Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Wte 24 Lanhesschulrath Dr. Gustav Kohn dankt für die W,ahl zum Obmann der H. Section, welche eine der mächtigsten und Heiligste^ Aufgaben der Gemeinde, das Schulwesen, zu versorgen hat! Seit seinem ipi Jastre' 1tz84erfolgten Eiutritt in den Vorstand gehört er der II. Section als Mitglied und fest 10 Jahren als Obmann an; in seinen Aufgaben wurde er jederzeit von den College» auf das Wackerste unterstützt und er freut sich, daß es ihm auch in Zukunft vergönnt ist, dem Dienste der Schule sich widme» zu könne». (Lebhafter Beifall.) Cultusvorsteher Oberfinanzrath Dr. Rappaport gibt im eigenen Namen und im Namen einiger Collegen die prineipielle Erklärung ab, daß sie lediglich unter dem Zwange der Gelchäftsordnüng an den Wahlen der Sections-Obmänyex sich betheiligt haben, principiell aber auf dem Standpunkte, daß die Sectionen auszuheben sind, verharren. Diese Erklärung richte ihre Spitze nicht gegen Personen, sondern gegen das Institut, und nur um eine Störung der Geschäfte zu vermeiden, htchen sie an der Wahl der Functionäre sich betheiligt. Der Präsident kaiserl. Rath K l i n g e r theilt mit: Nach den Normen des Cultusstatutes sind die beiden Vjce- Präsidenten aus den sechs Sectionsobmännern zu wählen. Die Wahl erfolgt mittelst Stimmzettel in gesonderter Abstimmung. Zum ersten Bice-Präsidenten wird Dr. Alfred Stern mit 28 Stimmen gewählt. Derselbe dankt mit herzlichen Worten für die Ehre uyh die Auszeichnung durch die Wiederwahl zum ersten Bicepräsidenten. Der Redner erinnert an die ersten zwei Worte des Wochenabschnittes, welche er in bedeutungsvolle Beziehung bringt zu der heutigen Constituirung des Wiener israelitischen Cultusvorstayhes. Auf die Wiener Gemeinde sind die Augen dex gesammten Judenschaft Oesterreichs gerichtet, dessen müsse man eingedenk bleiben. Er übernehme das Amt nicht mit einem Programm, wohl aber mit einer Tradition, der alten Tradition der Wiener Gemeinde, in chrer Mitte Friede und Eintracht zu bewahren. Er ist glücklich, unter der Führung eines Präsidenten wie kaiserl. Rath Klinger Mitarbeiten zu können. (Beifall.) Zum zweiten Bicepräsidenten wird der k. k. Landesschulrath Dr. Gustav Kohn mit 29 Stimmen gewählt. Derselbe dankt für das erneuerte Vertrauen, bemerkt aber, daß es für einen Mann seines Berufes sehr schwer ist, solch vielseitige Pfftchtpr zu übernehmen, indessen erklärt er sich bereit, an her Seite des verehrten Präsidenten Klinger weiter zu arbeiten. (Beifall.) Nachdem der Präsident in warm empfundenen Worten seiner vollen Befriedigung darüber Ausdruck gibt, daß die vollzogenen Wahlen der zwei Bicepräsidenten wieder zwei bewährte, thatkraftige Mitarbeiter an seine Seite bringen, theilt er mit, daß das Budget-Präliminare jedem Vorstandsmitglieds in den nächsten Tagen zugehen werde. Ferner genehmigt der Vorstand, gemäß der Anregung des Präsidenten, die Bildung der von demselben vorgeschlagenen Comstss. Der Wahl von Mitgliedern in dieselben und für die Verwaltung einzelner größerer Stiftungen geht eine eingehende Discusiion voraus, an welcher sich die Herren Baurath von G o l d s ch m i d t. Dr. Markus Spitzer, kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, Wilhelm Kuffner, Dr. Josef Grünfeld, Theodor Ritter von Taussig betheiligen, und wird sodann beschlossen, die genannten Wahlen durch en dloe-Annahme der Präsidialvorschläge sofort zu vollziehen, eventuelle Ergänzungen der ComltLs erst in einer späteren Sitzung durch schriftliche Abstimmung vorzunehmen. ' Der Präsident kaiserl. Rath Klinger spricht den Wunsch aus, daß die Comites für das Altersversorgungshaus, für das Spital, für die Berufung von 120 Vertrauensmännern, für die Reform der Armenpflege und das Comite für die Reform der inneren BerMltung die Cynstituirungsärbeiten heute unmittelbar nach der Sitzung vollziehen möchten^ welcher Anregung zuge-- stimmt wird. Nach somit erfolgter Erledigung der Tagesordnung erklärt der Vorsitzende die Sitzung für geschlossen. Das 25. Jubiläum des israelitischen Tempelvereins für de« X. GemeindebezirL Wiens. Dep israelitische Tempelverein in Favoriten feierte daI Jubiläum seines 25jährigen.Biftanhetz in würdigster Weise. Aus diesem Anlässe fand Freitag den 28. December v. I. im Vereinstempel, X.. Hümbpldtgasse 27 ein Festgottesdienst statt, und. Sonntag den 30. December M I. im Restaurant Oezeret, X., Keplergasse 7, die feierliche Generalversammlung, an welcher eine De- * pütation des .Cultusvorstandes, bestehend aus den HMren; Picepräsident und Mitglied des Landesschulrathes Dr. MstavD o h' n, Universitäts-Docent Dr. Josef Grünfeld und ObenngeMÜr Edler von Mises, theilgenommen. Der Bereinspräsident Herr Carl S e l i g m a n n eröffnete die feierliche Generalversammlung mit einer Ansprache, begrüßte die erschienenen Vereinsmitglieder, in besonders herzlichen Worten die Deputation des Cnltusvorstandes und ertheilte das Wort dem Hof- und Gerichts-Advocaten Herrn Dr. Tritsch. Dm Festrede des Herrn Dr. T r i t s ch, welcher die Bereinsgeschichte von ihren ersten Anfängen bis heute anfrollte, wurde hon der Versammlung mft lebhaftem Beifall begleitet. Im sechsten Decennfum des zu.Ende gegangenen Jahrhunderts wohnten circa 12 Juden in dem Bezirke, darunter die Familien E l i g s, Engel, Friedman n und Eibuschütz. Redner schilderte die ersten Versuche zur Constituirung einer Bethausgenossenschaft. Als Obmann fuugirte Herr Jeümeck, Den Gottesdienst an den hohen Feiertagen verrichtete man bald in einem Magazin, bald in einer Tanzschule. Dann wurde im Hause des Herrn Sigmund E i b u s ch ü tz ein Betsaal errichtet, der Eigenthümer und seine Gattin brachten für denselben die größten Opfer. Endlich hatte der Verein auch ein Statut überreicht und den Namen Jeschngs-Jsroel angenommen, er vereinigte in sich noch dip beiden Agenden, in welche die zwei noch heute bestehenden Vereine sich theilen. An der Spitze des Vereines standen die Männer Abraham Mols, Sigmund E i b u s ch ü tz (Jubilar), Abraham Neustadl M. Bruckner (Jubilar), Siegmund Rosenthal (Jubilar) 2. F r i e d, Samuel Elias (Jubilar), Sal, W e i ß, M. Ho fm a n n (Jubilar), Anton S ü ß. Am 23. September 1875 wurde das damalige Bethaus durch Oberrabbiper T)r- Güdemann und den verstorbenen Professor Sulzer eingeweiht. Es war das erste Gotteshaus überhaupt im Gebiete des X. Bezirkes. Die günstigen socialen Verhältnisse jener Zeit in diesem Bezirke kennzeichnet die Thatsache, daß im damaligen Verzeichniß der Vereinsmitglieder 5 Katholiken sich finden, deren Gedenken der Redner in herzlichen Worten preist. Es waren dies die Herren K n ö l l, Casimir R e i s i n g e r, Anton S ch m o h l, M. Stagl, Johann Schreibe r. Eine christliche Witwe überließ de» Baugrund für einen Tempel zu einem besonders ermäßigten Preise gegen die Verpflichtung, den Grund zu. keinem anderen Zwecke als zu einem jüdischen Gotteshause zu verwenden. Redner spricht die Ueberze»gung aus, daß alle Bereinsmitglieder diesen edelmüthkgen Christen ein warmes Gedenken, bewahren. Im Jahre 1878 fand die Statutenänderung und die Aeuderung des Namens statt. Ass Obmann sungirte Herr Siegmund, Eib»schütz, als. Obmqnn-Stellvertreter Herr Sigmund Rosenthal, welche Beide zum eisernen Bestände, des Vereines geworden. Seit dem Jahre 1879 hält der Verein täglichen Gottesdienst, seit dem Jahre 1880 werden im. Bereinsbethaus Trauungen vollzogen. Die Damen des. Vereines spendeten die Chuppa, Herr Friedmann die Stangen, E i b u s ch ü tz zwei Teppiche. Im Jahre 1883 Wlststuirte sich das Comitö für dey Tempelbau. Eine neue Äera der Blüthe uud der Entwicklung des Vereines beginnt, als Karl Seligmann zum Ohmann des Tempelbau-Comitss erwählt wurde. (Lebhafter- Beisafl und Händeklatschen.) Redner erwähnt, mit welch' geringen, Mitteln und dürftigen Bermögensverhältnissen ausgerüstet das Unternehmen in die Hand Karl Seligmann's ühergiug und w,ie es seiner unermüdlichen Thätigkeit und rastlosen Energie gelungen war. ein herrliches Gotteshaus erstehen zu lasten. Im December 1889 wird Neustadl zum Ehrenmitglied des Vereines ernannt; im December 1890 tritt Herr Jakob Straßberg in den Vorstand ein. (Lebhafter Beifall.) Redner erzählt die Geschichte des Temtzelbaues, seine Vollendung und feierliche Einweihung, die Wirksamkeit Seli. gru a. n n's und seiner Gattin und fährt dann fort : Die finauzielle Situation des.Vereines, ist keine ungünstige, wir arbeiten in einem geordneten Haushalt mit einem normalen Budget. Neben der Thattraft unseres energischen Obmannes Karl Selig m a nn hat sich die Opferwilligkeit unserer Vereinsmitglstder stets bewährt. Wenn wir in der Zukunft dem Vereine eine gleiche, gedeihliche Entwicklung sichern, ihn vor Gefahr beschützen wollen, so müssen wir fremde Tendenzen, vor Allem solche politischer Natur, von ihm fernhalten, dieVereinsgrundlage, das Statist, respectiren, Eintracht und Frieden wahren! (Lebhafter Beifall lphrst.e den Redner.) Der Vorsitzende, Herr Karl S e l i g m a y tv dankt dem Redner in. warmen Morten für den herrlichen Vortrag und B loch es