Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Veite 824 LLork's m. 52 £ia*. jetzt Doctor Bloch's Wortbildungen und „Schlager" geradezu wörtlich wiedergeben l) Als Dr. Bloch, als unser Mahner und Rufer im Streite — im besten Sinne des Wortes — ein zweiter Ullrich Hutten, für uns eintrat, da waren Sie, Herr Doctor Nordau, noch lauge nicht zum Bewußtsein Ihres Judenthums gekommen, und da waren Sie gerade auf dem besten Wege, selbst in der Assimilation aufzugehen. - 8. Selbst der Zionismus ist nicht Ihre Erfindung und Dr. Bloch und Dr. Güdemann haben l ä n g st schon d e nselbeu in Oesterreich eingeführt und ihm d i e W e g e g e e b n e L. Ja gewiß. Der „P r o t e str a b b i u e r" Dr. G ü d e m a n n hat schon vor nahezu 30 Jahren in einer Predigt vom Jahre 1871 der persönlichen Rückkehr nach Palästina das Wort geredet. Es war, als die israelitische Cultusgemeinde im ersten Taumel der freiheitlichen Gesetzgebung des Bürgermiuisteriums alle auf die Rückkehr nach Palästina in unseren Gebetbüchern bezughabenden Stellen streichen wollte — da sprach er die unvergänglichen Worte, wie Sie sie selbst nicht schöner und wahrer finden könnten: „In Summa, meine Freunde, ich erkenne in dieser Bitte um persönliche Rückkehr nach Jerusalem nichts, was meinem gckildeteu Bewußtsein widerstrebt; ich erkenne darin vielmehr eine der schönsten, erhabensten und fruchtbarsten Ideen des Judenthumes, deren Verwirklichung das Gotteswort und selb st die Geschichte in Aussicht st ellt — darum habe ich mich gegen die Streichung dieser Gebetstelleu erklärt." Sie sehen also, Herr Dr. Nordau, daß Sie wirklich ganz überflüssig sind! Schon Ihr Name N o r d-A u, in welchen Sie den Südfeld umgetauft haben, ist unheilkündend, wie der große Prophet ausruft! „Mzuphaun tipussach ituruiiii —^ Don Nor d kommt das Böse." Offenbar p r ä l u d i r e n Sie mit Ihren Aufsätzen über die politische Gleichberechtigung der Juden schon Ihrer Cou g r e ßr e d e, welche Sie beim nächsten Congreß wieder halten wollen. Da dürfen wir Zionisten denn doch Herrn Dr.H er z l darüber fragen und da muß er uns doch klipp und klar darauf die Antwort geben, ob er mit dem Wahnwitze Ihrer uns empfohlenen Volkspolitik sich i d en t i f i c i r t, ob er die Monstruosität Ihrer Ideen zu der seinen macht und ob er Jhnem noch gestatten wird, die nächste Congreßrede wieder zu halten? Wohl bringt die Noth zu seltsamen Schafgesellen, doch Sie müssen dem Dr. Herzl unbequem geworden sein und ' deshalb von ihm abgeschüttelt werden. Er soll Sie mit allen Zeichen seiner Anerkennung für Ihr gewiß redliches ' Wollen entlassen und Ihnen auch fürderhin seine Freundschaft bewahren — aber nur Demission! Wenn Sie nicht anders Ihr Licht leuchten lassen können, dann blasen Sie es aus, die Welt wird nicht im Finstern bleiben. Das Alles lag mir am Herzen, das mußte ich Ihnen sagen — lemaan Zijon lau eclische — das durfte ich nup Zions willen nicht verschweigen. . Ihr ergebener Dr. Marcell Hoffmann . _ Hof- und Gerichtsadvocat in Wien. Anmerkung: Der Artikel wird mitJes. 26,20 eingeleitet: „Auf, mein Volk, geh' in Dein Gemach, schließ die Thüre hinter Dir, birg Dich eine kurze Weile, bis daß der Grimm vorübergezogen". und'schließt mit dem Satze: „Das moralische, besonders das politische Leben hcck gerade so seine Stürme, wo die Segel eingezogen werden muffen, wenn wir das Schiff nicht der Gefahr des Unterganges ausssetzen wollen. Das ist keine Frage des Liberalismus oder Konservatismus, das ist ein Fundamentalgesetz des saluL rei xublieae".! . und betrog Beide." Idealistische Bestrebungen haben im Judenthum immer einen kräftigen Nährboden gefunden, einen kräftigeren vielleicht, als für die Stetigkeit und Gleichmäßigkeit seiner Entwicklung zuträglich sein mochte. Der Zionismus, der ja im Grunde ideale Ziele verfolgt, kann sich nicht beklagen, daß er, statt auf fruchtbares Erdreich, auf harten Fels gestoßen sei. Nicht im Osten allein, wo eine verelendete Masse die Verheißung eines neuen Gottesreiches als Erlösung von allem Uebel begrüßte, auch in Mittel- und Westeuropa gab es viele hochstrebende Männer, die in reiner Begeisterung für die zionistische Idee den ersten Werberufen der Führer Folge leisteten. Sie sind freilich bald genug bitter enttäuscht worden; zwischen den idealen Zielen der neuzionistischen Partei und ihren realen Erfolgen klafft heute bereits ein unüberbrückbarer Abgrund. Die Ursache dieses Fiascos liegt zum nicht geringen Theile in einer merkwürdigen Erscheinung. Fast alle tonangebenden Führer der Partei gehören der modernen Journalistik an und sie arbeiten mit all' den journalistischen Pfiffen und Kniffen, mit all' den kleinlichen Tücken und Mücken, durch welche die zünftigen politischen Zeitungsschreiber in aller Herren Länder auch die liberalen Ideen zuerst in den Augen der Gebildeten und dann in den Augen der großen Menge discreditirt haben. Man erinnere sich an den Ausspruch, den einer der edelsten und vornehmsten Männer Oesterreichs, Freiherr von Walterskirchen, that: „Der Antisemitismus war in seinem Urgründe eigentlich'nur Antijournalismus". Das öffentliche Gewissen lehnte sich gegen jene unehrliche Taktik auf, welche unbequeme Thatsachen theils färbte und entstellte, theils gänzlich verschwieg und so einen Dunstkreis der Unaufrichtigkeit und Lüge um die .Partei schuf, deren Grundsätze die edelsten waren und einst mit glühendem Enthusiasmus begrüßt wurden. Dem Zionismus scheint von seinen journalistischen Wortführern ein gleiches Schicksal beschieden zu werden. Statt inniger Uebereinstimmung zwischen Zweck und Mittel begegnen wir auch hier diplomatisirenden Winkelzügen, statt offener Stellungnahme zu unumstößlichen Thatsachen widerwärtiger und corrumpirender Taktik des Verschleierns und Verschweigens, damit nur ja in der Schaar der Gläubigen sich kein Zweifel an der Unfehlbarkeit der Führer rege. Aus den Spalten der Parteipresse steigt eine Wolke trüben Dunstes auf, in der Wahrheit und Dichtung verschwimmen und welche die klare Unterscheidung zwischen Schlagworten und Thatsachen unmöglich machen soll. Den Beweis für diese Behauptung können wir durch eine ganze Reihe von Fällen antreten, in denen die zionistische Parteipresse mit allen journalistischen Trics die Wahrheit verhüllt, entstellt oder ganz und gar unterdrückt hat. 1. Der Fall H e m a n. Professor F. Heman in Basel ist der Wortführer der „christlichen Zionisten", die gleich den jüdischen die Rückkehr der Juden in ihre alte Heimat wünschen, aber aus ganz anderen Motiven als die Herren Herzl und Nordau. Professor Heman bezeichnet als die unmittelbare Wirkung der Errichtung des Judenstaates die Entrechtung der zurückbleibenden Juden. Sie würden nur die Rechte und Pflichten von „ausländischen Niedergelassenen" genießen, sie müßten sich denn christianisiren. Das Resultat des zionistischen Triumphes wäre demnach, wie Heman hofft, die Stellung der Juden unter das Fremdenrecht! Die Schrift Heman's hat unter Juden und Christen das größte Aufsehen erregt, sie ist eine Emanation von so außerordentlicher Bedeutung, daß Niemand, der sich mit der zionistischen Frage befaßt, an ihr achtlos vorübergehen kann. Die zionistischen Führer und die zionistische Presse aber haben zu dem Kerne der Heman'schen Ausführungen, statt für oder gegen denselben Stellung zu nehmen, einfach geschwiegen. Mit keinem Hauche wurden die gefährlichen Schlußfolgerungen Heman's auch nur angedeutet, geschweige denn zurückgewiesen. Warum? Wir finden die Antwort auf diese Frage in jenem Passus des Nordau'schen Artikels über die Judenemancipation, der vom Napoleonischen Synhedrion spricht. „Das Synhedrion," heißt es da, „benahm sich verächtlich", „gab zweideutige Antworten", und „diplomatisirte nach beiden Seiten und betrog Beide" Was dem Synhedrion mit Unrecht vorgeworfen wird, thun