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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-21 · 51 (21.12.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
51 (21.12.1900)
Date
1900-12-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 61 Dr. Bloch's Wochenfchrifk. Seilt 915 haben und fürsorglich betreuen, führen wir als rühmens- und nachahmenswerthe Muster und Beispiele an. — — — Eine Krage aber schwebt uns auf den Lippen: „Wo bleibt Wien?" Magdeburg. (Vortrag.) — Im größeren Parterresaale der „Freundschaft" hielt am 11. d. M. Privatdocent Dr. H u t h aus Berlin den angekündigten Vortrag über „Die Juden in Sibirien nach eigenen Reisebeobachtungen" vor einer in großer Zahl erschienenen Zuhörerschaft. In der Einleitttng erzählte der Redner, daß Sibiriens jüdische Bevölkerung meist aus Verbannten, deren Angehörigen und Nachkommen bestehe. Von den 7 Millionen sibirischen Einwohnern seien circa 20.000 Inden. Unter Nikolaus I. (ld3n) bestand der Plan, Sibirien durch jüdische Colonisten zu bevölkern; schon waren alle Vorbereitungen zur Ausführung der kaiserlichen Verordnungen getroffen, ja einige jüdische Familien waren bereits ans der Wanderschaft dahin begriffen, als plötzlich die Auswanderung der Juden nach Sibirien verboten und ihre Ueberführung nach Cherson befohlen wurde. Nur ganz Wenigen von ihnen wurde in Folge eines günstigen Zufalles die 'Niederlassung in Sibirien gestattet. Sie leben daselbst als Kaufleute, Gewerbetreibende, Handwerker, Goldwäscher und Bankiers; auch mehrere jüdische Aerzte befinden sich unter ihnen, die sich eines ausgezeichneten Rufes erfreuen. Einen wohlthuenden Gegensatz zu der vielfach unfreundlichen Behandlung der Inden seitens der russischen Behörden bildet die vorurtheilsfreie Gesinnung und das friedliche, ja freundschaftliche Verhalten der christlichen Bevölkerung Sibiriens gegen sie, eine Thatsache, die der Redner durch viele in den verschiedenen Kreisen der sibirischen Gesellschaft gemachte Wahrnehmungen erläuterte. Er berichtete ferner, daß sich 16 Synagogen in 11 größeren Städten Sibiriens befänden, davon drei in Tomsk; die neue Synagoge in Martins! sei von besonderer architektonischer Schönheit. Den Schluß der interessanten Ausführungen bildete ein näheres Eingehen auf das Bildnngsstreben und die geistigen Anlagen der sibirischen Juden, sowie die Schilderung mehrerer hochbegabter und feingebildeter Jüdinnen, die der Redner persönlich kennen lernte. Der Vortrag klang in den Wunsch aus, daß es den Inden Sibiriens vergönnt sein möchte, ihre intellectnellen und seelischen Anlagen voll entfalten zu können, um au dem gewaltigen Aufschwung mitzuarbeiten und. theilzunehmen, den ihre russische Heiniat in neuerer Zeit genommen. Reicher Beifall der Zuhörer lohnte den Redner für seinen durch statistische und geographische Angaben unterstützten belehrenden Vortrag. Der nächste vom Verein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete Vortrag wird am Jänner k. I. stattfinden; er wird über „Nietzsche's Weltanschannng und das Judenthum" handeln. , London. (Mr. Henry Russell.) Am 7. d. M. starb hochbetagt Mr. Henry Russell, Englands großer Liederdichter. Am 24. Dtcember 1812 geboren, betrat er frühzeitig die Bühne und hatte als 8jähriger Knabe die Ehre, in einer Kinderoper vor Georg IV. aufzutreteu, der ihn nach der Vorstellung küßte und ihm eine glänzende Zukunft prophezeite. In Mailand besuchte er die Musikschule, um von da nach Canada und den Vereinigten Staaten zu gehen, wo er seine ersten Compositionen schrieb und selbst auf der Bühne vortrug. Sein Aufenthalt in Amerika, welcher bis 1841 währte, hat ihm Stoff zu einer Reihe von Compositionen geliefert, die später als „Auswandererlieder" große Berühmtheit erlangten. Dieselben haben die Emigration der Irländer nach Amerika mächtig gefördert und vielen Tausenden von Irländern, welche in der Heimat unfehlbar verhungert wären, das Leben gerettet. Daneben suchte Russell diese Emigration auch dadurch thatkräftig zu unterstützen, daß er zu Gunsten der Auswanderer Wohlthätigkeitsconcerte gab, bei denen er seine selbstgedichteten Auswandererlieder sang. So konnte er nicht welliger als 7000 Pfd. St. für die Nothleidenden in Irland aufbringen. Zum Dank dafür veranstalteten die Irländer eine Pennysammlung. um ihrem Wohlthäter ein Ehrengeschenk zu überreichen, und es spricht nicht wenig für die Popularität Ruffel'-, daß 18 Pfd. St. in einzelnen Pennys zusammengekvmmen. Nebst seinen Auswandererliedern schrieb Russell Soldaten- und patriotische Lieder, von denen „Osteer! Loys, cieer!“ von der englischen Garde und „et life on the ocean Ware“ von den Marinetruppen beim Ausmarsch heute noch gesungen werden. Im Ganzen hat Russ.ll über 1000 Lieder componirt, zu denen der Text von Männern wie Dickens, Mockay, Thackeroy, Longfellow und Tenr.yson verfaßt wurde. Ein großer Theil dieser Lieder hat sich im Sturm ganz England und Amerika erobert, obgleich deren Verleger dem Autor Hungerhonorare für sie gezahlt haben. Selbst „Cheer! Boys,deer!", zu dessen Drucklieferung 39 Pressen mehrere Tage hindurch Tag und Nacht gearbeitet haben, brachten Russell ein Honorar von 3 Pfd. St., das nachher um weitere 10 Pfd. St. erhöht wurde. Mr. Russell war daher auch als der gefeiertste Liederdichter Englands gezwungen, seine Lieder öffentlich zu singen, bis er 1865 auf der Bühne von einem Schlaganfall getroffen wurde, der seinem öffentlichen Auftreten ein jähes Ende bereitet hatte. Seitdem lebte Mr. Ruffell in größter Zurückgezogenheit, nur mit seiner Muse beschäftigt. Wilna.(Der Ritualmordproceß David Blondes), welcher seit März vorigen Jahres die jüdische Gemeinde in Athem hält, gelarlgt am 28. d. M. vor dem hiesigen Schwurgerichte zur Verhandlung. Bekanntlich wird Blondes von seinen» Dienstmädchen beschuldigt, am 16. März im Verein mit einen, zweiten „unbekannten Juden" einen Mordversuch gegen sie verüb» zu haben, „um ihr Blut zum Osterfest zu verwenden". Die Aussagen der Zeugen widersprechen sich derart, daß man weder weiß, zu welchem Zweck Blondes das Attentat versucht hat, noch ob Blondes der Attentäter war, noch endlich ob überhaupt ein ein Mordversuch vorliegt. Da die den polnischen Dienstmädchen beigebrachten Verletzungen ganz minimaler Natur waren, so ist es sehr wahrscheinlich, daß es sich um einen nächtlichen Streu zwischen einem Liebespaare handelte, dessen Folgen von dem rachesüchtigen und von den Antisemiten gut abgerichteten Dienstmädchen zu einer großen Affaire aufgebauscht worden ist. Leider ist aber das Wort „Ritualmord" in die Maffe gefallen, und die Erfahrungen in Polna wie in Könitz haben gelehrt, wie sehr dieses ominiöse Wort geeignet ist, die Gemüther zu verwirren und Polizei und Gerichte auf eine falsche Fährte zu lenken. Es muß daher jetzt schon mit aller Entschiedenheit darauf hingewiesen werden, daß die bisherige Untersuchung auch nicht den geringsten Anhalt dafür aufzubringen vermocht hat, daß andere als persönliche Motive dem Attentat zu Grund gelegen haben. Vermischtes. Wien. (Spenden.) Für die kranken und hungernde». Glanbensbrüder in Palästina sind uns von Herrn Massin Hahn in Karbitz K 6 —, von Herrn H. Hastrlik in HoraLdiovic K 4’— zugekommen. Wien. Der Herausgeber der „Wiener Jllustrirten Frauen Zeitung", Verlagsbuchhändler Dr. Max Breitenstein, hat sich mit Fräulein Ricca Oppenheim verlobt. Wien. Am 25. d. M. findet in Kolin, „Hotel Löwi", die Trauung des Herrn Gotthold Friedländer, Lehrer und Cantor der israelitischen Cultusgemeinde in Bielitz, mit Frl. Olga Steiner aus Deutschbrod statt. Wien. (Trauung.) Mittwoch den 26. Dec.mber l. I.. 1 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengaffe, die Trauung von Fräulein Paula Simon, Tochter des CultusVorstehers, Schuldirectors Simon, mit Herrn Rabbiner Dr. Max Schornstein aus Leitmeritz statt. Wien. (Verband der israelitischen Religio nslehrer an den österreichischen Mittelschulen.) Der dritte Berbandstag der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen findet am 26. Drcember 1900, 10 Uhr Vormittags, in Wien, I., Seitenstettengaffe 2 (Local der Religionsschuke der israelitischen Cultusgemeinde) statt. — Tagesordnung: 1. Bericht über die Thätigkeit des Ausschusses. 2. Bericht der Revisoren. 3. Nemvahl des Ausschusses und der Revisoren, eventuell Beschlußfassung über die Auflösung des Verbandes. 4. Eventuelle Vorträge und Discussionen. 5. Eventuelle Anträge. Wien. (Ein tapferer Held.) Die einzige derzeit in der österreichischen Cavallerie vorhandene goldene Tapferkeitsmedaille schmückt die Brust eines unserer Glaubensgenoffen. Major- Wolf B a r d a ch Edler von Chlumberg in Wien, deren Besitzer, hat sich die hohe Auszeichnung dadurch erworben, daß er sich freiwillig erbötig machte, eine vom Feinde bereits erobern- Standarte zurückmholen und dieses Vorhaben auch ausführte. Vor der Front zum Officier befördert, wurde er später in den Adelstand erhoben. Wien-Mariahilf. Die 27. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau findet Donnerstag den 27. December d. I., um 7 Uhr Abend-, im Restaurant Löbl, VI., Schmalzhofgaffe 10, statt. Anschließend hieran gemeinsames Abendessen der Bereinsmitglieder, an welchem auch Damen theilnehmen können. Wien - Simmering. Anläßlich des Chanukafestes fand am Sonntag den 16. d. M. in unserem Tempel ein vom Vorstande veranstalteter Festgottesdienst, verbunden mit Bekleidung armer Kinder,

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