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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-01 · 5 (1.2.1901) · page 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 89 der dem Studium des Talmud und der rabbinischen Schrift mit hingebender Liebe und nie ermüdendem Eifer obgelegen, einer der hervorragenden Vertreter des conservativen Judenthums in Deutschland. Er hielt sich einen eigenen Rabbiner, ein eigenes Bet- Hamidrasch, ein eigenes Minjam, welches ihn auch auf seinen Reisen begleitete. Sein Haus wurde streng Misch geführt, er achtete auch während der Reisen auf strenge Beobachtung der rituellen Gesetze. Jüdische Gelehrte wurden von ihm in munificenter Weise unterstützt. Baron Wilhelm Karl Rothschild war am 16. Mai 1828 geboren. Er war ein Enkel des Begründers des Rothschild'schen Stammhauses, Mayer Anselm v. Rothschild. Das Frankfurter Haus wurde nach dem Tode seines Gründers voll seinem ältesten Sohne Anselm Mayer v. Rothschild in der Zeit von 1812 bis 1855 geleitet. Ihm folgten seine beiden Neffen, Meyer Karl und Wilhelm Karl, die Söhne des Freiherrn Karl v. Rothschild, der Chef des neapolitanischen Hauses war und auch in Frankfurt, seinerzeit als sicilianischer General-Consul fungirte.Das Frankfurter Haus Rothschild gehörte der österreichischen Rothschild-Gruppe an und hat sich an den letzten großen staatsfinanziellen Transactionen, soweit dieselben im Auslande spielten, betheiligt. Der Verstorbene war auch durch viele Jahre österreichisch-ungarischer General-Consul in Frankfurt. In seinem Wesen war er von der größten Einfachheit und Bescheidenheit und vermied es geflissentlich, in irgend einer Weise hervorzutreten. Baron Wilhelm Rothschild hinterläßt keinen Sohn, sondern zwei Töchter, von denen die eine mit dem Frankfurter Bankier Herrn Max B. Goldschmidt, die andere mit Baron Edmund James Rothschild in Paris verheiratet ist. Die Frage, wer in Zukunft an die Spitze des Frankfurter Hauses treten soll, ist noch nicht endgiltig entschieden. Es verlautet, daß ein Sohn des Baron Edmund James Rothschild in Paris die Leitung des Frankfurter Hauses übernehmen werde. Baron Wilhelm Rothschild lebte in großer Zurückgezogenheit in einer großen, schloßartigen, in einem Park gelegenen Villa bei Frankfurt. Er fuhr aber jeden Tag in das alte Bureau, wo er sich mit dem größten Eifer dem Geschäfte widmete. Der Verstorbene war von außerordentlicher Wohlthätigkeit und betheiligte sich an allen philanthropischen Vereinigungen in Deutschland. Es gab keine philanthropische Veranstaltung, welche nicht auf seine Unterstützung rechnen konnte. Die Witwe des Baron Wilhelm Rothschild, Baronin Mathilde, ist die Schwester der Freiherren Albert und Nathaniel Rothschild in Wien. Sie ist weit über die Grenzen Frankfurts durch das hervorragende Interesse bekannt, das sie stets allen Bestrebungen auf dem Gebiete der Kunst entgegenbringt. Namentlich ist bei ihr ein seiner, nicht selten selbstschaffender Sinn für Musik ausgeprägt. Einige ihrer empfindungstiefen Lieder-Compositionen und Concertstücke sind schon in der. ganzen Welt gesungen und gespielt worden. — Die „Frankfurter Zeitung" versichert, man glaube annehmen zu dürfen, daß die Häuser Rothschild in London, Paris und Wien Werth darauf legen werden, das alte Frankfurter Stammhaus aufrechtzuerhalten. Ueber das Leichenbegängniß wird berichtet: Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich zum Leichenbegängnisse des Herrn Baron von Rothschild eingefundeu. Es waren erschienen: die Barone Albert Rothschild (Wien), Edmund Mouris Henri Rothschild (Paris), Lord Nathaniel Rothschild aus London, im Aufträge der Stadtcommandantur Excellenz v. Lindequist und von Stülpnagel; Herr Oberbürgermeister Adickes, sämmtliche Stadtverordnete, die Rabbinen mit ihren Vorständen aus einer großen Anzahl von Städten des In- und Auslandes, namentlich sämmtlicher Religionsgesellschaften, für welche der Baron so überaus wohlthätig wirkte, waren anwesend. Unter Anderen Rabbiner Fürst von der Sckiffschul in Wien, Rabbiner Weißkopf vom Beth-Hamidrasch aus Paris. Bor der Bcerdigung sprach im Namen der Synagogengemeinde „Adaß Jeschurun" in der Billa Grüneburg Herr Rabbmer Dr. Breuer. Er schilderte, was der Verstorbene seiner Gemeinde gewesen sei: Ein Fürst Gottes und ein Fürst der Menschen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede hob Herr Dr. Breuer hervor, wie sehr die Gemalin des Verblichenen, Freifrau von Rothschild, ihrem Gatten in seinen religiösen Angelegenheiten treu zur Seite stand, wie sie es verstand, ganz in seinem Sinne zu wirken und zu handeln. Daß uns die hohe Frau erhalten sei und erhalten bleiben möge, das sei uns ein Trost bei bitfem schweren Verluste. Hierauf wurde die Leiche in den Wagen getragen. Hinter dem Wagen gingen Herr Rabbiner Dr. Horvitz, ihm zur Seite die beiden Schwiegersöhne, Baron Edmund von Rothschild und Max Goldschmidt. Die Menschenmenge war unübersehbar, wir schätzen sie auf circa zwanzigtausend, dreihundert Wagen gaben der Leicke das Geleite. Auf dem Friedhofe angelangt, ergriff Herr Rabbiner Dr. Horvitz das Wort. Er pries die außerordentliche Bescheidenheit des Dahingeschiedenen und den eisernen Charakter desselben, der sich in voller Jugendblüthe nach bleibendem Gute, nach Gott, sehnte. Er dankte im Namen der israelitischen Gemeinde, des Rabbinerseminars in Berlin und noch einer großen Reihe von Wohlthätigkeitsanstalten für alles Gute, das ihnen der Barou erwiese». Hierauf sprach Herr Louis Feist im Namen des Vorstandes der Synagogen gemeinde „Adaß Jeschurun" seinen Dank aus für die reichliche Unterstützung, welche der Baron ihr und ihren vielen Institutionen angedeihen ließ, namentlich seien die beiden Schulen der Gemeinde ihm unendlichen Dank schuldig. Sodann trat Herr Bürgermeister Barrentrop an die Bahre, um ein kurzes Wort des Dankes für das gemeinnützige Streben und Wirken des Heimgegangenen im Namen der Stadt auszusprechen. Wenn auch Baron v. Rothschild keinen Dank wollte, so dränge es ihn, dem hervorragenden Manne und Mitbürger ein inniges Lebewohl und herzlichen Dank zuzurufen. Die Männer der Chewra Kadischa ergriffen die Bahre und bald darauf deckte die kühle Erde die sterbliche Hülle des Herrn Baron Willy von Rothschild. Vermischtes. Sorget für Euer Heimatsrecht! Für alle Glaubensgenossen und deren Kinder ist es von höchster Wichtigkeit, daß sie auf Grund des am 1. Jänner 1901 in Wirksamkeit getretenen neuen Heimatsgesetzes ihr Heimatsrecht so rasch als möglich in Ordnung bringen. (Namentlich gilt dies von Jenen, deren ungarische Staatsbürgerschaft auf Grund eines mehr als zehnjährigen Aufenthaltes in Oesterreich erloschen ist.) Das Rechtsscbutzbureau der „O esterreich isch- Israelitischen U n i o u", IX., Berggaffe 20, (Bureaustunden : 10—12, 3—6) ist bereit. Jedermann diesbezüglich mit Rath und That an die Hand zu gehen und die erforderlichen Schritte einzuleiten. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Der Verein hat dieser Tage das Ergebniß der am 25. December vorigen Jahres abgehalteneu Expertise in Form eines von dem Gesämmtvorstande gefertigten Promemorias durch seinen Präsidenten Herrn B r o d dem neuconstituirten Vor stände der Wiener israelitischen Cultusgemeinde zur Kenntniß gebracht. Wien. (T r a u u n g.) Dienstag den 5. Februar 1901 um 1 Uhr Nachmittag findet im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde zu Czeruowitz die Trauung Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners Dr. H. E. Kaufmann aus Birovitica mit Fräulein Ernestine Weidenfeld aus Czernowitz statt. Wien. (T r a u u n g.) Im Tempel des IX. Bezirkes fand am 24. v. M. oie Trauung des Fräulein Auguste Baum wald, Tochter des Herrn Leopold Baumwald, ehemaliger Procurist des Hauses Rttter von Pfeiffer, mit Herrn Jacob Fischer, Sohn des Herrn A. Fischer, Vorsteher der israelitischen Cultusgemernde zu Tyrnau, unter Theilnahme vieler hervorragender Persönlichkeiten der hiesigen jüdischen Gesellschaft statt. Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus richtete an das Brautpaar eine eindrucksvolle Ansprache. Herr Obercantor Kläger trug, begleitet von Chor und Orgel, die vorgeschriebenen Gesänge erhebend vor. Wien. (Israelitischer Bethausverein „Brigittenau".) Der Vorstand des Bethausvereines Brigittenau erlaubt sich hiemit bekanntzugeben, daß von Freitag Abends den 1. Februar a. c. ab bis auf Weiteres jeden Freitag Abend und Samstag Früh Probevorträge von Cantoren stattfiuden. Wien. (Costümfestdes Vereines „N a c hlath Jeschuru n“.) „Im Reiche der Floral Unter diesem Titel fand am 19. v. M. ein vom Humanitätsverein für die westlichen Bezirke „Nachlath Jeschurun“ arrangirtes Costüms st statt, welches mit Recht den gelungensten Veranstaltungen des heurigen Faschings zugezählt werden kann. Im hübsch deeorirten großen Festsaale gab sich nach den Klängen einer Militärcapelle die tanzfreudige Jugend bis in die frühen Morgenstunden dem Tanze hin, während eine lebhafte Blumenpost für weiteres

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