Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 1 (4.1.1901)
- Date
- 1901-01-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 14 Dr. Vloch's WoürenfclrrM Nr. 1 wohnten diesem gemächlichen Brudermahle bei. Zuvörderst begrüßte der Bereinspräsident Herr Hermann Frankl die Anwesenden mtt herzlichen Worten, worauf der Gerneinderath Herr Sigmund Glaser in begeisterten Worten den Kaisertoast hielt. Nach dem ersten Gange ergriff unser allverehrter Herr Rabbiner Se. Ehrwürden Dr. Josef Hofs das Wort zu einer gediegenen Rede, in der er die Bedeutsamkeit der Chewra-Kadischa erörterte. Die Worte des Herrn Rabbiners wurden von allen Seiten mit stürmischem Beifalle ausgenommen. Während der Mahlzeit sprachen noch in launiger Weise die Herren: Bereinsarzt Med. Dr. Klein, Stationsvorstand Müller. Vorstandsmitglied L. Sabl und Gustav Stößler aus Poleschowitz. Besonders zu erwähnen wäre der Trinkspruch. des Herrn Ignatz Stößler, in welchem er in homiletischer Form die segensreiche 10-jährige Wirksamkeit des Vereinspräsidenten hervorhob. Prerau, 30. December. Die Trauung des Herrn Llvvr. Emi* Oppenheimer in Troppau mit Frl. Elsa Tauber,^der Tochter des Bürgermeisters Herrn H. Tauber in Prerau, versammelte eine auserlesene Schaar von Theilnehmern in dem in allen seinen Räumen gefüllten Tempel. Wir bemerkten unter den Anwesenden den k. k. Landesgerichtsralh Herrn Dr. Kaufler aus Teschen, Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Kaufler aus Wien, k. k. Oberpostcontrolor Müller, die Advocaten Dr. Adolf Oppenheimer und Dr. Alois Oppenheimer ans Prag Cuttusvorsteher Dr. Seidl und die Gesammtvertretung der Eultusgemeinde, die Gemeinderäthe und Ausschüsse, die Vorsteher aller Vereine. Den Trauungsact vollzog in sehr erhebender Weise Se. Ehrwürden Herr Dr. I. Tauber In dem großen elketrisch beleuchteten Saale des rühmlichst bekannten jüdischen Restaurants des Herrn Moritz Haas erschienen zur Gratulation die Spitzen der Bevölkerung. die Deputationen der politischen und der Eultusgemeinde, der Chewra-Kadischa rc. rc. daselbst wurden herrliche Reden zu Ehren des Brautpaares und des Bürgermeisters gehalten. Teplitz-Schönan. Dienstag den 25. December v. I. fand im „Hotel Bristol" in Prag die Trauung des Herrn Doctor Heinrich Steiner, Advocat in Turn, mit Fräulein Agnes T a u s s i g, Tochter des Herrn Alfred Taussig aus Herman- Mesteö statt. Zahlreich; Gäste aus den vornehmsten Gesellschaftskreisen wohnten dem Trauacte bei, welchen Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Galandauer aus Soborten in sehr weihevoller Weise vollzog und besten Ansprache an das Brautpaar auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Lroppau. Am 29. December hielt der hiesige „Jüdischliterarische Verei n" seine diesjährige Generalversammlung ab, die zahlreich besucht war. Der Schriftführer des Vereines Herr Obercantor Singermann erstattete den Rechenschaftsbericht, aus welchem die Anwesenden mit Vergnügen entnommen haben, daß der Verein, der in den letzten Jahren stark zurückgegangen war, nunmehr wieder im Erstarken, im Aufblühen sich befinde, was schon aus dem Umstande zü entnehmen sei, daß der Verein im abgelaufenen Vereinsjahr 3i neue Mitglieder gewonnen habe! Ferner wurde mitgetheilt, daß im abgelaufenen Jahre mehrere Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur gehalten wurden und daß die geselligen Zusammenkünfte und Unterhaltungen des Vereines stets zahlreich besucht und von den besten Erfolgen begleitet waren, so daß dieser Verein der gemüthliche und gesellige Sammelpunkt unserer Gemeindeangehörigen wurde, was bei den jetzigen traurigen socialen Verhältnissen von großem Werthe sei! — Bei der vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes wurden wieder die Herren: Dr. Med. Singer zum Obmann und die Herren V. K u l k a und Bankier Czuczka zu Stellvertretern und Herrn Obercantor Singermann zum I. Schriftführer gewählt. Herr Dr Eibuschitz, der sich um die Gründung und den Bestand des Vereines in hervorragender Weise verdient machte, wurde zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt. — r. E. B. Berlin. (Verlobung.) Herr Ph. Dr. Josef S t e i nl ch n e i d e r hat sich mit Fräulein Margarethe Gericke verlobt. Der Bräutigam ist der Sohn des Gelehrten Profestor Dr. Moriz Steinschneider. Vukovar. Am 25. v. M. fand die ordentliche Generalversammlung unserer Gemeinde statt, der man wegen der bevorstehenden Wahlen größeres Interesse entgegenbrachte. Unser allgemein verehrter verdienstvoller Präses Herr Victor Baum wurde einstimmig tviedergewähll. Ebenso vereinigte unser geschätzter Vicepräses Herr Bernhard Obersohn alle Stimmen auf sich. Beide Herren erfreuen sich nicht nur in der Eultusgemeinde, sondern in der ganzen Stadt großer Beliebtheit und ungetheilter Werthschätzung und werden schon seit vielen Jahren einstimmig als Stadträthe gewählt. Der einzige Sohn und und Mitchef unseres Herrn Vicepräses, Herr Samuel Obersohn, führte Fräulein Rosa Gottlieb, die anmuthige Tochter unseres beliebten Stadtphysikus Dr. Albert Gottlieb, unter den Trauhimmel. Die Brautmutter war viele Jahre hindurch Präsidentin unseres Frauenvereines. Das in allen Räumen hell erleuchtete Gotteshaus konnte die vielen Erschienenen, die den vornehmsten Kreisen angehörten, kaum fasten. Auch unser Obergespan Se. Wohlgeboren Peter Edler von Jurkovie war bei der Trauung anwesend Mit vollem Rechte konnte Herr Oberrab iner Dr Diamant in seiner musterhaften Trauungsrede ans die großen Verdienste der Eltern um unsere Gemeinde Hinweisen. Den gesanglichen Theil besorgte Obercantor Schwacet mit dem Chore in vorzüglicher Weise. Feuilleton. Ves jSapstes Machtwort. Novelle von Jda Barber. (Fortsetzung.) IV. Frau Aranka wartete klopfenden Herzens auf die Rückkehr ihres Gatten. Der Tisch war festlich gedeckt, das Mahl mit der dem Feiertag schuldigen Rücksichtnahme vorbereitet. Die Köchin fragte mehrmals, ob sie auftragen solle, Aranka vertröstete sie bis auf die Ankunft des Hausherrn. Es war ein, zwei Uhr. Eli kam nicht; die geängstigte Frau konnte ihre Unruhe nicht mehr bekämpfen; sie selbst ging nach dem Gerichtsgebäude. Niemand wollte von dem Verbleib ihres Gatten etwas wissen. Sie kehrte heim, hoffend, daß er inzwischen zu Hause angelangt sei. Die Köchin jammerte nur, daß ihr der Braten verdorreder Mazze-Lockschen schon gefallen sei, von Dr. Lazzlo wußte sie nichts. In ihrer Verzweiflung ging die junge Frau direct zu dem Richter, bei dem ihr Gatte vorgeladen war, in die Wohnung. Es hieß, Dr. Büthory sei nicht zu sprechen. Jndeß sie ließ sich nicht abweisen. Mit hoch erhobenen Händen bat sie ihn, (ein Geldstück hatte den Diener gefügig gemacht, daß er sie vorließ,) ihr Nachricht über den Verbleib ihres Gatten zu geben. „Den Herrn Lazzlo/ sagte Dr. Mthory höhnisch, „werde ich so lange in Haft behalten, bis seine Frau mir sagt, ob er öfter Christenmädchen in den Keller lockte. Vielleicht können Sie mir darüber Auskunft geben?" „Ich höre, aber ich verstehe nicht", sagte Aranka erbleichend. Dr. Bäthory sah die Erregung der jungen Frau; sie war. indem ein unheimliches Feuer in ihren Augen funkelte, schöner als je; ein teuflischer Gedanke stieg in ihm auf. Wie, wenn er den Juden dadurch strafte, daß er dessen Frau seinen Lüsten unterwarf? Er war Junggeselle, glaubte keinerlei Rücksicht nehmen zu müssen, von unwiderstehlicher Liebenswürdigkeit zu fein. „Arme Frau", sagte er, jetzt einen anderen Ton anschlagend, „Sie thun mir eigentlich leid! Bitte, setzen Sie sich, was ich Ihnen zu sagen habe, ist nicht sehr erbaulich, am wenigsten heute an Ihrem Festtage!" Er sah wie ihre Knie zitterten, dunkle Schatten über die alabasterweiße Stirn huschten. „O martern Sie mich nicht", bat die junge Frau händeringend, „was ist geschehen! Sagen Sie mir, wo finde ich meinen Mann?" „Ich bin viel zu galant, schöne Frau, Sie dahin zu senden, wo er sich jetzt befindet", sagte Dr. Bäthory, indem er seinen Stuhl dicht an den ihrigen schob; die Untersuchungshaft, die ich über ihn verhängen mußte, kann indeß gemildert werden, wenn seine Frau —" er suchte seinen Arm um ihre Taille zu legen, sie an sich zu ziehen. „Unverschämter", rief die junge Frau in fieberhafter Angst, „wer gibt Ihnen ein Recht, eine schutzlose, ehrbare Frau zu beleidigen! Ich kam zu Ihnen, um zu wissen, wo mein Mann ist, nicht um —" „Nur nicht so heftig, schöne Frau", beruhigte Dr. BLthory; „ich bin Ihrer Ehre nicht zu nahe getreten; es ziemt der Gattin eines wegen Mordes Angeklagten nicht, den Richter zu belei-" „Wegen Mordes?" unterbrach Aranka mit jähem Aufschrei. „Dr. Lazzlo ein Mörder? Das ist ja der pure Wahnsinn!" „Darüber haben die Richter zu urtheilen", sagte Dr. Bs>- thory, kein Auge von der jungen Frau wendend, deren eigenartige Schönheit ihn bezaubert hatte; in ihm stand es fest, daß sie sein werden müsse und sollte er den Gatten ein Jahr lang widerrechtlich in Gefangenschaft halten. „Wer? wer"? fragte Aranka zornbebend, „hat diese teuflische Beschuldigung erdacht?