Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 1 (4.1.1901)
- Date
- 1901-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. BLoch's WochrnfttzrW 1 W t Heikc 4 habe sich jedoch in der letzten Periode hauptsächlich der Aufgabe zugewendet, die ihm von dem Vorstande der Wiener Cultusgemeinde gestellt worden sei, den Entwurf eines Lehrplanes und einer Instruction für den Unterricht an den Wiener Mittelschulen auszuarbeiten und dem Vorstande vorzulegen Der Ausschuß sei dieser Aufgabe mit aller Hingebung nachgekommen. Dieser Entwurf sei nach entsprechenden Vorarbeiten in 14 Sitzungen berathen und der Gemeinde vorgelegt worden, könne jedoch, da auf Wunsch des Cultusvorstandes noch manche Aeuderungen erforderlich sein dürsten, vorläufig noch nicht veröffentlicht werden. (Lebhafter Beifall.) Die Versammlung beschließt hierauf, den ihr vorgelegten Bericht mit Zustimmung zur Kenntniß zu nehmen. Hierauf berichtet der Cassier Dr. Goldhammer (Wien) über die Finanzgebarung. Ueber Antrag der Revisoren A. K o l l e k und Dr. D Fink (Wien) beschließt die Versammlung, das Absolutorium zu ertheilen. Es wird sodarn der gesammte Ausschuß wiedergewählt. Im Anschlüsse daran wird der von Dr. Biach (Brüx) zu wiederholtenmalen gestellte Antrag auf Herausgabe einer Vereinszeitschrift in Berathung gezogen. Der Obmann erklärt, daß der Ausschuß diesen Antrag zu dem seinigen gemacht habe und ein Redactionscomite, bestehend aus den Herren: Dr. Weiß, Kanitz und Dr. Langselber (Wien), Dr. G r ü n f e l d (Brünn) und Dr. B i a ch (Brüx), Vorschläge. Da die Mitgliederbeiträge die Kosten eines solchen Organes nicht decken und sich in Folge der Herausgabe der Zeitschrift ein Erforderniß von 700 K jährlich ergeben werde, so werde der Verein an die Hilfe der löblichen Eultusgemeinden und privater Gönner und Freunde des Religionsunterrichtes appelliren müssen. Es ergreift nun Herr Dr. Bloch das Wort und erbietet sich in großherziger Weise, die unentgeltliche Herstellung dieser Vereinszeitschrift als Beilage zu der von ihm herausge:ebenen „Oesterreichischen Wochenschrift" zu übernehmen. Herr Vicepräsident Dr. Gustav K o h n anerkennt die Hochherzigkeit dieses Anerbietens, empfiehlt jedoch, über dasselbe nicht in der Plenarversammlung, sondern erst nach reiflicher Erwägung im Ausschüsse schlüssig zu werden. Der Obmann dankt mit herzlichen Worten dem Herrn Dr. Bloch für seine jedenfalls wohlmeinende und uneigennützige Absicht. Es wird hierauf nach längerer Debatte beschlossen, die Anträge des Ausschusses anzunehmen und hinsichtlich der Annahme des Vorschlages Dr. Bloch's die Entscheidung dem Ausschüsse zu überlassen Der Vorsitzende ertheilt nun das Wort dem Dr. B i a ch (Brüx) zur Abhaltung des von ihm angemeldeten Vortrages: „Einige Worte über Apologetik im Religionsunterrichte." Der Vortragende stellt an sehr naheliegenden und instructiven Beispielen die Nothwendigkeit dar, daß man zu jeder Zeit im Unterrichte, sowohl bei der Sittenlehre, als auch bei dem Gebetbuche, apologetisch Vorgehen müsse. Es sei nur zu beklagen, daß eine vollständige Geschichte der Apologetik fehle. (Rufe: Gelbhaus!) Der Vorsitzende spricht dem Redner für seinen mit reichem Beifalle ausgenommenen Vortrag namens der Versammlung den Dank aus und ertheilt das Wort dem Herrn Dr. Fink (Wien) zur Abhaltung seines Vortrages: „Zur Methodik des hebräischen Unterrichtes." Der Anregung, an diese beiden Vorträge eine Debatte zu knüpfen, welche von Dr. N e u m a r k (Rakonitz) gegeben wird, kann wegen der vorgerückten Stunde und weil die auswärtigen Mitglieder erklären, an einer Fortsetzung der Verhandlungen am nächten Vormittage nicht mehr theilnehmen zu können, keine Folge gegeben werden. Es wird nun zur Berathung der vorliegenden Anträge geschritten: Es liegt zunächst vor der Antrag des Herrn Dr. D. Neumark (Rakonitz): „Der Verband möge Schritte bei dem hohen Ministerium für Cultus und Unterricht unternehmen, daß hinsichtlich der Remuneration für die Exhorten ein einheitlicher Vorgang eingehalten werden möge. Dieser Antrag wird nach eingehender Debatte angenommen. Der Antrag des Herrn Dr. M. Schorr (Lemberg): „Der Verband möge bei dem hohen Ministerium für Cullus und Unterricht einschreiten, damit dem mosaischen Religionsunterrichte allenthalben, namentlich aber in Galizien, zwei wöchentliche Stunden eingeräumt werden." Auch dieser Antrag ruft eine kurze sachliche Discussion hervor, zu welcher insbesondere der Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kühn sehr dankenswerthe Aufklärungen gibt. Hierauf wird der Antrag angenommen. Da nun die Tagesordnung der Versammlung erschöpft ist, ergreift noch vor Schluß derselben Herr Vicepräsident Dr. Gustav K o h n das Wort, um seiner Genugthuung darüber Ausdruck zu geben, daß es zur Auflösung des Verbandes nicht gekommen ist Er anerkennt das ersprießliche Wirken desselben und gibt die Versicherung, daß der Vorstand der Eultusgemeinde es an Förderung nützlicher Vereinsbeürebungen auch fernerhin nicht fehlen lassen werde. Der Obmann richtet seinen Dank an den Vorstand der Cultusgemeinde, insbesondere aber an den Vicepräsidenten derselben, der ja an dem Gedeihen des Verbandes solche lebhafte Theilnahme bekunde. Seine Verdienste werden jedem Einzelnen und dem! gesammten Verbände stets unvergessen bleiben. Der Obmann dankt hierauf allen erschienenen Gästen, insbesonders Herrn Dr. Bloch für das unermüdliche Interesse, den Mitgliedern für ihre Geduld und für die Wahrung der Würde der Versammlung. Nachdem auch aus der Mitte der Versammlung Dr. B i a ch (Brüx) dem Obmanne wie dem Ausschüsse herzliche Worte des Dankes gewidmet, wird die Versammlung halb 9 Uhr Abends geschlossen. Ein heiteres Mahl, gewürzt von geistvollen Trinksprüchen und launigen Scherzreden, vereinte die zu ernster Berathung erschienenen Collegen und deren Frauen und anmuthige Töchter bis in die Mitternachtsstunde. Vom Jahrmarkt des Lebens. Der Geldmeffras. (Aus der hebräischen Zeitschrift „Hapeles" von Rabbiner Beer Rabbinowitz in Poltawa Nr. 3 S. 169—172.) Ein Geschlecht der Verkehrtheit sind sie, Söhne, in denen kein Glauben ist.*) (V. M. 32. ^o.) Vorstehenden Vers rufe ich unserer gegenwärtigen jüdischen Generation zu. In seinem langjährigen Exile hat Israel wohl schon mehrere Pseudo-Meffiaffe erstehen sehen, und jedesmal sind ihnen die Einfältigen und Urtheilslosen gefolgt, haben an diese Wundermänner und an ihre von der Fama verbreiteten Wunderthaten wirklich geglaubt. Wer hätte aber gedacht, daß in der gegenwärtigen Generation, dem Geschlechts völliger Glaubenslosigkeit, der Messias neu erstehen würde? Und dazu noch gar ein Messias, der nach seiner eigenen freigeistigen Ueberzeugung vom Hause aus der messianischen Idee ebenso fern steht, wie er überhaupt dem Judenthum entfernt ist! Ein Messias, der nicht eine einzige Eigenschaft besitzt, um auch nur den Einfältigsten zu gewinnen, und blos aus die Gläubigkeit der Glaubenslosen angewiesen ist. Ist das nicht „Eine Generation der Verkehrtheit", welche nur in dem Jahrhunderte der Verkehrtheiten und der Gegensätze möglich ist? Und dennoch ist es so. Die Söhne des eben entschwundenen Jahrhunderts, welches den Altar des Mammon neu aufgerichtet hat, führen wieder als Priester dieses Gottes den Reigen aus, den ihre Vorfahren um das goldene Kalb einst aufgeführt haben. Und dieser Gott hat sich seinen Messias erwählt — den Geldmessias! Seine Devise ist: Das Geld (das nämlich aus der Tasche der Gläubigen fließt) ist die Grundlage aller Dinge und aller Ideen, auch der Messiasidee! Und wie den Abtrünnigen in der Wüste gesagt wurde, ohne Gold kein Gott, so rufen sie ihren Gläubigen zu: Ohne Geld kein Messias! Dieser Geldmessias soll uns in Bälde erlösen, wenn wir ihm nur Geldopfer nach Maßgabe unseres Vermögens und auch darüber hinaus darbringen werden. Der Aermste aber unter den Gläubigen soll wenigstens zehn Rubel jährlich hergeben. Und wie das „fremde Gesindel", welches sich dem Volke Israel angeschloffen hatte, rufen auch sie dem Volke zu: Der Geldmessias ist dein Gott, der dich aus allen Ländern herausführen wird! — Blos mit dem Unterschiede, daß damals dieser Ruf in der Wüste erscholl, während er jetzt aus einer der größten civilisirten Städte Europas ergeht; damals war es das Kalb, für welches sie ihr Gold hergeben sollten, heute heißt dieser Gott „die Colonialbank". Damals wurde von den Anbetern des gold'nen Götzen weder eine bestimmte Summe gefordert, noch wurden die Armen zur Beisteuer herbeigezogen, heute soll auch der Aermste zehn Rubel jährlich leisten. Damals wurden zur Bildung des Götzen blos die Reichen herangezogen, welche goldnen Schmuck hatten, heute soll die Last von den Armen, von der niisera ecmiribuens plebs, getragen werden, da doch die Reichen und Unabhängigen sich nicht verleiten und nicht zwingen lassen. Damals wurde der Götze aus blos freiwilligen Gaben gebildet, heute locken sie aus denTaschen derAermsten den letzten Heller heraus durch allerlei Ueberredungskünste, durch li sti ge Kniffe und durch Ausübung von Zwang und Terrorismus. Da sind die Armen, deren Existenz von einem zionistisch gesinnten Kaufmann oder Industriellen abhängt. Diese müffen die Actien der Colonialbank zeichnen, ob sie wollen oder nicht, um ihren Lohnherrn durch die Weigerung nicht zu beleidigen. Gibt es doch viele solcher edler Herren, die ihre Untergebenen ohne deren Borwissen mit solchen Actien beglücken! Anm. *) „Hapeles" ist der Titel einer trefflichen gelehrten Monatsschrift des hervorragenden Rabbiners von Poltawa und in derselben bietet ein russischer Rabbiner eine Zeichnung von der Art, wie der ärmste Theil der russisch-jüdischen Bevölkerung durch neuzionistische Agitatoren ausgebeutet werde. Diese Mittheilungen verdienen auch in westlichen Gegenden bekannt zu werden.