Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 52 Dx. Bloch's päpstliche Staatssecretär Rampolla schrieb eine Studie über die Verehrung dieser Heiligen. Durch diese Studie haben die Daten der Bollandisten des XVlll. Jahrhunderts über die Heiligen des 1. August in ihrem Werke Acta Sauctorum eine werthvolle Ergänzung erfahren. Die Aufnahme jüdischer Märtyrer in die Reihe der Heiligen vollzog sich nicht ohne Widerspruch. Gregor von Nanzianz, ein Zeitgenosse des Johann Chrysostomus, sagte im IV. Jahrhundert von den Maccabäern, daß sie, obwohl von Bielen nicht geachtet, weil sie vor Christus gelitten haben, trotzdem würdig seien, von Jedermann geachtet zu werden, weil sie bei Einhaltung uralter Gebräuche große moralische Kraft bekundeten. Und der heilige Hieronymus wundert sich, daß die Gräber der Maccabäer in Antiochia gezeigt werden, er hatte also keine Kenntniß von dem Cultus der maccabäischen Märtyrer, obwohl zu seiner Zeit dieser Cultus auch schon im Westen des römischen Reiches Wurzel gefaßt hatte. So sagte der heilige Augustin, der in Afrika lebte, in einer Predigt, am Tage der Maccabäer: „Diesen Tag hat uns der Ruhm der Maccabäer zum Feiertage gemacht" und wie zur Rechtfertigung der Feier jüdischer Märtyrer fährt er fort: „Die Maccabäer sind Märtyrer für Christus. Und nicht unrichtig wird ihr Tag und ihre Feier hauptsächlich von Christen begangen." Ferner äußert sich der Patriarch von Alexandrien Theophil im Jahre 404 in einem Briefe: „In den christlichen Kirchen der ganzen Erde werden die Maccabäer gepriesen." Der griechische Mythus kennt eine rührende Gestalt, die der Mutter der Märtyrer sehr ähnlich scheint. Es ist dies Niobe, die unglückliche Tochter Tantalus', deren Kinder, sieben Söhne und sieben Töchter, vor ihren Augen sterben, getroffen von den Pfeilen Apollo's und der Artemis. Und nachdem sie diesen ungeheueren Schmerz erlitten, wird Niobe zu Stein. Doch welcher Unterschied zwischen Niobe und der Mutter der Maccabäer! Niobe fällt wegen ihres mütterlichen Hochmuthes dem Zorne unbarmherziger Götter zum Opfer, während die Mutter der Märtyrer, voll Vertrauen in den barmherzigen Gott, mit .der Demuth eines gläubigen Gemüthes, ihr mütterliches Empfinden aufopfert und ihre Kinder selbst zu dem qualvollen Märtyrertod aneifert! Die zu Stein erstarrte Niobe ist das Sinnbild der der Vernichtung preisgegebenen heidnischen Welt; die Märtyrermutter, die in ihrem Schmerze Gott preist, ist das Symbol des Glaubens und des Schicksals des israelitischen Volkes. Die Epoche der Maccabäer entrollt uns zwei Bilder : die heldenhaften Brüder, die ihr Vater zu entschlossenem Kampfe aneifert, und die Brüder, welche als Märtyrer sterben, von ihrer Mutter im Dulden und Leiden bestärkt. Diese Bilder bilden die Größe und den Ruhm jener Epoche. Märtyrer und Helden haben den israelitischen Glauben erhalten. Bnrenfeier und Eautionsschwindel. Während Herr Krüger in Cöln über den Wankelmuth der Großen dieser Erde bittere Betrachtzmgen anstellte, zeigte sich wieder das „goldene" Wiener Herz in seiner vollen Größe. Das ist ein Gold, welches die Engländer vergeblich zu rauben trachten dürften und das so ziemlich sicher ist vor Jameson und Consorten. Wien sollte den alten Herrn, der, gleich jener Heldin aus der Operette so viel in der jüngsten Zeit mitgemacht, für die erlittene Unbill trösten. So beschloß Herr Kapuscha, zwar ein gebürtiger Bulgare, aber bereits Mitbesitzer des goldenen Wiener Herzens, eine mit vielen tausenden Unterschriften bedeckte Adresse sollte Herrn Krüger davon überzeugen, daß auch bei uns die Bevölkerung bereit ist, für die Sache Transvaals Ströme von Tinte zu vergießen. Herr Kapuscha ergriff die Initiative zu dieser den Engländern so gefährlichen und den Buren so hilfreichen That; der Erfolg krönte seine Bemühungen, die Adresse kam zustande. Aber damit war dem Enthusiasmus des Herrn Kapuscha noch nicht Genüge gethan; er ging noch einen Schritt weiter und veranstaltete neulich im Sophien-Saale eine Buren-Huldigungsfeier. Er selbst erschien in einer phantastischen Kleidung, welche, wie er behauptete, derjenigen gleicht, die die tapferen Genossen Krüger's und Dewet's tragen. Der Abend verliefrecht stimmungsvoll. Stadtrath und Antisemit Dr. Mayreder zerschmetterte pflichtschuldigst . England, die Burenhymne wurde bis zur Bewußtlosigkeit wiederholt und nur einigermaßen erlitt die Stimmung Abbruch, als Herr Kapuscha mittheilte, daß zwar die Adresse mit Unterschriften, aber nicht mit dem gehörigen Gelde gedeckt sei. Jedoch dieser Zwischenfall war bald vergessen. und aus mindestens vierzig Kehlen klang das stolze Lied: „Auch uns aus Vindobonas Gauen — Gemahnt der Freiheit heil'ge Pflicht — Wir rufen aus voll Gottvertrauen — Transvaalia verzage nicht." Herr Kapuscha ging hierauf schlafen, mit dem stolzen Bewußtsein, daß er,, sowie Herr Dr. Mayreder, nunmehr der Sache der Freiheit einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Er träumte wohl in dieser Nacht von Schlachten, von Niederlagen der stolzen Engländer, von Siegen der tapferen Buren und sah sich vielleicht als sieggekrönten Helden, dem das deutsche Volk ein herrliches, aus den Producten der Goldminen stammendes Ehrengeschenk überreichte. Aber den schönen Träumen sollte ein schreckliches Erwachen folgen. Herr Kapuscha befaßte sich so sehr WochrnfrhrM Seite 929 mit der Lage um die Freiheit Transvaals, daß er an die eigene vergaß. Er wurde tagsdarauf — ein offenbarer Neutralitätsbruch — durch die österreichischen Behörden verhindert, seine Thätigkeit als Burenretter fortzusetzen, und England durch Intervention der Wiener Polizei von diesem gefährlichen Gegner befreit. Als Vorwand für diesen neuesten, crassen Bruch der Neutralität wurde die angebliche Thatsache von den österreichischen Behörden angeführt, daß Herr Kapuscha sich nicht nur mit Plänen zur Befreiung Transvaals, nicht nur mit Arrangements von Burenhuldigungen, sondern auch in seinen freien Stunden mit Cautionsschwindeleien befasse. Herr Kapuscha soll es verstanden haben, sich aus den Ersparnissen Anderer ganz rentable Minen anzulegen, deren Erträgniß ihm den Kampf um'S Leben erheblich erleichterte. Die betreffenden Personen, die Herr Kapuscha hauptsächlich mit der ebenso anregenden, wie tiefsinnigen Arbeit, Adressen aus dem „Lehmann" abzuschreiben, beschäftigte, waren aber unbescheiden genug, von dem wackeren Freiheitskämpfer die Cautionen, welche sie bei ihm erlegt, zurückzufordern — offenbar durch Chamberlain und dessen Geschöpfe bestochen. Und so geschah es, daß Herr Kapuscha das Schicksal Cronje's theilen muß; auch er ward ein Gefangener, auch er mußte die Freiheit einbüßen, auch er ist im Kampf gegen England unterlegen. Auch ihn mahnt jetzt aus Vindobonas Gauen — Gemahnt der Freiheit heil'ge Pflicht: aber leider, leider hat Herr Kapuscha mit dem Kampf um die eigene Freiheit auch kein Glück. Präsident Krüger aber wird hoffentlich, nachdem er die Absage des deutschen Kaisers verwunden, auch diesen Schicksalsschlag ertragen und auch Herr Dr. Mayreder wird sich hoffentlich nicht abhalten lassen, demnächst wieder an der Seite irgend eines als Buren verkleideten Bulgaren sein Möglichstes für die Rettung Transvaals zu thun. Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitische» Cultusgemeinde vom 19.Deeember 1900 unter dem Borfitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. An Spenden find eingelaufen: Von Frau Moriz Jakoby für das israelitische Altersversorgungshaus X 533; von Herrn Dr. Alexander Marschik behufs Vertheilung an jüdische Arme X 30'—; als Sühne eines wegen Ehrenbeleidigung Geklagten für die durch denselben dem Judenthume zugefügte Unbill mit dem Wunsche des Einsenders, daß der von ihm als Vertreter des Klägers bei Erzielung eines Vergleiches eingeschlagene Vorgang Nachahmung finde. Der Vorschlag des Vorstandes der Ghewra-Kadischa, Herrn Aron Bondy, Gesellschafter der Firma Jakob Neurath, in den Vorstand dieses Vereines zu cooptiren, wird einhellig genehmigt. Anläßlich der Fertigstellung des Siechenhauses wird die III. Section beauftragt, Vorkehrungen, betreffend die innere Einrichtung des Siechenhauses vorläufig für zwei Stockwerke zu treffen. Die für das Jahr 1900 noch zur Verfügung stehenden Zinsen des Dr. S. H. Goldschmidtschen Legates gelangen im Sinne der testamentarischen Bestimmungen zur Verleihung. Oberfinanzrath Dr. Rappaport referirt namens der Rechtssection betreffs Aenderung der Systemisirungsbestimmungen für die Diener der Cultusgemeinde. Die Anträge gelangen nach längerer Debatte, an welcher sich insbesondere die Herren kaiserl. Rath Hirsch, kaiserl. Rath Pollak, Dr. Spitzer und Hoffwann betheiligen, zur Annahme. Schließlich werden Steuerangelegenheiten in Berathung gezogen.' Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien vom 23* Deeember 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung 10 Uhr Vormittags. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Präsidenten kaiserl. Rath Klinger X 200*—, welche derselbe als Präsenzgebühr für die am 20. December 1900 stattgesundene Sitzung des Curatoriums der A. M. Pollak Ritter von Rudin'schen Familienstiftung empfangen hat und dem Armenamt der Cultusgemeinde überwies; von Frau Isidor Schnek 8 Bände Kompert's Werke für die Bibliothek des israelitischen Altersversorgungshauses. Für die Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau sind eingelaufen : Von Frau Emilie Pick K 5 —; von Herrn Joses Flesch X 40'—; weiters für denselben Zweck zu Handelndes Herrn Dr. Alfred Berger: Anonym X 5 —; von Frau Sofie Steingraber X 5'—; von Frau Sarah v. Stern X 20'—; von Herrn Jsidoro Reiß X 10' —; von Herrn I. R. Berger (Sammlung) X 40'—; von Herrn Ludwig Gerstner X 10'—; N. N. & 20'—. Den Spendern wird der Dank votirt.