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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-21 · 51 (21.12.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
51 (21.12.1900)
Date
1900-12-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Helle 914 Br« Blocht Wochenfchrist. Nr. 51 Official R. Kraus. Nach dem Entzünden des ersten Chanukalichtes durch einen Insassen, sang Herr Obercantor Guttman n mrt dem wohlgeschulten Chore des Leopoldstädter Tempels das ttaueraus halolu, worauf das Abendgebet verrichtet wurde. Nach einem deutschen Liede sprach Herr Professor Dr. Heinrich Hollak in feinen und allgemein beifällig aufgenommenen Worten von der Bedeutung des Ehauukafestes und schloß mit Segenswünschen für den hochherzigen Eultusvorstand und seinen getreuen Mithelfern, den edlen Aussichtsdamen. Herr Obercantor Guttmann sang sodann mit Chorbegleitung den Priestersegen, worauf die Bethausfeier beendet war. Es muß hier mit großer Freude hervorgehoben werden, daß Herr Obercantor Guttmann seine Gesänge weihevoll vortrug und alle Anwesenden voll Lob über seine Leistung waren. In einem großen Saale waren für die Jnsasien Tische gedeckt und erhielten dieselben ein gut zubereitetes Nachtessen. Der tüchtige und allbeliebte Hausverwalter Herr Koditschek war durch ein Unwohlsein verhindert, dem Feste beizuwohnen. Floridsdorf. (Chanukafeier.) Am Sonntag den 16. d« M. Abends fand die vom hiesigen Frauenverein veranstaltete Chanukafeier und Bethcilung der armen Schulkinder statt. Um 4 Uhr Abends versammelten sich sämmtliche Schulkinder unter Führung der beiden Religionslehrer Löw und Ehrenfest in dem festlich beleuchteten Gotteshause, woselbst sich bereits ein zahlreiches Publicum eingefunden hatte. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präses-Stellvertreter Herrn Em Grünwald, ferner die Eultusräthe Mandl, Pisk Glaser, Wodicka, Reumann und Löw, der Vorstand der Chewra- Kadischa, Dr. Baer, Dr. Tauber, Dr. Knecht. 10 Minuten nach 4 Uhr erschien die Präsidentin des Frauenvereines, Frau Henriette Grünwald mit der Vice-Präsidentin Frau Dr. Rosenmann und sämmtlichen Vorstandsdameu und der feierliche Gottesdienst wurde vom Cantor Groß und dem Chor mit dem Abendgebete eingeleitet, worauf die Chanukalichter angezündet und das Lied gesungen wurde. Sodann bestieg Seine Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Dr. Rosenmann die Kanzel und hielt eine der Feier entsprechende Predigt, welche auf das zahlreiche Publicum einen tiefen Eindruck machte. Dieser Eindruck wurde noch gesteigert, als die Schülerinnen Eisinger, Winkler, Löwy und Glaser paffende Festgedichte vortrugen, welche Vorträge von den andächtigen Zuhörern mit einem Applaus ausgenommen wurden. Nach beendetem Gottesdienste wurden die armen Schulkinder in den Sitzungssaal der Cultusgemeinde geleitet, wo selbe, 27 an der Zahl, mit warmen Kleidern und Schuhen betheilt wurden. Bei der Vorstandsdame Frau Alexander Wald waren schon anl Samstag Abends die armen Kinder zu einer Jause geladen, wo sich dieselben die dargereichten Bäckereien sehr gut schmecken ließen und sich unterhielten. Pilse», 16. December. Das Chanukafest wurde bei seinem Eintritte in der hiesigen Gemeinde sowohl gottesdienstlich, wie in humanitärer Weise weihevoll eingeleitet. Heute Nachmittags Z Uhr versammelten sich die Damen des Vorstandes der verschiedenen Frauenvereine im Sitzungssaale der Gemeinde, wo eine Schaar von armen Kindern beiderlei Geschlechtes sich einfand. um die Geschenke aus den Händen der edlen Spenderinnen in Empfang zu nehmen. Bon den 64 anwesenden Kindern erhielt jedes einen vollständigen neuen Anzug für den bevorstehenden Winter. Dieser Act wohlthätigen Wirkens verdient schon des schönen Zweckes der Nachahmung wegen besonders hervorgehoben zu werde», obwohl im Laufe des Jahres im Stillen ohne Ostentation viele gute Werke geübt werden, deren Ausübung der Oeffentlichkeit verborgen bleibt. Möge das Wohlthun unter uns nie aufhören und die Hände gesegnet sein, welche solche Werke reiner Menschenliebe ausführen. Nach diesem Acte der Humanität versammelte sich die Gemeinde in dem hellerleuchteten Tempel, um einem weihevollen Gottesdienste beizuwohnen. Unter Chor- und Orgelbegleitung wurde zunächst ein auf das Fest bezügliches Lied gesungen, worauf der Obercantor nach verrichtetem Minchagebete und vorgetragenen Benedietionen das Chanukalicht anzündete. Der Chor sang sodann das bekannte „Moaus zur jeschuossi“. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. Poznanski ein Weihegebet, in welchem die Hasmonäer-Siege als der Sieg der Religion über den Frevelmuth ihren Ausdruck fanden. Nachdem noch das Ma'ariw-Gebet verrichtet war, hatte die schöne Feier ihren solennen Abschluß gefunden. Ph. L. Berti». Der Redacteur der „Staatsbürger-Zeitung" Dr. Paul Bötticher hatte sich unlängst wegen Beleidigung des Realschuldirectors zu Kattowitz, Dr. Hacks vor der zweiten Strafkammer des Landgerichtes L zu verantworten. In der Nummer der „Staatsbürger-Zeitung" vom 20. September d. I. erschien ein aus Kattowitz datirter Artikel mit der Ueberschrrst „Mit der Wurst nach der Speckseite." Es wurde darin mitgetheilt, daß Dr. Hacks am 12. September an einem Festmahl zur Feier der Einweihung der jüdischen Synagoge in Kattowitz theilgenvmmen und dabei eine Rede gehalten habe, in der er die Toleranz pries. Der Verfasser knüpfte hieran die Bemerkung, daß Dr. Hacks zu damaliger Zeit als Bewerber um die Directorstelle au der neuen Realschule in Frankfurt a. M. ausgetreten sei. Ein Mann, der Legen den jüdischen Schwindel zur Ruinirung des Mittelstandes, die jüdische Ausbeutung des Bauernstandes und die jüdische Lüsternheit aufgetreten sei, würde allerdings bei der Bewerbung wenig Aussicht auf Erfolg haben. Wegen dieses Artikels stellte Dr. Hacks den Strafantrag. Der Angeklagte bestritt, daß in dem Artikel eine Beleidigung zu finden sei, es seien darin lediglich die Grundsätze seiner Zeitung und seiner Partei zum Ausdruck gebracht, hervorgerufen durch die Eigenthümlichkeit, daß der Leiter einer christlichen Schule bei der Einweihung einer Synagoge eine von Toleranz übertriefende Rede halte. Der Staatsanwalt hielt eine Beleidigung für zweifellos vorliegend und beantragte eine Geldstrafe von 100 Mark, während der Vertheidiger Rechtsanwalt Hahn den Schutz des § 193 Strafgesetzbuches für seinen Clienten in Anspruch nahm. Der Gerichtshof erkannte auf 150 Mark Geldstrafe. Das israelitische Schwesternheim zu München. Vor ungefähr zwei Jahren wurde in diesen Blättern über das nunmehr zu größtem Ansehen gelangte Schwesternheim in Berlin berichtet. Bor kurzer Zeit besuchten wir die Tochteranstalt des großen Berliner Instituts in München. Die Bene-Brith- Lo,;e—München hat die Gründung eines Heims für jüdische Krankenpflegerinnen seit Jahr und Tag mit Ernst und Eifer angestrelt und nun auch durch liebevolle Sorgfalt, Umsicht und Opferwilligkeit erreicht. Wackere Männer und Frauen stellten sich in den Dienst der edlen Sache und sind unermüdlich in der Ausgestaltung des nun in den Grundlagen und ansehnlichen Anfängen wohlgelungenen Unternehmens. — Das Berliner Heim entsandte eine ihrer ersten Kräfte als Oberschwester nach München, und drei, theils in Köln, theils in Frankfurt a. M. ausgebildete tüchtige Schwestern stehen der Leiterin wacker zur Seite. Die Cultusgemeinde München stellte in munistcenter Weise Localitäten, Heizung und Beleuchtung zur Verfügung. Die Räume, obzwar noch nicht völlig eingerichtet, zeigten bei unserem Besuche, erst vier Wochen nach Eröffnung, ein recht freundliches Antlitz. Ueber einen langen Corridor gelangt man in das bescheiden-elegante Gesellschafts- und Speisezimmer, an das sich Bureau und Wohnräume der Oberschwester schließen; die Schwesternzimmer, drei, sind gefällig und zweckmäßig eingerichtet. Die Küche könnte der Stolz jeder Hausfrau sein, und auch deren Erzeugnisse, streng rituell zubereitet, befriedigen auf das Vollkommenste. Das Heim steht in Verbindung mit dem Pfründnerhause der Gemeinde, dessen Kranke verpflegen zu lassen das Curatoriunl des Schwesternheinis sich verpflichtet hat. — Die Herren des Vorstandes, sowie die Vereinsdamen sind alle in gleicher Weise eifrig bestrebt, die Gründung der Loge, an deren Spitze der verdienstvolle Herr Dr. Merzbacher steht, zu einer Musteranstalt emporgedeihen zu lassen. Es steht außer Zweifel und erscheint auch wünschenswerth, daß die Münchener Tochteranstalt sich ganz auf eigene Füße stellen und im Laufe der Zeit ein gewisses Abhäugigkeitsverhältniß von Berlin» ohne dem be st engeschwi st erlichen Einvernehmen irgendwieEintragzuthun, lösen werde. Herr und Frau Rabbiner Dr. Werner sind sorgsame Patrone und Förderer dieser wahrhaft humanen Einrichtung und nicht genug können die rastlose Fürsorge und Schaffenslust aller Betheiligten gerühmt werden. — Die Institution wird auch in München ebenso zu Ruhm und Ehre gelangen, wie ihr dies. Dank der ausgezeichneten Leistungen der Berliner Frau Oberin Fräulein Rosa Blau und ihrer tüchtigen Schwesternschaar, gelungen ist. Auch das Münchener Heini liegt in den treuverläßlichen Händen der Oberschwester Fräulein Melitta Feuchtwang, so daß die Voraussage berechtigt erscheint, die vereinten Kräfte würden auch hier baldigst ein allgemein anerkanntes Ziel erreichen. Allerdings müssen die jüdischen Kreise der Großstadt sich öffnen, um den Schwestern reiche Gelegenheit zur Bethätigung und Erprobung ihrer Kräfte zu geben. Das vollkommen unbegreifliche und durch nichts gerechtfertigte Vorurtheil gegen „jüdische" Schwestern muß und wird schwinden, wie es in Berlin, Frankfurt und Köln geschwunden ist, wo gerade die jüdischen Pflegerinnen zu den anerkanntesten und gesuchtesten gehören. Die nicht ferne Zukunft wird lehren, wie sehr sich diese heilbringende Institution bewährt. Dem Münchener Heim und seinen Insassen wünschen wir Glückauf, und alle Diejenigen, welche es gegründet

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