Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Lloch's Wochenschrifb» Seite 933 «r. S2 Die anwesenden Vertreter der Regierung gaben zu wiederholten Malen ihrer Anerkennung über das schöne Heim der Waisen Ausdruck. * Aus Anlaß derheptigen Einweihungsfeier haben die gewesenen Zöglinge des Pester Israelitischen Knabenwaisenhauses, mit den Herren Sigmund S. Döry und Geza K a b o s an der Spitze, ein . schön ausgestattetes, mit vielen Illustrationen geschmücktes Album herausgegeben, dessen erstes Blatt das Porträt des Herrn Jakyb D eutsch mit dem Facsimile seiner sinnigen Widmung trägt. Den Inhalt des Heftes bilden Aufsätze in Prosa und Vers vom Prediger Dr. Julius Weißburg, Dr. Alexander Feleki, Salomon R o t t e r, Güza K a b o s, Emil Abränyi, Dr. Hugo G u t t m a n n, Joseph Vößi, Zoltän T h u r y, Sigmund S. D ö r y, Theodor S v ä 6, Karl Eötvös, Alfred W e l l i s ch, Dr. Ernst Deutsch, Joseph Szentmiklössy, Martin Hacker, Oskar GYärfLs u. A. Das schöne Album wird für Jeden, dem es gegönnt war, der gestrigen Feier beizuwohnen, ein werthvolles Erinnerungsobject bilden. Das schöne neue Waisenhaus in der Stadtwäldchenallee prangte in herrlichem Flaggenschmuck. Die Eingangspforte war mit nationalfarbigen Emblemen. Guirlanden rc. reichlich geschmückt. Im Innern bildeten auf den Gängen und Stiegen die uniformirten Waisenknaben Spalier. Lange vor anberaumter Stunde begann die Auffahrt der Festgäste in einer großen Wagenreihe. Alle, deren Namen guten Klang hat, kamen herbei, um Augenzeuge einer erhebenden Feierlichkeit zu sein. Die große, noch ungeweihte Synagoge im ersten Stockwerk, welche als Festsaal diente, vermöchte das nach Hunderten zählende Publicum kaum zu fassen. Es wäre unmöglich, eine auf Vollkommenheit Anspruch erhebende Liste der Anwesenden festzustellen. Unserem Berichterstatter gelang es, in der langen Reihe der Festgäste folgende Namen festzuhalten Ministerpräsident Koloman v S z e 11, Unterrichtsminister Julius Wlassics, die Staatssecretare Ignaz S z e l l, Michael Z fit inßky, Geheimrath Berzeviczy, Oberbürgermeister Joseph M L r k u s, Bürgermeister H a l m o s, Vicegespan Veniczky, die Magnatenhausmitglieder Sigmund B r ä d y und Carl S v ä b, dann die Reichstagsabgeordneten Hofrath Dr. Armin N e u m a n n, Joieph Vößi, Dr. Moriz Mezei, Lazar Samuel. Dr. Max Falk, Berthold Weiß, Franz C h o r i n, Theodor W o l f n e r, Dr. Julius Rosenbe r g, die Professoren Jonas Baron, Berthold Stiller, B ü k a i, Adolf S z i l y, Oberphysikus Dr. S ch e r m a n u. die Stadtrepräsentanten Paul T e n c e r, Dr. M o r z s ä n y i, Gustav G. Ehrlich, Ludwig v. Krauß, Alexander Hatvany- Deutsch, Börsenpräsident Sigmund Kornfeld. Consul Birnbaum, Joseph Körösy u. v. A. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde war vollzählig erschienen. Wir sahen Präsident Sigmund Kohner, Samuel Deutsch, Martin Schweiger, Ludwig Adler, Ludwig Baumgarten, Max Grünbaum, ferner die Herren Jakob Deutsch, Samuel Deutsch, August Kühner, Moriz Löwy, Arthur Vasarhelyi-Wodianer, Berthold Goldberger de Buda, Jakob Boschan. Dr. Ignaz Goldzieher, Joseph Galitzenstein, Dr. Ignaz Brüll, Dr. Ernst Deutsch, Dr. Bola Lederer, Dr. Isidor Krauß de Megyer, Dr. Jakob Schreyer, Ignaz Schlesinger, Julius Adler, Dr« Julius Basch, Dr. Bela Dalnoki, der Erbauer des Waisenhauses Architekt Alfred Wellisch, Direktor Bela C s a j ä g i, Anstaltsvorstand Johann H e r tz k a u. v. A. Als der Ministerpräsident Koloman £ zell, vom Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Sigmund K o h n e r und Reichstags- Abgeordneten Moriz Mezei geleitet, den Festsaal betrat, ertönten vom Chor herab die Klänge der vom Regenschori Ferdinand Singer in Musik gesetzten und von Alexander F e l e k i verfaßten Festscene „Ued7özlet“, welche von Mitgliedern der k. Oper weihevoll zu Gehör gebracht wurde. Nach dieser Einleitung der Feier, die den Anwesenden einen wahren Ohrenschmaus bereitete, betrat der Primarius der Anstalt Dr. Ernst Deutsch die Estrade, um im Namen seines Vaters, des Initiators des Gebäudes und Präsidenten des Waisenhausvereines Jakob Deutsch, den Neubau in Begleitung einiger Worte seiner Bestimmung zu übergeben. Als mein geliebter Vater - sagte Redner u. A. — vor Jahren sehr schwer erkrankt war, that er das Gelübde, im Falle er genesen sollte, ein gottgefälliges Werk zu errichten. Er überstand mit Gottes Hilfe seine Krankheit und nach rastloser Thätigkeit ist es ihm nun auch gelungen, ein Werk zu vollführen, das nun vollendet seiner Bestimmung zugeführt werden kann Wohl hatte er seine ganze Kraft in den Dienst dieser Humanitären Aufgabe gestellt, doch ist die glückliche Durchführuug des schönen Planes nicht allein sein Verdienst. Die edlen Spender und Mitbegründer dieses neuen Heims, das dem Schutze armer, schwergeprüfter Kinder dienen soll, all Jene, die bereitwillig und.opferfreudig mit hochherzigen Gaben zum Baufonds beitrugen, haben am Verdienst den größeren Antheil, denn nur ihrem Großmuthe und ihrer Opferwilligkeit ist das Entstehen dieses Waisenhauses zu verdanken. Mögen deshalb die Worte der Anerkennung in erster Reihe den Spendern gelten. (Lebhafte Eljenrufe.) Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Sigmund Kohner begrüßte in einer dein Anlasse angepnßten, von lebhaften Beifallskundgebungen oft unterbrochenen Ansprache die erschienenen Festgäfte, die Vertreter der Municipren, in erster Reihe aber die Vertreter der Regierung. (Eljenrufe) Redner gedachte sodann in Worten der größten Anerkennung der Verdienste Jakob Deutsch', dessen Name dauernder denn in Erz, in die Herzen aller seiner edelsinnigen Mitbürger eingedrungen sei. (Beifall.) Ihm gebührt der Löwenantheil des Verdienstes, nebst ihm seien es aber die Mitglieder der Waisenhaus-Commission und allen voran die zahlreichen Spender, denen besonderer Dank zutheil werden muß. (Lebhafte Eljenrufe.) Budapest, 16. December. Ein interessanter Proceß spielte sich hier ab. Der katholische Geistliche Andreas Csüri gab einen judenfreundlichen Aufsatz dem Redacteur der „Ung. Wochenschrift" zum Abdrucke. Da aber in diesem Artikel mehrere stylistische Veränderungen vorgenommen werden mußten, sah sich Redacteur Gabel veranlaßt, Herrn Csüri auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Herr Csüri aber bat, diese Umänderungen selbst vorzunehmen. Dies geschah auch und Herr Csüri unterschrieb, nachdem er den Artikel neuerlich gelesen und sogar für die Mühewaltung des Correctors dankte, neuerlich feinen Namen mit der Bemerkung: „Die stylistischen Umänderungen geschahen mit meiner Einwilligung." Er unterschrieb sogar auch den Bürstenabzug dieses Artikels. Das clrricale und judenfeindliche „Alkotmäny“ griff nach Erscheinen des Artikels den menschenfreundlichen und gutmüthigen Csüri in heftiger Weise an, mit der Begründung, daß ein katholischer Geistlicher „die Juden noch zu beloben wagt." Die Folge dieser Angriffe war, daß man Csüri bäesi seines Postens, den er als hauptstädtischer Katechet einnahm enthob. (!!) Am 7. November v. I. ging die Geistlichkeit der Komorner Dikcese gar so weit, daß sie in einer Sitzung beschloß, die Excommunicirung (!!) des braven Esüri zu verlangen. Dies geschah auch und die Folge dieser peinigenden Lage war, das Cs. — wunderbarer Weise im „Alkotmäny" nach 4 Monaten erklärte, daß er besagten Artikel für die „Ung. Wochenschrift" nicht geschrieben hätte. (!!!) In der ersten Zeit reflectirte die „U. W." nicht auf diese Erklärung, denn aus jedem Worte des erzwungenen Artikels konnte man ersehen, daß dieser der Ausfluß einer martervollen Zwangslage war. »Alkotmany" machte aber zu der Esüri'schen Erklärung eine Randbemerkung, wo er in seiner gewohnten Art das ganze Judenthum beschimpfte. Das jüdischconfesfionelle „Egyenlöseg“ mengte sich in die Sache und beleidigte den sanftmüthigen (??) Redacteur des „Alkotmäny“. In dieser Angelegenheit strengte der Redacteur des „Alkotmäny* gegen Max Szabolcsi einen Preßproceß an, welcher am 21. v. M. seinen Abschluß fand und damit endigte, daß der Staatsanwalt gegen Sz. die Anklage wegen Verleumdung fallen ließ, da sich thatsächlich herausstellte, das Esüri den Artikel geschrieben, und Sz. nur wegen Ehrenbeleidigung bestraft wurde. Könitz, 13. December. Der Director des hiesigen Gymnasiums, Prof. Dr. Tomaszewski. hat einen „Urlaub" angetreten und wird auf seinen Posten nicht mehr zurückkehren. Das Ereigniß selbst wird noch bemerkenswerther durch die Art, wie es sich vollzogen hat. Die „Danziger Ztg." weiß darüber Folgendes zu berichten: „Das hiesige königliche Gymnasium wurde am 22. und 23. November einer eingehenden Revision unterzogen. Herr Schulrath Kollmann wohnte dem Unterrichte in den einzelnen Claffen in verschiedenen Fächern mehrmals bei. Nach einer demnächst abgehaltenen Conferenz nahm der Director Veranlassung, bei dem Provincial-Schulcollegium einen vorläufigen Urlaub bis zum Schluffe des laufenden Schuljahres nachzusuchen. Der Director berief sodann am Sonnabend die Gymnasiallehrer zu einer Conferenz, die sich zu einer Abschiedsconferenz gestaltete. Eine halbe Stunde später wurden sämmtliche Schüler nach der Aula gerufen, wo auch das Lehrercollegium versammelt war. Mit bewegten Worten theilte Dr. Tomaszewski den Schülern mit, daß er sie hierher gerufen habe, um von ihnen Abschied zu nehmen. Nach Lage der Dinge hätte er sich gezwungen gesehen, um einen vorläufigen Urlaub zu bitten, der ihm auch bis zum Schluffe des Schuljahres bewilligt sei. Nach Ablauf dieses Urlaubes gedenke er aber die Leitung der Anstalt nicht wieder zu übernehm eit". Man dürfte kaum fehl gehen, wenn man den Grund dieser „Beurlaubung" in der Rolle vermuthet, welche die Oberlehrer Ti eh le und Hofrichter in dem famosen Nebentribunal spielen konnten, ohne von ihrem Vorgesetzten behindert zu werden. — Seit einigen Tagen finden hier wieder ausgedehnte Zeugenvernehmungen statt, welche aber, wie verlautet, weniger die