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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Rr. 1 Dr. Bloches WochenfchrM Sette 7 Freundschaftsduselei. Taufen, Mischehen waren an der Tagesordnung! Da kam die unglückselige Periode des wirthschastlichen Kraches, die Alles in Mitleidenschaft zog. Die Ersten, welche von den veränderten Verhältnissen hart mitgenommen wurden, waren natürlich die Juden, denn das Volk, unzufrieden und durch die Krisis stark geschädigt, hatte seine Rolle als „Pöbel" noch nicht vergessen und anfangs schwächer, dann immer stärker wurden die Anzeichen bemerkbar, daß ein Umschwung in der Anschauung über die Gleichberechtigung aller Staatsbürger im Volke ein getreten sei. Man fing an, sich langsam aber stetig von ihnen zurückzuziehen, erst auf gesellschaftlichem Gebiete, dann auch auf geschäftlichem. Die Juden, speciell die gesellschastlich hochstehenden, welche sich schon so heimisch in gewissen Zirkeln gefühlt, glaubten nur an eine „vorübergehende Bewegung" und ignorirten selbe. Noch war das Wort „Antisemitismus" kein Schlagwort geworden, das seine verheerende und zugleich reinigende Wirkung ausübte. Noch wurde unter der Flagge der liberalen Partei viel Schein getrieben mit Gleichheit, Humanismus rc. Doch die Nemesis nahte mit ehernen Schritten, und wie selbe in den Reihen der Juden und Judcnstämmlinge gewüthet, ist noch zu sehr in frischer Erinnerung, als daß es hier wiederholt zu werden brauchte. < Die kurze Zeit der sogenannten liberalen Aera war aber nicht ganz erfolglos für die Juden gewesen. Der ärmere Theil hatte die Freiheit benützt, um nach und nach den „Binkeljuden" abzustreifen. Er ließ seine Kinder nun nicht mehr für den Handel allein, sondern auch für das Handwerk, das Gewerbe, ja sogar für die bildenden Künste erziehen! Gebiete, die ihm bisher durch die socialen Verhältnisse verschlossen waren. Mit ihrem angeborenen Talente, ihrer reichen Phantasie und ihrem rastlosen Fleiße gelang es diesen Juden, in kurzer Zeit auf fast allen Gebieten festen Fuß zu fassen und auch die Concurrenz mit ihren arischen College« erfolgreich aufzunehmen. Jüdischer Gewerbefleiß und künstlerischer Geschmack errangen auf öffentlichen Ausstellungen viel Beifall und Auszeichnungen. Während nun officiell die Tüchtigkeit jüdischer Künstler und Gewerbsleute anerkannt wurde, verhielt sich merkwürdigerweise ein Theil der Judenschaft diesen Bestrebungen gegenüber ganz iheilnahmslos; denn wenn auch hie und da jüdische Gewerbetreibende aus „Rachmones" beschäftigt, ein Talent jüdischen Stammes durch einen kleinen Auftrag „unterstützt" wurde, so geschah dies recht verschwiegen, um ja nur nicht in den Kreisen seiner christlichen Bekannten als „Philosemit" zu gelten. Die jüdische haute volöe brachte den specifisch jüdischen Bestrebungen ein gewisses Mißtrauen entgegen, und Fehler, die anderweitig in weit größerem Maßstabe gemacht, wurden diesen hundertfältig zum Vorwurf gemacht. Diejenigen, welche als die berufenen Vertreter des Judenthums den Mund voll nahmen mit weisen Rathschlägen zur Durchführung der Solidarität unter den Glaubensgenossen, scheuten sich nicht, privatim jüdische Gewerbsleute zu präteriren; ja selbst wenn es galt, Arbeiten für specifisch jüdische Zwecke von jüdischem Gelde zu vergeben, wurden christliche Arbeitgeber bevorzugt, wo doch in der freiheitlichsten Aera Juden zur Uebernahme von staatlichen oder städtischen Arbeiten nicht zugelassen wurden, geschweige denn zu solchen für kirchliche Zwecke. Die immer rücksichtsloser betriebene Hetzerei und Wühlerei der Feinde, denen kein Mittel zu schlecht war, um die Juden moralisch und wirthschaftlich zu Grunde zu richten und die immer mehr und mehr zu Tage tretende Antipathie gewisser Kreise haben endlich auch in den Reihen dieser Juden die Einsicht aufdämmern lassen von der Solidarität aller Juden ohne Unterschied des Ranges, Reichthums oder sonstiger menschlicher Unterscheidungsgrade. Dank der rastlosen Energie einiger verdienstvoller Männer wurde nun auch in der bevorzugten Claffe der „oberen Zehntausend" das Interesse für jüdische Interessen, jüdisches Gewerbsleben und für „specifisch jüdisches Kunsttalent" erweckt. Durch die Hochherzigkeit eines einzigen Mäcens allein wurde eine großartige Stiftung errichtet, die alljährlich, nebst den anderen Stiftungen mit ähnlichen Bestrebungen, viel dazu beiträgt, Talenten mosaischen Glaubens die dornenvollen Wege auf ihren künstlerischen Gebieten zu ebnen. Ein Verdienst, das umso höher zu schätzen ist. als man weiß, wie jetzt durchschnittlich bei Verleihung von Stipendien mit intereonfessionellem Schilde vorgegangen wird, wo dann der stramme deutschnational-antisemitisch gesinnte Jüngling, der wohl „die Juden nicht liebt, aber ihr Geld gerne nimmt!" höchstens zum Danke für die Verleihung die Caricatur des edlen Stifters zum Gaudium seiner gleichwertigen Zunftgenoffen anfertigt. Auch für die Hebung jüdischen Gewerbefleißes wurde inzwischen viel geleistet von einem Vereine, deffem tüchtigen Präsidenten es zu verdanken ist, daß die Idee, auch jüdische Gewerbetreibende zu beschäftigen, in den Reihen der Stammesgenoffen immer mehr und mehr zur That wird und man nicht befürchten muß, z. B. auf den Votivtafeln jüdischer Gotteshäuser und WohlthätigkeitSanstalten antisemitische Firmen zur ewigen Reclame lesen zu müssen. Biel ist geschehen; doch noch mehr muß gethan werden soll das gesteckte Ziel erreicht werden. Noch ist daS Bewußtsein in der Brust eines jeden einzelnen der mit Glücksgütern Gesegneten oder durch ihre Stellung Berufenen nicht erwacht, daß es ihre heilige Pflicht ist, dafür zu sorgen, daß auch die idealen Kunstbestrebungen und praktische Betheiligung auf dem Gebiete des Gewerbes in der Mitte ihrer Glaubensgenossen gehegt und gepflegt werden müssen. Noch ist der jüdische Mittelstand nicht von der Wichtigkeit der Idee durchdrungen, sich nebst dem jüdischen Cultus- und Vereinswesen auch für jüdisches Kunst- und Gewerbebestreben zu interessiren und dafür Sorge zu tragen, daß selbes in seinem Kreise Unterstützung finde. Der Centralpunkt, von dem aus all diese Bestrebungen geleitet und gefördert werden könnten, ist eigentlich schon geschaffen. Der „Verein zur Erhaltung jüdischer Alterthümer" mit seinem Museum brauchte nur seinen Wirkungskreis zu erweitern und die Erwerbung auch solcher Erzeugnisse künstlerischen oder gewerblichen Genres durchzuführen, die im Zusammenhang mit der Geschichte oder dem Cultus der heutigen Judenschaft stehen. Sollten sich dann gar Mäcene finden, die Sinn und Herz hätten, einen Schritt weiter zu gehen, und alljährlich jüdische Künstler durch Preisausschreibungen oder directe Bestellungen auch zur bildlichen Darstellung von Themas aus dem reichen Schatze der jüdischen Geschichte von einst und jetzt aufzumuntern, dann wäre das erreicht, was bisher gefehlt: „Jüdische Kunst". Wenn auch die Kunst sonst angeblich international und interconfessionell ist, einige Tropfen nationalen und konfessionellen Oeles werden ihr nichts schaden und uns Juden nur nützen, denn daß wir Juden stets eine besondere Nation und Confesfion find und bleiben, dafür sorgen schon unsere Feinde. Gott erhalte sie dafür! Sculpteur Pf. Jüdischer oder christlicher Sklavenhandel? Es ist eine Jahrhunderte alte Praxis der Judenfeinde, alle Sünden und Unthaten, welche im Alterthum von den Heiden den Christen, im Mittelalter von den verschiedenen christlichen Confessionen und Secten einander gegenseitig vorgeworfen wurden, auf die Juden zu übertragen. Es scheint den Judenfeinden vollständig an Phantasie zu fehlen, da es ihnen noch nicht gelungen ist, irgend eine neue Unthat zu erfinden, die man ausschließlich den Juden zuschreiben könnte: Blutaberglauben, Abschlachten von Kindern, Mordbrennerei haben schon die heidnischen Römer den Christen der ersten Jahrhunderte, die „rechtgläubigen" Christen den Ketzern vorgeworfen. Wucher — in zahllosen Predigten christlicher Kanzelredner werden ihre christlichen Pfarrkinder wegen ihres argen Wuchers ausgescholten und mit furchtbaren Höllenstrafen bedroht. Habgier, Ausbeutung des Volkes — in zahllosen Reden und Schriften des Mittelalters wird d»e Habgier der christlichen Geistlichen, ihre Bereicherung auf Kosten des armen arbeitenden Volkes mit den lebhaftesten Farben geschildert. Und Verfasser solcher Reden und Schriften, die einem Liechtenstein, einem Wähner oder Bergani als Muster zu Hetzreden und Hetzartikeln gegen Inden dienen könnten, waren nicht etwa blos Ketzer oder Abtrünnige, sondern oft sehr fromme Christen, berühmte Theologen. Männer, die einen hohen Rang in der christlichen Hierarchie eiunahmen. Und diese Predigten und Strasschristen scheinen ganz wirkungslos geblieben zu sein, denn sie wurden Jahrhunderte lang, fast bis in die neueste Zeit, wiederholt. In einem vor ungpiahr hundertunddreißig Jahren geschriebenen Briefe lesen wir: „Das Haus (der Jesuiten) bei St. Anna allein hat. indem es Heilmittel und Wein verkaufte, monatlich 3000 Gulden gewonnen, zum Nachtheil der Gastwirthe und Chokolademacher,

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