Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021389--10547-3035034
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Sette 46 Dr. Bloches Wochenschrift Rr. 8 und Leopold Bauer; 2. Unterricht: I. Karpeles und Dr. Z. Eh reu stein; 3. Wohlthätigkeit: Siegmund Schwarz und Alois Witrofsky; 4. Finanzsachen: Ad. Weinberger und H. S u b a k. Droppau. Herr Dr. S. Kulka, der durch seine belehrenden und sehr interessanten Vortrage über jüdische Geschichte und Literatvr rühmlichst bekannte jüdische Gelehrte, hielt am 12. d. M. im hiesigen „jüdisch-literarischen Verein" einen Vortrag über das Thema: „Palme und Schwert", Episode aus der jüdisch-arabischen Geschichte zur Zeit Mohammed's. Der geschätzte greise Gelehrte schilderte in sehr belehrender und fesselnder Weise das Verhältniß Mohammeds zu Juden und Judenthum und verstand es, uns ein klares, anschauliches Bild der damaligen Zeit vor Augen zu führen. Die sehr zahlreich erschienenen Zuhörer folgten diesen hochinteressanten Ausführungen mit Spannung bis zum Schluffe und zeichneten den hochgelehrten Vortragenden mit lebhaftem Beifall aus. Anfangs nächsten Monats hält Rabbiner Dr. Vlumenthal aus Ratibor in demselben Verein einen Vortrag über das Thema: Wer war Börne dem Judenthum, dem mit großen Interesse entgegengesehen wird. Karlsbad. In diesem Blatte wurde von Ihrem Correspondenten schon öfters über die immer zunehmende antisemitische Gesinnung der Bevölkerung und der politischen Führer von Karlsbad berichtet. Stets aber fanden sich die Machthaber von Karlsbad bemüffigt, diesen Ausführungen zu widersprechen und Ihnen Berichtigungen einzusenden. Nun hat der Ausgang der Wahlen, in welchen der deutschnational-antisemitische Candidat siegte, gezeigt, wie es in Wahrheit um den Fortschritt in Karlsbad steht und wie richtig die Darstellungen Ihres Correspondenten stets waren. Allerdings wird in der „Neuen Freien Presse" vom 16. Jänner ein Bericht veröffentlicht, in welchem die Karlsbader versichern, daß sie zwar antisemitisch gewählt hätten, aber doch liberal fühlten und dächten, aber dieser Liberalismus steht wohl dem Schöneriauerthum in Nichts nach. Wahrscheinlich ist die Karlsbader Bevölkerung nur im Sommer, wenn die Curgäste die Stadt bereichern sollen, liberal und fortschrittlich, kommt es aber zu den Wahlen, dann stimmen sie. trotz aller schönen Betheuerungeu, für den antisemitischen Candidaten. Das ist das Resultat der politischen Erziehung durch jene sogenannten Fortfchrittsmänuer, welchen die Verwaltung Karlsbads seit Jahren obliegt, und man darf ruhig Voraussagen, daß früher oder später auch dieser Bürgermeister sammt seinen Trabanten von waschecht« deutschnationalen Antisemiten verschlungen werden dürfte. Sie haben auch ein besseres Schicksal nicht verdient. Brzesko. Wie im vorigen Jahre, so auch Heuer, dank der Anregung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Tobias L i p s ch ü tz, gelang es, unseren Armen Brennmaterial im Werthe von 470 Kronen zu verabfolgen und dadurch die durch den strengen Winter hervorgerufene harte Noth wenigstens etwas zu mildern. An bedeutenden Spenden sind hervorzuheben: Herr I. M. Zelnik 27 Kronen, Herr P. Zelnik 20 Kronen, Herr H. Klapholz 20 Kronen, Herr Klausner 10 Kronen. Büdweis. sFamilienabend.) Der hiesige Chanukaverein veranstaltete am 29. December v. I. in den Räumen des Deutschen Hauses einen Familienabend, welchen Herr k. k. Statthaltereirath Franz Josef Krikawa in Begleitung des Herrn k. k. Statthaltereisecretärs Wenzel Dworak mit seinem Besuche beehrte und der einen schönen Verlauf nahm. Das Programm eröffneten die Musikvorträge der Capelle des k. u. k. Infanterie-Regimentes Nr. 28, denen Vorträge der Herren Selker, Kurz und Popper und des Frl. Langer, sänuntlich Mitglieder des hiesigen Stadttheaters, folgten. Fräulein Langer, welche über schöne Stimmmittel verfügt, erntete für Ihre Liedervorträge reichlichen Beifall, der auch Herrn Sekler für seine Declamationen und den Herren Kurz und Popper für ihre humoristischen Vortrage und Couplets zutheil wurde. Die Clavierbegleitung hatten in gewohnt liebenswürdiger Weise Frau Ottilie Rein und die Herren Otto Hackl und Leo Hlawatsch übernommen. Den Schluß der Vorträge bildete ein von Dllettanten aufgeführter Schwank „Tütemeiers Erben" von I. Spannagl, in welchem sich die Damen Fräulein Hart, Emma Kohn und Mud und die Herren Hackl, Biegler und Singer für ihr gutes Spiel den Dank des Publicums erwarben. In dem hierauf stattfindenden Tanzkränzchen wurde bis in die frühen Morgenstunden Terpsichoren gehuldigt und verließen die Theilnehmer vollbefriedigt den gelungenen Abend, um dessen Zustandekommen sich das bestbekannte Comits verdient gemacht hat. — ckl. Humpoletz. (Arische Rechtszustände auf dem Lande.) Die 52 Jahre alte Witwe Therese Popper aus Chotutitz bei Kolin wurde auf der Straße gegen Humpoletz von einem Gendarmen angehalten und gestand, daß sie für sich und ihre zwei unmündigen Kinder bei ihren Glaubensgenossen um Unterstützung anhalte. Die Folge ihres unglückseligen Geständnisses war, daß sie tagsdarauf vom Strafrichter in Humpoletz, Gerichtsadjuncten Schmcyer, wegen Vagabondage zu 6, sage sechs Wochen Arrest verurtheilt wurde. Nach 14tägiger Haft erkrankte das arme Weib» was die Beschließerin des Arrestlocales allerdings zur Kenutniß des Gerichtes brachte. Die divergirenden Ansichten der Gerichtsärzte führten schließlich dahin, daß die obbenannte Beschließerin dem kranken Weibe für die bei ihr Vorgefundenen 48 kr. einen Thee verabreichte. Dieser Thee hatte nicht den gewünschten Erfolg, denn nach weiteren 8 Tagen mußte die Arme ins Spital transportirt werden, wo sie'auch bald ihrer Krankheit erlag. Es kann nicht unerwähnt bleiben, daß der Humpoletzer Israelitische Humanitätsverein Alles aufgeboten hat, um das Los der armen Frau zu verbessern; mehr ließ sich leider nicht thun. Vielleicht gelingt es der weitverbreiteten und gerne gelesenen „Oesterreichischen Wochenschrift", durch die Veröffentlichung dazu beizutragen, daß so Mancher von einem ähnlichen Schicksale verschont bleibe. b. r. Stanislau, 15. Jänner. Vor einem Jahre faßte der hiesige Banquier und Cultuspräsident Herr K. K i e s l e r, unterstützt von seiner hochedlen Gattin Frau Scheindel-Kiesler, den frommen Entschluß, zum Andenken an seine im frühen Alter durch den Tod ihm entrissenen zwei Söhne — der Eine Doctor der Medicin, der Andere Apotheker — aus eigenen Mitteln ein Gotteshaus zu errichten, mit dessen Bau auch sofort begonnen wurde. Nun steht heute dieses im modernsten Style erbaute Gotteshaus als monumentale Zierde der hiesigen jüdischen Gemeinde in seiner Pracht vollendet da und wurde Freitag am 11. d. M., am Sterbetage der verblichenen Söhne, feierlichst eingeweiht. Nach dem üblichen Na lodi-Gebet und anderen vom Obercantor Herrn S z k o l n i k vorgetragenen Gesängen wurden die Thorarollen in die heilige Bundeslade eingesetzt, wo dann der hiesige Oberrabbiner und die zwei Magidem begeisterungsvolle Ansprachen an die Gottesgemeinde hielten. Nach Absingung der österreichischen Volkshymne in hebräischer Sprache schloß diese herrliche und bedeutungsvolle Feier. Kremsier. (Bon der israelitischen Cultusgemeinde Kremsier.) Am 7. Jänner 1901 verschied der Vorsteher unserer Gemeinde Herr Carl Lieb mann. Mit kluger Einsicht, reicher Erfahrung in Angelegenheit der Gemeinde förderte er stets ihr Wohl. Mit eifriger Hingebung und strenger Sachlichkeit übte er die Pflichten seines Amtes 11 Jahre. Durch seine Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit, Freundlichkeit und Menschenliebe erwarb er sich die Liebe und Achtung aller Bürger. Sein segensreiches Wirken wird uns stets unvergeßlich bleiben. Kremsier, 5. Jänner. Vorstand u. Rabbinat. Kremsier. Am 9. Jänner wurde der verdienstliche Vorsteher Carl Liebmann zu Grabe getragen. An der Trauerfeier im Tempel nahmen Deputationen aller politischen und Stadt-Behörden, Deputationen der Nachbargemeinden Prerau, Kojetein und Holleschau, der Bürgermeister Dr. Pischtezky, Landesgerichtsrath Lammel, Direktoren und Professoren aller Anstalten theil. Die israelitischen Schüler bildeten Spalier bi? zum Tempel, wohin die Bahre getragen wurde. Dort hielt Rabbiner Dr. Frankl dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Am Grabe sprach im Namen der Gemeinde Herr Ignaz Knöpfelmacher. Piesling. Am 9. Jänner, 5 Uhr Morgens, verschied unser langjähriger, so hochverehrter Seelsorger Herr Rabbiner Dr. Nathan Frankl, nachdem ihm sechs Wochen vorher seine treue Lebensgefährtin im Tode vorangegangen ist. Tiefbetrübt beklagt die israelitische Cultusgemeinde Piesling das Hinscheiden dieses verdienstvollen, hochgelehrten Rabbiners. dessen treues Wirken, sowohl auf der Kanzel als vorzüglicher geistvoller Redner, als auch in der Schule als liebevoller Lehrer der Jugend. Allen unvergeßlich bleiben wird. Die Verehrung von Alt und Jung, Jude und Nichtjude, derer sich der Verewigte zu erfteuen hatte, fand in der großartigen Leichenfeier beredten Ausdruck. Im Trauerhause war die Leiche aufgebahrt. Hier hielt der Gemeindeälteste und langjährige Freund des Verblichenen Herr Jakob Schiller, den ersten Nachruf. Herr Schiller, selbst ein hervorragender Talmudist, feierte den verklärten Rabbiner in einer formvollendeten Rede als Gelehrten, treuen Seelenhirten, liebevollen Vater und ausgezeichneten Menschen. Auf alle Anwesenden machten die tiefempfundenen Worte einen erschütternden Eindruck. Der Sarg wurde hierauf in den schwarzdecorirten Tempel getragen, wo Se. Ehrwürden Herr Dr. Morgenstern, Rabbiner in Jamnitz, eine gehaltvolle Trauerrede hielt, die des geistvollen Inhaltes wegen und der treffenden Charakteristik halber, die Se. Ehrwürden von dem verstorbenen Amtscollegen entwarf, auf die dichtgedrängte Menge, die den Tempel bis auf das letzte Plätzchen füllte, tiefen Eindruck machte. Dann widmete auch der Cultusvorsteher Herr Dr. Hermann Bix dem allzufrüh Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf. Nach erfolgter Seelenandacht bewegte sich der Leichenzug zum Friedhof. Hier, am offenen Grabe, gab der gewesene Bürgermeister von Piesling, Herr Julius Kaufmann, der aus der Ferne herbeigeeilt kam, um den theuren Seelenhirten die letzte Ehre zu erweisen, seinem Schmerze in warmen Worten Ausdruck. Zum Schluffe nahm der älteste Sohn des Verklärten im eigenen und im Namen der Geschwister mit gramerfüllten Worten Abschied von dem besten, liebevollsten Vater. — Daß der Verewigte auch bei der christlichen Bevölkerung Verehrung und Werthschätzung genoß, bezeugt der Umstand, daß Pfarrer und Lehrerschaft nicht nur der Seelenandacht im Tempel beiwohnten, sondern der Leiche bis zu dem Friedhofe folgten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.