Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 1 (4.1.1901)
- Date
- 1901-01-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. Vloch's Wochenschrift. TeUc 13 Nachdem die Tagesordnung erschöpft ist, dankt der Vorsitzende der Versammlung für das Erscheinen und schließt die Generalversammlung. Wien. (Vom Vereine „Esra".) Sonntag den 30. December verflossenen Jahres, hat Herr Markus Stengel, Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde, bei einer öffentlichen Plenarversammlung des Vereines „Esra" über das von diesem Vereine herausgegebene Gebetbuch unter dem Namen npjr bp ->nv in der Religionsschule der israelitischen Cultusgemeinde einen sebr interessanten Vortrag gehalten, zu dem außer den Vereins Mitgliedern und einigen Communallehrern auch als Gäste erschienen sind: Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmiedl, die Herren Vorsteher DirectorSimon und Doctor Alfred Berger, wie auch die beiden Herren Jnspectoren Prof. M. K an itz und Prof. Dr. Langfelder, ferner Prof. Dr. Weiß und Prof. D. H- P o l l a k u. A., während Herr Lector Fried mann und Herr Rabbiner und Religionsinspector Dr. I. Wolf ihr Nichterscheinen schriftlich entschuldigt haben. Der Vortragende legte zuerst in klarer und beredter Weise dar, welche Umstände und Uebelstände den Verein veranlaßt haben, an eine Neuherausgabe des zu schreiten, er verwies auf die unzählbaren Fehler und Mängel in fast allen gebräuchlichen Gebetbüchern, weshalb diese für den Schulgebrauch in keiner Weise verwendbar sind, während er an der Hand des neu herausgegebenen Buches, von welchem jedem der Zuhörer ein Exemplar vorgelegt worden war, die Vorzüge desselben in pädagogischer und kritisch-historischer Richtung schilderte. Bei Besprechung der synagogalen Poesie im Siddur verwies er darauf. wie viel von Editoren und Verlegern in diesem Punkte gesündigt wurde und wie alle poetischen Stücke in diesem Buche in ihre ursprüngliche Form wiederhergestellt worden sind. Zuletzt appellirte Redner an alle Anwesenden, sie mögen alle nach der Anordnung, durch welche Moses an der Erbauung der Stiftshütte alle Israeliten durch die Beisteuer eines halben Schekel hat Antheil nehmen lassen, durch eine kleine Münze von ihrem geistigen Capital an der Vervollkommnung dieses nno, welches jetzt den Opferaltar vertritt, theilnehmen. Großer Beifall lohnte den Vortragenden am Schlüsse seiner interessanten Auseinandersetzungen. Hierauf meldete sich Director Simon zum Worte und hob in lobender Weise die schöne mühevolle Arbeit, die jede Seite dieses Buches aufweist, wie auch das feine grammatische Gefühl, welches den Redner bei der Correctur des Gebetbuches geleitet hat, in besonderer Weise hervor. Herr Director Simon nannte auch dieses ttid ein Buch der Zukunft. Nach einer kurzen Discussion die von Herrn Prof. Dr. Weiß angeregt wurde, ergriff auch Herr Jnspector Kanitz das Wort und betonte, daß diese Arbeit, die er vom Anfang an mit großem Interesse mitverfolgt habe, in dem schönen Vortrage noch lange nicht erschöpft und dieser blos ein Miniaturbild darstelle von der großen und mühsamen Arbeit, welche in dieses Werk gelegt worden fei. Nemo. Linz. (Ein menschenfreundlicher Act.) Eine arme rumänische Jüdin, die mit ihren 2 Kindern, einem Mädchen von 15 und einem Knab en von 7 Jahren, ihrem Manne, dem es geglückt war, eine Stelle als Zuschneider zu erlangen, nach Paris nachreiste, wurde auf der Reise plötzlich von Geburtswehen überfallen. Als sie in der Station Linz anlangte, wurde die Rettungsgesellschaft von diesem Vorfälle avisirt und diese transportirte die arme Jüdin sofort in die Gebäranstalt. Die Verwaltung dieser Anstalt verständigte Herrn Max Bruder, den Präses der hiesigen Chewra-Kadischa von diesem Vorfälle. Die beiden nun verlassenen Kinder wurden in seine Behausung gebracht und fanden daselbst auch gastliche Aufnahme. Letzterer sorgte auch dafür, daß die am 25. in einem Zimmer der Gebäranstalt stattgefundene Beschneidung einen äußerst würdigen und imposanten Verlauf nahm. Herr Dor. Kaiser übernahm in der uneigennützigsten Weise die Function eines Operateurs; Herr und Frau S. Englmann sorgten als Pathen des Kindes für das Mahl. Aber es geschah noch mehr, weit mehr als zu erwarten stand. Der Herr Rabbiner und auch die anderen Gemeinde- Functionäre stellten sich ein und mit ihnen deputativ der Cultusvorsteher Herr Ignaz Hahn mit mehreren Vorstandsmitgliedern, die Herren Bernhard Taussig und Jonas Treichlinger als Vertreter des Armeninstitutes, Frau Marie Heller seitens des Frauenvereines. Diese sorgt im Vereine mit Frau Bruder und Frau Englmann in humaner Weise für die Wöchnerin und das Kind. Vor ihrer Abreise erhielt sie noch einen namhaften Unterstützungsbeitrag von dem Reinerträgnisse eines von der Frau Marie Heller im Vereine mit einem Damenconcerte veranstalteten Chanuka-Sränzchens. Mit diesem so menschenfreundlichen Acte bewies nun unsere Cultusgemeinde wieder ihren altbewährten Wohlthätigkeitsfinn. Vermischtes. Wien. (Israelitische Cultusgemeinde Wien.) Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien (I., Seitenstettengafse 4, 2. Stock) Sonntag den 6. Jänner 1901, präcise '/,11 Uhr Vormittags. Tagesordnung: Constituirung des Vorstandes. Wien. (Oesterreichisch-JsraelitischeUnion.) Samstag den 5. d. M. findet präcise 8 Uhr Abends in Khuner's Restauration, I., Adlergasse 6, eine Plenarsitzung statt, in welcher Herr Dr. Adolf Gelber einen Vortrag unter dem Titel: ,3 Jahrhunderte — Shylok schimpft", halten wird. Zum Schlüsse des Vortrages gemeinsames Abendessen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Die von der Vereinsleitung für den 25. December einberufene Expertise war über alle Ewartung zahlreich besucht und hielt auch alle Anwesenden fast bis Mitternacht in gespannter Aufmerksamkeit. Zum Beginn hielt Herr Dr. Ascher einen gewerblichen Vortrag, der mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Der Präsident des Vereines benützte die Gelegenheit, dem Vortragenden für sein bisheriges muthkgs Eintreten für den jüdischen Hausirerstand den wärmsten Dank auszusprechen. Sodann berichtete der Vorsitzende, Herr B r o d, in ausführlicher und fachlicher Weise über den Gegenstand der Expertise, nämlich über die bevorstehende Stagnation im Baugewerbe. Bei dieser ernsten Debatte griffen ein: die Herren Architekten und Baumeister Ambor, Herrmann, Herzberg, Melcher, Mandeltorf, Schwadron, Stiaßny, Z e r k o w i tz rc. Eine Resolution wurde angenommen, deren Inhalt seinerzeit veröffentlicht werden wird. Unter den Gästen bemerkte man die Herren Redacteur Dr. Bloch, Rabbiner S o r. kaiserl. RathDr. Kohn, dieBezirksräthe Neustadt!, Straßberg, Wald st ein, Commercialrath Stiaßny rc. E. B. Wien. (Todesfall.) Sonntag dieser Woche wurde der Hauptmann I. Claffe i. P. Herr David Geller mit allen, seiner Charge gebührenden militärischen Pomp und Ehren zu Grabe getragen. Hauptmann Geller trat mit 17 Jahren in den Militärdienst und brachte es von der P»ke auf zum Compagniechef. In Folge eines Rückenmarkleidens wurde demselben nach 41jähriger Dienstzeit die Pension in gnädigster Weise verliehen. Er machte alle Feldzüge mit, die während seiner militärischen Laufbahn stattgefunden haben, und wurde wegen seines muthigen Verhaltens und seiner Tapferkeit im Kriege vielfach belobt und ausgezeichnet. Der greise hochverehrte Rabbi» er Herr Dr. Adolf Schmiedl begleitete aus Liääuoei» haschem und iu selbstloser Weise den Leichenconduct und hielt dem Verblichenen am offenen Grabe eine warmempfundene, alle Leidtragenden tief ergreifende Rede, in welcher die militärischen Verdienste, die Tapferkeit und Todesverachtung des Dahingeschiedenen in beredter Weise hervorgehoben wurden. Wien. (L e i ch e n b e g ä u g n i ß.) Am 1. d. M. wurde Herr Max Wertheimer zu Grabe getragen. Eine große Zahl von Trauergästen aus den besten Kreisen der hiesige»» jüdischen Gesellschaft erschien in der Ceremonienhalle an» Centralfriedhofe, um dem biederen Glaubensgenoffen das letzte Geleite zu geben. Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus hielt eine tiefempfundene Trauer- und Trostrede. Herr Obercantor Kläger executirte die Trauergesänge in trefflicher Weise. Wien. (Prämiirung eines wissenschaf tlichenAusstellungsobjectes.) Die Jury superieure der Pariser Weltausstellung hat der Ausstellung anatomischer und pathologisch-anatomischer Präparate des Gehörorganes, einer Arbeit des Universitäts-Professors Dr. Adam Pollitzer, die auf der ganzen Ausstellung einzig in ihrer Art war, die goldene Medaille für wissenschaftliche Leistungen zuerkannt. Bisenz. (Vereinsmahl derChewr a-K adischa.) Dienstag den 25. v. M. wurde im hiesigen Bräuhause die diesjährige Chewra-Sude abgehalten und gestaltete sich dieselbe zu einer echt jüdischen Feier. Nicht nur die einheimischen, auch sämmtliche auswärtigen Mitglieder unserer Chewra-Kadischa