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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Veite 26 Dr. Bloch's Wochrnfchrrfk» Nr. 8 Josef Plohn. Gestorben am 14. SebetI) 5661 (5. Jänner 1901). Wieder wurde einer unserer Besten zu Grabe getragen. Ein treuer Jude, ein guter Mensch, ein Lehrer, der seinem schwierigen Amte ebenso berufsfreudig wie berufstreu oblag, der bis zum letzten Tage seiner Lehramtsthätigkeit der ihm anvertrauten Schuljugend ein kindliches, warmes, theilnehmendes Herz entgegenbrachte, der einen idealen Sinn, eine elastische Bescheidenheit, einen unermüdlichen Fleiß und einen geradezu rührenden Trieb der Fortbildung in sich vereinigte. Josef Plohn war am 17. October 1828 zu Prag geboren als Sohn eines in weiten Kreisen bekannten Gelehrten. Vom Jahre 1848—1862 wirkte er als Lehrer bez. Schulleiter in Deutschkreuz, Malaczka, Nckolsburg mit bestem Erfolge. Im Jahre 1862 kam er nach Wien und gründete im II. Bezirk, Obere Donaustraße 79, eine vierclassige Hauptschule mit Kindergarten. Die Schule erhielt das Oeffentlichkeitsrecht, erfreute sich des besten Rufes und gehörte zu den gesuchtesten und beliebtesten Schulen Wiens. Im Jahre 1887 wurde er Religionslehrer bei der israelitischen Cultusgemeinde, die ihn schon im Jahre 1890 in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen zum definitiven Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen ernannte. Der Verblichene war seit 1859 verehelicht. Der überaus glücklichen Ehe entsprossen ein Sohn und eine Tochter. Ec verlor den Sohn, an dem jede Faser seines Herzens hing. Dies war das entsetzlichste Unglück seines Lebens, das er nie verwinden konnte und nur gemindert, linder wurde, als er nach Jahren in seinem ebenso würdigen als tüchtigen Schwiegersohn — Herrn Pilpel — Ersatz fand. Das Leichenbegängniß, das in besonderer Würdigung des Entseelten der Vorstand der Cultusgemeinde veranstaltete, gab Zeugniß von der Werthschätzung, die dem bewährten Jugendbildner aus allen Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht wurde. Herr Rabbiner S ch m i e d l würdigte in einen ausgezeichneten Nachruf voll und ganz die großen Verdienste des Verstorbenen. An der Bahre sprachen Herr Lector Fricdmaun und Herr Schuliaspector K a n i tz, am Grabe nahm Herr Religionslehrer Ro t te r namens des Lehrervereines „Esra" und Herr Doctor Fischer namens der einstigen zahlreichen Schüler Abschied. Herr Landesschulrath Dr. Gustav K o h n wohnte als Vertreter des Vorstandes dem Leichenbegängniffe bei. Herr Cantor Blatt, unterstützt von dem trefflichen Männer-Quartett des Tempelchores im II. Bezirk, trug in gewohnter, in ebenso würdiger als ergreifender Weise die üblichen Recitationen vor. Und nun sei noch in aller Kürze der besonderen Verdienste gedacht, die der Verblichene im Laufe seiner mehr als zweiundfünfzigjährigen Lehramrsthätigkeit sich erwarb. Josef Plohn war es, der den Jugend-Gottesdienst in Wien einführte. Im Jahre 1860 führte er schon in seiner Anstalt einen regelrechten Jugend-Gottesdienst ein, der in nichts dem heutigen nachstand. Er war es, der schon vor Jahren — obwohl er damit das Mißsi llen von mancher Seite erweckte — ganz dem heutigen Lehrplane entsprechend vorging. Wie er sich den Religionsunterricht dachte, wie ideal, selbstlos, aufopfernd er seinem Berufe oblag, bewies er uns in seinen „Materialien". Er gehörte nämlich nicht zu Jenen, die anders schreiben und anders handeln. So wie er schrieb, so lehrte er, so trug er vor, so handelte er. Und die genügsame Bescheidenheit dieses edlen Lehrers! Wie konnte er sich glücklich fühlen, wenn ihm die geringste Anerkennung wurde! Wie konnte er sich ereifern und unglücklich fühlen, wenn die aufopfernden Bestrebungen der Lehrer nicht die rechte Würdigung und Anerkennung fanden! Vieles hätten wir noch hervorzuheben, Vieles noch von den unvergänglichen Verdiensten des oft auch ungerecht Beurtheilten hervorzuheben. Wir legen es vorläufig zurück. Josef Plohn hat uns ein Manuscript hinterlaffen, das würdig ist, Gemeingut aller Lehrer zu werden. Wir werden es dem Drucke übergeben. In einem Vorworte dieses Werkes wollen wir Alles nachtragen, das für heute verschwiegen werden mußte. Leopold Schulhof. „ Prag. (D ie nordböh mische Fortschrittspartei und die Juden.) Man weiß ja, wie die altersschwache „Fortschrittspartei" zu den Juden sagt: sie frißt sie nicht, aber sie hat nichts?agegen, wenn sich andere an ihnen den Magen verderben. Conform dieser Anschauung läßt jetzt ein fortschrittliches Parteiorgan, das ehedem eine führende Rolle in der Partei beanspruchte, die „Tetschen-Bodenbacher Zeitung", eine philosophisch» Betrachtung los, in der es unter Anderem heißt: „Die deutsche Fortschrittspartei in Böhmen ist nicht philosemitisch. Es kann darum nicht ihre Aufgabe sein, das Judenthum gegen jene Antipathien zu schützen, welche seine Raceneigenthümlichkeiten immer erweckt haben und immer von Neuem erwecken. Es ist nicht Sache der Fortschrittspartei, bei ihren Mitgliedern Herz und Nieren zu prüfen, ob nicht auch sie von solchen Antipathien durchseucht sind. , Der Antisemitismus ist für die Fortschrittspartei Privatsache. Die Aufgaben eines Vereins zur Abwehr des Antisemitismus muß sie dankend ablehnen, auf die Gefahr hin, daß die Wiener Judenblätter von ihr mit einem tiefschwarzen Rande sprechen." Das ist doch deutlich, nicht wahr? Und wenn auch der Cicero an der Elbe nicht gerade der Weiseste und auch nicht der Angesehenste in der „Deutschen Fortschrittspartei" ist und sein Sermon mehr als Privatissimum seiner Provinzweisheit zu gelten hat; die Juden im Tetschener Wahlbezirke wissen nun wenigstens, wie sie sich zur Wahl zu verhalten haben, während sie trotz der ihnen gewordenen Behandlung bis vor Kurzem noch nicht recht klar darüber waren. Und die Wiener Juden können sich an dem naiven Geständniß einer keuschen Fortschrittlerseele auch erbauen. Sonst gab man den Juden immer den Fußtritt nach den Wahlen; diesmal kommt er wenigstens zeitlicher. Prag. (EinZeugeausdemHilsner-Processe wegen Majestätsbeleidigung verurlheilt.) Der im letzten Hilsner-Proceffe vielgenannte Vincenz Selinger aus Polna, der sowohl bei der Kuttenberger als der Piseker Verhandlung als Zeuge anftrat, ist Donnerstag den 27. v. M. vom Kuttenberger Kreisgerichte wegen des Verbrechens der Majestätsbeleidigung zu 13 Monaten schweren Kerkers verurtheilt worden. Selinger befand sich bekanntlich seinerzeit in jener Gesellschaft junger Leute, die auf dem Katharinenberge sich mit Kartenspiel unterhielt und auf deren Zeugniß sich Hilsner berief, daß er zur kritischen Zeit in ihrer Nähe geweilt habe. Selinger stand schon aus der Zeit der Kuttenberger Verhandlung in Untersuchungshaft und wurde sowohl in Kuttenberg als auch in Pisek im Sträflingsgewande als Zeuge vorgeführt. Budapest, 5. Jänner. Seit Anfangs December zieht die reichhaltige Winterausstellung, welche in unserem am Ende der Andrassygasse sich erhebenden neuen Künstlerhause untergebracht ist, Tausende von Besuchern in die Prachthallen dieses schönen und monumentalen Baues. Unter den Hunderten der darin ausgestellten Gemälde zieht ein im Saale Nr. 7 hängendes großen Tableau mit einem der neueren jüdischen Geschichte entnommenen Sujet die besondere Aufmerksamkeit aller Freunde von Darstellungen historischer Scenen auf sich. Es stellt den jüdischen Philosophen Spinoza vor dem Amsterdamer Rabbinatscollegium dar in dem Momente, als der kleine Bann über ihn verhängt wurde. Das Bild voll künstlerischer Conception und seiner technischer Ausführung rührt von dem mit begeisterter Vorliebe jüdische Themas malenden Künstler Jzsü K ö v e ß her. Höchst packend wirkt das Bild mit seiner geschickten Gruppirung und seinen harmonischen Farbentönen. Spinoza steht in dem halb souterrainartig liegenden Beth-Hamidrasch, von den durch die Fenster hereinbrechenden Lichtstrahlen wie von einem Glorienschein umflossen, vor seinen an einem langem Tische sitzenden drei gestrengen und doch so sanft, theils mitleidsvoll dr einschauenden Richtern, deren mittlere Gestalt noch besonderes Interesse erregt, da es das getreue Porträt des erst vor einigen Jahren verstorbenen Rabbinatspräses S. L. Brill ist, dessen Haupt mit seinem durchgeistigten Antlitz ein idealer Studienkopf war. Se. Majestät, der am Vernissage- Tag in der Ausstellung erschien, blieb vor dem Gemälde mit sichtlichem Interesse stehen, ließ sich den Künstler vorstellen, erkundigte sich bei diesem eingehend um die Details des Sujets und äußerte sich höchst lobend über die feine Zeichnung, schöne Harmonie und sorgfältige Detaillirung des Gemäldes. Wie wir vernehmen, gedenkt der Maler Köveß einen ganzen Spinoza- Cyclus zu malen, was nur zu wünschen wäre. Auch wünschen wir dem Künstler viel Glück zur Fertigstellung seiner bereits skizzirten und vielversprechenden Gemälde: „Titus' Siegeseinzug in Rom" und „König Mathias Corvinus empfängt die Huldigung der jüdischen Deputation".

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