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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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92c* 8 Dv. Bwch's WochrnfchrM. Sette 47 Schüttenhofen. (Todesfall.) Wiederum hat unsere altehrwürdige Gemeinde einen schweren Verlust erlitten. Am 13. December 1900 wurde nämlich unser langjähriger, äußerst verdienstvoller Vorsteher, Herr Jur. Dr. Ludwig Fürth, Landes-Advocat und Vertheidiger zur letzten Ruhe bestattet, wodurch eine große Lücke in unserer Gemeinde entstand. Derselbe hatte, stets für das Wohl seiner ihn zärtlich liebenden Gattin und seiner unmündigen drei Kindlein, wie nicht minder für das Aufblühen und Gedeihen unseres jüdischen Gemeinwesens rastlos thätig, kaum das 46. Lebensjahr erreicht, da wurde er uns leider nur allzufrüh entrissen. Und welch' ein warmer Freund und aufopfernder Förderer aller humanen Interessen der Hingeschiedene gewesen, das documentirte die äußerst zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse, bei welchem nicht nur der Gesammt-Vorstand unserer Gemeinde und „Chewra“, sondern auch viele Advocaten und Doctoren aus Nah und Fern, wie auch die k. k. Bezirkshauptmannschaft, das k. k. Bezirksgericht und Bürgermeisteramt von hier nebst vielen Verwandten und Freunden des Heimgegangenen erschienen waren. Im Trauerhause schilderte, unser verehrter Rabbiner Dr. W. Klauber in beredten ergreifenden Worten, das glückliche nur zu kurz an Tagen, wenn auch reich an l-ernilug Chassodim abgeschlossene Leben des verklärten Vorstehers, indem er dessen unermüdliche, hingebungsvolle Thätigkeit für das Aufblühen der Gemeinde und ihrer gemeinnützigen Ziele, seine seltene Treue und Arbeitskraft rühmend hervorhob, zugleich mit der Versicherung, daß er sich durch sein mustergiltiges Wirken ein unauslöschliches Andenken in der Geschichte unserer Gemeinde gesichert hat. In kurzen aber äußerst treffenden, herzlichen Worten entrollte Herr Fabrikant Rudolf Schwarzkopf, als Vorsteher-Stellvertreter, ein treffendes Bild des Verschiedenen, aus dem besonders die hochgerühmte Collegialität und Freundschaft, die hervorragende Begabung und der rastlose Eifer des Verklärten hervorleuchtete. Ehre seinem Angedenken! Des Papstes Machtwort. Novelle von Jda Barber. (Fortsetzung.) VI. Der Verhandlungstag nahte. Es war Dr. Lazzlo's Gegnern ein Leichtes gewesen, die Zeugen, die sie aufstellten, zu bearbeiten; sie sagten unter Eid so gravirend aus, daß selbst ein unparteiischer Richter an Lazzlo's Schuld hätte glauben müssen. Der Schreiber Miskolz wollte von Ilona gehört haben, daß Dr. Lazzlo sie schon früher einmal in den Keller gelockt, daß sie ihm aber, Böses ahnend, entwichen sei. Josef Hish, ein bekannter. Raufbold, sagte aus, Dr. Lazzlo habe im vorigen Jahre zur Osterzeit seine Tochter, die damals in seinem Hause diente, behelligt, sie sei aus Furcht entflohen und bis heute nicht zurückgekehrt, — Therese Hinczes, eine Näherin, hatte, als sie ihr Fenster öffnete und von da aus einen Blick in Lazzlo's gegenüber liegendes Studirzimmer warf, gesehen, daß er ein großes Messer geschliffen und, als er sich beobachtet sah, eilig das Rouleaux herunter ließ, — Paul Meßley, ein alter Tischler, sagte gravirend aus, er hätte, als Lazzlo den Keller mit der bewußten rothen Flasche verließ, Blutipuren an seinem Rock gesehen, — Alexander Hovacs, ein im Nebenhause wohnender Privatbeamter, wollte gar Hilferufe gehört und deutlich Ilonas Stimme erkannt haben; als er nach Dr. Lazzlo's Haus hinüber eilte, hätte er diesen verstört und leichenblaß aus dem Keller heraufkommen sehen und sei, auf seine Frage, was geschehen, mit den Worten abgefertigt worden: »Nichts ist geschehen! Sie träumen wohl?" Lazzlo's Vertheidiger, der Advocat Dr. Herrer. hatte gegenüber diesen unter Eid abgegebenen Aussagen einen schweren Stand. Dieses Gewebe von Lug, Verleumdung, Bosheit zu zerreißen, ging, wiewohl er sonst ein guter Vertheidiger war, über seine Kräfte. Alles, was er erreichen konnte, war, eine Vertagung zu bewirken; er hoffte zu beweisen, daß die Zeugen gekaufte, ihre Aussagen unglaubwürdig seien; inzwischen aber blieb Dr. Lazzlo in Haft. Frau Aranka, die sich der trügerischen Hoffnung hingegeben, die Verhandlung müsse die Schuldlosigkeit ihres Gatten beweisen, war trostlos; selbst ihre Kleinen, an denen sie sonst mit ganzer Seele hing, waren ihr lästig, gleichgiltig. »Mein ganzes Vermögen gäbe ich hin", sagte sie einst, als sie, um auf andere Gedanken zu kommen, ihrer Freundin Thekla einen Besuch machte, »wenn ich diese schändliche Anklage entkräften, meinem Gatten die Freiheit wieder geben könnte!" Im Zimmer der Freundin war eine Näherin anwesend, die, lebhaft aufhorchend, der Unterhaltung folgte. Als Aranka schon im Begriffe war, sich zu entfernen, bat sie um die Erlaubnis, der Frau Doctor eine Mittheilung machen zu dürfen. »In ihrem Hause", sagte sie, »wohne der alte Zigeuner Nico, der wiederholt geäußert, wenn er nur das Geld zu einer Reise nach Rom hätte, er wolle den Herrn Dr. Lazzlo befreien. Nico sei ein ehrlicher Mann, dem die Frau Doctor vertrauen olle." Der Ertrinkende erfaßt selbst den Strohhalm; so, obgleich wenig Hoffnung in ihrem Herzen lebte, ging Frau Aranka darauf ein den Zigeuner Nico zu sich kommen zu lassen. Welche Welt der Empfindungen durchwogte ihr Herz, als ihr der alte Mann mittheilte, wen er zu ihrem Schutze anrufen wolle! — Ja, wer könnte ihre und des Gatten Angelegenheit besser vertreten als Aladär, der, wie sie schon vor längerer Zeit vernommen, in Rom zu hohen Ehren gelangt war! Doch wo ihn finden? Man wußte ja nicht einmal seinen jetzigen Namen. Als sie diesem Bedenken Ausdruck gab, sagte Nico in seiner treuherzigen Art: »Dafür lassen Sie mich sorgen, Frau Doctor; ich weiß, wo ich den Pater in Rom in der Peterskirche gesehen, habe mir die Capelle genau gemerkt und müßte nicht der Zigeuner Nico sein, wenn ich sie nicht wieder finden sollte! Kann irgend Jemand unfern Doctor befreien, so ist es der fromme Pater, sein Bruder." Aranka wollte einwenden, daß Aladär sich von der Familie losgesagt und schwerlich zu Gunsten seines Bruders eintreten würde, doch der alte Nico, ihren Gedankengang errathend, sagte: »Ich kenne Aladär's gutes Herz; er selbst wird zum Heiligen Vater gehen und ihm vorstellen, wer sein Bruder ist, weshalb man ihn gefangen hält; und der Heilige Vater wird ihm glauben, wenn er sagt, daß Juden kein Christenblut brauchen, daß alle Beschuldigungen Lug und Trug". »Aber", fiel ihm die junge Frau ins Wort, »wird der heilige Vater zu Gunsten eines im fernen Ungarland wohnenden Juden eintreten? Wird Aladär es bewirken, daß — —" . »Der Heilige Vater duldet kein Unrecht", sprach Rico im Tone der innersten Ueberzeugung; „es gilt nur, bis zu ihm zu gelangen, und das kann der fromme Pater Aladär; vertrauen Sie mir, junge Frau, und Noth und Sorge werden ein Ende haben, wenn ich — —" »Sie muthen sich zu viel zu, guter Nico", unterbrach Aranka; der Schwager wird Sie nicht hören, er hat jeden Verkehr mit seiner Familie, mit seinen Landsleuten abgebrochen!" »Den Nico nicht hören," unterbrach der Zigeuner fast unwillig. »wenn ich ihm sage, daß ich die weite Reise gemacht, um ihm das Schicksal seines Bruders ans Herz zu legen? Glauben Sie, daß er seinen Bruder nicht mehr liebt? Daß er ein schlechter Mensch geworden? O, da kenne ich den Aladär besser! Wenn ich, als er noch ein kleines Bürschchen war, mit ihm spielte, ihm meine Fiedel lieh oder ihm selbst was vorgeigte, da griff er mit seinen kleinen Patschhändchen nach mir und sagte: »Nico Hab' ich lieb! Nico gut Freund sein! Das hat der gelehrte Herr sicher nicht vergessen! Und dem Nico wird und muß er Gehör schenken, wenn auch nicht in St. Peter, wo Alles so gar fromm und förmlich zugeht, so doch daheim in seiner stillen Klause; da werde ich ihn aufsuchen und ihm erzählen, was es für böse Menschen daheim gibt und daß sein Bruder durch sie unglücklich geworden! Mehr wird nicht nöthig sein; sollt' ich den Aladär Lazzlo nicht kennen, wenn er nicht sofort —" »O, er wird von den Juden nichts wissen wollen," unterbrach Aranka. »Da müßte er ein schlechter Mensch sein," erwiderte Nico, »und das ist der Aladär nicht! In Rom ist jeder Pater ein Gelehrter; da wird man am Besten wissen, daß solch eine Beschuldigung, wie man sie hier aufbringt, die Juden brauchen Christenblut, unwahr ist!" »Das wissen die Gebildeten und Borurtheilslosen auch hier," sagte Frau Aranka, »aber keine Macht der Welt ist im Stande, die stupide Menge davon zu überzeugen!" »Die höchste Macht der Welt," sagte Nico, »ist der Heilige Vater in Rom. Der muß ein Wort sprechen, liebe Frau, und das ganze Gezeter wird ein Ende haben; glauben Sie mir, der Nico ist in der ganzen Welt herumgekommen, und ist er auch nur ein armer Zigeuner, er weiß, von wo auf Hilfe zu hoffen ist! Wollen Sie dem Nico vertrauen?" »Ich will," sagte Aranka, ohne zu überlegen. »Wie viel gebraucht Nico für die Reise nach Rom?"

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