedürftige, Handarbeits-Unterricht u. dergl. sind im Verwaltungsjahre Mk. 5005'84 verausgabt worden. Hamburg. Das bei der hiesigen Deutsch-israelitischen Ge. meinde für milde Zwecke fundirte Capital beträgt 2,424.300 Mk- Von den insgesammt 94.600 Mk. Zinsen werden verwendet: zu Wohlthätigkeits-Zwecken 41.250 Mk., zur Unterstützung armer Verwandter der Stifter 11.450 Mk., zu Zuwendungen an Wohlthätigkeits-- Institute (Armenwesen, Unterricht, Krankenhaus, Waisenanstalt rc.) 26.450 Mk., zu rituellen Zwecken 11.750 Mk., zur Unterhaltung von Grabstätten rc. 3700 Mk. Marburg. Der erste Preis der medicinischen Facultät der hiesigen Universität ist Herrn stuä. insä. Simon Eichelberg für eine „besonders fleißige und vorzügliche" pharmakologische Arbeit verliehen worden. Feuilleton. Des Papstes Machtwort. Novelle von Jda Barber. . (Schluß.) Papst Gregorius hatte es dem Caplan Mostarly freigestellt, einen Urlaub zu nehmen und seinen Gesandten zu begleiten; doch Aladär lehnte dankend ab. In allzulebhafter Erinnerung war ihm noch, was ihn damals bestimmte, der Heimat zu entfliehen; in der Ferne hatte er Ruhe und Seelenfrieden wieder gefunden; weshalb das mühsam Errungene auf's Spiel setzen? Was er den Seinigen durch seinen Einfluß nützen konnte, wollte er mit Freuden leisten; doch warum alte Wunden, aufreißen, die kaum vernarbt waren? Nicht wenig erstaunt war man in dem kleinen ungarischen Städtchen, als sich die Kunde verbreitete, im nahen Domstift wäre ein Abgesandter des Papstes eingetroffen, der beauftragt sei, die Proceßacten in Sachen der Ilona Kusmik zu prüfen. Sämmtliche Zeugen, die ehedem vernommen worden waren, wurden nochmals vorgeladen. Der vornehme römische Herr, in dem sie wohl gar den Heiligen Vater selbst sahen, flößte ihnen

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