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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seae 12 Vr. Bloch's Wochenschrift Sk. 1 Unter allen Uraständen aber wird jener Geist, der Sie Alle, meine Herren, für Ihr schönes Gotteshaus beseelt, auch weiter sortleben bis in die spätesten Zeiten. Ich beglückwünsche Sie zu Ihren Erfolgen und werde in diesem Sinne der Cultusgemeinde berichten." Der Caffaverwalter, kaiserl. Rath Friedrich Pollak, verliest hierauf den Rechnungsabschluß und constatirt, daß trotz des durch die Tempelreuovirung herbeigeführten Stillstandes der gottesdienstlichen Functionen während mehrerer Monate die Verwaltung einett Gebahrungsüberschuß ausweist. Die Tempelrenovirung hc.t erhöhte finanzielle Ansprüche an den Verein gestellt. Wir haben die Frage erwogen, ob wir nicht aus diesem Anlaß an den Cultusvorstand um eine Subvention herantreten sollten, allein in Rücksicht auf die Thatsache, daß die finanzielle Lage der Cultusgemeinde trotz der scharfen Anziehung der Steuerschraube eine ungünstige ist, haben wir davon Abstand genommen und uns entschlofien, auch die neuen größeren Opfer selber zu bringen. Andererseits gibt der Redner der Hoffnung Ausdruck, daß bei der künftigen Steuerbemeffnng die finanziellen Opfer der Bereinsgenoffen berücksichtigt werden. Der Redner fügt hinzu: Die Cultusgemeinde sollte sich darauf beschränken, für den Cultus zu sorgen, die Pflege der Humanität denjenigen überlaffen, die das Herz auf dem rechten Flecke haben. Im Namen der Revisoren beantragt Dr. Carl L ö w y, dem Caffaverwalter das Abfolutorium zu ertheilen und den Dank auszusprechen, was einstimmig geschieht. Bon den zum Austritte gelangenden Herren ergreift zunächst das Wort das bisherige Vorstandsmitglied Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Jacob Engel. Seit 12 Jahren wirkt er in der Vereinsleitung, und wenn er neuerlich an das Vertrauen der Bereinsgenoffen appellirt, so geschieht es nicht blos in der Erkenntniß, daß in der Verwaltung eines Cultusvereines eine gewiffe Stabilität und Continuität segensreiche Voraussetzungen bilden, sondern auch weil er persönlich mit seinem Herzen speciell an dieser Ehrenstelle hängt, die ihn mit Stolz erfüllt. Er glaube auch im Dienste des Vereines seine Pflicht erfüllt zu haben, und wenn die Bereinsgenoffen derselben Meinung sind, wolle Redner gerne neuerlich ein Mandat übernehmen. (Lebhafter Beifall.) Vorstandsmitglied kaiserl. Rath Friedrich Pollak stellt sich vor als „20-jähriger!" Seit 20 Jahren sitzt er im Bereinsvorstand, die Vereinsagenden nehmen viel Zeit in Anspruch, er würde gerne ausspringen, allein, man muß vorerst für einen jungen Nachwuchs sorgen. Alte gute Freunde, bewährte Mitarbeiter ziehen von dannen, die Plätze bleiben leer. Oft und oft wurde dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß in der jüngern Generation so wenig Interesse für das Judenthum vorhanden sei, umsomehr freut er sich, wenn er unter den jüngeren Leuten Einzelnen begegnet, welche in die Fußstapfen der Alten treten, mit warmer Begeisterung deren Werk fortzuführen. Die Lücke, welche der Tod unseres verewigten Bice-Präsidenten Commercialrath Eisenberger in unserem Verein zmückgelaffen, soll durch dessen Sohn Herrn Max Eisenberger ausgefüllt werden. Redner ist überzeugt, daß sämmtliche Vereinsgenossen von dieser Thatsache mit Freude und Genugthuung Kenntniß nehmen werden. (Lebhafter Beifall.) Das ausscheidende Vorstandsmitglied Herr Ernst Schüller erklärt sich ebenfalls zum Wiedereintritt in den Vorstand bereit. Bon allen Erfolgen des Lebens hat ihn seine vor sieben Jahren erfolgte Wahl in den Vereinsvorstand am meisten mit Genugthuung erfüllt. Sein Vater sagte ihm damals, er möge an der Seite solch ausgezeichneter Männer, unter der Führung des berühmten Max Fleischer, alle seine Kräfte einsetzen im Dienste der guten Sache. (Lebhafter Beifall.) In Beherzigung dieser Worte ersucht der Redner neuerdings um das Vertrauen der Bereinsgenoffen. Vorstandsmitglied kaiserl. Rath Adolf Ruöizka ergreift das Wort als Obmann der Steuerschätznngscommission, um gegenüber einiger Redewendungen in der Ansprache des Caffa-Verwalters kaiserl. Rath Friedrich Pollak zu constatiren, daß die jüdischen Bewohner der Bezirke Mariahilf und Neubau keineswegs am schwersten und drückendsten mit der Cultussteuer belastet sind, und befürwortet schließlich die Wahl des Herrn Max Eisenberger, um die edlen Traditionen des verewigten Vicepräsidenten fortzusetzen. Um eines der freigewordenen Mandate bewirbt sich sodann das Bereinsmitglied Herr Wilhelm B a ch r a ch. Redner verpricht in die Fußftapfen der verstorbenen Vereinsvorsteher zu reten und in ihrem Geiste wirken zu wollen, für die Jntereffen des Vereines sein Bestes einzusetzen. Er ist dem Judenthum mit ganzem Herzen ergeben und wünsche feinem Dienste sich zu widmen. (Beifall.) Es candidiren sodann nacheinander die Vereinsmitglieder Leopold Goller st epper und Herr Samuel Weiß, während das Bereinsmitglied Herr Samuel Steiner zunächst die Wiederwahl der früheren Vorstandsmitglieder befürwortet. Das Resultat der Abstimmung verkündet im Namen der Scrutatoren Herr Dr. Carl Löwy. Es erhielten Dr. Jacob Engel 56 Stimmen, Friedrich Pollak 57 Stimmen, Ernst Schüller 51 Stimmen, Max Eisenberger 51 Stimmen, B a ch r a ch 35 Stimmen, Goller st epper 21 stimmen W e i ß 4 Stimmen. Mit rauschendem Beifall begleiteten die Mitglieder der Generalversammlung hierauf einen geistreichen, tiefdurchdachten Bortrag des Schriftstellers Herrn Heinrich Glücksmann. Der Präsident, Architekt Max Fleischer, dankte dem Redner für seine höchst interessanten Ausführungen im Namen aller Anwesenden und schloß die Generalversammlung. Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines für den IX. Bezirk. Am 29. December fand unter zahlreicher Betheiligung der Vereinsmitglieder die ordentliche Generalversammlung für das 34. Vereinsjahr des israelitischen Bethausvereines „Chewra Beth Hatfilah" statt. In dem Rechenschaftsberichte, der zur Verlesung gelangt, constatirt der Vorstand mit Bedauern, daß trotz des späten Eintrittes der hohen Feiertage nur zwei Posten in der Gebahrung eine Erhöhung gegen das Vorjahr aufweisen, und zwar die Trauungstaxen und die Tempelsitzmiethe, alle anderen Einnahmsposten weisen Ausfälle aus, ein Umstand, der hauptsächlich durch das Hinscheiden einiger opferwilliger Vereinsmitglieder hervorgerufen wurde. Das Andenken dieser Hingeschiedenen, der Herren Max Kann, Mich. Kaufmann, Leopold Handl, Max Reiner und Sigm. Rosenfeld, wird von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen geehrt und diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverleibt. Insbesondere haben die beiden Letztgenannten seit langen Jahren zu den opferfreudigsten Mitgliedern des Vereines gezählt und demselben unausgesetzte Beweise ihrer Fürsorge und Zugethanheit geliefert. In dankbarer Würdigung der ganz besonderen Munificenz des leider so früh verstorbenen Herrn Sigm. Rosenfeld und in voller Anerkennung der zahlreichen Verdienste, welche derselbe sich um die gesammte Wiener Judenheit erwarb, hat der Vorstand beschlossen, den Namen Sigmund Rosenfeld bei den Todtenfeiern (Haskora) für immerwährende Zeiten zu nennen. Nach Verlesung dieses Berichtes wird der Antrag gestellt, von der Verlesung des Gebarungs-Ausweises, Bilanz, Stiftungsfond, Pensionsfond rc. abzusehen und werden sodann Bericht und Bilanz genehmigt und dem Vorstande einstimmig das Absolutorium ertheilt. Zu der hierauf folgenden Wahl in den Vorstand nimmt Herr Dr. S ch n e p p das Wort und bespricht sein bisheriges Wirken im Vorstande; er verspricht, falls ihm die Versammlung die Ehre erweisen sollte, ihn wieder zu wählen, seine besten Kräfte dem Wohle des Tempelvereines widmen zu wollen. Nach dieser mit Beifall aufgenommenen Rede ergreift Herr Architekt Fleischer das Wort, um als Vertreter der Cultusgemeinde dem Vorstande die volle Anerkennung und den besten Dank auszudrücken. Das beendete Scrutinium ergibt die einstimmige Wiederwahl der Herren Dr. Mor. Schnepp, Jg. Simon und kaiserl. Rath Jgn. Wilhelm in den Vorstand, sowie der Herren Jacob Blau, Adolf Frankl, Dr. Alfred Glogau, Leopold Hendl, Leopold Kann, Wilh. Pappenheim, Dr. Em. Quittner und Isidor Tubitsch in den Ausschuß. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft den Antrag des Gesammtvorstandes auf Ecnennung des Bicepräsidenten der Cultusgemeinde Herrn Dr. Gustav Kohn zum Ehrenmitgliede des Tempelvereines im IX. Bezirke. Der Vorsitzende verliest den Antrag, der die großen Verdienste auszählt, welche sich Herr Dr. Gustav Kohn sowohl um die gesammte Judenschaft erworben, als auch sein stetes wohlwollendes Wirken für die Tempelvereine und insbesondere für den Tempelverein im IX. Bezirke, dessen langjähriges Mitglied er ist. Dieser mit großem Beifall aufgenommene Antrag wird per Acclamation angenommen. Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn dankt gerührt für die ihm zutheil gewordene Ehre.

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