Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 1 (4.1.1901)
- Date
- 1901-01-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 1 Dr. Bwch's Wochrnschrisl- Seite 3 Pausen verursachen, die für die Studenten stets von kritischer Art bleiben. Es ist daher ein Gebot der Nothweudigkeit, daß den unbemittelten jüdischen Studenten die Quelle nicht verstopft werde, welche ihnen bisher, wenn auch in sehr dürftiger und kümmerlicher Weise die Mittel bot, dem Studium obzuliegen. Eine Verdrängung der jüdischen Jugend aus den Hochschulen wäre katastrophal. Der durch den Schulerlaß indirect gegen das Judenthum inscenirte Angriff würde sich als der größte Schlag erweisen, welchen die antisemitische Aera demselben zugefügt hat, und dieser muß mit Anspannung aller Kräfte abgewehrt werden! Eduard Beer. NI. Verbandstag der isvaettklsrhen ReUgionslehrer an den österreichischen Mittelschulen. Der Obmann des Verbandes Prof. Dr. Adolf Weiß (Wien) eröffnete am 26. December, 10 Uhr Vormittags, die ziemlich gut besuchte Versammlung. In seiner Eröffnungsrede führte der Obmann die wichtigen Aufgaben und Zwecke des Verbandes in wärmster Weise zu Gemüthe und führte den erschöpfenden Nachweis, daß die Rabbinerverbände in Böhmen und Mähren durchaus nicht im Stande seien, den Religionslehrerverband zu ersetzen. Doch hofft Redner, daß schließlich durch die nunmehr in Aussicht genommene Herausgabe einer Vereinszeitschrist die beklagenswerthe Indolenz vieler Berufsgenoffen doch zu überwinden sein werde und schließt mit einer patriotischen Kundgebung, die von der Versammlung mit dreimaligen, begeisterten Hochrufen auf Se. Majestät den Kaiser beantwortet wird. Ueber Antrag des Herrn Inspektor K a n i tz (Wien) beschließt die Versammlung, ein Huldigungstelegramm an das Allerhöchste Hoflager zu senden. Der Vorsitzende begrüßt hierauf die erschienenen Ehrengäste. In Vertretung des Cultusvorstandes waren erschienen die Herren Vicepräsident Dr. Gustav K o h n und Universitäts-Docent Dr. Josef Grünfeld. Das Wiener Rabbinat war durch Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Moriz G ü d e m a n n, die israelitischtheologische Lehranstalt in Wien durch ihre Professoren, die Herren Dr. Büchler und Lector M. F r i e d m a n u, vertreten. Im Namen des Vereines „Esra" waren erschienen die Herren Religionslehrer Nathan Vogel, Marcus Stengel und Max Deuts ch. Mit herzlicher Freude begrüßte die Versammlung das Erscheinen des Herrn Schriftstellers Rabb. Dr I. S. Bloch, der der Versammlung während ihres ganzen Verlaufes mit der regsten Theilnahme folgte. Ferner waren erschienen die Herren Rabbiner L ö w y, S o r und Dr. A b e l e s. Von auswärtigen Theilnehmern sind zu nennen die Herren Dr Max G r ü n f e l d, k. k. Professor (Brünn), Rabbiner Dr. Adolf B i a ch (Brüx), Dr. M. Scharr, k. k. Professor (Lemberg), Rabbiner Tr. D. N e u m a r k (Rakonitz), Rabbiner Dr. Ludwig Lazarus (Göding), Rabbiner Dr. Steif (Rausnitz), Rabbiner Dr. F r i e d m a n n (Ung.-Ostrau). Der Vorsitzende widmet dem dahingeschiedenen Collegen Rabbiner und Religionslehrer Ignaz Holzer (Znaim) einen ehrenden Nachruf, zu dessen Gedenken sich die Versammlung von den Sitzen erhebt. Ferner beschließt die Versammlung auf Antrag des Vorsitzenden, dem hochverdienten Nestor des israelitischen Religionsunterrichtes an Mittelschulen, dem als Gelehrten, hebräischen Dichter und als Kanzelredner gefeierten Rabbiner Dr I I. U n g e r (Jglau) anläßlich des vor Kurzem vollendeten 40. Dienstjahres eine Kundgebung verehrungsvoller Sympathie zu übermitteln. (Lebhafter Beifall.) Als Mitglieder sind dem Verbände neuerdings betgetreten die Herren: Rabbiner Dr. Neumark (Rakonitz), Rabbiner Dr. S. Mandl (Neutitschein). Rabbiner Dr. Aladär Deutsch (Prag), Rabbiner Moritz Kraus (Prag), Rabbiner Dr. B i a ch (Brüx), Dr. M. Schorr, k. k. Professor (Lemberg), Rabbiner Dr. N. G r ü n (Prag), Rabbiner S. Knöpflmackier (Prag), Rabbiner Dr. Tänzer (Hohenems), Rabbiner Adolf P o l l a k (Pilgram), Rabbiner Dr. L. Lazarus (Göding), Rabbiner Dr. E. P r o ß u i tz (Mährisch- Schönberg), Rabbiner S. A b e l e s (Kuttenberg), Rabbiner Simon Hoch (Öaslau), Rabbiner Dr. Z a h a n (Znaim), Rabbiner Dr. I. I. U n g e r (Jglau), Religionslehrer S. Spitzer (Podgorce bei Krakau). Ferner find dem Verbände auch überaus zahlreiche telegraphische und briefliche Begrüßungen und Zustimmungserklärungeu, sowie auch Vertrauenskundgebungen für den Ausschuß zugegangen, die der Vorsitzende zur Keuntniß bringt. Einer Einladung der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" in Wien zum corporativen Besuche des Jüdischen Museums konnte wegen des verspäteten Eintreffens dieser Einladung keine Folge gegeben werden. Bei dem Uebergange zur Tagesordnung bringt der Vorsitz ende die eingebrachten Anträge zur Verlesung und erklärt, daß es der Versammlung freistehe, zu beschließen, daß die Reihenfolge der Gegenstände der Tagesordnung abgeändert werde. Auf Anirag des Herrn Dr. Bloch beschließt die Versammlung, zunächst in die Berathung über den Antrag des Herrn Prof. Dr. M. Schorr (Lemberg) einzugeheu, welcher lautet: „Der Verband der Religionslehrer an den österreichischen MitteUchulen hält die Reorganisation der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien im Sinne einer auch für den pädagogischen Beruf vorbereitenden Lehranstalt für wünschenswerth." Ueber diesen Antrag entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Ter A n t r a g st e l l e r begründet seinen Antrag und führt im Einzelnen seine Anschauung dahin aus, in welchen Beziehungen der Lehrplan der theologischen Lehranstalt geändert werden solle. Es sprechen sich dann die Herren Dr. N e u m a r k (Rakonitz) und Rabbiner Reich (Wien) dahin aus, daß der Religionslehrerverband zu einer Erörterung dieser Sache nicht compctent sei. Der Vorsitzende erklärt, daß dem Verbände keine andere Competenz zustehc, als eine Meinung abzugeben, eine Resolution zu fassen, die der Ausschuß dann dem Curatorium übermitteln kann. Diese dürfe jedoch keinerlei Einzelheiten enthalten, sondern könne nur in einer allgemeinen Fassung angenommen werden. Herr Doceut Dr. G r ü n f e l d, Vorsteher der Cultusgemeinde, spricht sich gegen die weitere Erörterung dieser Frage aus, da dieselbe ohnehin demnächst dem Vorstande der Cultusgemeinde vorUegen werde. Rabbiner Dr. L a z a r u s (Göding) nimmt gegen die vorg^brachten Anträge nachdrücklich Stellung, namentlich gegen die Errichtung eines besonderen Religionslehrercurses. Es gebe keine Anstalt, die beide Aufgaben zugleich erfülle, Rabbiner und Religionslehrer heranzubilden Herr Dr. Bloch tritt für die Competenz des Verbandes ein; er verweist auf die Ueberproduction an Rabbinern und auf die Nothwendigkeit, für einen Nachwuchs an Religionslehrern Sorge zu tragen. Jedenfalls sei die Anstalt in dieser Hinsicht reformbedürftig. Der Vicepräsident der Cultusgemeinde. Herr Dr. Gustav K o h n, ergreift hierauf das Wort. Er vrweist auf die Thalsache, daß an der Anstalt schon ein Religionslehrercurs bestanden habe, aber aus Mangel an Frequenz eingegangen sei. Es habe sich jedoch um Religionsleürer für Volks¬ und Bürgerschulen gehandelt. Die gegenwärtigen Lehrkräfte seien zwar sehr tüchtig, es handle sich aber um einen geeigneten Nachwuchs für die Zukunft. Das Wissen der betreffenden Lehrer sei jedoch nicht entscheidend, vielmehr die praktische Lehrgabe. Es handle sich um die Fähigkeit, Liebe und Begeisterung in den Herzen der Jugend zu erwecken. Die Classification in der Schule muß in diesem Sinne gehandhabt werden, da bte Religionslehre nicht gleich den übrigen Lehrgegenstünden gehandhabt werden dürfe. Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n u (Wien) pflichtet seinem Vorredner vollkommen bei. Pectns est, quod disertem facit. Es kommt auf die Kraft der Ueberzeugung an, mit welcher der Lehrer auf seine Schüler einwirkt. Allerdings ser auch die Ursache des geringen Erfolges des Lehrerseminars darin zu erblicken, daß die junge Rabbinergeneration das Hauptgewicht auf die Function des Predigers legt, während sie den Jugendunterricht, der heute allein die Zukunft für sich habe, in zweite Linien stellt. Er selbst bekenne sich mit Stolz dazu, früher auch Religionslehrer gewesen zu sein. Nachdem noch mehrere andere Theilnehmer der Versammlung, insbesondere Dr. Neumark (Rakonitz) zur vorliegenden Frage Stellung genommen, erklärte der Vorsitzende, daß es sich nicht um die Schaffung eines besonderen Curses für Religionslehrer handle.. Die Ansprüche, welche die Wiener Cultusgemeinde an ihre Religiouslehrer stelle, seien zu niedrig, es sollen vielmehr alle Rabbinatscandidaten der theologischen Lehranstalt eine genügende pädagogische Ausbildung erhalten und eventuell unter Anleitung erfahrener Schulmänner in das Lehramt eingeführt werden. Unter Ablehnung aller Gegenanträge wird hierauf mit allen Stimmen der Antrag des Obmannes mit einem Zusatzantrage des Herrn Vor st an des der Cultusgemeinde Doctor G r ii nfeld angenommen, dahinlautend: „Ter Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen möge nach Fühlungnahme mit dem Vorstande des „Allgemeinen israelitischen Bundes" mit diesem gemeinsam dem Curatorium der jüdisch-theologischen Lehranstalt die Ansicht aussprechen, es sei wünschenswerth, daß die Kandidaten der theologischen Lehranstalt eine erweiterte pädagogische Ausbildung erhalten mögen." Hierauf wird die Sitzung geschloffen. Die zweite Sitzung wurde um 5 Uhr Nachmittags eröffnet. Der Obmann verliest die eingelaufenen Zuschriften des Herrn Rabbiner Dr. Jo i. Wolf, Jnspectors des Religionsunterrichtes in Wien, des Herrn Cultusvorstehers Director Simon u. A., welche ihre Abwesenheit entschuldigen und die Versammlung begrüßen. Hierauf erstattete der Obmann den Bericht über die Thätigkeit des Ausschusses in der abgelaufenen Periode. Er verweist insbesondere auf die seit dem vorigen Verbandstage erfolgte Ernennung von sechs definitiven Religionslehrern an Mittelschulen, die gerade in den gegenwärtigen Zeitverhältnissen einen außerordentlichen Erfolg bedeutet. Er berichtet ferner, daß der Verein „Oesterreichische Mitteischule" zu den Fragen, welche die Rechtsstellung der israelitischen ReUgionslehrer betreffen, dadurch im freundlichen Sinne Stellung genommen habe, daß in den „Mittheilungen" verselbcn ein vortrefflicher Artikel über diese Frage aus der Feder des Herrn Professor Theodor Hoppe Aufnahme gefunden habe, der auf die Entschließungen des hohen Ministeriums gewiß nicht ohne Einfluß war. Tie Hauptthätigkeir des Ausschusses