Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl» Sette 87 der am 26. v. M. in den Musikvereins-Sälen abgehaltenen Akademie noch weitaus übertroffen, so daß wir wohl jetzt schon die künftigen Wohlthätigkeitsfeste dieses immer mehr und mehr aufblühenden Vereines zu den Elitebällen unserer Stadt zählen dürfen. Um ^9 Uhr war der Saal bereits bis auf's letzte Plätzchen besetzt. In den Logen bemerkte man Frau Baronin Charlotte von K ö n i g s w a r t e r, Gemeinderath E l t b o g e n, Professor Grün, Dr. I. S. Bl o ch, mehrere Bezirks-Ausschüsse, Docenten und Vertreter der Finanzkreise. Ein Orgel-Präludium, von Professor S. Storch meisterhaft gespielt, dem sich ein von der jungen Schauspielerin Frl. Melanie S p i e l m a n n fein pointirt vorgetragener Fest-Prolog anschloß, eröffnete in feierlicher, stimmungsvoller Weise den Abend. Auf 2 Flügeln concertirten die bekannten Pianisten Frau Clotilde Rothmüller-Herzl und Herr Pvldi Spiel mann, deren brillante Technik lebhafte Anerkennung fand. Herr Professor Gärtner entzückte mit einer Reihe äußerst sympathisch vorgetragener Lieder. Der Biolin- Birtuose Herr Heinrich Fiedler wurde lebhaft acclamirt. Sein tadellos reines Spiel und prachtvolle Bogentechnik lassen uns hoffen, den jugendlichen Geiger in nächster Zeit noch recht häufig in den Concertsälen zu hören. Fräulein Lola Beck enthusiasmirt das Publicum. Die gewinnende Vortragsweise des Ehepaares Kramer-Glöckner mußte natürlich auch diesmal zu minutenlangen Beifallsstürmen begeistern. Das Bachrich-Quartett beschloß mit seine fröhlichen, meisterhaft executirten Weisen das reichhaltige Programm. Die gesanglichen Nummern begleitete der junge Componist Herr Leo Ascher feinfühlig und musikverständig auf dem Claviere. Das Tanzkränzchen, welches der Akademie folgte, von Ballettmeister Professor Julius Singer trefflich arrangirt, eröffneten folgende Damen und Herren des Comitss: Herr Benno Rothziegel mit Frau Dr. Josef Winternitz, Herr Otto Lupprecht mit Frl. Hermine Beer, Herr Julius Ripper mit Frl. Elsa Billitzer, Herr Sigmuud Wurzel mit Frl. Else Dub, Herr Ing. Burgkraut mit Frl. Emma Brüll, Herr Leo Ascher mit Frl. Clara Tausky, Herr Ludwig Bombach mit Frau Bertha Matzner, Herr Dr. Marcus Fisch mit Frl. Lilli Hirsch, Herr Max Göre mit Frl. Mizzi Pfalzner. Herr Richard Eugen Salter mit Frl. Paula Knina, Herr Fritz Spitzer mit Frl. Flora Guttmann, Herr Gustav Steiner mit Frl. Hedwig Fabri. Herr Hugo Tausky mit Frl. Rudi Hertzka. Herr Robert Scyneider mit Frl. Tilli Schreiber, Herr Alfred Weißberger mit Frl. Charlotte Löb. Die Damen des Vorstandes waren in hocheleganten Toiletten erschienen: Die Präsidentin Frau Dr. S. Kohn trug eine weiße Spitzenrobe, die Schriftführerin Frau Dr. Lina Weiß einen perlenbesetzten Gaze-Ueberwurf über heliotrop Seide, die Cassierin Frau Cäcilie Frankl eine gelbe Seidenducheffe mit' schwarzen Sammtbändchen, Frau Marie Barany, schwarze Seide, Frau Dr. Louise Bienenstock gold und heliotrop Seide, Frau Bertha Käs weiße flitterbesetzte Duchesse, Frau Dr. Helene Kanitz weiße Seide, Frau Charlotte Kisch schwarze Spitzentoilette, Frau Anna Löwy schwarzen Pan mit Gold und Bayetten, Frau Regine May gelbe Seidecipäre, Frau Katharina Ripper silbergraue Sicilienne-Toilette ä la Maria Antoinette mit reichem Silberblumenschmuck, Frau Helene Rotter weiße Seide, Frau Bertha Schönbrunn weiße Duchesse mit Brüsseler Spitzen, Frau Dr. Helene Stein heliotrop Seide mit schwarzen Bayetten, Frau Dr. Elise Winternitz blauer Atlas. Von den vielen eleganten Erscheinungen seien besonders erwähnt: Frau Lisa Bloch-Jsage (schwarze Seidengaze auf rosa Seide), Frau Alt (weiß mit Brüsseler Spitzen), Frau Clotilde Rothmüller-Herzl (grüne Duchesse mit Silber und Pierre de Strasse), Frau Bertha Matzner (roth grenadir mit weißem Tüllflitter), Frl. Marie Rothziegel (weiße Spitzen), Frl. Elsa Bielitzer (weiße Seidengaze), Frl. Flora Guttmann (weiß), Frl. Elsa Dub (lichtblau), Frl. Rosalie Abeles (rosa), Frl. Jenny Neustadl (weiß), die Schwestern Tilli und Käthe Schreiber (blau), Frl. Rudi Hertzka (rosa), Frl. M'zzi Pfalzner (weiß), Frl Dora und Gisela Nathansobe (weiß), Frl. Paula und Sofie Kainz (rosa), Frl. Clara Tausky (weiß), Frl. Helene Beer (rosa), Frl. Louise Reimann (weiß), Frl. Olga und Gisa Back (weiß), Frl. Lina Kraus^ (weiß), Frau Hirsch (heliotrop), Frau Wortmann (schwarze Spitzen), Frl. Hedwig Fabri (rosa), Frl. Wally Hirsch (weiß). Das glänzende Gelingen verdankt dieser Abend der urermüdlichen Präsidentin Frau kaiserl. Rath Dr. S. Kohn, dem Ehrenpräsidenten Herrn Hofrath Kareis, dem aufopferungsvollen Obmann Herrn Dr. Josef Winternitz und dessen Frau als Cassierin, dem Obmann-Stellvertreter Dr. N. Kanitz und Apotheker Benno Rothziegel, ganz besonders aber der artistischen Leitung des Herrn Sigmund Wenzel. Die Obmänner des Jungherren- Comites, Herr Otto Lupprecht und Herr Julius Ripper, haben sich in mustergiltiger Weise ihrer schwierigen Obliegenheiten entledigt. So mußte Alles Zusammenwirken, um der Veranstaltung des Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines und Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhortes über alle ähnlichen Feste der Saison zum Siege zu verhelfen! Horazdiowitz. Am 6. v. M. hat der Vorstand der Cultusgemeinde über Antrag seines Cultusvorstehers Dr. Popper beschlossen, es mögen sämmtliche Cultusgemeinden ersucht werden, dahip zu wirken, daß das Betteln der armen Glaubensgenoffen von Gemeinde zu Gemeinde aufhöre und statt dessen jede einzelne Gemeinde ihre Armen selbst unterstütze. Um dies zu bewerkstelligen, bedarf es einer Centralstelle, welche Beiträge von sämmtlichen Gemeinden, welche solche zu leisten vermögen, in Empfang zu nehmen hätte und aus dem eigens hiezu geschaffenen „Armenfonde" solcher Gemeinden, welche ihre Armen aus eigenen Mitteln nicht zu versorgen in der Lage wären, mit entsprechenden Beträgen beizusteuern hätte. Auf diese Weise würde das lästige, meist uur mehr von unseren Glaubensgenossen systematisch betriebene Betteln von Haus zu Haus und dessen üble und unmoralische Folgen entfallen. Man möge nur bedenken, was für Kosten das Reisen an und für sich, das Uebernachten rc. verursacht, die erspart würden, dann daß jede einzelne Gemeinde wohl am Besten zu beurtheilen im Stande wäre, welche Arme eine Unterstützung, und in welcher Höhe, verdienen. Während es jetzt nun allzu häufig vorkommt, daß junge arbeitsfähige, aber frech auftretende Bettler, denen das „Reisen^ zur Gewohnheit wird, von welcher sie nicht mehr lassen, mehr unterstützt werden, als kranke und erwerbsunfähige, würde in der Folge Unterstützung nur denen werden, welche solche verdienen. Bei reiflicher Heberlegung des Beschlusses wird man aber auch zu der Ueberzeugung gelangen müssen, daß man einem unmodernen, den Antisemitismus kräftigenden Erweisen von Wohlthaten steuern würde! Welcher Glaubensgenosse, welche Chewra-Kadischa würde es unterlassen, ein Scherflein beizutragen, wenn man nur die Ueberzeugung haben wird, daß die Unterstützung solchen Armen und Hilfsbedürftigen zu Gute kommt, die es verdienen?! — Die Beiträge würden reichlicher fließen und zweckmäßiger verwendet werden. Als die paffende Centralstelle für Böhmen würden wir den Gemeindebund in Böhmen ansehen, von dessen Thätigkeit man ohnehin das ganze Jahr nichts hört. Strakonitz. Am 2. Februar l. I. wird das Ehepaar Herr Markus und Frau Anna U n g e r im engsten Famlienkreise in Strakonitz das Fest der goldenen Hochzeit bei vollster geistiger und körperlicher Frische und Rüstigkeit begehe»; anläßlich dieser Feier wird am 2. Februar l. I. ein festlicher Gottesdienst im israelitischen Tempel zu Strakonitz stattfinden. Herr Marcus Ungar, 80 Jahre alt, ist Mitglied des Cultusvorstandes in Strakonitz und Begründer des bekannten Bersandthauses von Böhmerwaldfrüchten in Eisenstein und steht von dieser Thätigkeit her noch in den weitesten Geschäfts- und Privatkreisen im besten Angedenken. Kuttenberg. (Zur Polnaer Affaire.) Aus Kuttenberg wird geschrieben: Beim Bezirkgerichte Deutschbrod wurde vor einigen Wochen der Geschäftsführer der Schützendorfer Glasfabrik in Stecken bei Polna, Franz Simm, wegen versuchter Bestechung einer Amtsperson (§ 211) zu acht Tagen Arrests verurtheilt. Simm war vom Gendarmerie-Wachtmeister Klenovec angezeigt worden, daß er ihm 25.000 fl. angeboten habe, wenn er einen anderen Mörder als Hilsner angebe. Diese Behauptung machte Klenovec auch bei der Verhandlung gegen Dr. Bulowa in Prag. Gegen das Urtheil beriefen damals beide Tlseile. Das Kuttenberger Kreisals Appellgericht sprach dieser Tage Simm vollständig frei, indem es die Haltlosigkeit der Anzeige annahm. Der Vertheidiger des Angeklagten, Dr. A. Meißner, hatte unter Anderem darauf verwiesen, daß Klenovec nicht, wie es ihm die Dienstordnung vorschreibt, die Anzeige von der versuchten Bestechung sofort erstattete, sondern erst geraume Zeit verstreichen ließ, was im Widerspruche mit § 25 St.-P.-O. und der Dienstordnung für die Gendarmerie stehe. Chrudim, 23. Jänner. (D arstellung des angeblichen Blutrituale im Pantaskop.) Ter Optiker Johann Pavel in Pardubitz hatte in dem Auslagefenster seines Geschäftes ein Pantoskop zur Ansicht ausgestellt, in welchem eine das vermeintliche Blutrituale der Israeliten darstellende Photographie angebracki