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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-25 · 4 (25.1.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 62 Nr. 4 Vr» Vlvch's Wocheulüzclfr. Volkswohles gesorgt 'hat und bittet die recherchirenden Damen des „Frauenhort", auch künftighin dieser wichtigen Frage ihr Augenmerk zuwenden zu wollen. Frau Rosa Z i f f e r e r dankte dem Redner sür seine wertbvollen Anregungen und z"ichnet die vier statutenmäßig aus dem Vorstände scheidenden Damen mit ehrenden Worten der Anerkennung für ihr Wuken aus, worauf über Antrag des Herrn Max H i l l e r deren Wiederwahl per Acclamation erfolgte. Frau kaiserl. Rath K o h n ergriff hierauf das Wort, um den „Frauenhort" namentlich auf dem Gebiete der Wöchnerinnenpflege zu feiern, indem er der kranken Familienmutter cs ermöglicht, in häuslicher Pflege zu bleiben, was um so wichtiger sei, als unsere Glaubensgenossin, die arme jüdische Wöchnerin, sich immer sträube, eine Krankenanstalt aufzusuchen. Herr kaiserl. Rath S ch e s f t e l besprach hierauf in zündender Rede das Wirken des Vorstandes des „Frauenhort", namentlich auch der beiden Vicepräsidentinnen Frau Regine Kopstein und Frau Johanna Fröhlich und hob als Mitglied des Vereines hervor, wie gerne er gerade dem „Frauenhort" spende, weil hier die Gabe stets in richtige Hände gelange. Hierauf schloß Frau Z ifferer die würdig verlaufene Versammlung mit einer kurzen Rede und dem Rufe: „Auf Wiedersehen". Nur langsam leerte sich der dichtgefüllte Saal und allgemein hörte man von den Mitgliedern den Wunsch aussprechen, der „Frauenhort" möge immer mehr Gönner finden, um seine Ideale auch verwirklichen zu können, im Interesse der armen und kranken Frau unter den zahlreichen bedürftigen Glaubensgenoffen unserer schönen Vaterstadt. Die Victoria-Schwester, die heute in Deutschland meist anerkannte und geschätzte weltliche Krankenpflegerin wurde Montag den 21. d. M. von Frau Henriette Weiß, der Witwe des Dichters I. A. Weiß, der Vorkämpferin für Errichtung von Volksheilstätten und für Heranziehung intelligenter und gebildeter Frauen zum Berufe der Krankenpflegerin, nach eigenen Beobachtungen geschildert. Frau Dr. S. A. Weiß hat im letzten Sommer eine Studienreise durch Deutschland unternommen, zu dem Zwecke, die bestehenden Lungenheilstätten, sowie die Organisation der weiblichen Krankenpflege zu studiren. Um recht gründlich zu Werke zu gehen, leistete sie im Berliner städtischen Krankenhaüse Friedrichshain, der Pflanzschule der „Victoria-Schwestern", praktischen Krankenpflegerinnendienst, indem sie eine erkrankte Schwester in ihrem Berufe vertrat. So lernte sie das Leben und Walten, das Wirken und Schaffen der Victoria-Schwester kennen und mit der Lebendigkeit, wie sie nur die eigene Anschauung ermöglicht, entwirft sie ein Bild von dem Leben im Krankenhause und im Schwesterheim; sie führt uns die Victoria-Schwester in ihrem Berufe vor Augen, als verständnißvolle Gehilfin des Arztes, die nicht nur seine Anordnungen pünktlich und gewissenhaft ausführt, sondern auch in der Beobachtung der Kranken ergänzt, alle Vorfälle im Krankheitsverlaufe sorgfältig registnrt, alle Vorbereitungen zu den vorzunehmenden Operationen selbstständig trifft und einen großen Theil des administrativen und ökonomischen Dienstes, wie Wäschegebahrung, die Verwahrung des Instrumentariums und dergleichen, besorgt. Wir lernen auch die Victoria-Schwester als milde Helferin der Kranken kennen, die denselben Muth und Trost zuspricht, ihnen ihre Leiden erträglicher macht und durch sorgsame und hingebungsvolle Pflege manches dem Tode nahe Menschenleben rettet; wir sehen sie endlich durch ihr Beispiel das niedere Pflegepersonal zu Ordnung, Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Menschenliebe erziehen den ganzen, die Atmosphäre des Krankenpavillons erfüllenden Geist beherrschen, damit auch auf die Kranken eine erziehliche Thätigkeit üben. Zu all diesen Leistungen wird die Victoria-Schwester durch ihre Intelligenz befähigt, die ihr Pflichtgefühl schärft und ihr das Bewußtsein von der wahren Bedeutung und Würde ihres Berufes gibt. Kein Wunder, daß die ärztlichen Kreise und die Bevölkerung Deutschlands, soweit dieselben das Wirken der Victoria-Schwester kennen zu lernen Gelegenheit hatten, ihres Lobes voll sind und daß das Vertrauen in ihre Thätigkeit und die Nachfrage nach derselben stetig wächst. Zu gleicher Zeit mit dem Rudolfinerhaus in Wien gegründet, hat das Victoriahaus in Berlin einen Stand von 260 Schwestern, während das erstere nur über einen solchen von 24 verfügt. Die Victoria-Schwestern sind heute in 22 Anstalten thätig, außerdem an Privatkliniken und in der Privatkrankenpflege. Die Erfolge, auf die der Verein Hinweisen kann, sind hauptsächlich der energischen zielbewußten Thätigkeit der ersten Oberin, Louise Fuhrmann, zu danken, die mir sicherem Blick geeignete Kräfte heranzog und die Grundlage schuf zur Heranbildung der Schwestern, zur Organisation des Dienstes und deren edler und starker Geist in der ganzen Institution dauernd herrschend blieb. In warmen, begeisterten Worten trat .Frau Dr. Weiß dafür ein, daß auch in Oesterreich weltliche Krankenpflegerinnen aus gebildeten Kreisen herangebildet werden, die durch Zusammenschluß in Vereinen den nothigen Halt gewinnen, die ihren Mitgliedern Alters- und Invaliditäts-Versorgung zu bieten im Stande sind. Damit wurde nicht nur ein Stück der Frauenftage gelöst, indem es zahlreichen gebildeten Frauen und Mädchen einen ehrenvollen Beruf eröffnet, der ihr Leben zu erfüllen und sie zu versorgen im Stande ist, sondern auch eine wichtige allgemeine sociale Aufgabe erfüllt, indem die Volksgesundheit gefördert und für Verbreitung wichtiger hygienischer Anschauungen gesorgt wurde. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Anwesend waren: Statthalter Graf-Klelmanscgg. die Statthaltereiräthe Ernst von Noretz und Dr August von Netolitzky, der ehemalige serbische Minister - Präsident Georgewitsch, Universitäts - Professor Schauta, Hofrath Kareis, Dr. Josef Breuer, kaiserl. Rath Lieben, Arthur Edler von Mises, Salo Cohn, Dr. Paul Cohn, Vorstand Gewitsch und zahlreiche Gäste. Budapest. (Ungarische israelitische literarische Gesellschaft.) Das für den letzten Vortragsabend angesetzte Programm lockte ein noch zahlreicheres Publicum als sonst, darunter überaus viele vornehme Damen, in den Prunksaal der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Das Interesse wurde vollauf gerechtfertigt durch die Serie gehaltvoller und abwechslungsreicher Vorträge, welche das distinguirte Auditorium zu lautem Beifalle veranlaßten. Dr. Ludwig Blau erörterte in seiner interessanten Studie über Zauber und Aberglauben bei den Juden, ein Thema, welches allen Anspruch darauf hatte, mit Aufmerksamkeit angehört zu werden. Der Vortragende lieferte erst ein fesselndes culturhistorisches Bild aus dem -classischen Alterthum; eine Menge werthvollen Materials aus allen Zeiten und aus aller Herren Länder bot dann dem Interesse des Publicums reichen Nährstoff und tiefernste gleichwie humoristisch ge^ färbte Episoden gaben dem Vortrage ungewohnten Reiz. Er gefiel auch außerordentlich. Ebenso warme Aufnahme fand ein poetisch empfundenes und mit großer Innigkeit vorgetragenes Gedicht?Emlek“ von Heinrich Lenkei. Eine Episode aus der Kinderzeit wird darin sehr gemüthvoll und in schöner Farbe behandelt. Lebhafter Applaus belohnte den Poeten. Und nun folgte die pieee de resistance: ein Vortrag der Frau Dr. Armin Neumann über „Die Frau daheim und in der Gesellschaft". Damen als Vortragende sind bei uns nicht allzu häufige Erscheinungen und solche, die mit Verve ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Ansichten am Borlesetische persönlich vertreten, zählen gewiß zu den Seltenheiten. Frau Dr. Neumann, die bisher durch manchen flottgeschriebenen Aufsatz Neigung und Talent als Schriftstellerin gezeigt hat, erwies sich auch als vortreffliche Sprecherin und als gründliche Kennerin des Themas, das sie zum Gegenstände ihres Vortrages gewählt. Sie sprach erst über die Frauenbewegung im Allgemeinen und bekundete dabei ebenso kluge als wohlthuende Mäßigung. Sie bezeichnete das Heim als die vornehmste Wirkungsstätte der Frau, weist aber dem Weibe an der Seite des Mannes eine Stellung an, welche die Frau vor Unterschätzung bewahrt und ihrer Ambition: auch andere Pflichten üben, zu dürfen, als das Haus ihr auferlegt, gerecht wird. Daß hiebei die Aneigung höherer Bildung unerläßlich ist. braucht nicht erst betont zu werden. Eine gebildete Mutter werde ihren Beruf am besten erfüllen und zweifellos ungleich bessere Ecziehungsresultate Nachweisen können, als Mütter, denen die Gatten eine untergeordnete Position anweisen. In sehr verdienstlicher und erschöpfender Weise sprach die Vortragende Dame dann über das Capitel Erziehungswesen selbst und besonders interessirte hier der Hinweis auf fremdländische Verhältnisse und auf das ideale Princip: Mädchen zwischen 18 und 22 Jahren gleichfalls zur Ableistung einer Art von „Freiwilligen-Jahres" im Dienste humanitärer Institutionen anzuhalten. Ueber die „jüdische Frau" im Besonderen sprechend, übte Frau Dr. Neumann an den mehr anerzogenen als angeborenen Fehlern dieser Frauen scharfe Kritik, allein die Vortragende ließ den Geistes- und Herzenseigenschaften der jüdischen Frau dabei volle Gerechtigkeit widerfahren und knüpfte in der Conclusion sehr beherzigenswerthe Mahnungen an dieses Capitel; ganz besonders die Mahnung: durch den Nachweis edlen Herzens, vornehmen Geistes und patriotischer Gesinnung alle Einwände zu entkräften und dazu beizutragen, daß man das ,0tieretier 1a femme“ nicht bei unseligen Vorfällen, sondern bei allen edlen Offenbarungen des Altruismus anwende. Prag. (Dr. Friedrich Duschenes.) Eine Säule der jüdischen Gemeinschaft ist geborsten, ein Mann dahingegangen, der mit jeder Faser seines biedern Herzens an dem Judenthume gehangen und seinen Hellen Geist, sein tiefes Wissen, seine unvergleichliche Arbeitskraft durch Jahrzehnte in den Dienst gemeinnütziger Thätigkeit gestellt. Dr. Friedrich Duschenes gehörte noch jenem jüdischen Altpragerthum an, das auf das Erblühen des Gemeinwesens und seiner Institutionen, auf die Hebung der socialen Stellung und Wahrung der Rechte der Glaubensgenossen bedacht, die stolzeste Genugthuung in der Entfaltung und dem

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