Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 4 (25.1.1901)
- Date
- 1901-01-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 4 Br. Bloch's Wochenschrift. Seite 63 Zusammenschlüsse aller Kräfte zum Wohle der Gesammtheit und zur Vermehrung des Glanzes der Prager jüdischen Gemeinde sucht und findet. Von diesem Gesichtspunkte aus rief er den Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten ins Leben, der unter seiner vieljährigen, umsichtigen Geschäftsleitung nicht nur mannigfache Institutionen in socialer und humanitärer Richtung geschaffen, sondern sich bald als Bollwerk der jüdischen Interessen von ganz Böhmen herausgebildet hat. Als Mitglied der Prager israelitischen Cultusrepräsentanz wurden Dr. Duschenes die wichtigsten und schwierigsten Referate anvertraut, die er mit seinem immensen Fleiße spielend bewältigte, und zahlreiche gemeinnützige, und humanitäre Vereine bewarben sich darum, diese ganz ungewöhnlich hervorragende Arbeitskraft für leitende Stellungen im Ausschüsse zu gewinnen. Seine Thätigkeit im jüdischen Gemeindebunde Böhmens war eine weitbekannte und anerkannte; minder bekannt für weitere Kreise dürfte jedoch der Einfluß sein, den er, bezw. der Centralverein durch ihn, auf das Zustandekommen des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgenossenschaften und auf die Entwerfung der einzelnen Gemeindestatuten genommen. Bei all dieser seiner Wirksamkeit kam ihm ein ganz bedeutendes rhetorisches Talent zu Statten, das ihn befähigte, die wichtigsten Fragen in streng sachlicher und zugleich lichtvoller Weise zu exponiren. Nach dieser Richtung hatte ja auch der Verein „Union" in Wien Gelegenheit, die rednerische Begabung des Verblichenen gelegentlich eines Vortrages kennen zu. lernen. Ein vollständiges Charakterbild hier zu entwerfen, würde allzuweit führen, aber dies sei noch betont, daß Dr. Duschenes auch in nichtjüdischen Kreisen sich größter Hochachtung und Würdigung erfreute, durch viele Jahre Mitglied des Bezirksschulrathes in Prag, Geschäftsleiter der Prager Zweigvereinigung des Wiener Litera turverbandes war und sich auch als Jurist durch seine fachwissenschaftlichen Arbeiten verdiente Anerkennung erworben. Und so wird sein Andenken fortleben nicht nur bei seinen zahlreichen Freunden, sondern mit und in seinen gemeinnützigen Werken, die er theils selbst geschaffen, theils als eifrigster Mitarbeiter unermüdlich fördern geholfen. * * * Dr. Friedrich Duschenes war am 18. Jänner 1843 in Prag als Sohn eines geachteten Bolksschullehrers geboren; ursprünglich selbst zum Lehrerstande bestimmt, faßte er in vorgerückteren Jahren Liebe zur Rechtswissenschaft, bewältigte in kurzer Zeit die Mittel- und Hochschul-Studien, eröffuete im Jahre 1878 in Prag seine Advocatenkanzlei und trat auch zu Beginn seiner Laufbahn wiederholt als Bertheidiger in Strafsachen hervor; zu Beginn der Achtziger-Jahre wurde er zu öffentlicher Wirksamkeit herangezogen und widmete sich von da an unablässig dem allgemeinen Wohle, sowie seinen fachwissenschaftlichen Arbeiten. So gab er u. A. mit Herrn Dr. v. Belsky das österreichische Rechtslexikon heraus, ein umfassendes Werk, das allein von seiner Ausdauer Zeugniß abzulegen geeignet ist, das in weitesten juristischen Kreisen Eingang gefunden und auch ins Böhmische übertragen wurde. Seit etwa vier Monaten ward er von einem tückischen Unterleibsleiden erfaßt, das er mit wahrem Heldenmuth ertragen und dem er auch, nachdem eine Operation in Halberstadt zwar Linderung der Schmerzen, aber keine Heilung brachte, am 11. d. M. erlag. An seinem Grabe trauern nebst der Witwe, die ihn in den Tagen seiner Krankheit aufopfernd gepflegt, zwei Söhne in noch jugendlichem Alter. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, an der sich der Oberrabbiner Herr Dr. Ehrenfeld mit den Rabbinen Doctoren Kisch, Fischer und Deutsch, die Cultusgemeinderepräsentanz mit ihren Präsidenten Herrn Dr. Rosenbacher und Herrn Dr. Ben die ner, der Ausschuß des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten und die Vertreter der übrigen Humanitätsvereine betheiligten. Aber unter der unübersehbaren Schaar der Trauergäste befand sich auch der Bürgermeister von Prag Herr Dr. Srb, dessen Stellvertreter Herr Dr. Friö, die Universitäts-Professoren Hofrath Dr. Ott und Dr. Gad, Director des Mädchen-Lyceums Bardachzi, Mitglieder des Bezirksschulrathes, sowie des Schriftstellervereines „Concordia" und zahlreiche Vertreter der Presse. Der Leichenconduct wurde von den Handwerkspfleglingen des Centralvereines eröffnet, während Ausschußmitglieder desselben zu beiden Seiten des Leichenwagens ein wandelndes Spalier bildeten. In der Ceremonienhalle des Straschnitzer Friedhofes widmete Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld unter Zugrundelegung des Textes „Gönnt ihm die Ruh" dem Dahingeschiedenen einen herzergreifenden Nachruf, worauf die Bahre von den Vereinsgenossen des Verewigten zur Grabstätte getragen wurde. Hier würdigte der Präses Dr. Rosenbacher, selbst tief ergriffen, Worte voll Wahrheit dem Wirken des Verblichenen, der ein Vorkämpfer des Altruismus gewesen und namens des „Centralvereines" nahm kais. Rath Falkowicz wehmuthsvollen Abschied, indem er bewegte Worte des Dankes der rastlosen und erfolgreichen Thätigkeit des Verstorbenen widmete. Die Nacht brach schon herein, als die Trauergäste den Friedhof verließen, in der Ueberzeugung, daß für diesen Mann, der hier zur Ruhe gebettet worden, sich in der Gemeinde sobald ein Ersatz nicht finden wird. Pilsen, 20. Jänner. Heute am Erew rösch chodesch Schewat fand die alljährliche Vollversammlung der Chewra- Kadischa statt, welche um 1 Uhr Mittags mit einem Gottesdienste und Predigt ihren Anfang nahm. Herr Rabbiner Dr. P o zn a n s k y nahm die Gelegenheit wahr, den heiligen Zweck dieses Vereines nach seiner religiösen und ethischen Bedeutung zu kennzeichnen und die wahrhaft ersprießliche Thätigkeit desselben durch Unterstützung der Armen, Kranken und Nothleidenden besonders hervorzuheben. Nachdem noch ein erhebendes, weihevolles Seelengebet für die im abgelaufenen Vereinsjahre verstorbenen Mitglieder der Chewra und das Minchanebst Jom kippur katan- Gebet verrichtet war, versammelten sich die Mitglieder des heiligen Vereines Abends im Restaurationslocale des Herrn Arnstein, wo der Jahres- und Rechenschaftsbericht erstattet wurde. Demselben ist zu entnehmen, daß im abgelaufenen Jahre folgende namhafte Beträge zugeflossen sind: An Einnahmen bei Seelengedächtnißfeier 404 fl. 10 kr., an Zinsen 1141 fl. 72 kr., diverse Spenden 65 fl., für Beerdigungen 184 fl. 96 kr., Spenden bei Beerdigungen 365 fl. 11 kr., Spenden beim Thoralesen 584 fl. 57 kr., Aufnahmsgebühren 325 fl. 50 kr., Jahresbeiträge 893 fl. 50 kr., Legate 725 fl. Unter den Ausgaben kommen vor: Spenden an fremde Arme 73 fl., Spenden an hiesige Arme 1691 fl. 12 kr., Beerdigungen 424 fl. 97 kr., Gründüngsbeitrag zum israelitischen Frei-Tischverein 250 fl. u. s. w. Der Verein verfügt über ein baares Vermögen von 29.714 fl. 64 kr. Wenn man die schöne und ruhige, wahrhaft edle Wirksamkeit dieses Vereines in Betracht zieht, so muß man sich sagen, daß derselbe im besten Sinne des Wortes des Namens „Heiliger Verein" würdig ist. Ph. L. Klattau. Am 22 Jänner 1901 veranstaltete die Chewra- Kadischa — fast möchte man sagen — em Familienfest für die ganze Gemeinde, die sich fast vollzählig im Gotteshause versammelte. Auch viele auswärtige Mitglieder und Gäste waren anwesend. Der Herr Rabbiner Dr. M. L. Wolf hielt die Festrede und erläuterte die 3 Säulen des jüdischen Lebens als Pfeiler des Judenthums: Thora, Abodah und Gemilat-Chasodim. Redner wurde von vielen Seiten herzlichst beglückwünscht Nach tem Gottesdienste fand die Generalversammlung des angeführten Vereines statt. Aus der Wahlurne gingen als gewählt hervor die Herren: Josef Feigl, Simon Hahn. S. I. Krauskopf, Ignaz Lederer, I. II. Dr. I. Steiner, Jonas Steiner, Leopold Schleißner; als Ersatzmänner die Herren: Heinrich Laschanskh und Ignaz Pollak. Dem Berichte des Cassiers entnehmen wir, daß der Verein im abgelaufenen Vereinsjahre für die Ausübung derWohlthätigkeit 50!) L verausgabte und mehrere verstorbene arme Mitglieder unentgeltlich beerdigen ließ, sowie auch andere nützliche Einrichtungen traf. Abends wurde im Hotel zur „Weißen Rose", im Gasthofe, wo einst Kaiser Josef logirte, ein Festessen arrangirt. Nachdem die „Mozeh“, gesprochen durch den Herrn Rabbiner, und der erste Gang vorüber war, sammelte Herr S. Hahn für die Ortsarmen. Er leitete seine „That, seinen ersten Angriff" mit den Motten ein: „Wir sitzen hier so fröhlich beisammen, haben hübsch warm und erwarten noch gute Speisen, wollen wir gleich auch derer gedenken, die heute weder das eine, noch das andere haben und darum: „Poseach es joclcho“ — wie wir doch täglich beten, thuet, liebe Tischgenossen Eure Taschen auf und gebet zur Milderung der Noth unserer Armen". Wenn jeder Feldherr so bereitwillige tapfere Soldaten hätte so wäre manche Schlacht leicht gewonnen. Herr Hahn hatte nicht umsonst an das jüdische goldene Herz appellitt. Ein hübscher Betrag war eingeflossen. Herr Rabbiner Dr. Wolf hielt den Kaisertoast, der stehend angehört und mit brausendem Beifall begleitet wurde. Es wurde auch ein Ergebenheitstelegramm an Se. Majestät Kaiser Franz Josef I. abgeschickt. Im Verlause des Mahles sprachen 25 Personen der Gesellschaft theils ernste, theils heitere Toaste und sinnige Trinksprüche. Auch des Peusionsfondes für israelitische Lehrer in Böhmen wurde nicht vergessen; eine Sammlung ergab 35 Kronen. Zuletzt wurde das Recht, das Tischgebet laut vorzutragen, „veräußert". Es ergab die gewiß hübsche Summe von 100 Kronen — zu der auch der Hotelier, Herr Moravetz beisteuerte — zu wohlthätigen Zwecken. Aus all' den Reden klang der Tenor heraus, daß wir Israeliten uns in dieser besonders schweren Zeit fester aneinander zu schließen haben, daß es nothwendig sei, das jüdische Bewußtsein zu heben, die jüdischen Schulen ttotz