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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-21 · 51 (21.12.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
51 (21.12.1900)
Date
1900-12-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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'Jtr. 51 eine Bekleidung armer Schulkinder statt, die der Frauenverein unter Leitung der verdienstvollen Präsidentin Frau S ch a t t n e r veranstaltete. Unter Aufsicht des beliebten Religionslehrers Herrn Fuchs trugen die Kinder verschiedene Declamationen vor, die das schöne Fest würdig beschlossen. Feuilleton. Btt Zudenknsbe. Eine Phantasie von Georg Giorgi. Der Gottesdienst war zu Ende. Einem mächtigen Strome vergleichbar ergossen sich die Schaaren der frommen Gläubigen aus dem Gotteshanse in die engen schmutzigen Gassen des Ghetto. Auch der alte Ibrahim mit seinem etwa 12jährigen Sohn Jacob befand sich unter der Menge. Auch Jacob hatte wie allwöchentlich dem Abendgottesdienste zur Begrüßung des Sabbatb beigewohnt, doch ein merkwürdiges, ungekanntes Gefühl der Wehmuth und Erbärmlichkeit erfüllte heute seine Brust Vor Kälte zitternd, hüllte er sich fester in seinen langen zerschlissenen Mantel und brütete, neben seinem alten, gebückten Vater einherschreitend, dumpf vor sich hin. „Vater", begann er plötzlich, „ich will heute noch den Samu, meinen Freund besuchen, Du kennst ihn ja, er wohnt nicht weit von hier. Ich komme bald wieder nach Hause". Mit diesen Worten verschwand er im Gewühle, ohne erst die Antwort des Alten abzuwarten. Jacob wand sich durch das Getriebe der engen, spärlich beleuchteten Gassen, in denen, anf- und abwandelnd, eine festlich gekleidete Menge wogte, lebhaft gesticulirend und lachend. Ein unheimlicher Trieb jagte ihn den Umfassungsmauern der alten Judenstadt zu. Er durcheilte viele schmale Gäßchen und Gassen, die unbelebt und still dalagen. In den festlich hell beleuchteten Häusern aber, die in der kalten Decembernacht von milden Mondlicht gespensterhaft bestrahlt, gigantische Schatten warfen, herrschte eitel Freude und Frohsinn. Man feierte den Einzug des Sabbath. Jacob gedachte seines Vaterhauses, in dem jetzt gewiß schon das einfache Mahl unter vielen Feierlichkeiten eingenommen wurde, er gedachte auch seiner Mutter, die sicherlich schon mit Zorn und Be-- sorgniß nach den Verbleib ihres einzigen Kindes forschte; doch unwiderstehlich strebte er dem Thore zu. Ihm war das einfache, kindlich-naive jüdische Rituell ein Gräuel. Er trug Gelüste nach dem Gute seiner Nächsten. Als er am Thore anlangte, schickten sich die Wächter eben an, dasselbe zu schließen. Einen Augenblick mangelnder Bewachung benützte Jacob, um durch das Thor zu schlüpfen. Er befand sich in einer fremden Stadt. Christnacht! Der ganze sagenumwobene Zauber dieser schönsten, erhabensten aller Feste lag über der Ehristenstadt, die mit ihren Giebelhäusern, Gassen und Plätzen öde wie verlassen, in tiefster Ruhe ihre Thürme und Zinken in die eisige klare Luft streckte. Hier und dort nur noch ein Verspäteter, der eiligen Schrittes seiner Wohnung zustrebte. Jacob schritt ohne Ziel durch die leeren Straßen, betrachtete wehmuthsvoll die hellerleuchteten Gemächer, in denen jubelnde Kinder, glückstrahlende Eltern sich ganz dem Augenblicke Hingaben. Lange schlich er so die Häuser entlang, schon ganz erstarrt und durchdrungen vom Decemberfroste. Er wurde müde. Auf die Schwelle eines vornehmen Hauses wagte Jacob endlich sich zu setzen, er wollte nur ein wenig ruhen. Im ersten Stockwerke des gegenüberliegenden Hauses prangte eine riesige Tanne im reichsten Lichterschmuck; Jacob konnte seine Augen nicht davon abwenden. Er fühlte sich so elend, so verlassen und wie ein Vorwurf, den er Gott machen wollte, entrangen sich plötzlich seiner gequälten Brust die Worte: „Jehovah, Allmächtiger, warum gabst Du uns nicht solche Feste." Er schloß die Augen, ein Schauer durchbebte seinen jungen, zarten Körper. „Was haben wir. die Du die Auserwählten nennst." Fester drückte er sich in die Thürecke, kauerte sich noch mehr zusammen und senkte seinen Kopf auf die bewegte Brust. Da fühlte er sich allmählich der Erde entrückt, ihm wurde so leicht, so wonig ums Herz, ein lichter Schein strahlte ihm entgegen, immer stärker und intensiver, je näher er dem Lichtquell zuzusteuern schien. Jetzt vernahm er auch fernen Orgelton und Harfenklang, melodische Stimmen schlugen an sein Ohr und immer deutlicher und deutlicher vernahm er den berückenden Gesang. Ein heiliger Schauer durchzuckte sein Innerstes, als er von einem unsichtbaren Wesen bei seinem Namen genannt wurde. Er ward doch geliebt, seine Eltern umgaben ihn doch mit Allem, was sie nur zu erschwingen vermochten; Musik war ihm sein Name im Munde seiner Mutter und dennoch, war es ein Rausch, war es Verblüffung, was war es denn, daß er zwei-, dreimal seinen Namen hörte, verstand und wußte, daß der Ruf ihm gelte, ohne daß er die Macht gehabt hätte, zu antworten. Nichts sah er. nichts konnten seine Sinne fassen. Von Ehrfurcht erfaßt, beugte er Seite 917 sein Knie vor der unsichtbaren Offenbarung. Da hörte er dieselbe Stimme: „Du sagtest. Kind, warum ich Euch keine solchen Feste gab, könnet Ihr, meine Völker, denn meine Geburt feiern, war ich nicht, wie Ihr entstandet, bin ich nicht Euer Lenker und Führer, wenn Ihr seid, werde ich nicht noch fern, wenn Ihr zu Staube geworden, bin ich nicht ewig, unerforschlich? Ich gab Euch Feste, erhabener und schöner als alle anderen, so voll Poesie und Duft, voll Sinn und Symbolik, doch Ihr, Ihr feiert sie nicht, versteht es nicht. Euch derselben zu erfreuen. Euch daran zu erquicken. Euch sind dieselben nur eine Abwechslung im Laufe der Tage und Wochen. Das Laubhüttenfest ... ein Paradies hättet Ihr Euch für die Tage schaffen können. Ihr schmücket nicht das Heim. Ihr stellet keine Hütten auf ... nicht alles ist das Gebet. Du murrst, nicht zu mir, zu Deinen Brüdern und Schwestern gehe, wenn Du klagen willst; werde Jude, Du warst es noch nicht! ... Lasse Dich erleuchten und läutern, lasse den Neid und die Mißgunst Deinen Hassern." Das Licht verschwand, der zerknirschte Jacob wußte nicht, wie ihm geschah. Ein kalter schöner Wintermorgen. Mühsam rang sich die Sonne durch die Nebelschleier und glitzernde, gleißende Schneeflächen beleuchtete sie mit ihrem blassen, goldigrothen Schein Langsam und allmälig erwachte die Stadt. Die Menschen, noch trunken von den Herrlichkeiten der verflossenen Nacht, füllten nach und nach die Straßen. Die meisten, geputzt und geschmückt strebten eiligen Schrittes, das Brevier in der Hand den: Dome zu. Nur in einer Straße, der vornehmsten, standen die Leute dichtgedrängt vor einem Hause. Die Masse wuchs, man hörte ein Stimmengewirr» Rufe des Mitleids und des Erbarmens. Ein kleiner Knabe, in leichtem zerrissenen Gewände saß, Icheinbar schlafend, an den Thürpfosten gedrückt, auf der Schwelle. Doch kein Rufen und Rütteln vermochte das Kind aus seinem tiefen Schlafe zu erwecken. Da kam der Arzt. Scheu wich die Menge zurück und eine enge Gasse bildend ließ sie ihn zu dem Schlafenden. Der Arzt untersuchte ihn, „es ist zu spät er ist erfroren", murmelte er; „doch wie kommt der Junge hierher, wer wagt es, unser Fest zu entweihen; er gehört nicht in unsere Mitte, er ist ein Jude,.schafft ihn ins Ghetto, dort ist sein Platz ...." Kein Laut des Mitleides mehr Der Arzt ging weiter, die Menge verlor sich theilnahmslos. Pah! Ein Jude? Ses Papstes Machtwort. Novelle von Jda Barber. (Fortsetzung.) „So gib mir Bedenkzeit", bat Aladär, dem es in tiefster Seele wehe that, den strenggläubigen Vater fo betrübt zu haben, „ich werde Einkehr bei mir halten, mich prüfen und Dir meinen Entschluß in einigen Tagen mittheilen!" „Möge Gott Dich erleuchten", sprach der alte Mann und wandte sich zum Gehen. Es war Aladär, als er den Vater jetzt Hinauswanken sah, als hätte er ihm Jahre seines Lebens geraubt. Rabbi Lazzlo schloß sich m feinem Zimmer ein und war für Niemand zu sprechen. Er betete zu Gott mit jener Inbrunst, die nur gläubigen Menschen eigen, er möge des geliebten Sohnes Herz erleuchten, seinen Sinn ändern. Er betete lange und innig, und als er geendet, war ihm, als hätte er Zwiesprach mit Gott gehalten: ihm durfte er Alles überlassen. Nach einer schlaflos verbrachten Nacht war Aladär zu dem Entschluß gekommen, das Elternhaus zu verlassen. Der Vater verstand ihn nicht, konnte und wollte Um nicht verstehen; er dürfte sein junges Leben nicht zum Opfer bringen. Bestimmend für seinen Entschluß war wohl auch, daß Aranka's Nähe eine Gefahr für ihn bedeutete, der er. wollte er nicht wortbrüchig werden, entrinnen mußte. Es war ihm klar, daß sie ihn liebte, nur auf eine Gelegenheit wartete, um seine Erklärung herbeizuführen. Er mußte ihr gegenüber äußerlich kalt scheinen, während in seinem Herzen heiße Liebe Erwiderung begehrte. Beim Frühstück theilte er dem Vater mit, er wolle nach Prag reisen, persönlich seine Bewerbung einzuleiten. „Gelobt sei Gott, der Deine Gedanken in die rechte Bahn gelenkt", sagte der alte Mann gerührt. „Ich wußte es ja, mein Sohn konnte straucheln, aber nicht fallen! Aranka war sichtlich verstimmt, als fie hörte, daß Aladär's Abreise beschlossene Sache sei. „Wie leid mir das thut", sagte fie wehmüthig; „Du hättest wirklich noch einige Zeit bei uns bleiben sollen! Ich hoffte so viel von Dir zu lernen!" „Gutes Kind", sagte Aladär, „es gilt einen Beruf wählen. Etwas leisten! Der Mann darf nicht unthätig daheim bleiben!" Dr. Blorh's Wochenschrift.

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