Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 51 (21.12.1900)
- Date
- 1900-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021383--10465-3034948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
~ — wrI ngi rrgiiifi-—1^ i •’Tir-nvtrr*mTn-f8i~T~iiinrrnrrinT' >1»»,!,«11>»»»W»,»I >! ...... »I , Nr. 51 Dr. Vloch's Wochenfchrifi. Mitglieder des Bertretercollegiums in die eigene Tasche gegriffen und private Freunde in Contribution gesetzt, um einen in Noth gerathenen Gemeindegenoffen vor gänzlichem Ruin zu bewahren. Wo es nur irgend angeht, wird Alles aufgeboten, zu helfen, ohne das Gemeindebudget zu belasten. Der Präsident weist gegenüber den Ausführungen des Herrn Salo Cohn auf die Thutsache hin, daß nunmehr die Anzahl der Vorstandsmitglieder 36 betragen wird, und es fei doch anzunehmen, daß unter diesen manche, das Armenwesen kennende Persönlichkeit mit Rath und That im Vorstande wirken werde; man müsse nicht immer auf die Heranziehung von Persönlichkeiten, die außerhalb des Vorstandes stehen, reflectiren. Cultusvertreter Dr. Maximilian Steiner replicirt gleichfalls auf die Ausführungen des Herrn Salo Cohn. Auch in Berlin gibt die Gemeinde und verläßt sich nicht in Allem auf die Unterstützungen durch Private. Wenn Herr Dr. Berger von Gesinnungsgenossen gesprochen hat, so betont der Redner, daß er nur eine einzige Gesinnung kennt, und das ist die jüdische. Bei der Abstimmung wird der Antrag Steiner mit allen gegen vier Stimmen zum Beschluß erhoben, alle anderen Ziffern nach den Anträgen des Referenten genehmigt. Cultusvorsteher Oberingenieur v. Mises, erstattet ein ausführliches, mit vielem Beifall aufgenommenes Referat über die Verwaltung des Altersversorgungshauses. Seine Anträge wurden ohne Discussion zum Beschlüsse erhoben. Ueber das Präliminar der Spitalsverwaltung referirt Cultusvorsteher Dr. Josef Grünfeld. Der Zuschuß der Gemeinde beträgt 98.000 Kronen, d. i. eine Steigerung der Ausgaben um 8000 Kronen. Eingehend wird das Erforderniß von dem Referenten beleuchtet und begründet. Cultusvorsteher Salo Cohn kritisirt sehr scharf die steigende Tendenz der Ausgaben in der Spitalsverwaltung und behauptet, daß die Vermehrung der Kosten keineswegs mit der erhöhten Zahl der Kranken zusammentrifft. Er zieht den Rechenschaftsbericht des Stefanie-Spitales zur Vergleichung heran und constatirt, daß im Stefanie-Spital die Kosten per Person und per Tag zwei Kronen betragen, im Mischen Gemeindespital dagegen fünf Kronen. Wenn er auch zugibt, daß das koschere Fleisch theuerer ist und dadurch die Verwaltung belastet, so wird dadurch noch nicht die ganz unglaubliche Steigerung der Ausgaben gerechtfertigt. Auch hier kann er sich eine gründliche Abhilfe nur versprechen durch Heranziehung von Frauen und Männern aus der Gemeinde zur Spitalsverwaltung und erklärt, gegen das Budget zu stimmen. Referent Dr. Grünfeld erinnert daran, daß für die Spitalsverwaltung ein eigenes Comits besteht und der Vorredner Herr Salo Cohn ist Mitglied desselben. Die Rechnungen werden stets genau geprüft, allein die Lebensmittel werden immer theuerer und nicht blos die Anzahl der Kranken, sondern auch — und das ist das Entscheidende — die Zahl der Verpflegstage steigen von Jahr zu Jahr. Vieepräsident Dc. Gustav K o h n hebt hervor, daß die ambulatorische Behandlung der Kranken größere Ausgaben erforderlich mache für Medicin u. s. w. Bei vielen unserer Kranken erklären die Aerzte, daß durch mangelnde Ernährung ein Verfall der Kräfte herbeigeführt worden, und verlangen dringlich eine beffere Verpflegung-, was selbstverständlich bei der Theuerung der Lebensmittel die Verwaltungsausgaben sehr wesentlich erhöht. Vieepräsident Dr. Alfred Stern verliest aus dem Rechenschaftsberichte der Berliner jüdischen Gemeinde, daß diese dank größerer und bedeutender Zuwendung von Privaten ihre Spitalskranken von 44 auf 65 erhöht hat. Der von Herrn Salo Cohn herangezogene Vergleich fällt somit sehr zu Gunsten unserer Gemeinde aus. Oberfinanzrath Rappaport sagt: Unleugbar ist die Verwaltung unseres Spitals das Theuerste. Die Ausgaben von 5 Kronen per Tag und Person sind schwer zu rechtfertigen. Der Hinweis auf die Theuerung der Lebensmittel erklärt nicht Alles, denn diese Theuerung besteht nicht für das jüdische Spital allein. Dazu kommt das ungeheuerliche Mißverhältniß zwischen der Anzahl der Kranken und Gesunden, was dringend einer Aufklärung bedarf; daß die vorgelegten Rechnungen richtig sind, zweifelt Niemand. Der Fehler liegt offenbar in der Administration, welche zweifellos einer Reform bedarf. Redner behält sich vor, zur gelegenen Zeit entsprechende Anträge zu stellen. Cultusvorsteher Dr. Maximilian Steiner: Früher war 70 jetzt 90 die Normalzahl der belegten Betten. Redner Sette 911 fügt hinzu: Die Gehalte haben Sie erhöht, ja Sie haben mehr Personen angestellt, und wenn man Ihnen nun sagt, daß dadurch die Ausgaben größer geworden sind, kommt es Ihnen sonderbar vor. Das hätten Sie sich bei der Anstellung überlegen sollen. Befremdend findet er das Verhältniß der Zahl 100 zu 50 zwischen den Kranken und Gesunden. Nothwendig ist offenbar ein neues Statut für die Administration des Spitals, nur dieses allein ist in der Lage, gründliche Abhilfe zu schaffen. Herr Salo Cohn hat, als er die Daten des Stefanie-Spitals vorführte, außer Acht gelassen, daß dies ältere Daten sind, mit welchen er die heutigen Ziffern der jüdischen Spitalsverwaltung vergleicht. Die Theuerung steigert sich von Jahr zu Jahr und darum ist eine solche Zeitdifferenz von hohem Belang. Das System der gemischten Commissionen hat sich gewiß in vielen Fällen gut bewährt, eignet sich aber durchaus nicht für die Spitalsadministration. Es werden sich kaum Damen geneigt finden, an der Spitalsadministration in der Weise theilzunehmen, wie beim Altersversorgungshaus. Bei allem lobenswerthen Ecker für öffentliches Wirken hält man den Spitalsbesuch mit all jenen Pflichten, welche die Theilnahme an der Administration auferlegt (Controle. Küche, Keller, Wäsche u. s. w.) für nicht ungefährlich. Gründliche Abhilfe kann blos die Schaffung eines neuen Statutes für die Spitalsverwaltung bringen. In gleichem Sinne spricht Herr Cultusvorsteher Emanuel Hoffmann. Wir haben uns wiederholt Mühe gegeben, Privatpersonen zur Beihilfe zu gewinnen, aber ohne Erfolg. Man vermeidet, den Dienst im Spital zu übernehmen, und zwar mit gutem Grunde. Cultusvorsteher Salo Cohn: 3650 Personen jüdischer Confession waren im Allgemeinen Krankenhause, wo sie überdies durch einen Wohlthätigkeitsverein, den wir subventionnen, koschere Kost erhalten haben. Was bedeutet dieser Z ffer gegenüber Alles, was das jüdische Spital leistet? Und welch ern ungeheures Mißverhältniß in den Kosten? Redner erwähnt, daß der ganze erste Stock als Privatmohnung für den Verwalter reservirt bleibt, dagegen war im Corridor nicht geheizt, als er das Spital besuchte. Angesichts einer solchen Administration können Sie sich nicht wundern, daß die Wohlthäter sich nicht mit Stiftungen beeilen. Redner ist überzeugt, daß sich auch zur Theilnahme an der Spitalsverwaltung Männer und Frauen bereit finden werden. Beim jüdischen Spital in Budapest sind mancherlei Unzukömmlichkeiten vorgekommen, allein trotz dieser nachträglich entdeckten Vorkommnisse hat die d rtige Administration nie mehr als 4 Kronen per Tag und Kopf gekostet. Cultusvorsteher Baurath Ritter v. Goldschmidt polemifirt gegen Salo Cohn, Cultusvorsteher Baurath Stiaßny bietet Aufklärung über die Baulichkeiten des Spitals und über die Heizung des Corridors. Kaiser!. Rath Wilhelm Pollak glaubt, daß bei dem bisher herrschenden großen centralistischen System durch die nun platzgreifende Verstärkung des Vorstandes eine Besserung eintreten wird. Es werden sich für die weitverzweigten Agenden der Cultusgemeinde im Cultusvorstand Annehmer finden, und so wie es unserem verehrten Mitglied Salo Cohn gelungen ist, im Versorgungshause durch Zuziehung von auswärtigen Kräften so ausreichende Ordnung zu schaffen, so wird es auch dem verstärkten Vorstände möglich sein, im Spitale jene Wnih'chaft lichkeit einzuführen, welche die Kosten nicht ins Unendliche steigen läßt. Der Hauptmangel liegt eigentlich nach meiner Ansicht in der nicht richtigen Ueberwachung und in der Nichtbeachtung der Instructionen, welche von Gerten unseres Bnreaus nicht gehandhabt werden. Es ist ja bekannt, daß unser Bureau aus sehr anständigen, tüchtigen Männern besteht, welche jedoch nicht die Machtvollkommenheit, nicht die Energie besitzen, contrvlrrend einzugreifen. Sveciell die Oberbeamten sind es. welche unzählige Beschlüsse des Vorstandes und der Sectiouen stets in sich auszunehmen haben, ihnen aber nicht immer thatkräftig zur Geltung verhelfen können, wie dies ein nackensteifer, nicht nur gütiger, sondern auch energischer Magistrat thun sollte. Wenn man mir den Borwurf gemacht, ich hätte gesagt, es sei Einiges faul im Staate, so muß ich bemerken, daß ich damit nicht gemeint habe, daß die Beamten oder Lehrer faul seien, sondern daß manche Agenden theils aus Ueberbürdung, theils aus gewohnheitsmäßiger Lethargie nicht richtig behandelt werden. Bice-Präsident Dr. Alfred Stern verwahrt sich gegen einzelne vom kaiserl. Rath Wilhelm Pollak angewendeten Redeformen in der Debatte. Es geht nicht an, daß man sagt, es