Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 4 (25.1.1901)
- Date
- 1901-01-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 68 Vorlesung den jungen Privatdocenten seinen Hörern vor und führte aus, daß Dr. Rothschild wir kein Anderer über den wichtigen Gegenstand unterrichtet ist. Derselbe hat auf eigene Kosten eine große Anzahl von Kühen unterhalten und gleichzeitig in seinem eigenen Kinderhospital zahlreiche Kinder gepflegt. So konnte er die überaus wichtige Milchfrage als Chemiker, Arzt und Industrieller studieren und zum ersten Male die Lehren Pasteur's auf dieses wichtigste Nahrungsmittel für Kinder und Erwachsene anwenden. Die Juden in Rußland. Aus St. Petersburg wird der „Politischen Korrespondenz" eine Entscheidung des Senates angekündigt, wonach den fremden Juden, die ausnahmsweise die Erlaubniß erhielten, Handel und Industrie in Rußland zu betreiben, die Verpflichtung auferlegt wird, sich mit speciellen Erwerbscheinen entsprechend den Erwerbscheinen der Kaufleute erster Gilde zu versehen, und zwar ohne Unterschied der von ihnen in Rußland betriebenen Geschäfte und ohne Rücksicht darauf, ob die russischen Geschäftsleute gleicher Kategorie eine niedrigere Steuer zu entrichten haben. Wie man sieht, bekennt sich Rußland noch immer nicht zum gleichen Recht für Alle und will dennoch als civilisirter Staat gelten. Erweiterung des jüdischen AnsiedlungSrayons in Rußland. Man schreibt uns aus Petersburg: Das sogenannte jüdische Niederlassungsgebiet in Rußland bildet bekanntlich ein Ghetto im Ghetto. Denn das Wohnrecht ist den Juden nur in den Städten, nicht aber in den Dörfern des Niederlafsungsgebietes gestattet. Diese Zusammenpferchung der Juden in den. Städten hat unter denselben eine derartige materielle Nothlage erzeugt, welche in ihren Einzelheiten erschreckend ist. Diese Erscheinung ist der Aufmerksamkeit des russischen Ministeriums des Innern nicht entgangen und es hat deshalb die Erweiterung des jüdischen Ansiedlungsrayons im Niederlassungsgebiete beschlossen. Das ökonomische Departement im Ministerium des Innern hat bereits die Gouverneure angewiesen, unverzüglich jene Dörfer im Niederlassungsgebiete zu bezeichnen, welche zu Städten und Städtchen erhoben werden können, um so den Juden neue Niederlassungsstätten zu eröffnen. Gutem Vernehmen nach gilt dieser Entschluß des Ministeriums als erster Versuch auf dem Wege zur völligen Lösung der Wohnfrage der Juden im Reiche. London. (Alderman John Harris.) Stadtrath (Common Council) von Whitechapel, der als Präsident des jetzt aufgelösten Board of Works viel zur Hebung von East-London gethan hat, wurde zur Feier seines Abschieds in einer großen Versammlung ein kostbares Ehrengeschenk überreicht. Bei der Uebergabe des Präsentes hob der Präsident des Board of guardians, Mr. James Brown, der die Versammlung leitete, die Verdienste Mr. Harris hervor, der in seiner 30jährigen Thätigkeit im Dienste des Londoner Bürgerthums für Whitechapel und namentlich die daselbst massenhaft ansässige jüdische Bevölkerung soviel gethan hat. In einem District, dessen Bewohner nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Beziehung so weit auseinandergehen, wo Juden, Protestanten und Katholiken eine bunt durchwürfelte Masse bilden, hat der jüdische Stadtrath sich namentlich um das Schulwesen und um die Beleuchtung und Reinigung der Straßen unendlich verdient gemacht. In seiner Antwort hob Mr. Harris den großen Fortschritt, den Whitechapel in den letzten 30 Jahren gemacht hat, hervor. Aus der Gegend voll Spelunken und Berbrecherhöhlen, in der sich kein Polizist des Nachts allein zu zeigen wagte, ist ein sauberer Stadttheil mit reinen, künstlerisch ausgestatteten Wohnungen voll Licht und Luft geworden. Er hofft, daß er in seiner neuen Thätigkeit als Leiter der an Stelle des eingegangenen Board of Works neu errichteten Rath der Borough of Stepny für die jüdische und christliche Bevölkerung des Bezirkes ebensoviel thun können wird, wie in Whitechapel. Vermischtes. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Einladung zu der am Samstag den 2. Februar l. I., präcise 7 Uhr Abends, im großen Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgaffe 11 stattfindenden Plenarversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bortrag des Herrn k. k. Regierungsrathes Dr. Heinrich Sieger: „Die Redefreiheit im Gerichtssaale" 3. Vorführung von Toiletten der Pariser Weltausstellung 1900 mit colorirten Skioptikon-Lichtbildern, durch Herrn Adolph W. Schack, Inhaber einer Lehranstalt für Schnittzeichnen rc. Jene Mitglieder, welche Toiletten ausstellen wollen, mögen dies in der Bereinskanzlei anmelden. Wien. (Israelitischer Bethausverein am B o l k e r t.) Bei der am 13. d. M. stattgefundenen Generalversammlung unter dem Borfitze des Obmannes Herrn Adolf Schramek, sowie zahlreicher Betheiligung der Mitglieder und Anwesenheit des Delegirten der löbl. Cultusgemeinde Herrn Dr. Markus Spitzer wurden nachstehende Herren in den Borstand gewählt: Gustav Frankl, Leopold Spitzer, Salomon Hoffmann, Benjamin Hoffmann, Heinrich Rosenblatt, Julius Beck. Bei der am 17. d. M. erfolgten Constituirung wurden gewählt: Die Herren Adolf Schramek, Obmann; Hermann Ehrenfeld, I. Obmann-Stellvertreter; Gustav Frankl, II. Obmann-Stellvertreter; Benjamin Hoffmann, Schriftführer; Ludwig Cantor, Schriftführer-Stellvertreter; Hermann Braun, Cassier; Julius Beck. Controlor; Josef Alberti, Revisor; Michael Thebner, Revisor. Wien. (Jüdisches Museum.) Donnerstag. 31. Jänner, Präcise 77* Uhr Abends, findet im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines folgender Vortrag statt: Doctor Adolf Schwarz, Rector der israelitisch-theologischen Lehranstalt: „Der Talmud". Wien. Montag hat unter großer Theilnahme von Freunden der Familie das Leichenbegängniß von Frau Cäcilie K o h n, geborene Benkendorf, der Gattin des Bezirksarztes von Döbling Dr. Carl Kohn, stattgefunden. Wien. Am 6. d. M. starb in Jnzersdorf bei Wien nach langem Leiden Frau Josefine S u s ch i tz k y, Gemahlin des Cassiers der Eisler'schen Conservenfabrik. Sie war die Tochter des längst verstorbenen bekannten Rabbiners Wolf Mühlrad in Lundenburg. Fromm und gottergeben, war die Dahingeschiedene die treueste Gattin und zärtlichste Mutter und durch ihre Herzensgüte in der ganzen Umgebung bekannt. Die Bewohner von Jnzersdorf dankten ihr ihre Wohlthaten durch zahlreiche Theilnahme am Leichenbegängnisse, die Arbeiterschaft des Eisler'schen Etabliffements spendete ihr einen hübschen Kranz. An der Bahre trauern ihr Mann und drei Kinder. Möge der braven Frau die Erde leicht werden. Wien, 20. Jänner. Die Trauungsfeier des Fräulein Marie W e i ß h u t, Tochter des Unionbank - Directors Herrn Alois Weißhut und der Frau Camilla Weißhut, mit Herrn Otto S t r a k o s ch, Sohnes des Herrn Bernhard und der Frau Henriette Strakosch aus Brünn, gestaltete fich zu einer überaus glänzenden Kundgebung aller verwandten und befreundeten Gesellschaftskreise. Der reich geschmückte und festlich erleuchtete Tempel in der Seitenstettengaffe war von einer auserlesenen Schaar hiesiger und auswärtiger Gäste gefüllt, unter denen die Bankdirectoren Hofrath Ritter v. Hahn. Moriz und Sigmund Ritter v. Bauer, Witt mann, die Sectionschefs Schick, Klappholz rc.. auch seitens des Bethausvorstandes die Herren T e l t s ch e r. Heit u. A. zu bemerken waren. Der copulirende Seelsorger Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt an das Brautpaar eine stylvolle und poetische Ansprache, in welcher er, anknüpfend an das Schriftwort: „Und bei den Kindern Israels ward es Licht in ihren Wohnungen", das Brautpaar darauf hinwies, daß der äußere Glanz des Lebens nicht das Familienhaus erhellen sondern aus der befeeligenden Umfriedung eines glücklichen Hauses aus demselben in das Leben hinausstrahlen möge. Die treffliche Ansprache machte allgemeinen Eindruck, sowie die von Obercantor Singer unter Assistenz des Chorperfonals und Orgelbegleimng wirkungsvoll vorgetragenen Festgesänge der heiligen Feier ein besonderes Relief verlieben. Möge der milde Schimmer ihres Hochzeitsfestes hineinleuchten in das Leben des jugendlichen und stattlichen Ehepaares und mögen alle Segenswünsche, die ihm heute entgegengebracht wurden, Erhörung und Gewährung finden beim Lenker der Lebensschicksale zum Heile, Glücke und reichsten Segen Amen. S. Wien. (Wohlthatigkeitskränzchen des Brigittenauer israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines.) Das Reinerträgniß dieses Kränzchens, über dessen glänzenden Verlauf an dieser Stelle bereits berichtet wurde, betrug nach dem vom Herrn Casfier Josef Kohn erstatteten Rechnungsabschluß X 2804 84. Dieses so schöne Ergebnis, welches allerdings gegenüber der in der Brigittenau unter unseren Glaubensgenossen vorhandenen schrecklichen Armuth, gleich einem Tropfen auf glühendem