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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blvch's WochenjchrM. Seite 11 Vereinsgenoffen: der Herren Sigmund Kößler, Moritz Paschka, Heinrich Willner und „eines unserer Besten des Vicepl äsidenten k. k. Comnnrcialralh Sigmund Eisenberger!" Noch einmal erwähnt der Redner der hohen Verdienste Eisenberger's, der bereits vor vier Jahrzehnten den Grund gelegt hat zu dem Vereine und dessen Name in goldenen Lettern auf der Tafel der Tempelstifter prangt. Die Versammlung hörte die Trauerworte stehend an und der Präsident verkündet, daß die Kundgebung im Protokoll der Generalversammlung vermerkt werde. Eingehend berichtet der Vorsitzende über die Action der Tempelrenovirung, wegen welcher der Vereins-Gottesdienst Monate hindurch sistirt war. Es wurde von mehreren Seiten angeregt und in Discussion gezogen, ob nicht anläßlich der Tempelrenovirung, welche dem Vereine so große Kosten verursacht, an die Cultusgemeinde um einen Beitrag herangetreten werden sollte. Dem gegenüber wurde andererseits darauf aufmerksam gemacht, daß die Verhältnisse der Cultusgemeinde trotz der sehr hoch bemessenen Cultusbeiträge noch immer nicht derart sind, daß die Cultusgemeinde leicht Mittel entbehren könnte, welche sie namentlich für die täglich sich mehrenden großen Anforderungen für humanitäre Zwecke benöthigt. Nachdem der Vorstand des Vereines sich stets voll bewußt war, daß seine Leistungen sowie die des Vereines überhaupt lediglich eine wesentliche Unterstützung der Pflichterfüllung der Cultusgemeinde bedeuten, und daß namentlich durch die außergewöhnliche und nicht genug zu rühmende Opferwilligkeit der Vereinsmitglieder sowie der Tempelbesucher es ihm möglich geworden, diese Pflichten zu erfüllen, wurde der Beschluß gefaßt, von einem solchen Ansuchen an die Cultusgemeinde abzusehen. Am 18. August, ani 70. Geburtsfeste Sr. Majestät des Kaisers eröffnete das neugeschmückte Gotteshaus wieder seine Pforten zu einem Festgottesdienst und eine Inschrift in der Vorhalle verewigt diesen weihevollen Moment. Am Vorabend des Neujahrsfestes fand die religiöse Weihe der vollendeten Renovirung statt, und die Worte des Festredners, innerhalb der in neuem Glanze und in neuer Schöne erstrahlenden Andachtsstätte wirkten erhebend. Für die ausgedehnte Erweiterung des Tempels in einer späteren Zeitperiode hat Herr Architekt Max Fleischer Pläne ausgearbeitet, damit jede eventuelle Aenderung im Sinne und im Geiste des Erbauers erfolge. Der Herr Architekt Fleischer überließ diese Pläne dem Verein unentgeltlich, worauf der Vereinsvorstand über Antrag des Herrn kaiserl. Rathes Friedrich Pollak folgenden Beschluß einstimmig faßte: »Der Vorstand des Tempelvereines übernimmt die ihm am heutigen Tage von dem derzeitigen Präsidenten und Erbauer des Tempels Herrn Max Fleischer gespendeten Pläne für eine eventuelle Vergrößerung des Tempels, sowie den eventuellen Umbau des Hauses in der Hirschengasse 22 mit dem Ausdrucke innigsten Dankes und beschließt, diese als Eigenthum des Vereines im Vereinsarchive zu verwahren und dafür in geeigneter Weise Vorsorge zu treffen, daß das Vorhandensein dieser Pläne nicht in Bergeffenheit gerathe. Der Vorstand gibt biemit dem einstimmig gefaßten Beschlüsse und mit größtem Nachdruck geäußerten Wunsche Raum, daß, wann immer an eine bauliche Veränderung des Tempels oder unserer Realität geschritten werden sollte, die heute übernommenen Pläne des Herrn Architekten Mar Fleischer als Grundlage für einen solchen Umbau zu gelten haben, ^owie daß alle in diesem von Herrn Architekten Fleischer verfaßten Schriftstücke enthaltenen Wünsche und Anordnungen betreffs des Umbaues thunlichst berücksichtigt werden sollen." Die Generalversammlung acclamirte diese Mittheilung mit lebhaftem Beifalle. Der Bericht erwähnt der Verbesserung des Chores, der Anstellung eines Chordirigenten, ferner der veranstalteten Mädchenconfirmation und bringt zur Kenntniß, daß der Cultusvorstand dem Vereine das Recht eingeräumt hat, im Bereinstempel Eheaufgebote vvrzunehmen und die vollzogenen Trauungen selber zu immatriculiren. Der Redner gedenkt mit Dank und Anerkennung des vom Vorstandsmitgliede Bauer gewidmeten Evidenzbuches für die Jahrzeitstiftungen. (Lebhafter Beifall.) Die Betsitzvermiethung hatte das erfreuliche Ergebniß von 14.000 K gegen 12.000 im Vorjahre. Für die minderbemittelten B.wohuer dieser Bezirke hat der Verein ein besonderes Minjan veranstaltet und über jedes Ersuchen freien Eintritt gewährt. Die Tempeljpenden ergaben den Betrag von 12.000 K gegen 11.000 im Vorjahre. Die Zunahme des religiösen Sinnes in der Familie zeigt sich in der wachsenden Zahl der Bar-Mizwah-Feierlichkeiten. Der Bericht erwähnt weitere Spenden: Von Frau Frida Strauß aus dem Nachlaße ihres Gatten Jacob Strauß.K 2000 außerdem behufs Activirung einer Jahrzeit . . . . K 400 als Legat unseres verehrten Herrn Vicepräsidenten Commercialrath Sigmund Eisenbergcr . . . . K 2000 als Stiftungsspeude für eine Jahrzeit nach der sel. Frau Katharina Böhm von Herrn Bernh. Böhm . K 1000 Redner spricht den edelmüthigen Spendern im Namen der Generalversammlung den Dank aus. (Lebhafter Beifall.) Der Bericht erwähnt, daß der Vorstand seinem langjährigen Mitgliede kaiserlichen Rath Adolf R u L i z k a aus Anlaß der Vermählung einer Tochter durch eine Deputation die Glückwünsche und den Dank für sein stets opferbereites und segensreiches Wirken übermittelte, ebenso dem langjährigen Revisor Herrn Leopold Stoh Wasser zu seinem 70. Geburtstag beglückwünschte. Endlich spricht der Bericht von der Stellung des Vereines zur Cultusgemeinde: Auf Grund eines neuen Statutes haben die Ergänzungs¬ und Neuwahlen in den Gemeindevorstand erst kürzlich stattgefunden und wird der neue Vorstand nunmehr verstärkt sowohl quantitativ, als, wie wir hoffen, auch qualitativ, mit dem beginnenden Jahre die Gemeinde zu leiten im Stande sein wir zweifeln nicht, zum Wohle und Heile der Gemeinde und, so hoffen auch wir, im wohlwollenden Einvernehmen mit unserem Vereine. Auch unser Vorstand wird durch neue Männer verstärkt werden, hoffen wir zum Besten des Vereines! Aufgabe des Vereines war es. einen würdigen, künstlerisch ausgestalteten Gottesdienst zu schaffen, was mit vielen Opfern an Zeit und Geld seitens einer Reihe der hochachtbarsten Männer dieser Bezirke verbunden war. In diesem Sinne und Geiste soll und muß er auch für alle Zeiten geleitet werden, es darf niemals dazu kommen, daß der Verein andere Tendenzen verfolge, als die reinsten und heiligsten; nur so kann er das hervorragende Ansehen, das der Verein hier und allerwärts genießt, ungeschmälert erhalten! (Lebhafter Beifall.) Vorstandsmitglied kaiserl. Rath Friedrich Pollak stellt den Antrag, in Ansehung der hohen Verdienste des Architekten Max Fleischer um den Tempelbauverein, welcher ihm zunächst sein erfreuliches Erblühen und sein kostbarstes Kleinod verdankt, insbesondere aber aus Anlaß der dem Vereine als Bermächtniß für spätere Zeiten zum Zwecke einer Tempelerweiterung übermittelten herrlichen Pläne demselben den Dank der Generalversammlung auszusprechen (Lebhafter Beifall und Händeklatschen), worauf die Versammlung zum Zeichen der Zustimmung sich einmüthig von den Sitzen erhebt. Der Delegirte des Cultusvorstandes, Herr Cultusvorsteher Salo Cohn, richtet hierauf an die Generalversammlung nachstehende Ansprache: „Sehr geehrte Herren! Ich schließe mich vor Allem im Namen der Muttergemeinde der Trauerkundgebung für den verstorbenen Vicepräsidenten k. k. Commercialrath Eisenberger von ganzem Herzen an. Wie wir soeben in bewegten Worten vom Vorsitzenden vernommen haben, war der Verewigte vor mehr als 40 Jahren der erste Gründer des Bethauses in diesem Bezirke. Ich kann das Andenken des Verstorbenen nicht bester ehren, als mit den Worten des Dichters: »Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist geweiht für alle Zeiten." Der Bericht über das verfloffene Vereinsjahr zeigt wieder erfreuliche Fortschritte. Der Tempel wurde aus eigenen Mitteln, getreu feinem Style, prachtvoll renovirt. Sie, meine Herren, verstehen es, den Gottesdienst in würdigster Weise abzuhalten, die Jugend heranzuziehen und den religiösen Sinn zu wecken. Wir sehen heute in diesem Saale die Pläne für eine eventuelle Vergrößerung Ihres Tempels von der Meisterhand Ihres Vorsitzenden, des Architekten Fleischer. Sie bilden, wie er uns in elegischem Tone mittheilte, gewiffermatzen sein Bermächtniß, und wenn auch die Ausführung derselben einer späteren Zeit Vorbehalten bleibt, so wollen wir doch hoffen, daß d.-r Meister und Künstler liebet in rüstiger W-is' Mitwirken wird.

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