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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-14 · 50 (14.12.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
50 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 60 Seile 807 Dr. Bloch's Wochenschrift Gebräuchen und Gesetzen jenes Landes in Einklang stebt, in dem sie leben, wenn er sich jener gebeiligten Erde nnschinicgt. d'e wir als unser Vaterland anbeten. Der sehr verdienstvolle Vorstand der Körösmezöer israelitischen Gemeinde stellte sich begeistert an nniere Seite, er empfing unsere Bemühungen dankbaren Herzens. Und siehe! Die strahlende Sonne der brüderlichen Liebe lacht hervor. In ihrem Glanz spiegelt sich der Geist der Gelehrten; an ihren glühendcir Strahlen wärmt sich ein großer Gedanke: der des inneren Friedens der israelitischen Eonfession. Und indem wir auf unsere hentige Schöpfung blicken und vor uns das Bild der Zukunft auftaucht, fühlen wir. als ob der große nationale Gedanke als Apotheose unser Werk bekränzen würde. Diese Schule, die ich nunmehr ihrer Bestimmung übergebe, sei eine treue Pflegerin jener Ideen, denen sie ihr Bestehen, ihren Ursprung verdankt! Sie verkünde, die reine Lehre unseres Glaubens, ihre erhabenen moralischen Wahrheiten, und sie verkünde hier an der Grenze des Landes die erobernde Kraft des ungarischen nationalen Geistes. Gottes Segen sei ans den gesäeten Samenkörnern, auf dem Boden, der sie anfnahm, auf den Gemüthern, die sie pflegen 1 lind wenn wir im Hochsommer, zur Zeit des Reifens der Saat, wiederkommen, dann sehen wir die Früchte unserer Bemühungen . . ." Nach dieser von begeisterten Eljen-Rufen begleiteten Rede hielten der römisch-katholische Geistliche Ronai, der griechischkatholische Geistliche Bacsinsky und der G.'meindenotar Andreas Kiß herzliche Ansprachen. Agram, 9. December 1900. Eine lebhafte Bewegung geht durch die hiesige Judenschaft; die bisher beobachtete Indolenz schwindet und frisches L den pulsirt in der hiesigen Cultusgemeinde. Seit einer Reihe von Jahren ist die Gemeinderepräsentanz bestrebt, das antiquirte, seit 33 Jahren bestehende Statut einer gründlichen Reform zu unterziehen. Daß es dabei nicht ohne Kämpfe abgehen wird, ist ja naiürlich; niemals sind ja Reformen kampflos entstanden. Die Hauptprincipien, um die es sich bei der Reform des antiqnirten Statu s handelt, sind die Abschaffung der Generalversammlung und eine Art Interessenvertretung durch das Drei-Wahlkörpersystem. Heute Nachmittags fand eine Enquete von ungefähr 50 Personen aus allen Schichten der hiesigen jüdischen Bevölkerung statt, welche sich nach mehrstündiger lebhafter Debatte mit größter Majorität dafür aussprach, daß der vorgelegte Statutenentwurf annehmbar sei; in der Specialdebatte dürfte es wohl noch zu manchen nennenswerthen Aenderungen kommen, aber die Hauptprincipien des Entwurfes können als gerettet angenommen werden. Gl"ichfalls heute fand, wie alljährlich, durch den hiesigen Frauenverein eine Betheilung armer Schulkinder mit warmen Winterkleidern aus der „Helene Prister"-Stiftung statt. Im hiesigen literarischen Jünzlingsverein fand gestern ein von Gästen stark besuchter Vortragsabend statt und hielt der Präses dieses Vereines einen Vortrag über „Sociale Fragen im Lichte der Bibel". Der Vortragende entledigte sich seiner Aufgabe mit viel Geschick und erntete reichen Beifall. Dieser Verein verdient in reichem Maße jenes lebhafte Interesse, welches die gesammte hiesige Judenschaft ihm entgegenbringt. Unter den in den letzten Wochen gehaltenen Vorträgen sind zu erwähnen: „Nathan und Shylock", „Zronlsmus und Antizionismus", „Moses Mendelssohn", „Maimonides", „Die Juden in Rumänien", „UeberAntisemitismus" u. s. w. Die hiesige Studentenschaft, die croatisch fühlt und denkt und sich ausschließlich nur der kroatischen Sprache bedient, zeigt, daß man ein treuer Sohn des Vaterlandes sein kann, daß man dieses Vaterland mit jeder Faser seines Herzens lieben und dennoch dem jüdischen Bolksthum voll und - ganz angehören kann. @in Hanptverdienst um die Schaffung und die Erhaltung dieses Vereines gebührt unserem hochverehrten Herrn Oberrabbiner, der als Pcotector des Vereines allen Sitzungen desselben anwohnt und durch die Betheiligung an allen Vorträgen dem Verein Ziel und Richtung gibt. ..Berlin. Ludwig I a c o b o w s k i, einer unserer begabtesten und ehrlichsten jüngeren Dichter, ist in der Nacht zum Sonntag einem Typhusanfall erlegen. ns t. ^^o^owski war am 21. Jänner 1868 in Strelno geboren. Er hat in Leipzig und Berlin studirt und machte seinen Namen zuerst durch den ausgezeichneten Roman „Werther der Jude" in weiten Kreisen bekannt; vorher hatte er, kaum zwanzig Jahre alt, schon einen Band Gedichte und einige literarwiffenschaftliche Arveiten herausgegeben. Von seinen späteren Werken sind „Loki, Roman eines Gottes", die Novellensammlung „Satan lachte" uno oie Comödie „Diyab der Narr" zu nennen. Besonders am Herzen lag aber Jacobowski, der als Redacteur der „Gesellschaft" in Berlin lebte, in den letzten Jahren die Herausgabe der „Neuen Lieder fürs Volk"; in dieser periodischen Sammlung wollte er den Schatz unserer Dichtung selbst dem Aermsten erschließen, um so dem vernichtenden Einfluß der Colportageromane entgegen zu arbeiten. Es war ein Ziel, das in seinem selbstlosen, träumerischen Idealismus so ganz den Mann zeichnet, der sich das Ziel gesteckt hatte; die stille, grundehrliche und hochstrebende Poetennatur jenes Jacobowski, den die talentvolle Clara Biebig in ihrem Roman „Es lebe die Kunst!" mit nachfühlendem Verständniß zu schildern versucht. Auch mit einer größeren wissenschaftlichen Arbeit war Jacobowski in der letzten Zeit beschäftigt; der erste Band sollte in kurzer Zeit erscheinen. Den „Mittheilungen" des Berliner Abwehrvereines entnehmen wir über den früh verklärten Dichter: Gar Viele pilgerten nach dem bescheidenen Heim Jacobowski's. um sich Rath zu holen, um Anregungen zu empfangen und zu geben. Sein brieflicher Verkehr mit Frauen und Männern aus allen Gegenden des Deutschen Reiches und darüber hinaus nahm einen Umfang an, von dem sich Fernstehende kaum einen Begriff machen können. Es mar das ein Beweis für das fruchtbare Wirken des Mannes. Seine ideal vercuüagte Natur und sein weiches Gemüth machten ihn ungeeignet für die Theilnahme an den garstigen politischen Kämpfen des Tages, mußte» sich abgestoßen fühlen durch eine Bewegung, wie die antisemitische. Aber wie seine Dichtungen dnrchtränkt waren vom socialen Geiste, wie er der Bedrängten und Verfolgten sich jederzeit annahm, so überwand er auch bald die Abneigung. der Bekämpfung des Antlsemitismns seine Kräfte zn widmen. Er stellte sich in den Dienst der guten Sache, für die er bis znm letzten Athemzug ein muthiger Streiter geblieben ist. Die ihm eigene Energie, die nie versiegende Arbeitskraft» die Kunst, auf einem fremden Gebiet sich schnell heimisch zu machen, befähigen ihn, den ihm obliegenden Aufgaben gerecht zu werden. Aber auch außerhalb des Rahmens der Bestrebungen unseres Vereines machte er gegen antisemitische Vornrtheile und Gehässigkeiten Front, trat er mit seiner scharfen Feder, seinem reinen Schilde den Angreifern entgegen. So manchesmal loderte bei dem temperamentvollen Manne der Zorn in Hellen Flammen auf; insbesondere wenn man versuchte, seine und seiner Glaubensgenossen deutsche Gesinnung anzuzweifel». Einen dieser Widersacher, welcher Jacobowski als Mitglied einer Verschwörung jüdischer Literaten denuncirt hatte, hat er noch kurz vor seinem Tode tu einem Artikel hcimgeleuchtet, der in der von ihm herausgegebenen „Gesellschaft" demnächst erscheint. Am Schluß des Artikels heißt es: _ „Ich bin offen, wenn ich sage, daß ich von Jahr zu Jahr solche Polemiken weniger liebe. Unter der Ewigkeit der Gestirne e'n Stündlein spazieren gehen, ein Leid zu eigenem Heil fromm verarbeiten, ein bischen Poesie erleben, und wenn's Gnade ist, auch niederschreiben, seine Kraft in Gelassenheit wachsen lassen und nach bestem Können seiner Nation hingeben, . . es ist wirklich gescheiter und macht innerlicher, als faule Kämpfe mit den Gegnern zn bestehen, deren Waffen nicht ganz mensurrein sind. Ob Herr Bartels mich einen Deutschen nennt oder nicht, ist gleichgiltig. Darüber zu entscheiden, gebe ich Niemandem das Recht. Darüber entscheidet allein das Leben, sein Inhalt und seine Tbaten. Ich erlaube ihm gern, alle meine künftigen Werke — der Himmel segne mich und sie! für Schund zu erklären, es kommt wirklich nicht darauf an. An meiner Thür ist ein Sprüchlein Goethe's angenagelt. Das sage ich mir so oft her, daß es sich wie von selbst hier einstellt: Hätte Gott mich anders gewollt, So hätt' er mich anders gebaut; Da er mir aber Talent gezollt, Hat er mir viel vertraut. Ich brauch' es zur Rechten und Linken, Weiß nicht, was daraus kommt; Wenn's nicht mehr frommt, Wird er schon winken." So hat Ludwig Jacobowski seine Lebensaufgabe aufgefaßt. Magdeburg. Sonntag den 2. December, Mittags, fand in der neuerbauten Aula der jüdischen Religionsschule eine Feier zur Ehrung des ehemaligen Rabbiners Dr. Ludwig Philippson statt, der vom 1. Februar 1834 bis zum 1. April 1862 cfts Rabbiner, Prediger und Dirigent der Religionsschule in der hiesigen Synagogengemeinde segensreich gewirtt hat. Er hatte sich nach seiner im Jahre 1862 eines Augenleidens wegen erfolgten Pensionirung in Bonn niedergelassen, wo er noch nahezu 28 Jahre schriftstellerisch und als Redacteur der von ihm begründeten „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" thätig war und am 29. December 1889 nach vollendetem 78. Lebensjahre — er war am 28. December 1811 in Dessau geboren — starb. Seine vom Bildhauer Charles van der Stappen in Brüssel verfertigte Büste wurde auf Beschluß der hiesigen Gemeindevertretung in der genannten Aula aufgestellt. Zu dieser Feier hatte der Synagogenvorstand die Kinder, Enkel, Neffen, Nichten und sonstige Verwandte Philippson's, sowie die Vorstände der wissenschaftlichen und Wohlthätigkeitsvereine der Gemeinde ei-g^'d"".

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