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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Vr. Vloch's WochrnfitzriN Sette 5 Ja, der wohlhabende Zionist schämt sich nicht, dem armen jüdischen Waisenmädchen, das bei ihm im Dienste steht und einen kleinen Sparpfennig für ihre armselige Mitgift zusammenbringen will, wenigstens eine mefsianische Colonialbank-Actie anzuhängen. Hat doch so eine Actie eine große, glückbringende Zukunft sogar für arme jüdische Mädchen. Denn dort auf den palästinensischen Colonien gibt es viele junge thatkräftige ackerbautreibende Männer, und von dort her verspricht der zionistische Brotgeber dem armen braven zionistischen Mädchen einen Mann. Dazu werde sie als Inhaberin einer oder zweier solcher Bankactien auf einer der Colonien eine Landwirthschaft, ein eigenes Haus, ein Weingut bekommen, während die Actien selber doch im Laufe der Zeit gewiß um das Zehnfache des Werthes steigen werden. Wie sollte die Arme nach diesem Glücke nicht mit beiden Händen greifen? Und ist dieses mefsianische Glück der einen zutheil worden, so greift danach die zweite und die dritte und bald kommen sie alle daher, die armen verlassenen Mädchen, um mit ihrem schwererworbenen Rubel das günstige Geschick zu erhaschen, einen schönen Bräutigam, ein Haus und Weingut und einen Gewinnantheil am Unternehmen sich zu sichern. Den armen jüdischen Kutschern, Lastträgern und Handwerkern sagen die zionistischen Herren wiederum: Wir wollen Palästina um eine große Summe Geldes dem Sultan abkaufen, sodann werden wir mit dem Baue von Eisenbahnen beginnen, Telegraphenämter und Fabriken für alle Industriezweige errichten. Zu diesem Zwecke aber gründen wir eine Bank, und jeder Besitzer einer solchen Bankactie ist zugleich Genossenschafter aller dieser großen Unternehmungen, der in erster Reihe berücksichtigt würde, wenn es dazu kommt, die Aemter in all diesen Unternehmungen zu vertheilen. Du. zum Beispiel, wirst bestimmt Conducteur, Du, Oberconducteur, der Dritte wird im Telegraphenamte angestellt u. s. w., jeder nach seiner Befähigung. Aber wer früher kommt, malt früher, darum beeilet Euch nur, ein paar Actien zu kaufen, solange es noch Zeit ist. Und all dieses Glück blos um ein Paar Bankactien per zehn Rubel, die er auch ratenweise bezahlen kann. Lohnt es sich nicht, für so eine herrliche Zukunft den Magen ein wenig einzuschnüren und Weib und Kind unterdessen hungern und frieren zn lassen? Was thut der Mensch nicht Alles, um für seine Familie eine definitive Existenz zu gründen! Mit solchen häßlichen Mitteln haben die Zionisten in der Stadt G., ohne zu übertreiben, bei neunzig pro hundert unter den Frommen und Gegnern des Zionismus ihre Bankactien angebracht, ohne daß die Armen wüßten, wem und wozu sie ihr Geld hergegeben haben. Wahrscheinlich operiren sie in andern Städten mit demselben Geschick. Die Zionisten aber heben stolz und freudig hervor, daß die armen Juden ihre Bankactien gerne kaufen, als wüßten diese Armen überhaupt, was Zionismus bedeute. Ach, im Namen dieser national-jüdischen Auferstehung erpressen sie den Aermsten unter den Armen beii letzten Blutstropfen. Wie viel Geld, Gut und Blut hat man den Aermsten, die unter der Last des Daseins fast erliegen, abgenommen? Und zu welchem Zwecke? Für Schreibereien und Diskussionen, für Zeitschriften, Monatsschriften, für Bücher und Correspondenzen, für Versammlungen und Redner, für Caffier, Beamte und Dienerschaft u. s. w. b»s ins Unendliche. Was haben sie aber für alle diese Unsummen Positives geschaffen? Was haben sie mit dem Ungeheuern Trubel und Sturm erreicht? Nichts! im vollsten Sinne dieses Wortes! „Wolken und Wind und — kein Regen'/ Wir suchen vergebens in der ganzen großen Geschichte der Menschheit nach einer ähnlichen thörichten Verwirrung, die eine solche innere Revolution hervorgerufen hat. Und wer weiß, wie lange diese Erscheinung noch anhalten wird? Wann wird die Vergeudung des schwer erworbenen Geldes der armen Judenschast für eine Wahnidee aufhören? „Sie haben durch einen Götzen meinen Eifer erregt, erzürnt mit ihren Wahnideen!" Und so schließe ich denn mit dem kurzen Gebete: O Herr der Welt, lasse deine Sonne erscheinen, daß die Nacht der Thorheit rasch entfliehe und ein neues Licht über Zion aufergehe! Die jüdische Mutter, eine Stütze der Religion. Mit wahrhafter Freude muß es Jeden, dem der Bestand unserer Religion am Herzen liegt, erfüllen, die „zum Fenster hinausgesprochenen" Worte des allverehrten Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde vernommen zu haben. „Es liegt hauptsächlich an den Frauen und Müttern, soll die künftige Generation dem Judenthume und das Judenthum der kommenden Generation erhalten bleiben." Diese beherzigenswerthen Worte von berufener Seite, zur rechten Zeit gesprochen, werden gewiß nicht verfehlen, auf so manches jüdische Mutterherz einzuwirken, um ihrer Pflicht eingedenk zu sein. Schon unsere alten Lehrer betrachten die jüdische Frau und Mutter als Stütze der Religion, und stellen ihr große Verdienste in Aussicht, weil sie den Mann zur Religion aneifert und ihre Kinder in's Lehr- und Gotteshaus geleitet. (Talm. Berachot.) Groß ist der Einfluß des Weibes, deren liebevolles Mahnen selbst die Kruste vom eisigkalten Herzen des Mannes zu schmelzen im Stande ist. Noch mehr aber vermag die Mutter das weiche, unschuldige Herz des zarten Kindes zu bilden und es für seine Religion zu erwärmen. Eine gute Frau erbaut ihr Haus, eine thörichte reißt es nieder (Sprüche S.). Die Erfahrung lehrt, daß dort, wo die Mutter gleichgiltig in Bezug auf die religiöse Erziehung der Kinder ist, jede Mühe des trefflichsten Religionslehrers vergeblich ist. Ein solches Kind befindet sich zumeist in Zwiespalt zwischen Schule und Haus. Es mag das beste Herz besitzen, es verliert den geistigen Halt der Ueberzeugung, nach und nach entfremdet es sich seiner Religion und damit geht auch sein Sittlichkeitsgefühl verloren. Die Gefahren, die für das Kind dann entstehen, so es selbstständig in's Leben tritt, hat eine solche Mutter sich selbst zuzuschreiben. Ganz anders aber fühlt ein Kind, um dessen geistige Ausbildung und religiöse Erziehung sich die Mutter bemüht hat. Mag es in welcher Lebensstellung immer sich befinden, stets bleiben die Eindrücke seiner Jugenderziehung in seinem Herzen haften. Bis über das Grab hinaus bewahrt es die kindliche Pietät. Gründet es ein Haus, es wird im Geiste der jüdischen Religion geleitet. „Meine gute Mutter hat es so geführt", so hört man oft sagen. Wenn es auch durch Beruf oder Umstände manche Vorschrift der Religion nicht erfüllen kann, so trachtet ein solches Kind dies wettzumachen durch Erfüllung des Möglichen. Hier ist Kindesliebe, hier waltet Familien- und Gemeinsinn und Liebe zum angestammten Glauben. .in»V onan dk Eine solche Mutter kann mit Stolz aus ihre Kinder blicken und ihrer sich freuen. Möge daher der Appell des hochverehrten Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde nicht ungehört verhallen, dann wird Euch jüdischen Müttern der Lohn Gottes gewiß sein und die Dankbarkeit der Lehrer Eurer Kinder, deren Lehren, auf fruchtbaren Boden fallend, zur schönen Saat heranreifen werden, zutheil werden. Leopold Blau, Religionslehrer, Woltin. Die Lebenskraft der Rare. Dr. Victor Babesch in Bukarest, der auch in den wissenschaftlichen Kreisen des Auslandes bestbekannte Director des dortigen bakteriologischen Instituts, hat in seinem letzten Athenäumsvortrag die Aufmerksamkeit der gebildeten Kreise auf die bedauerliche Degeneration der rumänischen Race gelenkt. Unter Hinweis darauf, daß die israelitische Bevölkerung, dank den von ihr aus confessionellen Gründen hochgehaltenen hygienischen Vorschriften, sich der verhältnißmüßig größten Zunahme erfreut, sprach sich der Redner dahin aus, daß nur durch Hebung der öffentlichen Gesundheitspflege eine Wiedergeburt der rumänischen Race anzustreben sei, und namentlich der von epidemischen Krankheiten wie Diphtheritis, Typhus u. s. w. stark gelichtete, unter den verheerendsten Wirkungen über das ganze Land auSgebreiteter und vererbter Bolkskrankheiten schwer leidende rumänische Bauernstand von dem drohenden Untergang gerettet werden könne. Neben dem Alkoholismus sind es besonders die Malaria, die Pellagra und andere ansteckende Krankheiten, die in der rumänischen Landbevölkerung alljährlich Tausende und Abertausende von Opfern fordern und außerdem eine von Jahr zu Jahr immer weitere Kreise ziehende Verseuchung ganzer Dorfschäften zur Folge haben. Daß zur Bekämpfung dieser Volksgeißeln eine Reform der in Rumänien leider gleich allen Regieruugsangelegenheiten als Parteisache betrachteten Staatshygiene und eine sorgfältige Ausgestaltung und Ueberwachung des Sanitätsdienstes in den Landgemeinden sehr viel beitragen könnte, kommt nicht in Zweifel. Gleichzeitig aber hat Professor Doctor Babesch, indem er die durch schlechte Ernährung entstehende Pellagra eine „Krankheit des Elends" nannte, angedeutet, daß diese schreckliche Bolkskrankheit Rumäniens auf die traurigen

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