Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. S Dr. Bloch's WochenschrM- Sette 21 Ausdruck, daß kein Mitglied unserer Gemeinde zu der vom Vorstande des Thierschutzvereiues geplanten Gewissensknechtung seine Zustimmung ertheilt hat. Sollte dies aus Unkenntniß des Sachverhaltes dennoch geschehen sein, so mahnen wir an die Wicht und bitten zugleich, die Unterschrift schleunigst zurückzuziehen und jede irgendwie geartete Benutzung derselben auf das Nachdrücklichste zu verbieten." Strike und Aufruhr in Rifchon-Lezion. Aus Jaffa wird geschrieben: Dem neuen Generalbevollmächtigten der Jca, Herrn Parienta, welcher bisher Director der Allianzschule in Tetuan war, ging vor seiner Ankunft in Palästina ein böses Renommö voraus. Die Colonisten, welche — ob mit Recht oder Unrecht, wird die Zukunft lehren — über die Jca äußerst erbittert sind, sehen in ihm den „schwarzen Mann", welcher mit dem längst angekündigten eisernen Besen die jüdischen Colonien in Palästina von allen von den ungeschickten Rothschild'schen Beamten angerichteten Schäden reinfegen soll. Die ersten Thaten des neuen Herrn schienen die schlimmsten Befürchtungen noch zu übertreffen. Aus Sichron Jacob, allerdings eine Colonie, in welcher die frühere Mißwirthschaft die ärgste Verwüstung angerichtet hat, kam die Nachricht, der Herr Schuldirector habe den Colonisten erklärt, er werde nicht eher zur Verbesserung der Lage der Colonie etwas thun, bevor i) 2/3 der Colonisten Palästina verlassen haben. Die Colonisten hätten darauf eine acht Mann starke Deputation nach Paris entsendet, um bei dem bekannten Chowew-Zion, Herrn Meyerson, welcher gleichzeitig eine einflußreiche Stellung bei der Jca einnimmt, vorstellig zu werden. So thöricht diese Nachricht angesichts der bekannten Erklärung der Jca war, welche vor einigen Wochen durch die „Jewish Chronicle" mittheilen ließ, daß sie nicht daran denke, irgend einen jüdischen Colonisten zur Auswanderung aus Palästina resp. zum Verlassen der Colonie zu zwingen, die gegen Herrn Parienta mißtrauischen Colonisten von Judäa glaubten an diese Nachricht. Nicht wenig trug dazu die Zurückhaltung und die völlige Zugeknöpftheit des Herrn Parienta selbst bei, der auf alle Erkundigungen der Colonisten über seine Zukunftspläne eine unbestimmte oder ausweichende Antwort gab. Als er gar den Colonisten von Ekron, welche schon seit vielen Jahren großen Mangel an Land leiden (die Colonisten haben sich von 15 auf 29 Familien vermehrt), ihre Bitte um Vergrößerung ihres Areals rundweg abschlug, wurde die Abneigung gegen ihn unter den jüdischen Colonisten in Judäa ganz allgemein. Die allgemeine Erbitterung kam zum Ausbruch, als Herr Parienta in Rischon-Lezion den Colonisten erklärte: 1. daß er die Traubenpreise noch weiter wesentlich herabsetzen und 2. zu diesen herabgesetzten Preisen nur die Hälfte der gesammten Traubenproduction den Colonisten abnehmeu wolle. Als er dann seinen Worten gleich darauf die That folgen ließ und der Hälfte aller Arbeiter im Weinkeller von Rischon-Lezion ihre demnächstige Entlassung ankündete, legten diese die Arbeit im Keller sofort nieder und verhängten über diesen gleichzeitig die Sperre. Jetzt belagern die Strikenden Tag und Nacht den Keller und lassen keinen Arbeiter in denselben hinein. Die Arbeit ruht vollständig und der Keller erleidet täglich große Verluste, da selbst die nothwendigsten Arbeiten nicht ausgeführt und die eingelaufenen Bestellungen auf Wein nicht effectuirt werden können. Schlimmer noch erging es Herrn Parienta bei seinem ersten Zusammenstoß mit den seit Monaten arbeitslosen, in großer Noth lebenden Taglöhnern. Eine Deputation dieser bedauernswerthen jüdischen Landarbeiter forderte von ihm die Auszahlung des Taglohnes eines vollen Jahres an jede Taglöhnerfamilie. Herr Parienta lehnte jedoch diese höchstens nur moralisch berechtigte Forderung rundweg ab und erklärte sich nun bereit, jeder Familie eine einmalige Abfindungssumme von 50—500 Frcs. zahlen zu wollen. Darauf schritten die verzweifelten Taglöhner zur Gewalt und belagerten den Herrn Parienta in dem Verwaltungsgebäude von Rischon-L zion, wobei sie erklärten, den über ihn verhängten Stubenarrest nicht eher aufheben zu wollen, bis er ihre Forderungen voll und ganz bewilligt hat. Mit großer Mühe gelang es den aus Jaffa herbeigeeilten einflußreichen Chowew-Zion am dritten Tage der Belagerung die verblendeten Taglöhner zum Ausgeben ihres thörichten Beginnens zu bewegen. Minder grob, wenn auch nicht minder entschieden als die ungestümen Taglöhner, sind die Colonisten von Ekron Herrn Parienta begegnet. Als dieser ihre sämmtlichen Forderungen und Vorschläge rundweg abgelehnt hatte> erklärten die Colonisten, ihn nicht als Vertreter der Jca anerkennen zu können. Die Jca habe vom Baron Rothschild die Colonien übernommen, um dieselben weiter auszubauen, nicht aber um sie zu ruiniren. Herr Parienta jedoch gehe darauf hinaus, die jüdischen Colonien in Palästina zu Grunde zu richten. Daher können sie sich nicht denken, daß er der wirkliche Vertreter der Jca sei und werden sie sich um seine Anordnungen nicht kümmern. Der so fein ausgeklügelte Kniff wird den Colonisten von Ekron wenig helfen, aber der heiße Empfang, der ihn in Judäa zu Theil geworden ist, wird Herrn Parienta belehren, daß die jüdischen Colonien keine Knabenschulen sind und daß er als Generalbevollmächtigter der Jca in Palästina eine weit schwierigere Stellung haben werde, als auf seinem ruhigen Posten eines Schuldirectors in Teluan. Jüdischer und christlicher Sklavenhandel. (Fortsetzung.) Neben den unzähligen christlichen und mohammedanischen Sclavenhändlern haben sich im Mittelalter vielleicht auch einige jüdische befunden, aber die Juden haben die Sclaverei nicht verursacht. Woher nahmen sie denn die Sclaven, wenn ihnen die Christen und Mohamm daner nicht die auf Raub- und Kriegszügen erbeuteten Menschen verkauften? Und an wen verkauften sie, wenn nicht an Mohammedaner und Christen? Zu seinem eigenen Gebrauch konnte ja im christlichen Europa kein Jude einen Sclaven besitzen, wenn dieser auf Grund der kirchlichen Gesetzgebung nur den Wunsch, Christ zu werden, zu äußern brauchte, um seine Freiheit zu erlangen. Im Norden und Osten Europas betrieben die Deutschen einen schwunghaften Handel mit slavischen Kriegsgefangenen nach Frankreich, England und Italien, selbst bis nach Constantinopel. In Italien war Rom der Mittelpunkt des Menschenhandels geblieben, von wo aus die Venetianer Christensclaven nach dem Orient verkauften und wohin die Spanier die Kriegsgefangenen und im Seeraub erbeuteten Sclaven brachten. Wie lebhaft der Sclavenhaudel betrieben wurde, ersieht man auch daraus, daß in Deutschland schon im zehnten Jahrhundert ein Zoll für eingesührte Sclaven bezahlt werden mußte. Im dreizehnten Jahrhundert wurde an der polnischen Grenze der gleiche Zoll erhoben für Sclaven und — Juden. Im fünfzehnten Jahrhundert wurde in Venedig ein Zoll von fünf Ducaten für jeden ausgeführt"n Sclaven erboben. Ueber den Sclavenhandel und Sclavenbesitz in Italien sind eine Menge authentischer Daten — Contracte, Briefe u. dergl. — erhalten, aus denen wir nur Emiges mittheilen wollen. Im Jahre 1371 kauft Meliaduffo Baldiccione aus Pisa die tartarische, 18 Jahre alte Sclavin Verdina, welche getauft wird, um 20 Goldgulden und schwört vor dem Priester, der sie taufte, sie nie zu verkaufen. Sieben Jahre später läßt er sich vom Eid dispensiren und verkauft sie dem Andreotto Galletto für 38 Goldgulden, verdient also dabei 18 Goldgulden. Doch wird davon wodl abzuziehen sein, was er für die Dispens der Kirche zu zahlen hatte. Der Sensal Simone del Visto bekommt 50 Saldi Maklerlohn, den Contract verfaßt der Notar Piero da Cavoli. Im Jahre 1379 kauft derselbe Meliaduffo die 18 Jahre alte Lucia, (also wohl schon getauft) aus der Tartarei für 42 Goldgulden. Der Sensal Jacopo di Ser Betto della Serva bekommt 35 Saldi. Contract wird nicht gemacht, „um die Steuer zu ersparen"?) Im Jahre 1423 verkauft Antonio da Fientis in Venedig dem Arzt Matteo aus Treviso die russische Sclavin, „welche in der heiligen Taufe den Namen Margaretha erhalten", für 50 Ducaten. Sie ist 20 Jahre alt. und der Verkäufer garantirt, daß sie vollkommen gesund, „an allen äußern und geheimen Körperteilen unversehrt ist." Sollte sich innerhalb sechs Monaten ein Fehler an ihr finden, so ist der Verkäufer verpflichtet, sie um denselben Preis zurückzunehmen. Unter der Regierung Papst Eugen IV. (1431—1447) wird in Recanati eine tartarische Sclavin um 58 Ducaten verkauft. Aus dem notariellen Contract ist ersichtlich, daß Käufer und Verkäufer Christen aus Mailand sind. Auch bei allen andern Vrrkaufscontracten ist aus den Namen oder sonstigen Angaben i) Nach den eigenhändigen Auszeichnungen des Meliaduffo, herausgegeben von Prof. Francesco Bonaini, im Archivio storico italiauo, Bd. VIII. (1-50) Appendice S. 50, 61, 63.