Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021388--10525-3035011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Kr. 2 Vr. Bloches WoctiEchrist. Sette 35 spricht den Wunsch aus, es möge ihm vergönnt sein, beim 50jährigen PereinsjubiläuU in gleicher Weise über die Vereinsgeschichte zu referiren. (Lebhafter Beifall.) Der Vicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde, Landesschulryth Gustav Kohn, überbringt die Glückwünsche des Cultusvorstandes aus Anlaß dieses Jubiläumsfestes, versichert die Bereinsleitung der wärmsten Sympathien des Cultusvorstandes (Lebhafter Beifall) und fügt noch den Wunsch hinzu, es mögen bei der Abhaltung des Gottesdienstes im Bereinstempel, dem sWunsche orthodoxer Bereinsgenossen entsprechend, die traditionellen Cultusformen möglichst geschont werden, um jede den Verein schädigende Secession zu verhüten. Der Obmann, Herr Karl S e l i g m a n n, dankt dem Redner für seine Glückwünsche, verspricht, die Anregung, die geboten worden, gern zu beherzigen uyd erstattet sodann den Jahresbericht. Der Verein zählt 282 Mitglieder und sieben Ehrenmitglieder. Der Vorsitzende gedenkt der im Laufe des Vereinsjahres dahingeschiedenen Vereinsgenossen und widmet denselben einen warmen Nachruf. Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen. Der Bericht erwähnt die Spenden und Stiftungen und spricht allen Gönnern des Vereines den Dank aus. (Lebhafter Beifall.) Der Cultusvorstand hat dem Vereine das Recht eingeräumt, in seinem Tempel Eheaufgebote, Trauungen und die Jmmatriculirung der vollzogenen Trauungen vorzunehmen, was einen großen Vortbeil für die Bewohner des 10. Bezirkes bildet. Um diesen Borstandsbeschluß hat sich besonders der Vicepräsident, Dr. Gustav K o h n, ein großes Verdienst erworben und der Vorsitzende erstattet ihm hierfür feinen Dank. Mit dem Wunsche für ein neues Jubiläum schließt der Berwaltungsbericht, den die Versammlung mit lebhaften Beifall ausgenommen. Cultusvorsteher Oberingenieur Edler von Mises dankt depi Vorsitzenden für die dem Cultusvorstand gezollte Anerkennung und fügt hinzu, daß er selber in der Leitung eines Cyltusvereines sitzt, die Leidensgeschichte eines Tempelbaues in ihren verschiedensten Stadien genau kennt und darum auch in der Lage ist, das im 10. Bezirke vollbrachte Werk in seinem ganzen Werthe zu würdigen. Redner unterstützt die Anregungen de? Bicepräsidenten Dr. G. K o h n und schließt mit den besten Wünschen für das Gedeihen des Vereines. (Lebhafter Beifall.) Cultusvorsteher Universitätsdocent Dr. H. Grünfeld wendet sich mit besonderer Herzlichkeit an die Vereinsmitglieder, beglückwünscht sie zu den großen Fortschritten des gemeinsamen Werkes und schließt mit der Hoffnung auf eine glückliche Zukunft des Vereines. Das Mitglied des Vereinsvorstandes Cassenverwalter Herr Moritz Bruckner verliest den Rechnungsabschluß und die Bilanz; im Namen der Revisoren beantragt Herr Lichtenstern, dem Vorstand das Absolutorium zu ertheilen, was einstimmig geschieht. Beim fünften Punkt der Tagesordnung erwähnt der Vorsitzende, daß das Ehrenmitglied Rosenthal infolge seines Gesundheitszustandes auf eineWiederwahl in dep Vereinsvorstand verzichtet. Herr Rosenthal hat sich um die Vereinsangelegenheit unvergängliche Verdienste erworben, und der Vorsitzende beantragt, ihm den Dank der Generalversammlung auszusprechen. Herr Jacob Straßberg empfiehlt sodann, an Stelle des zurückgetretenen Ehrenmitgliedes Rosenthal Herrn M. H o f m a n n in den Vorstand zu wählen. (Lebhafter Beifall.) Bei den hierauf vollzogenen Wahlen wurden in den Vorstand die Herren I. B. Klei n, David K o h n und Doctor B. Tritsch zu Mitgliedern des Bvrstandks wieder- und Herr M. H o f m a n n neugewählt, in den Ausschuß die Herren: Max Berger, Joh. Lampl, Ezech. Neumann, Em. Polacek, Sal. Polacek, Em. Schidrowitz, S. Salpeter, Em. Weiß. Nach Erledigung einer großen Anzahl von Anträgen und Interpellationen des Äereinsmitgliedes Mandl stellt der Vorsitzende Carl Seligmann den Antrag, aus Dankbarkeit und Verehrung, welche die israelitischen Bewohner des 10. Gemeindebezirkes für jene Männer empfinden, welche seit Jahren an der Spitze der israelitischen Cultusgemeinde mit seltener Ausdauer, Hingebung und Opferwilligkeit für die Interessen des Gesammtjudenthums wirken, den Präsidenten Herrn kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r, sowie die beiden Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn zu Ehrenmitgliedern des Vereines zu ernennen. Die Versammlung begrüßt den Antrag mit Enthusiasmus, genehmigt denselben einstimmig unter lebhafter Acclamation durch Erhebung von den Sitzen. Vicepräsident Dr. Gustav Kohn dankt für die dem Präsidium des Cultusvorstandes bereitete Ovation, welche eine ehrende Bertrauenskundgebung für den gesamwten Cultusvorstand bildet. (Lebhafter Beifall.) Endlich wird das Mitglied des Vereinsvorstandes und Obmann der B thausverwaltung Herr Jakob S. Straßberg für seine besonderen Verdienste um die Förderung der Bereinsintereffen von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Der Vorsitzende beglückwünscht Herrn Straßberg unter lebhaftem Beifall aller Anwesenden zu der wohlverdienten Auszeichnung und erklärt die Generalversammlung für geschlossen. Anschließend daran fand ein gemeinsames Festessen aller Vereinsmitglieder statt, welches, durch verschiedene geistreiche Toaste gewürzt, in animirter Stimmung bis zu Ende verlief. Bei der am 3. Jänner 1901 erfolgten Vorstands-Constituirung wurden Herr Carl Seligmann zum Obmanne, Herr Sigmund Eibuschitz zum Obmann-Stellvertreter, Herr Emanuel Friedmann zum Schriftführer. Herr Moritz Bruckner zum Cassenverwahrer, Herr Dr. Berthold Tritsch und Herr Adolf Engl zu Aufsichtsräthen und die Herren I. S. Straßberg, Adolf Klein. Moritz Hoffmann und David Kohn zu Bethausverwaltern einstimmig gewählt. Die Herren Bethausverwalter wählten wieder einstimmig Herrn I. S. Straßberg zum Obmanne der Tempelction. Nichtigkeitsbeschwerde im Proeeffe Hilsner. Der Vertheidiger Hilsner's. Dr. Aurednicek in Kuttenberg, hat nunmehr die Nichtigkeitsbeschwerde im Processe Hilsner dem hiesigen Kreisgerichte zur Vorlage an den Obersten Gerichtshof übersendet. Die Beschwerde konnte erst nach der Zustellung des Verhandlungs-Protokolls verfaßt werden, welches 534 eng beschriebene Bogen umfaßt. Sie macht die im § 344, Zahl 5 und 6, genannten Nichtigkeitsgründe geltend, und zwar: 1. Weil gegen den Widerspruch des Vertheidigers das Protokoll verlesen wurde, welches die vom Kuttenberger Schwurgerichtshofe entsendete Commiffion am 14. September 1899 ausgenommen hat. (Betrifft das vom Untersuchungsrichter Baudysch aufgenommene Protokoll, das die Entfernungen und den Umstand ermitteln sollte, ob von der Stelle aus, wo Pesak damals stand, auch die Mordstelle zu sehen ist, und ob man auf diese Entfernung Jemanden erkennen kann.) Ferner weil nachstehende Anträge des Vertheidigers abgewiesen wurden, und zwar: 2. Der Antrag auf Einholung eines Facultäts-Gutachtens darüber, ob auf Grund der Ergebnisse der Commiffion vom 7. Juli 1900 (der mit Pesak unternommenen Probe) und des Befundes der Doctoren Blaha und Malkowsky beurtheilt werden könne, inwiefern Peter Pesak am 29. März 1899 das sah und sehen konnte, was er wahrgenommen zu haben behauptet; 3. Der Antrag auf Einholung eines Facultäts-Gutachtens über die denselben Gegenstand betreffenden, an die Sachverständigen Dr. Deyl, Dr. Chalupecky, Dr. Blaha und Doctor Malkowsky gerichteten Fragen; 4. Der Antrag auf Einholung eines Facultäts-Gutachtens über die nachstehenden zwei Fragen: a) ob man bei L. Hilsner. welcher, wie die Doctoren Jäger und Harlicek bezeugen, geistig und Physisch vollkommen normal ist. einen psychopathischen sadistischen Act voraussetzen könne oder nicht; d) ob man bei einem aus Perversem Triebe begangenen Morde, insbesondere im Falle des sogenannten Sadismus, mehrere Thäter annehmen kann, oder ob es im Gegentheile nicht ausgeschlossen ist. daß an einem solchen Morde mehrere Personen betheiligt waren; 5. Der Antrag auf Einvernahme von Sachverständigen darüber, daß der Schnitt am Halse der Agnes Hruza kein Schächtschnitt ist; 6. Der Antrag auf Exhumirung des angeblich der Marie Klima gehörigen Skelets und Untersuchung desselben durch Prager Gerichtsärzte; 7. Der Antrag auf Aufnahme des Localaugenscheines in Polna durch das ganze Schwurgericht und Vornahme einer Sehprobe mit Peter Pesak an Ort und Stelle; 8. der Antrag, es möge durch Anfrage bei allen jenen Velpflegsstationen. bei welchem der Zeuge Wilhelm Cervinka mit Hilsner im Juni und Juli 1898 war, ermittelt werden, ob Cervinka in den betreffenden Verzeichnissen eingetragen ist. Als letzten Nichtigkeitsgrund (§ 344, Z. 6) macht Dr. Aurednicek geltend, daß der Gerichtshof zur dritten auf das Verbrechen der Verleumdung lautenden Hauptfrage keine Zusatzfrage im Sinne des §. 2, lit. g) St. G. (unwiderstehlicher Zwang) gestellt hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.