Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 52 Dx. Blvch'S Proviantirer von Mafeking, sowie Colonel Mac Kinnon, der Chef der Cityfreiwilligen beiwohnte. In seiner Ansprache hob der Vorsitz mdeMr. George Faudel-Philipps hervor, daß die Juden von jeher dem Kriegshandwerk sehr zugeneigt waren. Einer der bedeutendsten Generäle des 19. Jahrhunderts, General Mafsena, einer der siegesgewohnten Marschälle Napoleons I., war ein Jude, der vermuthlich seinen Namen Manaffe in Massena umgewandelt hat (Heiterkeit.) Bon den Mitgliedern des Makkabäerclubs haben sich nicht weniger als 22 am südafrikanischen Kriege betheiligt, von denen 15 noch jetzt im Felde stehen. Colonel Mac Kinnon hob rührend die Antheilnahme der Juden an dem Kriege hervor. Von den Juden, welche mit den Waffen in der Hand für England fechten, kenne er eine Anzahl tapferer, aus deren Freundschaft ec stolz sei. Aber auch diejenigen Juden, welche aus dem einen oder anderen Grunde verhindert waren, ihrem Vaterlande mit ihrem Blute zu dienen, haben diesem wenigstens ihr Gut geopfert, indem sie in freigiebigster Weise für die Ausrüstung von Freiwilligen spendeten. Redner schloß mit den Worten: Ich war von jeher ein besonderer Freund der Juden gewesen, da ich mit ihnen vielfach verschwägert bin, die von ihnen während des Krieges bewiesene Tapferkeit und Generosität sind jedoch geeignet, meine Bewunderung für den jüdischen Stamm noch zu erhöhen. Warschau. Vor Kurzem, in den letzten Tagen des verflossenen Monats, hatte das Radomsker Kreisgericht während seiner Sitzung in Kozienice das Urtheil über einen Fall zu sprechen, der in zahlreichen Kreisen des Landes Anlaß zu den verschiedensten Auseinandersetzungen und Erörterungen gab und in Manchem einen recht beklemmenden Eindruck hinterließ. Chaim Noech Bertmanowicz, gebürtig aus Zwoleü, war sechzehn Jahre alt, am 20. Juli 1897 in einer katholischen Kirche bei Warschau getauft worden und hatte bei der Taufe die Namen Stanislaw Alphons erhalten. Nach Verlauf einer gewissen Zeit jedoch kehrte er zurück in seinen Heimatsort, lebte streng nach den Gesetzen der jüdischen Religion und heiratete sogar eine Jüdin, ohne sich voll den Ermahnungen der Geistlichkeit einschüchtern zu lassen. Das Consistorium theilte dies dem Staatsanwalt mit und Bertmanowicz wurde des Austritts aus der christlichen Kirche angeklagt. Nach der Ursache seiner Handlungsweise befragt, antwortete er: „Ich war jung und dumm und hatte keinen Begriff von der Tragweite meiner Handlungen; aus diesem Grunde ging ich darauf ein, daß man mich in eine katholische Kirche führe und taufe. Heute jedoch, da ich mir bewußt bin, was ein Religionswechsel bedeutet, erkläre ich, daß ich als Jude geboren wurde und als Jude sterben will". Wlr möchten die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Zeit nicht fern, wo auch bei uns eine solche Erklärung für die Wahl des Glaubens maßgebend sein wird; vorläufig jedoch stecken wir (am Schluß des 19. Jahrhunderts) viel zu tief im Fanatismus der mittelalterlichen Anschauungen, um die Gleichberechtigung der Confessionen im Allgemeinen und die Berechtigung der individuellen Selbstbestimmung im Besonderen anzuerkennei'., und daher darf kein Christ hier zu Lande zu einem nicht christlichen Glauben übergehen. In Folge dessen beschloß das Gericht, Bertmanowicz, — der trotz seiner mit Entschiedenheit abgegebenen Erklärung nie aufhören wird, als Christ zu gelten — der römisch-katholischen Geistlichkeit zu übergeben, damit selbige ihn im Glauben befestige. Bis dahin jedoch, d. h. bis er reuig in den Schovß der alleinseligmachenden Kirche zurückkehrt, wurde er der Rechte seines Standes und der freien Benützung seines Vermögens verlustig erklärt. Wem sowohl aus der Vergangenheit wie Gegenwart die väterliche Nachsicht und Langmuth bekannt ist — und welchem Juden wäre sie nicht bekannt? — mit der die katholische Kirche ihre verirrten Lämmer auf den rechten Weg zurückzuführen sucht, der kann bei Vorstellung des Schicksals, das dem armen Bertmanowicz bevorsteht und dem er rettungslos verfallen ist, sich eines Seufzers und vielleicht sogar einer Thräne nicht erwehren! X . . . Vermischtes. Wien. (Jsraeliti s ch e C ultus g em ei nd e). Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien Sonntag, 30. December 1900, 12 Uhr Mittags im Sitzungssaale, I.. Seitenstettengaffe 4, II. Stock. Tagesordnung: 1. Berificirung der Protokolle über die Budgeberathung. 2. Ernennung von Verificatoren für das Protokoll der Sitzung vom 30. December a. c. 3. Bericht der ersten Section: a) Tempel- WvchenfchrM Sette 935 verein im X. Bezirk, (Referent Herr Bice-Präsident Dr. Kohn). d) Caution für den Bethausvereiu „Odassictim", (Referent Herr Dr. Berger), e) Aufgebote bei Trauungen, (Referent Herr Dr. Steiner). 4. Bericht der II. Section: Ansuchen der Talmud- Thora-Bereinsschule. 5. Bericht der III. Section: Bericht über den Beginn der Thätigkeit des Verbandes zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen, (Referent Herr Baurath von Goldschmidt). 6. Bericht der V. Section: Verein „freie Bereinigung", (Referent Herr Dr. Spitzer). 7. Schlußwort des Borfitzenden. Wien. Samstag den 29. December 1900, Abends 7 Uhr, findet im Ceremoniensaale des Tempels IX., Müllnergasse 21 die ordentliche Generalversammlung für das 34. Bereinsjahr des israelitischen Bethausvereines „Odervra Beth-Hatfilah“ im IX. Bezirke statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl von drei Mitgliedern in den Vorstand. 3. Neuwahl des Ausschusses. 4. Wahl eines Ehrenmitgliedes. 5. Anträge und Interpellationen. Wien. Freitag den 28. December d. I. um 4l/i Uhr Nachmittags wird im Tempel. X., Humboldtgaffe 7, anläßlich des 25jährigen Bestandes des israelitischen Tempelvereines ein feierlicher Gottesdienst abgehalten; weiters findet die fünfundzwanzigste ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für den X. Bezirk Wiens Sonntag den 30. December a. c. um 6 Uhr Abends im Restaurant Oczeret, X., Kkp'ergasse 7, statt. Anschließend hieran gemeinsames Festessen der Bereinsmitglieder. Wien. (B e r m ä h l u n g.) Sonntag den 6. Jänner 1901, um '/22 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, II., Tempelgasse, die Trauung des Fräulein Martha E l t b o g e n, Tochter des Herrn Gemeinderathes Moriz Eltbogen, mit Herrn Med. Dr. Isidor Braun statt. Wien. Am 23. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Marie Fuchs, Tochter des Herrn Josef Fuchs, mit Herrn Dr. Markus Holitscher, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, statt. Ein distinguirtes Publicum erschien im schönen Gotteshause, dem Brautpaare seine Glückwünsche darzubieten. Man bemerkte unter demselben den Herrn Präsidenten der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union Ruöiöka, den Herrn Cultusvorsteher R eitli n ger, Herrn Bankdirector Kornfeld aus Budapest, Herrn Dr. M. Ignatz Kornfeld Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, u. A. Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus hielt eine erhebende Rede, in welcher er btc Ahnen der Braut, den berühmten Talmudgelehrten Rabbi Ahron Kornfeld, glorificirte und dem Brautpaare als leuchtendes Ideal schilderte. Wien. (Borst and sw a hl in der türkischen Gemeinde.) Am 25. d. M. fand in der hiesigen türkischen Gemeinde die Vorstandswahl statt. Bei derselben wurden der bisherige Präsident Herr Marcus R u s s o einstimmig, der bisherige Vorsteher Herr Abraham M. E l i a s mit großer Majorität wiedergewählt und Herr Samuel S. Albachary neugewählt. Herr Marcus Ruffo, der eine Wiederwahl ablehnte, wurde von Sr. Excellenz dem türkischen Botschafter dahin bestimmt. die Wahl anzunehmen. Herr Marcus R u s s o gab die protokollarische Erklärung ab, diesen hohen Wunsch zu respectiren und bis 1. December 1901 die Gemeinde zu leiten und dann erst sich definitiv zu entscheiden. In jedem Falle gebührt Sr. Ex.ellenz dem Botschafter das Verdienst, Herrn Marcus Russo an der Spitze der Gemeinde erhalten zu haben und können wir nur der Gemeinde hiezu gratuliren. Wien. (C h a n u k a - F e i e r.) Wie alljährlich fand auch. Heuer am verflossenen Samstag im Königsberg'schen Mädcheninstitut eine Chanukafeier statt, die diesmal einen besonders glänzenden Verlauf nahm. Außer den Damen des Curatoriums waren auch zahlreiche Gäste erschienen, u. A. Frau Heinrich K l i n g e r, Freifrau v. Bauer, Frau Wertheimer, Frau Dr. G ü d e m a n n, Frau Dr. T h a l e r ilud Dr. Igel, ferner die Herren Dr. Gustav Kohn, Docent Dr. G r ü n f e l d, Dr. Adler und Director F r i e d l. Nachdem der Gesangsmeister des Instituts, Herr Obercantor Philipp Kläger, die Chanukalichter angezündet und die rituellen Gesänge recitirt hatte, begannen dre Productionen der Schülerinnen unter seiner Leitung. Bor Allem gelangte ein stimmungsvoller Chor „Chanukalied", sodann „Schöpfung" von H a y d n und der „Spinnerchor" aus Richard Wagner's „Fliegender Holländer" mit musikalischem Feingefühl, tadellos ausgeführt, zum Bortrag. Auch der Darbietungen des Fräulein Therese W o l l n e r, die ein Liedchen von Schubert mit reizendem Geschmack sang, darf