Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Dr» Bloch's Wochrnfchrifl. Seite 33 gegangen sind; es sind dies altbewährte, opferwillige Männer, deren Arbeitsfreudigkeit uns Allen bekannt ist. Ich heiße des Weiteren willkommen jene zwei geehrten Herren, welche aus der engeren Wahl vom 2. December 1900 hervorgegangen, in den Vorstand neu eingetreten sind, und gebe der Zuversicht Ausdruck, daß diese Herren in nicht ferner Zeit sich überzeugen werden, daß im Vorstande Parteiungen, welche die Pflege von Sonderinteressen verfolgen, nicht bestehen, und hoffe, daß diese geehrten Herren mit uns Zusammenwirken werden in dem hier vorwaltenden Streben, das Wohl und die Größe der Cultusgemeinde zu fördern, in einträchtiger, ernster Arbeit. Hohe Genugthuung gewährt in weiten Kreisen der Eintritt jener geehrten zwölf Herren, welche aus der am 4. December 1900 von den höherbesteuerten Mitgliedern der Gemeinde vorgenommenen Wahl hervorgegangen sind und die heute zum erstenmale als Mitglieder des Vorstandes zu begrüßen wir die Ehre haben — es sei ihnen herzlicher Dank und volle Anerkennung gezollt, daß sie zur Annahme des Mandates sich bereit gefunden haben. — (Lebhafter Beifall.) Männer in hervorragender socialer Stellung, von denen man unbestritten sagen kann, daß sie Zierden des Judenthums, der Gesellschaft sind, stellen sich nunmehr eingedenk alter Väter Sitte opferwillig in den Dienst der Gemeinde. (Bravo, Bravo!) Dies kann nur zur Regelung und Ordnung der Verhältnisse beitragen; und ich begegne gewiß keinem Widerspruche, wenn ich die hiemit erfolgte Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder als wirkliche Verstärkung des Vorstandes bezeichne, und so glaube ich auch nicht zu weit zu gehen, wenn ich ausspreche, daß durch den Eintritt dieser Herren in den Vorstand einem bedeutsamen Abschnitte in der Geschichte unserer Cultusgemeinde die Signatur gegeben ist; ich persönlich bewahre es als bleibende Erinnerung aus der Zeit meiner Präsidial- Thätigkeit, daß noch während derselben die Wahl dieser geehrten Herren erfolgt ist. (Lebhafter Beifall.) Cultusvorsteher Eltbogen dankt dem Präsidenten K l i n g e r für die Begrüßung und betont, daß er nicht als Parteimann in den Vorstand eingetreten sei, keine nörgelnden Tendenzen mitbringe, sondern es als seine Aufgabe ansehe, die Interessen der Allgemeinheit zu vertreten und vor Allem die Interessen der Bethausvereine zu fördern. Im Namen der Vorstandsmitglieder aus der neuen Curie der Hochbesteuerten antwortet Herr Theodor Ritter v. Taussig auf die Begrüßung des Präsidenten mit ungefähr folgenden Worten: Wir haben dem an uns gerichteten Appell zum Eintritt in den Vorstand bereitwilligst Folge geleistet, um den Beweis zu erbringen, daß die allgemein verbreitete Meinung von unserer Indolenz und unserer Theilnahmslosigkeit gegenüber den Interessen des Gesammt-Judenthums durchaus nicht begründet ist. Trotz vieler Berufspflichten und einer nicht unbeträchtlichen Arbeitslast, welche wir Alle zu bewältigen haben, wollten wir in der heutigen Zeit der schweren Bedrängniß nicht abseits stehen und die jüdischen Aufgaben und Pflichten uns fernhalten. Die Gewählten der neuen Curie legen Werth darauf, zu constatiren, daß sie keine Sonderbestrebungen hierhergeführt, sondern das aufrichtige Verlangen, die Jntereffen der Gesammt-Gemeinde zu fördern. (Lebhafter Beifall.) Die Aufgaben des Vorstandes sind zweifacher Art, sie find administrativer und sie sind auch repräsentativer Natur. Ordnung nach innen, Ansehen nach außen. Mit diesem Programm sind wir in den Vorstand eingetreten, haben wir die Mandate angenommen und wünschen, einem collegialen, einträchtigen Zusammenwirken zu begegnen. (Lebhafter Beifall.) Vor Uebergang zur Tagesordnung beruft der Vorsitzende kaiserl. Rath K l i n g e r die Cultusvorsteher Oberingenieur Arthur v. Mises und Dr. Arthur Kuranda zu Scrutatoren. Es wird sohin zur Erledigung des ersten Punttes der Tagesordnung, nämlich zur Wahl des Präsidenten, geschritten und ergibt sich, daß von 35 abgegebenen Stimmen 34 auf den Namen Heinrich K l i n g e r und 1 Stimme auf Dr. Alfred Stern entfallen. Nach dieser Verkündigung bereitet die Versammlung dem einstimmig gewählten Präsidenten eine lebhafte Ovation, an der sich auch das Auditorium betheiligt. Der Präsident nimmt zu folgenden Bemerkungen das Wort: Durch die Wahl, welche Sie, sehr geehrte Herren, soeben vollzogen haben, fühle ich mich im höchsten Grade geehrt und ich betrachte es als eine Auszeichnung besonderer Art, welche Sie mir namentlich durch die Einmüthigkeit, mit welcher Sie mich zu diesem Vertrauensposten berufen, erwiesen haben. Ich bitte darum meinen innigsten, herzlichsten Dank entgegenzunehmen. Allein ich gestehe und habe dieses auch jedem Collegen, der vorher über die Präsidentenwahl mit mir gesprochen, nicht verhehlt, daß ich beabsichtigte, zu ersuchen, die Wahl zum Präsidenten auf ein anderes Vorstandsmitglied zu lenken und mir zu gestatten, wie vor 4 Jahren und wie ich es früher gethan habe, als einfacher Soldat ohne Charge im Dienste der Gemeinde wirken zu können. Es ist nicht eine Ziererei von mir, sondern die Rücksicht auf meine Gesundheit, sowie der Umstand, daß ich mir immer sage, ein solches Amt sollte nicht durch viele Jahre in ein und derselben Person verkörpert sein, also nicht eine Art von Petrificirung erfahren. Dadurch, daß die Wahl nach der statutarischen Vorschrift auf 3 Jahre lautet, wäre es unmöglich, einen solchen Wechsel eintreten zu lassen. Im Herbste dieses Jahres trete ich in das 70. Lebensjahr, ein Alter, in welchem man nach meiner Auffaffung sich von öffentlichen Aemtern zurückziehen sollte. Ich muß jedoch die Einmüthigkeit, mit welcher die Wahl eben erfolgte, als einen Appell an mein Pflichtgefühl betrachten iLebhafte Zustimmung), und so erkläre ich, diesen Ehrenposten für das laufende Jahr mit bestem Danke anzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Soweit meine Kraft reicht, werde ich bestrebt sein, meine Pflicht zu erfüllen, aber unter der Voraussetzung, daß Sie, meine sehr geehrten Herren, mir Nachsicht, jedoch auch Ihre Unterstützung zutheil werden lassen. Nachdem hier in der neuen Aera die Beschränkung in der Rededauer als Grundsatz aufgestellt werden soll, will ich Sie mit einer Programmrede verschonen. Wenn Sie aber die Vorschläge zur Bildung der verschiedenen Comites betrachten, welche ich mir erlaubt habe, Ihnen zuzusenden, und zu Beschluß erheben, dann, geehrte Herren, werden Sie schon einer Art Programm Ihre Zustimmung gegeben haben, welches im Wesen dahin geht, eine Decentralisirung der Arbeit durch Heranziehung aller Vorstandsmitglieder zu erzielen. Ich möchte also, wenn Sie es erlauben, noch die Zuversicht aussprechen, daß Sie, geehrte Herren, mir helfen werden, die dringende Reform der Organisation durchzuführen. Ich habe bekanntlich dies schon im Vorjahre zu thun versucht, bin aber damit gescheitert. Nunmehr glaube ich, daß insbesondere im Hinblick auf die mittlerweile erfolgte Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit gedachter Aenderungen in der Verwaltung und Geschäftsführung allgemeiner Billigung begegnen werde. Ich schließe damit, daß ich Sie nochmals bitte, meinen herzlichsten Dank für das mir entgegengebrachte Vertrauen und mein Versprechen entgegenzunehmen, daß, soweit meine Kraft reicht, ich bestrebt sein werde, den Pflichten des mir übertragenen Amtes gerecht zu werden. (Anhaltender Beifall.) Herr Baurath Theodor R. v. Goldschmidt dantt dem Präsidenten für die Bereitwilligkeit, das Präsidium wieder zu übernehmen. Ein tüchtiger Führer braucht aber einen guten Generalstab, die Neuwahl hat eine große Zahl tüchtiger Männer in den Vorstand gebracht, und er stellt den Antrag, einzelne Herren aus der Zahl der neuen Männer mit der Leitung der Sektionen zu betrauen. Der Präsident kaiserl. Rath K! i n g e r bemerkt, daß eine derartige Debatte eigentlich mit der Geschäftsordnung nicht vereinbar ist. Herr Theodor R. v. Taussig erklärt im Namen der Neueingetretenen, daß sie als Neulinge in der Führung der Geschäfte nicht in der Lage sind, derzeit leitende Stellungen zu übernehmen, und bittet, bei der Neuwahl von den Sectionsobmännern nur ältere, mit den Geschäften wohlvertraute Collegen in Betracht zu ziehen. Es wird zur Stimmabgabe geschritten und erscheinen als gewählt zum Obmann der I. Section: Dr. Maximilian Steiner (mit 29 Stimmen), als Stellvertreter Architekt Max Fleischer (mit 31 Stimmen), zum Obmann der II. Section Landesschulrath Dr. Gustav K o h n (Mit 32 Stimmen), als Stellvertreter Dr. Josef Grünfeld (mit 27 Stimmen), zum Obmann der III. Section Baurath Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t mit 28, als Stellvertreter Salo Cohn mit 28, zum Obmann der IV. Section kaiserl. Rath M. Hirsch mit 33, als Stellvertreter Gottlieb Taussig mit 28, zum Obmann der V. Section Dr. Alfred Stern mit 30, als Stellvertreter Dr. Marcus Spitzer mit 32, zum Obmann der VI. Section k. k. Baurath Wilhelm S t i a ß n h mit 30, als Stellvertreter Oberingenieur Edler von Mises 33 Stimmen.