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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2 Br. BLoch's WochenfchrM Seite 37 Budapest. Anfangs Jänner. In einer Zeit, in der Selbstgefälligkeit unv eitle Ruhmsucht selbst den unbedeutendsten Anlaß zur Selbstberäucherung sucht und sogar der kleine Cyclus von fünf- und zehnjährigem Wirken auf irgend einem Gebiete zu einem Jubiläum herhalten muß, vergeht wohl kein Tag, an dem nicht über eine Jubiläumsfeierlichkeit berichtet werden könnte. Um so angenehmer ist es jedoch für den unbefangenen Berichterstatter, endlich einmal über ein wohlverdientes Jubiläumsfest berichten zu können, das zu Ehren eines stillen und bescheidenen Pädagogen aus Anlaß der fünfzigsten Jahreswende feines eifer- und verdienstvollen Wirkens als Lehrer der Jugend veranstaltet wurde. Eine solche erhebende Ehrung und Huldigung wurde am 21. v. M. dem rühmlichst bekannten Pädagogen Nathan H a l ä ß (Fischer), Director der israelitischen Gemeinde-Mädchenschule von seinem Lehrkörper, feinen ehemaligen und jetzigen Schülern im Prunksaale des Gemeindegebäudes unter großer Theilnahme der Unterrichtsbehörde, des Gemeindevorstandes, vieler Schuldirectoren, Lehrkörper, Freunde und Verehrer dargebracht. Von den Anwesenden heben wir hervor: Den königl. Schulinspector Karl V e r 6 d y, königl. Rath Alexander Pöterffy und Wilhelm S z u p p a n, den Gemeinde Vorstand mit dem Präsidenten Sigmund Ko h n er an der Spitze, die Schulsection mit deren Präsidenten Martin Schweiger, Schulinspector Dr. Bernhard Munkäcsi u. s. w. Fast alle diese genannten Soinmitäten, sowie noch viele Direktoren von Schwesterinstituten, einige Präsidenten von Lehrervereinen, ehemalige und gegenwärtige Schüler des Jubilanten begrüßten den Gefeierten in höchst auszeichnenden, erhebenden und rührenden Ansprachen. Der Grundtenor aller dieser ehrenden und ergretfeiibett Anreden war sein eifervolles, hingebendes, liebevolles Wirken als Lehrer und Director der Mädchenschule, der er nunmehr 30 Jahre hindurch als Leiter vorsteht. Als besonderes Verdienst. muß noch erwähnt werden, daß Director HalLß durch sein conservatives und conciliantes Wesen das unter seiner Leitung stehende Lehrinstitut, das gegenwärtig aus sechs Elementar- und acht Bürgerschn!class"n besteht, bei allen Glaubensgenossen ohne Unterschied der Pmteischattirung zur Ansehung und Geltung brachte, so daß alljährlich nahezu 900 jüdische Mädchen, Kinder aus fortschrittlichen und orthodoxen Familien, ihre gründliche fachliche, sowie begeisternde religiöse und patriotische Ausbildung in seiner Schule erhalten. Alle diese rühmlichen Thatsachen veranlaßten auch Se. Excellenz, den Unterrichtsmimster Dr. Julius W l a s s i c, dem Jubilanten gelegentlich dieser allgemeinen Ehrung seine hohe Anerkennung und Gratulation in einem besonderen Handschreiben auszudrückeu. — Abends wurde zu Ehren des Gefeierten noch ein von 160 Personen besuchtes Bankett abgehalten, bei dem es ebenfalls viele auszeichnende Trschreden gab. Schließlich erwähnen wir noch, daß Director Haläß sich auch als pädagogischer Schriftsteller um das jüdische Schulwesen bleibende Verdienste erworben hat. Budapest. (Feierlichkeitender Pest er Chewra- Kadischa.) Die übliche, von drei zu drei Jahren unter feierlichen Formalitäten veranstaltete Mitgliederaufnahme der Pester Chewra-Kadischa nahm auch diesmal einen glänzenden Verlauf. Der Andrang war ein großer und erwies sich die für die Aufnahme bestimmte Zeit als zu kurz und mußte verlängert werden. Trotz der Ungunst der Zeiten, man möchte sagen, der Trostlosigkeit der Erwerbsverhältnisse, die schreckliche Nöthen im Gefolge hat, betrachtet es die Pester Judenschaft als Ehre, ja als Glück, diesem herrlichen Bruderbünde beitreten zu können, und läßt die sich nur alle drei Jahre bietende Gelegenheit hiezu nicht unbenützt vorübergehen. Betrachtet man das erreichte Resultat, die erreichte Summe, die auf dem Altäre der speciell confessionellen Interessen bereitwillig geopfert wurde, in einer solchen Zeit, wo jeder Groschen doppelten Werth hat, so schlägt uns das Herz vor Stolz und Genugthuung über die Hingebung und Treue, die sich hierin offenbart; so werden wir gerührt über die Macht der Ideale, den Einfluß, den echt jüdische Werkthätigkeit und unentwegtes Wirken auf dem Gebiete der Humanität, als deren hehre Verkörperung sich die Pester Chewra-Kadischa bewährt, auf die Herzen auszuüben vermag. Die Pester Chewra-Kadischa, die mit Recht der Stolz der Pester Judenschaft ist, selbst jener, die sich sonst um jüdische Angelegenheiten gar wenig kümmert, die so viel des Guten auf allen Gebieten der humanitären Wirksamkeit vollführt, solch große Opfer zur Erhaltung des Siechenhauses, der Spitäler rc. bringt, die Hüterin unserer religiösen Traditionen, hat durch die diesjährige Mitgliederaufnahme nicht nur materiellen, sondern auch großen moralischen Zuwachs erhalten, denn diejenigen, die in diesen bittern Tagen noch für anderes, als für die Anforderungen des Jchs und der Familie Sinn und Herz haben, die noch für die Interessen und Bedürfniffe der Confesswn Opfer zu bringen fähig sind das sind wackere Juden und daß die Chewra-Kadischa eine Vereinigung solcher war und ist, hat sie groß und zu einer der ersten auf dem ganzen Continente gemacht. Das macht sie aber auch zum Rückgrat der Pester Gemeinde. Hier ist das Centrum, wo jede Leidenschaft, wo jede Parteiansicht schweigt, hier der Quell der fortwährenden Verjüngung, der stets sich erneuernden Erstarkung des echt-jüdischen Gefühls. Doch nicht nur diese Männer, die um den Preis größerer oder geringerer Opfer sich der größten jüdischen Vereinigung anzuschließen suchten, verdienen Lob, noch vielmehr Anerkennung verdienen die Lenker derselben, die, keine Plage, keine Mühe scheuend, voll Hingebung die unglaubliche Anforderungen stellende Arbeit der Aufnahme vollzogen. Der allverehrte Präsident Herr Moses Ehrlich, Herr Dr. Franz Mezey, der unermüdliche, wackere Secretür, die Vorsteher und Repräsentanten, sie Alle stellten sich rn den Dienst der von ihnen so geliebten und sorgsamft gehüteten Chewra-Kadischa. Die Schlußfeier vollzog sich in besonders erhebender Weise. Die Worte des Präsidenten, die eloquente Rede Dr. Kayserling's, der darauf hinwies, das jüdische H«-r z bewähre sich gerade in den Zeiten der Noth, die schönen Ausführungen des Gemeindepräsidenten Sigmund Kohner und Dr. Franz Mezey's, der in diesen Tagen eine wahre Riesenarbeit zu bewältigen hatte, bei welcher ihm das so gut gel.itete Beamtenpersonal willig Folge leistete, werden Allen, die sie vernahmen, lange Zeit im Gedächtnisse und Gemüthe nachhullen. Wir lassen nun Zahlen sprechen: Ausgenommen wurden im Ganz-n 1322 neue Mnglreder. Hievon haben 1273 Mitglieder an Aufnahmsgebühren X 103.496 und an Spenden für das der Chewra gehörende Alrersversvrgungshaus X 8716, somit im Ganzen X 112.212 eingezahlt. Von den Nuauigenommenen geben wir die nachstehende Statistik: Rabbiner und Religionslehrer waren 4, Juristen 45, Medicmer 25. Apotheker und Cbemiker 6, Architekten und Ingenieure 20, Proiessoren, Schriftsteller und Künstler 30. Kaufleute 207, Staats-, Stadt- und P.ivatbeamte 243, Oekonomen 18. Privatiers 29, Gewerbetreibende 262, Agenten und Comnnssionäre 119. Handelsangestellte 90. Weinhändler und Wirkhe 101. Sonstige Beschäftigungen hatten 105, Knaben waren 18. Es zahlten von 36 —90 X 1086, von 100-180 X 206. 200-280 X 48. 300 X 14. 400 K 9, 500 X 4, 600 X 5, 800 X 1 Person und 40 Mitglieder wurden theils ehrenhalber, theils mit Nachsicht jeder Gebühr ausgenommen. R. B. Budapest. Der Pester israelitische Frauenverein, dessen Volksküche im VII. Bezirke bekanntlich das ganze Jahr über geöffnet ist und in welcher auch gegenwärtig täglich über 700 Personen — zum großen Theile unentgeltlich — ihr Mittagessen erhalten, hat in seiner jüngst stattgehabten Sitzung beschlossen, mit Rücksicht auf die nunmehr eingetretene kältere Jahreszeit und die in Folge dessen sich umso fühlbarer machende Armuth 30.000 Portionen warmer Suppe und Brot gänzlich gratis auszufolgen. Die hiezu dienenden Anweisungen wurden den Bezirksvorstehungen des V., VI., VII. und VIII. Bezirkes behufs Bertheilung an Arbeitslose ohne Unterschied der Confession zur Verfügung gestellt. Die Ausspeisung begann am 2. Jänner und erfolgt allabendlich zwischen 5 und halb 7 Uhr in der durch den genannten Verein erhaltenen Volksküche im VII. Bezirke (Trommelgasse 57). Der Pester israelitische Frauenverein hat damit einen neuerlichen Beweis dafür erbracht, daß er zu jeder Zeit auf der Höhe seiner Aufgabe steht und daß die allseitige Anerkennung, welche dessen humanitärem Wirken zutheil wird, in vollem Maße gerechtfertigt ist. Effegg, 26. December 1900. (Einweihungdesisraelitischen Gemeindehauses und Schule.) In erhebender und weihevoller Weise fand vorgestern um 11 Uhr Bormittags im Beisein der Mitglieder des Cultusvorstandes, der Gemeindemitglieder und zahlreicher geladener Gäste die feierliche Einweihung des durch Herrn Stadtbaumeister W. C. Ho fb a u e r erbauten israelitischen Gemeindehauses, welches mit einer confessionellen Schule verbunden ist, statt. Bor 11 Uhr Vormittags hatten sich nebst zahlreichen Damen in dem neuen Gebäude eingefunden: Herr Vicegeipan Levin v. Chavrak, Bürgermeister Grass. Gerichtspräsident Paul v. MariaZeviö, Kammerpräsident Julius M i s k o l c z y, Sanitätsrath Doctor

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