Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Feier des achtzigsten Geburtstages des Herrn M. Molk MtmbM Rabbiner der israelitischen Cultusgemrindr in Wien- Ein erhebendes Familienfest war es, welches die Wiener Judenheit Samstag den 26. Jänner 1901 beging. Zu einem innigen Familienfeste gestaltete nämlich die Wiener Gemeinde die Feier des achtzigsten Geburtages ihres allgemein verehrten und vielgeliebten Rabbiners, Dr. Adolf Schmied!. Es war ein prächtiger Wintertag und . sichtlich begünstigte der Himmel das Gemeindefest. Die verschiedensten Kreise und Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung wetteiferten miteinander, den gefeierten Seelsorger Huldigungen aller Art, Zeichen ungeheuchelter Verehrung und tiefinnigster Sympathie darzubringen. Allein, auch von auswärtigen Gemeinden erschienen Deputationen von Cultusvorständen, um an der Schmiedl-Feier persönlich Antheil zu nehmen; andere Gemeinden hinwiederum gaben ihrer Verehrung für den greisen Theologen in Form von Adressen Ausdruck, nach Hunderten und Hunderten zählen die telegraphischen und schriftlichen Begrüßungen, welche aus allen Theilen der Erde an den Jubilar aus Anlaß dieses Tages gelangt sind. Mittel und Glanzpunkt der Feier bildete naturgemäß der Festgottesdienst im großen israelitischen Tempel der Leopoldstadt, wohin die zahlreichen Verehrer Schmiedl's in Hellen Schaaren Pilgerten. Die ungeheueren Räume dieses herrlichen Gotteshauses waren dicht gefüllt, selbst auf den Galerien und in den Seitengängen standen die Festtheilnehmer zusammengepreßt, Alles drängte sich, Zeuge zu sein der Huldigungen, welche dem greisen Jubilar dargebracht werden. Unter den Anwesenden bemerkte man sämmtliche Mitglieder des Cultusvorstandes mit dem Präsidenten und den beiden Vicepräsidenten an der Spitze, die Vertreter sämmtlicher jüdischer Vereine und Corporationen Wiens, die Vorstände aller jüdischen Institute und Anstalten, die Repräsentanten aus den besten Kreisen der jüdischen Gesellschaft — ein Ensemble, wie es in der Geschichte der Wiener jüdischen Gemeinde wohl selten vorgekommen. Herrlich geschmückt mit Lorbeeren und Blumen aller Art, förmlich eine Augenweide für die Festtheilnehmer, war der Tempelsitz des Rabbiners. Von einer Ehren - Deputation des Cultusvorstandes abgeholt und geleitet, erschien der Jubilar im Gotteshause, von den Tausenden Andächtigen ehrfurchtsvoll begrüßt, Obercantor Guttmann intonirte mit dem Chor ein mächtiges Lorued dabo, das erhebend auf die Anwesenden wirkte. Bei der Thoraverlesung haben sowohl der Präsident kaiserlicher Rath Heinrich Klinger und mehrere Mitglieder des Cultusvorstandes, als auch Oberrabbiner Dr. Güdemann einer neugegründeten Rabbiner Dr. Schmiedl-Stistung namhafte Spenden zugewendet, und als der verehrte Jubilar bei der Thora erschien, recitirte Obercantor Guttmann mit seiner mächtigen, klangreichen Stimme einen herrlichen, zu diesem Anlasse von ihm selbst im classischen Hebräisch abgefaßten Mischeberach, welcher alle Herzen tief ergriffen. In diesem Mischeberach waren die Verdienste, die sich der Jubilar in den Gemeinden, namentlich aber in der Wiener Cultusgemeinde erworben hat, enthalten, ferner alle Segenswünsche zusammengefaßt, welche die Wiener Gemeinde für ihren greisen Seelsorger als gemeinsames Gebet zum Himmel emporsendet. Ein wortmächtiger Interpret dieser Gesinnungen war Oberrabbiner Dr. Güdemann, der in einer wirkungsvollen Festrede den Dank der gesammten Gemeinde an den Jubilar für seine segensreiche Wirksamkeit in ihrer Mitte in ergreifenden Worten verdolmetschte. Der Redner pries die hohe Gelehrsamkeit, den lauteren, reinen Charakter, die ideale Gesinnung und die sprichwörtliche Bescheidenheit Dr. Schmied l's, und erwähnte, daß der verehrte College nicht allein sein Nachfolger war auf der Kanzel des Leopoldstädter Tempels, er war auch in frühester Zeit sein Vorbild, das Ideal, dem er, wie viele Berufs- und Altersgenossen, nachstrebte und nacheiferte. Nun bestieg der Jubilar selber die Kanzel und seiner sinnreichen Predigt entnehmen wir nachstehende Skizze: „Als Moses, unser leuchtendes Vorbild in allem Edlen und Großen, an das Ende seines Lebens und Wirkens gelangt war, da war's nicht etwa ein Gefühl der Freudigkeit, das erhebende Bewußtsein des vollendeten Werkes, das ihn freudig bewegte, im Gegentheile, eine unsägliche Wehmuth erfüllte die Seele des großen Lehrers, so daß er betend seine Stimme erhob (5. M. 3, 23), Gott möge seine Laufbahn noch weiter hinausdehnen. Nicht etwa, daß seine Seele mit solcher Zähigkeit an diesem Erdenstaube hing, so daß er sich gar nicht davon trennen mochte, nein, was sein Herz in diesem Momente schmerzlich bewegte, das war das Gefühl der nicht bis zu Ende geführten großen Lebensaufgabe. Du hast erst angefangen — sprach er — mir die Größe Deiner Gotteshand zu zeigen, und ich sollte mein Lebenswerk, daran meine Seele hing, bereits als abgeschlossen betrachten?