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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-14 · 50 (14.12.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
50 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 50 Dr. Blortz's Wochrnkttzrrp- Seuc 899 und übertrug provisorisch die Leitung der Kanzlei seinem Secretär. Von Minsk aus schrieb er an seinen Stellvertreter, er solle seine Rückkehr nicht mehr erwarten, da er nie zurückkommen werde. Das verdammte Kartenspiel habe ihn dazu gebracht, fremde Gelder zu veruntreuen; er sei ein verlorener Mann. Die Sache wurde dem Gericht übergeben und über Eisenberg's Vermögen der Concurs verhängt. Die Voruntersuchung ergab, daß gegen 20.000 Rubel Depositengelder und noch mehrere bei ihm deponirte Waisengelder, deren Höhe noch nicht festgestellt ist, verschwunden sind. Nun geriethen die Antisemitenblätter in die Klemme und richteten ihre Augen, wie immer in solchen schwierigen Fällen, auf den Antisemitengeneral Herrn Suworin, den Redaeteur der „Novoje Wremja". Der spitzfindige Suworin veröffentlichte an der Spitze der „Novoje Wremja" ein kurzes Telegramm aus Kiew: „Advocat Eisenberg u. s. w." Der Name Eisenberg genügt Herrn Suworin vollkommen, um das Publicum glauben zu machen, daß es sich hier um einen typischen rechtgläubigen Juden handelt. Diesem Beispiele folgten die übrigen antisemitischen Zeitungen und die armen Kiewer Juden müssen nun in die Welt posaunen, daß Eisenberg ebensowenig ein echter Jude, wie Suworin ein echter Christ ist. Charakteristisch ist noch Folgendes in dieser Tragicomödie: Eisenberg's Frau — natürlich eine Jüdin — lebte außerhalb Kiew. Als er sie, nach seiner Taufe, nach Kiew kommen lassen wollte, wandte er sich an die Behörde mit einem Gesuche, seiner Frau das Wohnrecht in Kiew zu ertheilen, da nach dem Gesetze die Frau alle Rechte ihres Mannes genießen darf und er schon vor der Taufe als A d v o c a t das Wohnrecht Hatte, geschweige denn jetzt als christlicher Advocat. Das Kreisgericht, an dessen Competenz die Sache zugewiesen wurde, entschied aber die Sache in verhängnißvollem Sinne für den armen Sünder. Die Frau Eisenberg verliert nicht nur durch die Taufe ihres Mannes alle ihm zustehenden Rechte, sondern ihm ist auch verboten, mit ihr sogar innerhalb des Wohnstriches ehelich zu leben, da das Gesetz Ehen zwischen Christen und Juden für ungiltig erklärt. In Kiew leben viele jüdische Advocaten, die sämmtlich in hohem Ansehen stehen und zu ihrer Clientel viele Ruffen zählen, die ihnen ihr Vermögen anvertrauen. Die Statistik der durch Advocaten begangenen Verbrechen stellt den jüdischen Rechts gelehrten ein glänzendes Zeugniß aus. A. M. Vermischtes. Wien. Sonntag den 16. December, 10 Uhr Bormittags, findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien im Sitzungssaale, l. Seitenstettengaffe 4, 2. Stock, statt. Gegenstand: Fortsetzung der Berathung des Budgets pro 1901. Wien. Herr Architekt Heinrich Kestel. em. Affistent an den Hochschulen Wien und Graz, hat sich mit der Malerin Fräulein Manzi Bauer, Tochter des Obercantors der Türkischen Gemeinde in Wien, Herrn Jacob Bauer, verlobt. Wien. (Museum für jüdische Kunst- und historische Denkmäler) In der Samstag den lk>. d. M., Abends V,8 Uhr, im Saale des niederösterreichischen Gewerbevereines (I., Eschenbachgasse) stattfindenden Generalversammlung der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthüms wird der Profeffor der evangelisch-theologischen Lehranstalt in Breslau, Dr. C o r n e l l, einer der berühmtesten Bibelforscher, einen Vortrag über „das hohe Lied" halten. In dieser Generalversammlung werden auch Reproduktionen nach der vor zwei Jahren unter Förderung des Reichs-Finanzministers Benjamin von Källay herausgegebenen, im Verlage von H ö l d e r veröffentlichten „Haggadah von Serajewo". bekanntlich eines der intereffantesten Kunstwerke des frühen Mittelalters, welche der Wiener Architekt Max Fleischer in vollendeter, dem Originale treu nachempfundener Weise angefertigt, hat. und ferner acht reizende Aquarellcompositionen, Darstellungen zum „hohen Lied", vom Wiener Zeichenprofessor Leopold Schauer zur Ausstellung gelangen. Eintrittskarten sind kostenfrei im Museum, I., Rathhausstratze 13 erhältlich. Wien. (LUrewra-LackisetiL in Wien.) In Folge Ablebens des bisherigen Präsidenten Jacob Brandeis fand am 27. November d. I. die Neuconstituirung des Vorstandes statt. Es wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt: Herr Moritz Karpeles zum Präsidenten, Herr Cultusvorsteher Bezirksschulrath Dr. Markus Spitzer zum Bicepräsidenten und Herr S. Heit zum Schriftführer. Wien, 11. December. Gestern ist hi« Herr Benedict A. Lang bank, Director der Insurance Company of North America in Wien, im 53. Lebensjahre verschieden. D« Heimgegangene, ein durch Herzensgüte und Wohlthätigkeit ausgezeichneter Mann, war ein Sohn des bekannten hebräischen Schriftstellers und Gelehrten Alexander Langbank. Wien. (Trauung.) Sonntag den 16. December l. I., um 1 Uhr Nachmittags, findet im Bethause, II.. Große Schiffgaffe 8, die Trauung des Fräulein Mathilde Neurath mit Herrn Arthur Sputz statt. - Wien. (Trauung.) Sonntag den 16. Decemb« d. I. um V«3 Uhr findet im Tempel. II., Tempelgasse, die Trauung des Fräulein Irma Reiner, Tochter des Herrn Heinrich Reiner, mit Herrn Stadtbaumeister Friedrich Redlich, Sohn de- Herrn Adolf Redlich aus Floridsdorf, statt. Wien. Die Charakterleserin und beeidete Schrift-Sachverständige Dolphine Poppet hat Heuer ihre Thätigkeit wieder in Wien (Sprechstunden von 3—5 Uhr, VIII., Schlöffelgaffe 26) ausgenommen, nachdem sie fast ein Jahr von auswärtigen Behörden beschäftigt war. Wie ernst es die Graphologin mit ihrem Beruf nimmt, beweist wohl am besten, daß sie eifrige Studien in Gefangen-, Kranken- und Irrenhäusern macht, um die jeweilige Veränderung des Charakters und der Schrift in den verschiedenen Stadien zu beobachten. Fräulein Poppde soll im nächsten Frühjahr wegen einer angeblichen Testamentfälschung von einigen Millionen Dollars nach Nordamerika als Experte berufen werden. Wien. (Eine belobte Lehrerin.) Der Bezirksschulrath hat anläßlich der Erstattung des Jnspectionsberichtes der Lehrerin Fräulein Rosa Gold Hammer für ihre höchst mühevolle, uneigennützige und erfolgreiche Thätigkeit an d« von ihr gegründeten Nothabtheilung für schwachsinnige Kinder an der Volksschule II. Bezirk. Leopoldsgasse Nr. 3, den Dank und die volle Anerkennung ausgesprochen. Wie». Der Bethaus-Verein „Beth Hachneteth", III. Untere Biaductgaffe 13. feiert am 23. Decemb« 1900 um 4 Uhr Nachmittags im Bethause die Einweihung eines Sefer-Thora, welches zum ewigen Andenken an seinen langjährigen, verdienstvollen und unvergeßlichen Rabbiner, Se. Ehrwürden Herrn Jacob Fleißig, von der Judenschaft des Bezirkes gewidmet wurde. Die Schlußschreibung des Sefer-Thora findet am 16. d. M. von 4 bis 6 Uhr Nachmittags in der Bereinskanzlei statt. Wien-Ottakring. Sonntag den 16. December 1900, Nachmittags 4 Uhr, findet im israelitischen Tempel, XVI. Hubergaffe 8. anläßlich des Chanukafestes ein Jugendgottesdienst für israelitische Schulender statt. Nach demselben werden 60 arme israelitische Schulkinder im Ausspeisungshause, XVI. Weyprechtsgaffe 5, von obgenanntem Vereine mit einem warmen Nachtmahle und Mehlspeise betheilt. Daselbst versammelt sich der Gesammtausschuß und der Tempelvorstand und wird vor der Ausspeisung Seine Ehrwürden Herr Dr. I. M. Bach den Kindern die Bedeutung des Chanukafestes erklären und mit denselben das Chanukalicht anzünden. Wien. Am 25. December findet die Wahl in die Vertretung der türkisch-israelitischen Cultusgemeinde statt. Zur Ausscheidung gelangen der Präsident Herr Markus M. R u s s o und Abraham M. Elias. Ferner soll eine Ersatzwahl stattfinden an Stelle des ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Rudolf M a z l i a ch. Diese Wahlen erregen in den Kreisen dieser Gemeinde umso größere Bewegung, als Herr Präsident Ruffo sich veranlaßt gefühlt hat, in einem Rundschreiben an die Mitglieder die Erklärung abzugeben, daß er für die Zunkunft eine Wiederwahl ablehne. Herr Ruffo genießt aber das größte Vertrauen, und in allen Kreisen dieser Gemeinde würde man sein Ausscheiden als einen schweren Verlust empfinden. Mit Recht! Herr Ruffo, welcher seit dem Jahre 1876 dem Vorstände angehört, seit dem Jahre 1883 als Präsident fungirt, hat sich um diese Gemeinde die größten Verdienste erworben. Wir erinnern an den in den Jahren 1885—1887 erfolgten Bau des Prachttempels, welcher, im maurischem Style aufgeführt, eine berühmte Sehenswürdigkeit der Residenz geworden ist. Aber auch die innere Ausgestaltung des Gottesdienstes ist ausschließlich auf seine Jnittative erfolgt, die Berufung des Obercantors Bauer und des Chordirigenten L ö w i t war sein Werk. Das Ansehen der Gemeinde hat er nach jeder Richtung hin gehoben und seine Verdienste um das türkisch-israelitische Gemeindewesen wurden von Sr. Majestät dem Sultan wiederholt anerkannt und ans-

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